Apr
30
Von torkelnden Häusern und fetten Autos
April 30, 2007 | Comments Off
TAZ - Petra Schellen |
Er bläht Menschen und Gegenstände bis zur Unerträglichkeit auf, lässt Museen schmelzen und stellt Autos auf Filzstifte: Der österreichische Künstler Erwin Wurm, der vor allem durch seine absurden “One-Minute-Skulpturen” bekannt wurde, zeigt in den Hamburger Deichtorhallen eine Retrospektive
Ob aber die Ausstellung und ihre Einfälle die nächste Dekade überleben werden, weiß man nicht. Denn so bezwingend jede einzelne Idee auch ist: Es macht einen Unterschied, ob man eine Situation, Skizzen produziert oder eine ganze Schau, die mehr roten Faden braucht als verschiedene Spielarten derselben Idee. Aber vielleicht ist die Kurzlebigkeit dieser Ausstellung gewollt. Vielleicht ist sie als Skizzen-Sammlung gedacht. Als Spot auf die Postmoderne, deren Vergänglichkeit sie kritisiert und zugleich kopiert. Revolutionär ist das nicht. Effektiv in Richtung One-Show-Publikum auf jedem Fall.
Erwin Wurm | bis zum 2. 9. in den Hamburger Deichtorhallen
siehe auch Das lächerliche Leben eines ernsten Mannes | Kunstschau Hamburg 4.2007
Apr
30
Kampf um die Kiste
April 30, 2007 | Comments Off
TAGESSPIEGEL online - Nicola Kuhn |
Documenta, Biennale, Skulpturen in Münster, Art Basel: Der Kunstsommer wird groß – und bricht alle Rekorde
In den kommenden Wochen hat sich die Kunstwelt offenbar vorgenommen, sämtliche Ausstellungsrekorde zu brechen. Am 10. Juni eröffnet in Venedig die 52. Kunstbiennale, drei Tage später beginnt die Art Basel, am 16. Juni startet die Documenta 12 in Kassel, einen Tag später in Münster die internationale Großausstellung „Skulptur Projekte“. Als kleine Konkurrenz zu Münster haben sich ab 25. Mai in Hannover die drei Ausstellungshäuser der Stadt für die Schau „Made in Germany“ zusammengeschlossen.
Mit dieser Kollision der Ereignisse scheint der Kunstbetrieb an dem Punkt angekommen, auf den er sich in den letzten Jahren immer schneller zubewegt hat: die völlige Inflation von Großausstellungen, Messen, Biennalen, die endgültige Überdrehung des Booms, der Ausverkauf eines eigentlich auf individuelle Betrachtung, ja Besinnung angelegten Guts.
Apr
29
Free Jazz und Fluxus
April 29, 2007 | Comments Off
BR Alpha - Jürgen Jung |
Peter Brötzmann (sax, cl) ist - zusammen mit Haakon Berre (dr), Adam Pultz Melbye (b) - am Freitag, den 4. Mai 2007 zu Gast im Jazzklub Stellwerk Hamburg-Harburg

Brötzmanns Plattenveröffentlichung Machine Gun (1968) gilt für die Freunde des Free Jazz als eines der provozierendsten Werke der modernen Jazzgeschichte Europas.
Jürgen Jung im Gespräch mit Peter Brötzmann 6.3.2006
Jung: Es kam zu Beginn der sechziger Jahre zu einer Kunstbewegung, die sich gerade in Wuppertal stark zur Geltung gebracht hat, nämlich zur Bewegung des “Fluxus”. Ich habe gelesen und Sie können das sofort bestätigen oder verneinen, dass Sie zur damaligen Zeit sogar einmal Assistent von Nam June Paik gewesen seien, der soeben in Florida verstorben ist. Die Fluxus-Bewegung hat ja eine ziemlich bedeutsame Rolle gespielt in der Entwicklung der Kunst in unserem Lande – und wohl auch speziell für Sie, wie ich annehme.
Brötzmann: Das war tatsächlich ein ganz, ganz wichtiger Teil meines Lebens. Es gab damals in Wuppertal diese wunderbare Galerie, die “Galerie Parnass”. Paik, der damals gerade aus allen deutschen Musikhochschulen rausgeflogen war, ließ sich in der Nähe von Köln nieder. Er hatte dort eine Garage, in der er all seinen elektronischen Krempel stapeln konnte, und eine deutsche Hausfrau, die ihm Bratkartoffeln machte. Seine erste große Ausstellung hatte er dann tatsächlich in der “Galerie Parnass”. Da ich ohnehin immer dort herumhing und der Galerist Jährling ein paar Leute brauchte, die bei dieser Ausstellung halfen, kam ich zu diesem Job. Das war, wie ich allerdings erst im Laufe der folgenden Jahrzehnte gemerkt habe, doch eine ungemein wichtige Zeit für mich. Denn Paik war schon ein ganz, ganz bedeutender Mann. Es ist wirklich ein Verlust, dass er nicht mehr da ist.
