Feb
28
Ohne heiligen Geist
Februar 28, 2007 | Comments Off
TAZ - Brigitte Werneburg
“Modernity?” Nach den lokalen Kontexten der Moderne fragt das erste von drei Magazinen zur documenta 12, vorgestellt in der Secession in Wien
“Auf der Datenbasis von international 800 relevanten Kunst-, Kultur- und Theoriemagazinen lud Georg Schöllhammer vor eineinhalb Jahren rund 95 Magazine ein, über Motive und Themen der documenta 12 nachzudenken. Herausgekommen ist ein Projekt, das die Magazinredaktionen nicht nur online, sondern auch über Workshops und konkrete Treffen vernetzte, deren Diskussionen nun in mehr als 300 Beiträgen ihren Ausdruck finden. Die Aufsätze, Interviews, Glossen und Bildessays zu einzelnen Künstlern und Kunstprojekten werden in den drei Printausgaben, aber auch im Webjournal der documenta vorgestellt.”
Feb
28
Die Wahrheit des Bildes
Februar 28, 2007 | Comments Off
FR online - Elke Buhr
Wolfgang Tillmans sucht in der Kestnergesellschaft nach dem imaginären Bali und zeigt unser aller Verstrickung auf
“Bali nämlich, so erklärte ein entspannter, freundlicher Tillmans bei der Präsentation der Ausstellung in Hannover, sei für viele Leute in seinem Umfeld einer der letzten Sehnsuchtsorte: eine Chiffre für ein Paradies der Palmen und des weißen Strandes, das Erholung vom urbanen Alltag verheißt. Aber nach Bali zu reisen, bedeute eben gleichzeitig: 16 Stunden in einem Flugzeug zu sitzen und CO2 in die Luft zu blasen; Tourist zu sein in einem Land, in dem Islamisten Bomben geworfen haben; auf eher unangenehme Weise Teil von dem zu werden, was man Globalisierung nennt. Bali sei ein Symbol für unser aller Verstrickung, sagt Tillmans. Und diese Verstrickungen erweisen sich als das eigentliche Thema der Ausstellung.”
Wolfgang Tillmans in der Kestnergesellschaft Hannover bis 6. Mai 2007
Feb
27
Schönheit ist die erste Buergelpflicht
Februar 27, 2007 | Comments Off
SPIEGEL online - Frank Lähnemann
Als Roger M. Buergel zum Leiter der 12. Documenta berufen wurde, war sein Name höchstens Insidern bekannt. Inzwischen baut der Kurator in Kassel ein Luftschloss für 3,5 Millionen Euro und setzt auf Schönheit in der Kunst. Doch was die Ausstellung tatsächlich bringen wird, bleibt sein Geheimnis.
Massenintellektualität - das große Ziel des Roger M. Buergels. Die erste “Buergelpflicht” sozusagen. “Aber das bitte”, so betont er, “nicht mit Hirnwichserei verwechseln. Den Intellekt muss man als gesellschaftliches Phänomen betrachten. Um als Gesellschaft weiterzukommen, braucht man alle Stimmen.” Dafür muss gearbeitet werden - nicht nur im documenta-Team, sondern auch unter dem Publikum.
Buergel, der gern erst einmal zu allem Herkömmlichen “nein” sagt, hat auch angedeutet, dass er mit Kunst sogar in Einkaufszentren gehen möchte. Als Banalisierung der Werke sähe er das keineswegs. “Wenn wir einen Rembrandt im Kaufhaus “Citypoint”‘ aufhängen, würden die Leute schon merken, dass das was anderes ist. Und wenn man gute Mode ins Fenster hängt, glaube ich auch nicht, dass die Leute noch H&M kaufen würden!”
Documenta 12, 16. Juni bis 23. September 2007, Kassel
Feb
26
Ängstlicher Blick in die Wildnis
Februar 26, 2007 | Comments Off
TAZ - Petra Schellen
Nie zuvor gemalte Natur sollte Symbol der unbegrenzten Möglichkeiten sein. Doch die US-amerikanischen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts malten brav an Europa Geschultes, das mit unverstellter Wildnis wenig gemeinsam hatte. Eine Ausstellung in Hamburg illustriert das Dilemma
“Was bleibt also zu sagen zu einer Ausstellung, die das Revolutionäre postuliert und stattdessen zwischen verhalten mahnender ökologischer Perspektive und forcierter Illustration des amerikanischen Mythos changiert? Dass ihre Werke die amerikanische Variante der nordeuropäischen Nationalromantik sind? Dass sie, abgesehen von dem nie zuvor gemalten Motiv, wenig Individuelles zu bieten haben?”
