Mrz
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Eruptionen eines Zen-Meisters
März 31, 2007 | Comments Off
TAGESSPIEGEL - Michael Zajonz
Günther Hornig war in der DDR ein Geheimtipp. Die Galerie Läkemäker hat den einflussreichen Maler neu entdeckt
Der Blick aus dem Fenster macht schlagartig klar, wie aktuell dieser Altmeister ist. Psychedelische Farbexplosionen auf den neuen Bildern von Günther Hornig, der vor wenigen Wochen seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Und vis-à-vis der neuen Räume der Galerie Läkemäker von Johannes Zielke eine Sporthalle, auf deren Wand Street-Art-Aktivisten ihre Tags gesprayt haben. Im Vergleich wirken Hornigs Leinwände frischer, unangestrengter, aber auch provozierender als die Graffitis auf der anderen Straßenseite.
Ein Gradmesser für Jüngere ist er auf jeden Fall. Franz Ackermanns fantastische Farbräume: gegenüber Hornig beinahe blass. Thomas Scheibitz’ knallbuntgeometrische Skulpturen: undenkbar ohne den Älteren, der in Dresden Professor war, als Scheibitz dort studierte.
Galerie Läkemäker, Schwedter Straße 17, 10119 Berlin-Prenzlauer Berg
| bis 21. April 2007
Günther Hornig - Schwunghafter
Mrz
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Tango mit Orange und Eis
März 30, 2007 | Comments Off
FR online - Elke Buhr
“I put a Record on”: Die Avantgarde-Legende Gudrun Gut präsentiert merkwürdig spät ihre erste reguläre Solo-Platte
Sie war als Schlagzeugerin Gründungsmitglied der Einstürzenden Neubauten und etablierte kurz danach mit den Frauenbands Mania D und Malaria die weibliche Seite des deutschen New Wave. In den frühen Videos erscheint sie geradezu als als Ikone des Cool. Der Malaria-Song “Kaltes klares Wasser”, ein herausragender früher Elektronik-Track, wirkte noch als Remix der Münchner Band Chicks on Speed 2001 wie ein Eiswürfel in der lauwarmen Suppe des Neue-Deutsche-Welle-Revivals.
“I put a record on” ist der in seinem Understatement geradezu kokette Titel für diese überaus entspannte Platte - schließlich hat Gudrun Gut in ihrem Leben mehr als nur diese eine Platte aufgelegt. Als Bonustrack ist ein Video darauf versteckt, das Gudrun Gut gemeinsam mit der Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist kürzlich für das Kunstfestival Sonambiente in Berlin produziert hat. “Ich habe Pipilotti Rist vor Jahren bei einem Festival in Kreuzberg kennengelernt, als sie noch in einer Frauen-Punkband spielte. Sie zeigte mir eines ihrer ersten Videos - den “Pickelporno”. Viele Frauen fanden das damals blöd, allein den Begriff Porno zu benutzen. Ich fand die Ästhetik des Films großartig”, erzählt Gut.
Gudrun Gut: I Put a Record on (Indigo).
Promo-Video “Move Me” | für I Put A Record On | 2007
Mrz
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Keine Berührungsängste
März 30, 2007 | Comments Off
ARTNET - Ludwig Seyfarth & Anne Schreiber
Documenta 12-Chef Roger M. Buergel im Interview
artnet: Es entsteht der Eindruck, dass Sie ähnlich wie Catherine David bei ihrer documenta X 1997 nicht unbedingt an Themen der Sub- und Populärkultur interessiert sind. Täuscht dieser Eindruck?
Roger M. Buergel: Es gibt ja sehr viele Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Populärkultur auseinandersetzen, etwa nach dem Politisierungspotential von Pop fragen, worüber es in Deutschland und Frankreich ja sehr starke Debatten gibt, an denen auch Träger der Popkultur, Bands usw., hängen. Das interessiert mich schon sehr.
artnet: Neben der documenta X ist ja vor allem die erste documenta 1955 für Sie eine wichtige Referenz und Sie haben sich intensiv mit den Anliegen befasst, die damals vermittelt werden sollten. Was wäre eine übergreifende „Botschaft“, die sie den Besucherinnen und Besuchern 2007 vermitteln möchten?
Roger M. Buergel: Dass Europa unendlich provinziell ist, dass das westliche Publikum unendlich ungebildet ist. Überall wo man hinkommt, in Asien, in Lateinamerika, wissen die Menschen viel mehr über Europa und seine Geschichte als wir über ihre Traditionen. Ich würde das Publikum gern mit seiner kompletten Ignoranz konfrontieren, mit dem völlig falschen Bewusstsein, noch in irgendeiner Weise Zentrum zu sein. Das könnte eventuell auch ein Mittel sein, aus dieser unendlichen Mittelstandslethargie gegenüber dem Globalisierungsprozess herauszufinden.
Mrz
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Der Traum vom Perpetuum mobile
März 30, 2007 | Comments Off
NZZ - Hans-Joachim Müller
Peter Fischli und David Weiss im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris
Die Kunst ist das eine, die Leute vor der Kunst das andere. Manchmal ist ja viel Scheu da, Respekt, Staunen, auch Scham über die eigene Hilflosigkeit angesichts der befremdlichen Dinge im Raum. Bei Peter Fischli und David Weiss nie.