Jung: Er war ursprünglich Musiker gewesen und hatte sich dann zu einem so genannten Medienkünstler weiterentwickelt. Die Grenzen zu sprengen war sozusagen sein Programm.
Brötzmann: Als ich ihn getroffen habe und die Freude hatte, für ihn zu arbeiten, war er noch mit allerlei musikalischen Installationen beschäftigt, also mit präparierten Klavieren, Schallplatten-Schaschlikspießen usw. Das waren alles so kleinere, technische Geschichten. Und die ersten Fernseher standen bereits herum bei ihm. Ich bin nicht sicher, ob er wirklich schon wusste, was er da machte, wenn er an den Fernsehern herumfummelte,
aber das war der Anfang seiner großen “Fernsehkarriere”.
Jung: Was haben Sie da mitgenommen für Ihre Musik? Was hat Ihnen das vermittelt?
Brötzmann: Nun, das Ganze ging ja noch ein bisschen weiter. Auch Joseph Beuys war ziemlich oft dort in diesem Haus. Ich hatte auch die Ehre, ab und zu bei ihm in Kaiserswerth im Studio sein zu dürfen. Beuys war also die andere Figur. Während Beuys ein sehr charismatischer Mensch war, war Paik eine kleine, dünne Figur, ganz bescheiden, mit einem ziemlich faszinierenden Lächeln, aber ganz ruhig und wirklich ganz bescheiden. Wenn jedoch Beuys im Raum war, dann gab es nur noch Beuys und sonst nichts mehr.
Ich muss sagen, dass mich Paik letztlich doch mehr fasziniert hat. Aber diese Beuys-Geschichten in der Akademie in Düsseldorf z. B. waren schon sehr lehrreiche Stücke für mich. Hinzu kam noch, dass Stockhausen mit einem Regisseur namens Caspari in Köln ein kleines Theater aufgemacht hatte. Es hatte den Namen “Theater am Dom”. Dort gab es allerlei Aufführungen: theaterartige Aufführungen, aber auch Aufführungen in der Art von Happenings. Ich habe dort Stockhausen gesehen, David Tudor, Nam June Paik oder auch jemanden wie Mary Bauermeister. Das war insofern eine lehrreiche Geschichte, weil sich ja Jazzmusiker gewöhnlich nur innerhalb bestimmter Grenzen bewegen. Denn auch die Arbeit für Paik, die Begegnung mit Beuys und, in den frühen Jahren, auch diese Stockhausen-Erlebnisse waren schon eine sehr lehrreiche Angelegenheit. Auch Ligeti war damals für mich ein ganz wichtiger Mann. All das war schon auch eine Öffnung der Hörgewohnheiten und der Sinne im Allgemeinen, sodass ich irgendwann dachte: “Wozu brauche ich diese 32 Takte, wozu brauche ich Harmonien? Wozu brauche ich das alles? Nein, schauen wir doch mal, was anders möglich ist!” Und dann fing diese Reise an, auf der ich mich immer noch befinde: Ich möchte herausfinden, was ich will, was meine eigenen Möglichkeiten sind.
Das BR-Alpha-Gespräch zum Nachlesen
Peter Brötzmann, Haakon Berre und Adam Pultz Melbye
Freitag, 4. Mai 2007 ab 21 Uhr | Jazzklub Stellwerk Hamburg-Harburg
Apr
28
Hier kommt das Licht
April 28, 2007 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU HAMBURG | Jens Ullheimer |
Der chinesische Maler Xie Nanxing ist inoffizieller Documenta12-Teilnehmer. Ein KurzPortrait.
Xie Nanxing ( 3. von rechts ) zusammen mit seinem Schweizer Galeristen Urs Meile vor einem seiner Bilder im Kunstverein Harburger Bahnhof 2005.
Einem Artnet-Artikel vom 26.4.2007 zufolge, ist der chinesische Künstler inoffizieller Documenta12-Teilnehmer.