Bucerius Kunstforum Hamburg, bis 28. Mai 2007.
Ausstellungskatalog | NEUE WELT | Die Erfindung der amerikanischen Malerei
Feb
26
Sind so satte Künstler!
Februar 26, 2007 | Comments Off
Sueddeutsche - Thomas Steinfeld
Folgen der Kunst-Förderung
“Die Förderung der deutschen Steinkohle wird spätestens vom Jahr 2018 an nicht mehr vom Staat unterstützt werden, der deutsche Landwirt muss sich zunehmend dem Wettbewerb stellen, in die deutsche Universität ist der Geist der Drittmittelbeschaffung eingezogen. Am prinzipiellen Anrecht der deutschen Kunst darauf, von der öffentlichen Hand gefördert zu werden, aber gibt es keinen Zweifel.”
“Es sind nicht wenige Menschen, die so ihr Auskommen finden - es gibt in Deutschland einen ästhetischen Mittelstand, lauter nicht ganz unbekannte, aber auch nicht ganz bekannte, nicht herausragende, aber auch ganz und gar nicht verächtliche Künstler, in denen die Wirkung der staatlichen Alimentierung von Kunst am deutlichsten zu erkennen ist: in Gestalt von mittleren Angestellten des originellen Einfalls, der treffenden Formulierung, des künstlerisch vermittelten Dabeigewesenseins.”
Feb
24
Mythos Warhol
Februar 24, 2007 | Comments Off
ARTNET - Hubertus Butin
Zum 20. Todestag von Andy Warhol
”In den 1960er Jahren stellte Warhol die Bedürfnisse des Kunstbetriebs und dessen traditionelle Begriffskategorien immer wieder auf höchst radikale Weise in Frage. Mittlerweile, 20 Jahre nach seinem Tod, erscheint die Kunstwelt teilweise konservativer denn je.
Warhol und andere Künstler seiner Generation haben die mythischen und klischeehaften Vorstellungen vom wahren Schöpfertum, unmittelbaren Selbstausdruck und originalen Werk durchschaut, kritisiert und hintertrieben. Heute jedoch – man denke etwa an den Leipziger Malerstar Neo Rauch, seine Sammler und Apologeten – wird wieder munter und nostalgisch das persönlich Handgemachte, genialisch Imaginierte und existentiell Erlittene gefeiert, selbst wenn solche Vorstellungen von echter künstlerischer Rückhaltlosigkeit klischeehaft und schlichtweg naiv sind.”
Feb
24
Lächeln gestattet, grinsen unerwünscht
Februar 24, 2007 | Comments Off
TAZ - Ulf Erdmann Ziegler
Die Kunst des Flimmerns, der Täuschung und der indirekten Bilderzeugung: Die Prolegomena der “Op-Art” sind in einer großen Schau der Frankfurter Schirn zu sehen. Die Dynamik schwarzweißer Felder trifft auf schnaufende Elektromotoren. Und die Junggesellenmaschine macht dazu Faxen
“Dass es der Betrachter sei, der das Kunstwerk vollende, ist ein Gedanke jener Zeit. Stärker aber ist der Glaube an eine dritte Kraft, die weder dem Autor des Werks zuzurechnen ist noch dem Publikum; und diese Kraft ist das Gesetz. Das Gesetz kann verschiedene Formen annehmen: als mechanische Herrschaft, als Prinzip der Täuschung, als analytische Selbstkritik künstlerischer Suggestion. Es ist wie auf dem Poster, das verkündete: “This is the first day of the rest of your life”, eine von Drohung gespeiste Paradoxie. Lächeln war gestattet, Grinsen unerwünscht.”
Schirn Kunsthalle, Frankfurt - bis 20. Mai 2007
Feb
23
Bambi oder Godzilla | 250 Millionen Dollar, Baby
Februar 23, 2007 | Comments Off
FR online - Sebastian Moll
Bambi oder Godzilla: Rechtzeitig zur rauschenden Oscar-Filmnacht polemisiert der Drehbuchschreiber David Mamet gegen Hollywood.
