Skulptur Projekte Münster 2007

Juni 5, 2007 | Comments Off


skulpturprojekte2007.jpgKunst braucht kein Label |

TAGESSPIEGEL online - Gespräch von Nicola Kuhn
mit Kurator Kasper König (Skulptur Projekte 2007) |

Wo öffentlicher Raum zusammenschrumpft: Kurator Kasper König über Großausstellungen, Eventkultur und die Menschenwürdigkeit von stillen Örtchen.

Wir verhandeln die zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raums und die Funktionalisierung von Kunst … Die Skulptur Projekte sind gerade kein i-Tüpfelchen für Stadtmarketing oder Eventkultur, sondern die Ausstellung will aufklären.

Die Skulptur Projekte befassen sich diesmal mit dem Thema Stadt als Marketingprodukt. Wie können Sie sich dem selbst als Werbeobjekt entziehen?

Es wurde sogar der Wunsch geäußert, die Skulptur Projekte alle fünf Jahre stattfinden zu lassen. Aber dieses As haben wir uns nicht aus dem Ärmel ziehen lassen Der Dekadenrhythmus ist entscheidend, weil die Relevanz der Ausstellung sich ohnehin erst in den darauf folgenden fünf bis sechs Jahren zeigt. Vor einigen Jahren hat sich das Stadtparlament in Hinblick auf die Ausstellung auch nicht zu diesen idiotischen Maskottchen überreden lassen, diesen Bären, Kühen oder Schafen, bei denen Kunst auf dem niedrigsten Niveau dazu benutzt wird, um eine konsumfreundliche Atmosphäre zu schaffen und indirekt den öffentlichen Raum zu privatisieren.

TAGESSPIEGEL - Gespräch lesen

____________________________________________________________

Vom Suchen und Finden der Dinge

BERLINER ZEITUNG - Carmen Böker

Die “Skulptur Projekte 07″ machen ganz Münster zum Freiluft-Museum der 106 Tage

Nicht wenige der für 2007 eingeladenen Künstler agieren defensiv, favorisieren - um beim Namen zu bleiben - versteckte Projekte (besonders gern Klang- und Filminstallationen) an Stelle sich öffentlich direkt ausliefernder Skulpturen. Eher grimmig erinnert man sich an Königs Euphemismus vom “Ostereiersuchen”, wenn man wieder mal bei heftigem Eröffnungsregen in Zweigstellen von Finanzämtern herumsucht, matschige Abseiten durchquert und in Parks die am wenigsten abwegige Richtung anpeilt.

Ohnehin meidet das Kuratorenteam die diesem Unternehmen zu Grunde liegende Begriffsbildung von der “Kunst im öffentlichen Raum”, da er nur “kunsthistorisch” noch zu gebrauchen sei.

Die Diskussion dreht sich dennoch um eigentlich seit Jahrzehnten gleich gebliebene Begrifflichkeiten wie “Partikularinteressen” und “Selbstermächtigungen”, um die Frage also, wie käuflich der städtische Raum geworden ist - und einige der beteiligten Künstler debattieren da schon etwas länger mit.

BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen

______________________________________________________________

arte-television-europe

 

Skulptur Projekte | Münster | 2007
| VIDEO-Reportage ansehen (real video) ARTE.TV-Kultur

______________________________________________________________

Pferdeapfel, Petting-Zoo und ein Schredder

SPIEGEL online - Nicole Büsing und Heiko Klaas, Münster

Für alle, für alle Fälle: Bei der Skulptur Projekte mischt sich anders als bei Biennale und Documenta Kunst unters Volk - auf Plätzen, in Garagen oder sogar auf öffentlichen Toiletten. Ein Streifzug durch die Stadt, die voller Ideen steckt.

In Münster findet Kunst ganz einfach statt - umsonst, unübersehbar und draußen.

Alle Künstler wurden im Vorfeld der Ausstellung dazu eingeladen, sich intensiv mit der Stadt und ihrer wechselvollen Geschichte auseinanderzusetzen: die Wiedertäufer und der Westfälische Friede, der historische Stadtgrundriss, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der anschließende rekonstruierende Wiederaufbau, die heutige Prosperität und der aktuell zu beobachtende, einschnürende Würgegriff der Shopping-Malls und Luxuslabels in der Altstadt - all das wird bei den Skulptur Projekten reflektiert.

Die seit den sechziger Jahren aktive New Yorker Politkünstlerin Martha Rosler etwa stellt Kopien der Wiedertäuferkäfige direkt vor die schmucke Stadtbibliothek. Im Mittelalter wurden darin die Leichen der grausam hingerichteten Spießgesellen am Turm der Lambertikirche öffentlich ausgestellt. Das faschistische Adleremblem des ehemaligen NS-Lufttransportkommandos - es ziert bis heute ein Gebäude der Bundeswehr - stellt sie provokant und unübersehbar vor das Eingangsportal einer eleganten Einkaufspassage. Mit dieser skulpturalen Setzung konfrontiert sie die Münsteraner mit den wunden Punkten ihrer Stadtgeschichte.