Im deutschsprachigen Raum ( Schweiz ) ist Xie Nanxing schon länger präsent. Der 1970 geborene Liebhaber wandfüllender Formate wird seit einigen Jahren in Europa herumgereicht: u.a. 1999 Biennale Venedig - 2002 “Painting on the Move” Basel/Schweiz - 2004 “All under heaven - China now” MuHKA Museum Antwerpen/Belgien.
2005 gab es die erste Einzelausstellung in Deutschland. Im Kunstverein Harburger Bahnhof (Hamburger Süden) präsentierte der damalige Kurator und Hamburger Galerist Matthias Güntner (artfinder) den chinesischen Shooting-Star als Überraschungscoup.
Nanxing arbeitete bislang mit Fotos/VideoStills und malte diese ab. Die so entstandenen Bilder wirken wie Projektionen von Dias auf eine große Leinwand. Die Malerei kommt wie ein LSD-Trip daher - von Photorealismus bis hin zu träumerisch milchig verklärten psychedelischen TV-Stills. Er behandelt die Leinwand wie einen allmählich zu belichtenden Film.
“Zeit ist wie der Belichtungsprozess eines Bildes”, so der Künstler. “Beim Malen dringe ich langsam in die Dinge ein, um schließlich bis zu ihrem Herzen vorzustoßen, wie Licht auf einem Film. Ich male ein Bild auf dieselbe Weise, wie man ein Foto aufnimmt, auf diese Art bekomme ich am meisten Information.” (1)
“Die Farben der Impressionisten sind das Licht”, so Xie. “Das ist interessant, denn sie wussten, dass Licht das Wichtigste ist. Wir müssen uns im Inneren des Lichts umsehen, nicht außerhalb davon. Wenn Licht abgebildet wird, hat es längst alles ausgedrückt, man braucht nichts weiter zu malen.” (1)
“Auch ich benutze Farben, um Licht darzustellen, aber meine Helligkeit ist eine seltsame. Farbe ist bei mir wie ein Filter, sie wirkt wie ein synthetisches Licht, das die Objekte von innen erleuchtet und ihr Aussehen künstlich verändert. Dieses Licht bin ich; es ist, als würde ich mich selbst malen.” (1)
(1) Zitate auf Grundlage des Textes “Ontology of delay” von Nataline Colonnello, aus dem Englischen übersetzt von Olga Radetzkaja
Xie Nanxing | Galerie Urs Meile
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Kassel, bis 23. September 2007
siehe auch
weitere archivierte Beiträge
zum Thema DOCUMENTA
Apr
27
Die Triebkraft Wut
April 27, 2007 | Comments Off
TAZ - Tim Ackermann |
Von Vietnam in die Banlieue: Das 3. Gallery Weekend Berlin verspricht die Rückkehr politischer Kunst
Dash Snow scheint der Pete Doherty unter den Künstlern zu sein, die Medienmeute konzentriert sich nur noch auf sein Privatleben. Man hört einiges: Er ist der Spross einer Milliardärsdynastie und hat den Kontakt zur Familie abgebrochen. Ein ehemaliger Sprayer und passionierter Drogenkonsument, der als Erfinder der “Hamsternester” gilt - verwüstete Hotelzimmer, in denen man nackt herumliegt und so lange bewusstseinsverändernde Drogen konsumiert, bis man sich wie ein Hamster fühlt.
Dash Snow | Polaroid Serie ansehen ( mehr als 70 Fotos )
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Vier Tage Mekka
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Die führenden Berliner Galerien zeigen der Stadt und der Welt, was sie zu bieten haben
Eine Initiative wie das “Gallery-Weekend” zieht natürlich Kreise. So haben auch viele Galerien, die nicht im Programmheft verzeichnet sind, ihre Vernissagen auf diese Tage gelegt und halten die Räume am Sonntag geöffnet. Einmal mehr zeigt sich: Privater Gründergeist und Risikobereitschaft sind die Stärke der Berliner Kultur. Ohne sie hätte die Kunst aus dieser Stadt seit der Wiedervereinigung nicht ihre Weltgeltung erlangt.
BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen
Apr
27
Du bist Guantanamo
April 27, 2007 | Comments Off
TAGESSPIEGEL online - Achim Fehrenbach |
Militarismus, Polizeistaat, Überwachung: Der Rapper El-P entwirft mit seinem neuen Album “I’ll sleep when you’re dead” ein apokalyptisches Bild der Gesellschaft.