“David Mamet ist zu den Oscars in diesem Jahr weder mit einem neuen Skript noch mit einem neuen Film im Rennen. Und doch ist der für seine Direktheit ebenso geschätzte wie berüchtigte Drehbuchschreiber dieser Tage in Hollywood in aller Munde. Denn Mamet hat sich angeschickt, die große Party der Film-Branche gezielt zu torpedieren. Begleitend zu Hollywoods Selbstbeweihräucherungs-Zeremonie hat er ein Buch auf den Markt gebracht, in dem er über all das ausgiebig redet, worüber das Business lieber schweigt.”
“Mamets Hollywood wird regiert durch Gier, Eitelkeit, Dummheit, Bürokratismus und schiere Gemeinheit. Die Landschaft ist bevölkert von narzisstischen Stars, zynischen Produzenten und korrupten Politikern.”
Feb
22
In Geiselhaft
Februar 22, 2007 | Comments Off
TAGESSPIEGEL - Christina Tilmann
Plädoyer gegen Intoleranz: Die Kestner-Gesellschaft Hannover widmet dem Fotografen Wolfgang Tillmans bis zum 6. Mai eine Einzelausstellung.
“Kunst auf der Höhe der Zeit: Der Fotograf Wolfgang Tillmans versammelt Artikel über den türkischen Völkermord an den Armeniern, über Dani Levys „Hitler“-Komödie, die britischen Reaktionen auf Jörg Friedrichs Zweiter-WeltkriegsBuch „Der Brand“, den Börsengang der Bahn und die NPD-Erfolge in Sachsen. Seine Arbeit „Truth Research Center“, die nun in der Kestner-Gesellschaft in Hannover zu sehen ist, ist ein Archiv der besonderen Art, in Form von Zeitungsartikeln, Zitaten, Internetausdrucken und Fotografien, eine luzide Gegenwartsbeobachtung, ein politisches Manifest. Und eine monumentale Wortmeldung, ein Opus magnum des 38-Jährigen.”
“„In den vergangenen Jahren beherrschten die verabsolutierenden Stimmen der religiös Intoleranten und weltanschaulich Reaktionären den politischen Diskurs. Es sieht so aus, als hätte eine dogmatische Minderheit die Welt in Geiselhaft genommen, während diejenigen, welche die Dinge eher in ihrer Bedingtheit betrachten, ungläubig und ohnmächtig zusehen müssen“, diagnostiziert Tillmans im Katalog.”
TAGESSPIEGEL - Artikel lesen
Wolfgang Tillmans in der Kestner-Gesellschaft Hannover bis 6. Mai 2007.
Parallel zur Tillmans-Ausstellung wird der amerikanische Zeichner Raymond Pettibon gezeigt.
Feb
22
Das Ende der Bescheidwisser
Februar 22, 2007 | Comments Off
ZEIT online - Thomas Gross
Die Allgegenwart von Musik hat die Popkritik in eine Krise gestürzt. Im Streit um »Spex«, einst das wichtigste deutsche Musikmagazin, zeigt sich die Sehnsucht nach alten Verbindlichkeiten. Doch der Kritiker als Stilpapst hat ausgedient.
“Auf Außenstehende muss der im Internet geführte Streit um Spex kurios wirken, denn der Patient lebt ja. Kommende Woche wird die einst wichtigste Musikzeitschrift des Landes mit neuem Gesicht an den Kiosken liegen. Um es gleich zu sagen: Es ist ein optisch ansprechendes, inhaltlich einwandfreies Heft geworden, das beste aller möglichen Spexe. Ansonsten ist in der Sache bloß zu vermelden, dass eine Redaktion durch eine andere abgelöst wurde, nachdem sie den vom Verleger offenbar aus Kostengründen betriebenen Umzug nach Berlin nicht mittragen wollte. Jetzt wird statt aus Köln eben aus Kreuzberg produziert, was die Bedingungen – ganz wenig Leute machen ganz viel Blatt – anbelangt, ändert sich ohnehin nichts. Sachlich indes darf man sich dieser Reprise eines alten Stücks nicht nähern.”