SPIEGEL - Artikel lesen

______________________________________________________________

Documenta im Quadrat

TAZ - Henrike Thomsen |

Grand Tour von London aus in die münsterländische Provinz: Im großen Trubel des Kunstsommers tritt die 4. “Skulptur Projekte” in Münster selbstbewusst gegen Kassel, Basel und Venedig an

“Skulptur Projekte” ist so etwas wie die documenta im Quadrat: Doppelt so selten in einer noch kleineren Stadt, die in einen umso größeren Ausnahmezustand gerät. Denn die Arbeiten … verstecken sich in keinem Fridericianum oder Pavillongelände, sie verteilen sich quer über die Plätze und Häuser und Naherholungsgebiete der Kommune. Dass die Münsteraner sich damit zunächst nicht leicht taten und manche Künstler ihr Werk nur unter Polizeischutz vollenden konnten, gehört inzwischen zur Ausstellungsgeschichte.

Mit den Künstlerlisten der Biennale und der documenta gibt es manche Überschneidung: Die nach Münster eingeladene Bildhauerin Isa Genzken etwa gestaltet den deutschen Pavillon in Venedig, Andreas Siekmann ist auch in Kassel präsent. Andere Künstler wie Bruce Nauman (auch er parallel zu Gast in Venedig) und Thomas Schütte zitieren sich in Münster selbst als Klassiker: Nauman realisiert die Arbeit “Square Depression”, die er für die erste Ausstellung 1977 geplant, aber nicht umgesetzt hatte: eine 25 Meter breite Senke oder “negative Pyramide”, in deren Mitte der Besucher auf Augenhöhe mit der Bodenkante steht.

TAZ - Kommentar lesen

____________________________________________________________

skulpturprojekte2007katalog.jpg  “Vorspann”

skulptur projekte Münster 2007. VORSPANN 

„Die Vorspann-Publikation porträtiert schlaglichtartig die Genese dieser internationalen Großausstellung im städtischen Außenraum und verortet sie in der gesellschaftlichen und künstlerischen Entwicklungsgeschichte der vergangenen 30 Jahre“, erklärt Brigitte Franzen, Kuratorin von skulptur projekte münster 07. Die Vortragsreihe und das gleichnamige Buch realisierte sie zusammen mit Hildegund Amanshauser, Professorin an der Kunstakademie Münster. „Was diese Publikation so spannend macht ist, dass die Künstler einerseits ihre Arbeiten und Arbeitsweisen sehr genau beschreiben und anlaysieren, und dass sie andererseits auch darüber sprechen, wie sie an die Stadt Münster, an Skulptur Projekte und ihre Geschichte herangehen“, macht Hildegund Amanshauser deutlich.

skulptur projekte Münster 2007. KATALOG

Broschiert: 470 Seiten
Sprache: Deutsch

____________________________________________________________

Die größte Open-Air-Ausstellung Europas | 16. Juni bis 30. September 2007
skulptur projekte | website

siehe auch Erkaltetes von der Kunst erwärmt
| FAZ | Thomas Wagner | 5.2007

tony-oursler-2007_blue.jpgFAZ - Lisa Zeitz, New York |

Tony Oursler war der erste Gegenwartskünstler, dem das Metropolitan Museum eine Einzelschau widmete. Wie arbeitet der berühmte Videokünstler, und was inspiriert ihn? Ein Atelierbesuch.

Spätestens seit Ovid die Geschichte des Bildhauers Pygmalion erdichtet hat, dessen Skulptur sich in eine lebendige Frau verwandelt, haben Künstler davon geträumt, ihren Werken auf die ein oder andere Weise Leben einzuhauchen. Ourslers Kunst kann nicht nur sprechen, sondern sie schaut den Betrachter auch an.

Allerdings ist er überrascht, wie konservativ die Welt der Kunst um ihn herum ist: „Es gibt immer noch keine bewegliche Malerei.“ Seine eigene Kunst nennt er ein Echo seiner Vergangenheit, „aber auch Vorbote von etwas, das in Zukunft passieren könnte. Ein Kunstwerk ist wie ein Haken, der in die Zukunft geschleudert wird“, sagt er und fügt hinzu: „Kunst ist immer ein Fragezeichen.“

FAZ - Artikel lesen

___________________________________________________

VIDEO | Tony Oursler | “Caricature”, 2002

 

MEDIEN | Tony Oursler

Tony Oursler | WebSite

  •  

  • Lesezeichen hinzufügen bei ...

  • Kunst | Presseschau

    Auswahl aktueller Veröffentlichungen zum Themenschwerpunkt Kunst in der deutschsprachigen Internet - Medienlandschaft. Die Artikel werden hier kurz angerissen, teilweise thematisch gebündelt - mit Video/Audio, Katalog- & Medien - Informationen ergänzt - und sind direkt mit den Online-Medien verlinkt.

  • RSS - FEED

  •  

     

  • Recent Posts

  •  

  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    ( Archiv )