Wer sich auf dieses Album einlässt, der wird verschluckt, wird hinabgerissen in einen dunklen Schlund. Im freien Fall rauschen Szenen urbaner Gewalt vorbei, Szenen aus Guantanamo, marschierende Soldaten, Maschinen: ein Bilderreigen endzeitlicher Düsternis.
Hier gibt es keinen Boden der Tatsachen, auf dem man landen könnte. Musik ohne Fallschirm, aber mit der Option, wieder und wieder zu springen.
Für “Flyentology” tat sich El-P mit “Nine Inch Nails”-Sänger Trent Reznor zusammen, und auch die meisten anderen Stücke sind Kooperationen. Dennoch trägt das Album ganz dick den Stempel von Mastermind El-P, nicht zuletzt wegen seines unwiderstehlichen Flows. Bei aller Hässlichkeit, Kälte und Gewalt strahlt “I’ll sleep …” eine dunkel leuchtende Schönheit - und gehört schon jetzt zu den wichtigsten Hip-Hop-Alben des Jahres.
VIDEO PROMO | Flyentology | für ”I’ll Sleep When You’re Dead” 2007
Apr
26
Das lächerliche Leben eines ernsten Mannes
April 26, 2007 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Deichtorhallen |
Umfangreiche Retrospektive mit Arbeiten Erwin Wurms. Der österreichische Künstler stellt in der nördlichen Deichtorhalle Hamburg auf annähernd 4000 qm Fläche seine ironischen Skulpturen und Fotografien aus.
Für Wurm, der heute zu den erfolgreichsten Gegenwartskünstlern zählt, kann alles zur Skulptur werden: Handlungen, geschriebene oder gezeichnete Anweisungen oder selbst ein Gedanke. Seine Kunst handelt vielfach von den ganz banalen, elementaren Lebensbedürfnissen und –abläufen sowie von deren Perversionen, die in Wurms Werken in physischen Deformationen zum Ausdruck kommen können. Der Künstler thematisiert Schlankheitswahn und Fettsucht, Mode, Werbung und Konsumkult, zu dessen zentralen Fetischen das Eigenheim und auch das Auto zählen.
In seinen wundervoll doppelbödigen, nur auf den ersten Blick witzigen One Minute Sculptures nimmt Erwin Wurm den Skulpturbegriff wörtlich und dekonstruiert ihn dabei; sein Fat Car oder das Fat House üben auf geistreiche Weise Konsumkritik und erschließen sich dennoch sofort. Unerschrocken manipuliert und deformiert Wurm seine melancholisch wirkenden Protagonisten, deren paradoxe Aktionen, groteske Grimassen oder strapaziöse Posen grundsätzliche Fragen nach Normalität, Sinn oder Unsinn künstlerischer Konventionen wie menschlichen Handelns stellen.
Im Zentrum der Ausstellung stehen die raumgreifenden Skulpturen aus der FAT- Serie, die neuen Arbeiten wie „Truck” (2005), „Telekinetically bent VW-Van” (2006) und „The Artist who swallowed the world” (2006). Eigens für die Deichtorhallen hat Erwin Wurm eine spektakuläre neue Arbeit geschaffen, die die Wiener Arbeit von 2006 „House Attack“ weiterführt: Die Welt eines 9 x 5 x 5 m großen Einfamilienhauses ist aus den Angeln gehoben und steht wortwörtlich in den Deichtorhallen Kopf.
Skulpturale Träume
“Ganz gleich ob Erwin Wurm Anleitungen zu politischer Unkorrektheit verrät, Lkws verbiegt, einen Porsche bis zur Unbenutzbarkeit anschwellen und Häuser sprechen lässt - er scheint sich seine Kindheitsträume verwirklicht zu haben. Die Qualität seiner Werke liegt darin, dass sie überraschen und zunächst ohne die übliche Kommentarbedürftigkeit zeitgenössischer Kunst auskommen.” (TAZ | Jaqueline Rugo 11.2006 anlässlich der Wurm Retrospektive in Wien 2006, die jetzt leicht geändert nach Hamburg gewandert ist)
VIDEO
ORF - TV - Reportage | Erwin Wurm, MUMOK Wien 2006
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Erwin Wurm durch das untenstehende
VIDEO der Gruppe “Red Hot Chili Peppers” zu ihrer Single “Can’t Stop” im Jahre 2003 bekannt. Im Abspann werden Wurms “One Minute Sculptures” als Inspiration angegeben.