Am meisten Publikum sammelt sich vor dem Video «Der Lauf der Dinge». Es ist wie ein Sog und ein Bann. Man kann nicht bloss vorbei, schnell hinschauen, schnell weiter. Man will es ganz genau wissen, wohin der ungetüme Pneu auf seiner schiefen Bahn gerät, was für produktives Unheil er gleich anrichten wird. Man muss es einfach wissen und weiss nie genug und kriegt nie genug vom «Lauf der Dinge». Und dass es dafür europäische Spezialausdrücke gibt, dass die einen «The Way Things Go» und die anderen «Le cours des choses» sagen, hindert nicht am wunderbar begrifflosen Verstehen, am sprachunbedürftigen Vergnügen, über dem kaum einer bemerkt, dass die dreissig Minuten längst um sind und der Loop schon wieder von vorne begonnen hat.
Fischli & Weiss. Fleurs & Questions.
Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. Bis 13. Mai 2007.
Film | Ausschnitt | “Der Lauf der Dinge” ( The Way Things Go ) 1987
Mrz
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Rufe aus der Arktis
März 30, 2007 | Comments Off
TAZ - Mart-Knoche
In der Tradition des sozialkritischen Realismus verhandelt die Ausstellung “Cape Farewell - Kunst und Klimawandel” in der Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg die kulturellen Aspekte der Erderwärmung
An den Weckrufcharakter der Ausstellung erinnert alle 28 Minuten ein bebendes Krachen, das alle Räume und Besucher durchfährt. David Buckland, Designer, Filmemacher und Initiator von Cape Farewell, verkündet sodann auf einer etwa vier mal vier Meter großen Videowand das Ende des Eises: Vor einer pittoresken Gletscherlandschaft steht ein gewaltiger, monolithischer Eisblock in der arktischen See, umflogen von kreischenden Möwen. Fast glaubte man, der Brocken würde ewig so stehen bleiben, doch dann, gegen Ende des Films, stürzt er berstend ins Meer - und die halbstündige Sequenz wiederholt sich.
Das Bewusstsein der Menschen wolle er erreichen, sagt David Buckland, dessen Arbeiten in der Getty Collection in Los Angeles, im Metropolitan Museum in New York und im Centre Pompidou in Paris vertreten sind. “Die Wissenschaft identifiziert zwar das Problem, aber die Ursachen liegen tiefer. Der Klimawandel ist ein kulturelles Phänomen.”
Bis 22. April 2007 | Kampnagel Hamburg
Mrz
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Ein Kuss in meine Seele
März 29, 2007 | Comments Off
ZEIT online - Wolf Biermann
Nach langen Querelen ist Wolf Biermann endlich zum Ehrenbürger Berlins ernannt worden. Dies ist seine Dankrede: eine Hommage an tapfere Freunde – und eine Abrechnung mit allen Heuchlern
Ich schaute mir zu Hause in Altona die komplette Liste der 114 Berliner Ehrenbürger an und erkannte in diesem historischen Bilderbogen eine sympathische Tendenz in Richtung zivile Bürgergesellschaft. Im blutigen 20. Jahrhundert hat sich endlich die demokratische Traditionslinie Max Liebermann, Konrad Adenauer, Willy Brandt, Anna Seghers, Helmut Schmidt, Michail Gorbatschow, Marlene Dietrich und Heinz Berggruen durchgesetzt gegen dubiose Ehrenbürger Berlins aus den beiden deutschen Diktaturen. Dick durchgestrichen sind also solche Namen wie Hitler, Goebbels, Göring, Ulbricht und Honecker.
Wie viel nun die Stadt Berlin ausgerechnet ihrem 115. Ehrenbürger verdankt, wissen andere besser als ich. Und wüsste ich es, wäre ich nicht so blauäugig, es offen zu sagen. Was allerdings nicht die Stadt Berlin mir, sondern was umgekehrt: ich der Stadt verdanke, das weiß ich wohl und will es auch freimütig bekennen: Ich verdanke Berlin nicht viel…, sondern fast alles. Nur hier konnte ich der werden, der meiner Mutter einziger Sohn Karl-Wolf in seiner Vaterstadt Hamburg gar nicht hatte werden wollen: der Biermann.
