Mai
7
Daniel Richter | Retrospektive
Mai 7, 2007 |
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Hamburg |
Die retrospektiv angelegte Hamburger Werkschau zeigt über 50 großformatige Bilder und erstmals eine größere Auswahl aus den mehr als 400 kleinen Formaten, die Richter als Ideenskizzen und Tagebuch dienen.

In seinen großformatigen Ölgemälden verschränkt Richter kunsthistorische, massenmediale und popkulturelle Versatzstücke zu eigenwilligen, erzählerischen Bildwelten. Die Ausstellung gibt erstmals einen Überblick über zwölf Jahre malerischen Schaffens und entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler. Daniel Richter studierte bei Werner Büttner an der Hamburger Hochschule für bildende Kunst und arbeitete als Assistent von Albert Oehlen. Zunächst entstanden abstrakte Gemälde, deren farbstarker, psychedelisch anmutender Formenkosmos sich zwischen Graffiti und verschlungenen Ornamenten bewegt. Pünktlich zum Jahrtausendwechsel kam Richters persönliche „Wende“ vom abstrakten Geflecht zum menschlichen Körper. Seitdem arbeitet er ausschließlich figurativ.
Die meisten von Daniel Richters Werken sind Vexierbilder, die der Betrachter mit seinem Wissen und seinen Vorstellungen von Politik und Popkultur auffüllt.
VIDEO | Vernissage 3. Mai 2007 | Hamburger Kunsthalle
Klick auf Bild startet Video (wmv) | Jens Ullheimer | netsamurai hamburg
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Gruß an George Clooney
FR online - Elke Buhr
Bewusst wollte Daniel Richter in dieser Ausstellung nicht die “Meisterwerke” zeigen, sondern Prozesse, Zusammenhänge, Scheitern inclusiv; deshalb bezieht er auch erstmals eine Auswahl seiner kleinformatigen malerischen Skizzen mit ein, die manchmal Ergänzungen, manchmal Vorstudien, manchmal Radikalisierungen seiner Ideen sind. Nicht zuletzt mit diesen sinnvoll eingestreuten Kleinformaten gelingt es ihm und dem Kurator Christoph Heinrich, aus der Ausstellung keine Best-Of-Show, sondern eine visuelle Erzählung zu machen. Die Ausstellung beschleunigt und stoppt ab, sie hat Rhythmus und Tempo, wie Richters beste Tableaus auch.
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JETZT | SZ Magazin - Till Briegleb
Erschöpfte Superhelden im Science-Fiction-KZ: Die giftig-glühenden Geschichtsbilder von Daniel Richter in einer Hamburger Retrospektive
Richters Bilder stecken ähnlich wie die seines mehr romantisch veranlagten Antipoden und Freundes Neo Rauch voller Rätsel, sie collagieren unterschiedlichste Bezüge, suchen nach symbolischer Aufladung, die sich aber in absurden Widersprüchen wieder selbst entkräftet. Doch so beziehungsreich sie auch komponiert sind, im Zentrum der Bilder stehen eigentlich immer Angst- und Gewalterfahrungen, oft entwickelt aus historischen Hintergründen.
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TAGESSPIEGEL online - Nicola Kuhn
im Gespräch mit Daniel Richter
Ich verbreite gerne Binsenweisheiten
Im Moment wird Ihre Arbeit stark als politische Malerei diskutiert. Wie sehen Sie sich selber?
RICHTER: Ich bin gewiss kein moralischer Maler. Der Unterschied zwischen mir und einer Generation von Malern, die das Politische zum Thema hatten, besteht darin, dass es diese Gut-Böse-Konstellation nicht mehr gibt. Mir geht es um die Politizität der Bilder, was sie auflädt mit Bedeutung. Die Schilderung von Richtig und Falsch interessiert mich nicht. Dazu ist die Wahrnehmung von Bildern zu komplex, wie das Leben insgesamt. Es ist auch nicht die Aufgabe von Malerei, Wahrheiten zu verbreiten. Ich als Privatier verbreite gerne großartige Binsenweisheiten. Aber ich hoffe, man sieht meinen Bildern an, dass sie das nicht tun.