Deichtorhallen Hamburg | bis 2. September 2007
Apr
26
Der unsichtbare Feind
April 26, 2007 | Comments Off
SUEDDEUTSCHE - Holger Liebs |
Das Gemälde “Guernica”, Picassos Vision des Leidens, besitzt noch siebzig Jahre nach seiner Entstehung eine ungeheure Strahlkraft. Es wurde über die Jahre zum wirkungsmächtigsten Symbol menschlicher Passion im Bombenhagel.
Im Jahr 1944 besucht ein deutscher Soldat Picassos Atelier in der Rue des Grands Augustins in Paris. An der Wand hängt eine Reproduktion von “Guernica”. Der Uniformierte fragt den Maler: “Haben Sie das gemacht?”. Picassos Antwort: “Nein, Sie!” Diese Schuldzuweisung, von “Newsweek” überliefert, zeigt den Künstler im Besitz einer Wahrheit, die imstande ist, Diktaturen, Propagandaschlachten und die Grausamkeit des Krieges zu überdauern.
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WELT online - Ulrich Baron
Die Geschichte von Picassos “Guernica”
Die baskische Stadt Gernika ist 1937 durch einen deutsch-italienischen Luftangriff völlig zerstört worden. Als der spanische Maler Pablo Picasso davon erfährt, malt er das riesige Bild “Guernica”, das sterbende Menschen und Tiere zeigt. Gijs van Hensbergen erzählt die Hintergründe.
In einem Gespräch mit dem Fotografen Brassaï sagte Picasso über seine Landsleute, „dass die Spanier Gewalttätigkeit und Grausamkeit lieben; sie sehen gern Blut, sie wollen Blut sehen, Blut vergießen; Blut von Pferden, Blut von Stieren, Blut von Menschen“. In „Guernica“ greift Picasso auf seine Stierkampfszenen und Minotauromachien zurück, in deren realen Vorbildern das Pferd als wehrloses Opfer des Stieres auftrat, der es mit seinen Hörnern zerfleischte und ausweidete. Die Flammen der brennenden Häuser von „Guernica“ beleuchten eine Urszene, die weit hinter die Bilder des modernen Bombenkrieges zurückgeht.
Apr
26
Die Farbe und der Faltenwurf
April 26, 2007 | Comments Off
TAZ - Kito Nedo |
Es liegt am Betrachter, wie viel er sieht: Gerwald Rockenschaub, prämiert mit dem Fred-Thieler Preis für Malerei, in der Berlinischen Galerie
Seit bekannt wurde, dass der Künstler auch bei der diesjährigen documenta 12 in Kassel dabei ist, munkelt die Kunstszene nun erwartungsvoll von “spektakuläreren Arbeiten”, für die ihn sein Landsmann Roger M. Buergel eingeladen habe. Doch Rockenschaub wiegelt ab: “Da sind verschiedene ältere Arbeiten von mir zu sehen, speziell für die documenta fertige ich nur eine Arbeit an.”.
Gerwald Rockenschaub, Berlinische Galerie,
| bis 20. August 2007
Apr
26
Im Dschungelcamp | OPER EXTREM
April 26, 2007 | Comments Off
TAGESSPIEGEL - Michael Laages |
Wie ein Ufo ließen anno 1896 die Gründerzeitler aus der Alten Welt im brasilianischen Manaus eines der vielleicht schönsten Opernhäuser der Welt landen, als sei es ein Stück Heimat. Später kamen Werner Herzog und Klaus Kinski mit „Fitzcarraldo“.
„Ein ganz früher Fall von Disneyland“, sagt Christoph Schlingensief über das Opernhaus und lässt im letzten Bild der Inszenierung „O Navio Fantasma“ (wie „Der Fliegende Holländer“ hier heißt) ein altes Flussboot vom Amazonas gen Nirgendwo tuckern; an Bord spielt die Geisterkapelle Richard Wagners Musik. Mit diesem wahrhaftigen Traumbild – wie unendlich viele Filmseqenzen zuvor auf den Gazevorhang projiziert, der jetzt über der Bühnengeschichte vom untotunsterblichen Seefahrer fällt – zwingt der Regisseur und Visionär noch einmal all die Überblendungen zusammen, die sein brasilianisches Abenteuer prägen.
Schlingensief fackelt mit selbst gefertigten Filmen wie auch mit klassischen Sequenzen von Man Ray, Pasolini oder dem deutschen Avantgardisten Oskar Fischinger ein Assoziationsfeuerwerk ab, das jeden überfordern muss, ihn selber eingeschlossen.