ZEIT - Wolf Biermann´s Dankrede lesen
VIDEO: Ein Kommentar von Karl-Eduard von Schnitzler
( DDR-Heimat-Front-Propaganda-Magazin “Der Schwarze Kanal” )
anläßlich der Verleihung des Mörike-Preises an Wolf Biermann 1991
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Der letzte Winter in Paris
März 29, 2007 | Comments Off
TAZ - Diedrich Diederichsen
Das neueste Alterswerk des mittlerweile 84-jährigen Alain Resnais verheddert sich selbstverliebt in die eigene Symbolik. Die Unbarmherzigkeit aber, mit der am Ende gescheitert wird, versöhnt wieder mit der bekanntlich allzu müden Mittelschicht
“Herzen” entwirft eine Welt von Menschen, die aus der Gegenwart gefallen sind, ohne deshalb an irgendeinem anderen Ort gelandet zu sein. Die nicht ganz taufrische Erzählweise und Charakterschilderung des gehobenen Unterhaltungstheaters eines Alan Ayckbourne weiß viel von diesem unwirklichen Aufenthaltsort einer alternden Mittelschicht, der selbst noch ein richtiges Ressentiment gegen die Gegenwart zu viel Mühe wäre. Immer wieder gibt es kleine Hinweise darauf, dass keiner der Figuren mit der wirklichen Welt noch etwas zu schaffen hat: Es gibt nichts im Fernsehen, das sie ertragen können. Mit äußerster Abscheu berichten sie davon, dass es in der wirklichen Welt Subjekte geben muss, die Rap hören …
Film | “Herzen”. Regie: Alain Resnais.
Mit Sabine Azéma, Lambert Wilson u. a. Frankreich 2006, 120 Minuten
Video-Trailer ansehen (wmv)
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Scheuer Kontakt
März 29, 2007 | Comments Off
FR online - Sandra Danicke
Gleich werden sie sich berühren, aber jetzt noch nicht: Das Museum Wiesbaden zeigt Arbeiten von Rebecca Horn, Trägerin des diesjährigen Alexej-von-Jawlensky-Preises
Tatsächlich ist die zögerlich-zurückhaltende Kontaktaufnahme ein Thema, das Rebecca Horn seit nunmehr bald vierzig Jahren beschäftigt. Damals, während ihres Kunststudiums, arbeitete sie ohne Schutzmaske an Skulpturen aus Fiberglas und Polyester. Sie bekam eine lebensbedrohliche Lungenvergiftung, die einen einjährigen Krankenhaus- und Sanatoriumsaufenthalt zur Folge hatte. Ans Bett gefesselt verspürte sie Sehnsucht nach anderen Menschen: “Ein wahrer Alptraum”, resümierte sie später, “in der Isolation hast du dieses innere Brennen, und die Fantasie spielt verrückt.”
Museum Wiesbaden, Fr.-Ebert-Allee 2 | bis 2. September 2007
Rebecca Horn | Performance:
“Mit zwei Scheren gleichzeitig die Haare schneiden”
| Video 1975
Mrz
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Matthias Schamp mit schräger Konzeptkunst in Kiel
März 29, 2007 | Comments Off
KIELER NACHRICHTEN - Sabine Tholund
“Schamp ist ein verkopfter, versonnener Künstler, dessen Arbeiten mit einem Schmunzeln entstehen”, findet Ulrich Horstmann. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Werkgruppe, mit der Matthias Schamp den Besucher zur Hamsterperformance einlädt.
“Als Kind hatte ich einen Goldhamster”, schreibt Schamp zu dieser Arbeit.
In langen “Sessions” habe er in Erwartung irgendeiner Regung des nachtaktiven Tieres in den Käfig gestarrt “und fast nichts geschah.” Außer, dass sich die Watte im Häuschen leicht bewegte. Durch “eine harte Schule der Wahrnehmung” sei er damals gegangen, doch er habe daraus gelernt, den Erwartungshorizont zu unterschreiten. Als i-Tüpfelchen hat der Künstler neben jedem Hamsterhaus eine Fahne mit unterschiedlichem Aufdruck gehisst, die eine persönliche Haltung des potentiellen Bewohners suggeriert.”Radikal!” steht auf einer Flagge, ein Maiskolben ist auf der nächsten abgebildet, mehrere zeigen ein puscheliges Hamstergesicht. In ihrem Gesamtbild erinnert die seltsame Siedlung im Bonsai-Format an eine Kleingartenkolonie, in der die Bewohner nicht zuhause sind.
KIELER NACHRICHTEN - Artikel lesen
Umtrieb-Galerie, Kiel, Lutherstraße 26. | Bis 5. Mai 2007
Mrz
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Der sprechende Baum
März 29, 2007 | Comments Off
TAZ - Claudia Wente
Vom eigenen Arbeitszimmer zum Raum der vielen Stimmen: In der Ausstellung “A Room of One’s Own” im Kunstraum Kreuzberg nehmen Künstlerinnen mit Virginia Woolf die Begrenzungen ihrer Identität in den Blick
Als Virginia Woolf 1928 an der Universität Cambridge einen Vortrag zum Thema “Frauen und Fiction” hielt, sprach sie statt über Literaturgeschichte zuallererst über die ökonomischen Grundvoraussetzungen, die erfüllt sein müssten, damit Frauen überhaupt künstlerisch arbeiten könnten.
Die von Nanna Lüth konzipierte Ausstellung “A Room of One’s Own / Mehr als ein Zimmer für sich allein - Arbeit/sräume und Geschlecht” im Kunstraum Bethanien führt die Überlegungen der englischen Schriftstellerin weiter. Neun Künstlerinnen aus Berlin und Brüssel erhielten hier je einen Raum zur Gestaltung.
bis 15. April 2007, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, Berlin,
täglich 12-19 Uhr