Gemeinsam mit Jonathan Meese und Neo Rauch gehören Sie international zu den gefragtesten deutschen Malern. Wie erklären Sie sich das Interesse?
RICHTER: Wahrscheinlich ist das nur temporär, übermorgen sind es drei andere. Interessant ist daran, dass es deutsche Malerei ist, aufgeladen mit Geschichtlichkeit. Bei Jonathan geschieht dies in der Form von Irrsinn, von Entwertung, bei Neo in der Form von Traum und konservativem Gedenken. Meine Bilder sind eine Schrottvariante des negativen Historienbildes. Ich halte mich noch für den am wenigsten deutschen Maler in diesem Trio.
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Der Schleiertänzer
ZEIT online - Hanno Rauterberg
Kaum ein Maler ist so erfolgreich wie Daniel Richter. Jetzt zeigt sich in der Hamburger Kunsthalle, ob er zu Recht gefeiert wird.
Worum es in den Bildern geht, bleibt oft unklar. Auch der Katalog ist nur wenig hilfreich, er überlässt es allein dem Betrachter, sich auszumalen, was ein weißer Gorilla im Rollstuhl mit einem langnasigen schwarzen Maskenmann zu tun haben könnte. Darin liegt eine Freiheit: Jeder Betrachter ist sein eigener Regisseur und schiebt die kauzigen Gestalten frei über die Bildbühne seiner Imagination.
Aber spätestens im zweiten Saal der Ausstellung erlahmt die spekulative Fantasie. Zu oft malt Richter ähnliche Szenerien, zu traumverloren bleiben die Figuren. Am Ende wirkt seine Kunst wie ein psychedelisch aufgepeppter Impressionismus, eine Stimmungsmalerei, die vor allem Melancholie, Inferno, Depression heraufbeschwört.
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VIDEO | Daniel Richter | Portrait | Polylux 2007
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Daniel Richter | Hamburger Kunsthalle | bis 5. August 2007
| bis 5. August 2007_______________________________________________________________
Katalog | Daniel Richter - Die Palette 1995-2007 |
242 Seiten, 60 ganz- und doppelseitige und ca. 163 kleinformatige Abbildungen
H 32,0 x B 24,0 cm, Gebunden mit Schutzumschlag
»Realität – das ist, wo unsere Träume herkommen. Ich würde sagen, dass die Malerei die Fortsetzung der Realität ist, nicht des Traums.« Daniel Richter
Erster groß angelegter Übersichtsband mit Abbildungen von Arbeiten aus allen Schaffensphasen.
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Daniel Richter | WebSite mit Galerie | Arbeiten 1999 - 2006/07
siehe auch Die meisten Maler sind doof | FAZ | Interview von Peter Richter 4.2007
Comments
2 Comments so far


Respect for your gravity of soul.I AM PAINTER TO
Complimenti, Daniel Richter! Das tut richtig gut, dass du die Dinge auf den Punkt bringst. Würde dich gerne mal in Aktion sehen, im Atelier oder auf irgendeiner Aftershowparty. Vielleicht schickst du mir mal eine Einladung. Ich glaube in der heutigen Zeit begreifen die Leute die politischen Widersprüche und gewalttätigen Auseinandersetzungen erst über die Verbildlichung - aber gleichzeitig ist es auch eine Verblendung - denn es geht ja um die etablierte, verkorkste Gesellschaft, die für diese Bilder zahlen und das ist auch eine doppelte Widersprüchlichkeit und das schafft eine umgekehrte Illusion: die Illusion des angeblichen und verlogenen Aufgeklärtseins dieses hochrangigen Kunstsammlertums.
Aber trotzdem: Danke, das du mit deiner Kunst Politik machst und abschreckst, statt zu verscheiern!
Mit künstlerischem Gruss
Doya Nolte