Documenta 12 | Zeitgenössische Kunst ist Pop
WELT online – Uta Baier |
Ab nach Kassel! Die Macher der Documenta 12, Roger M. Buergel und Ruth Noack, haben um die hundert Künstler eingeladen. Im Gespräch mit WELT ONLINE erklären die beiden, wie die gigantische Schau werden soll. Und warum sie Werke wichtiger finden als Künstler.
Noack: Das, was diese Ausstellung wirklich unterscheidet, verdankt sie der Zeit und nicht den Individuen. Das Entscheidende ist, dass sie 2007 gemacht wird und nicht 2002. Zu einer bestimmten Zeit muss eine bestimmte Ausstellung gemacht werden.
WELT ONLINE: Die Ausstellung hätte also gar nicht anders werden können?
Buergel: Unterschiedliche Leute machen natürlich unterschiedliche Ausstellungen. Aber die Probleme sind ähnlich. Es ist neu, dass es eine Bewegung der zeitgenössischen Kunst in den Mainstream gibt, dass zeitgenössische Kunst kein versprengter Zirkel mehr ist, sondern Pop. Das ist der Punkt, wo man die Schraube weiterdreht. Für uns bedeutet das, dass wir mit einem Bildungsanspruch in eine Pop-Wirklichkeit gehen.
Noack: Vor fünf Jahren bedeutete die Documenta, dass man andere für relevant hielt. Jetzt aber sind wir in einer Situation, wo wir froh sein können, wenn wir noch für relevant gehalten werden. Zum Beispiel von China und Indien, die die neuen ökonomischen Player sind. Wir können nicht mehr sagen, wir integrieren die nicht-westliche Welt. Sondern wir müssen uns anstrengen, damit wir noch wahrgenommen werden.
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Documenta 12 | Provokation und Politik
TAGESSPIEGEL – Joachim F. Tornau, ddp |
Buergel versteht seine Documenta als politische Ausstellung.
Das kann sich in den gezeigten Kunstwerken sehr direkt ausdrücken – wie bei dem Karussell von Andreas Siekmann aus Berlin, das bereits auf dem Friedrichsplatz aufgebaut steht: Rund um das Denkmal des hessischen Landgrafen Friedrich II. werden sich Polizisten und Demonstranten, Niedriglohn-Arbeiterinnen und Weltbank-Präsidenten – kurz – Mächtige und Ausgeschlossene im Kreis drehen.
Doch eigentlich setzt der Documenta-Leiter nicht auf eine derart konkrete Auseinandersetzung: “Die Ausstellung soll die Leute aufwiegeln und dazu bringen, sich selber zu aktivieren und aus einer gewissen Grundlethargie herauszukommen”, sagt er. Es gehe darum, “für die Welt, in der wir leben, aktiv Verantwortung zu übernehmen.”
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Kassel, bis 23. September 2007
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