Gönn Dir was Göttliches | Licht und Liebe im Kunstverein Harburger Bahnhof

Donnerstag, Juni 7, 2007
By Peter Panter

KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Kunstverein |

Die Berliner Künstlergruppe Honey-Suckel Company entwickelte eine multisensorische raumgreifende Installation im Kunstverein Harburger Bahnhof. Reihe:Ordnung sagt _ Liebe.

Der Kunstverein arbeitet seit Januar 2007 mit einem neuen kuratorischen Team (Tim Voss, Susanne Schröder, Veit Rogge). Die Ausstellungsreihe “Ordnung sagt” hatte ihre Premiere zum Thema “Arbeit”. Die kam auch im Kunstforum International gut an. Jetzt folgt die zweite spektakuläre Inszenierung im Hamburger Süden zum Thema “Liebe”. Es duftet, es tönt und es ist ziemlich weiß.

Wer über Liebe spricht, erzählt fast immer Geschichten. Unsere medialisierte Umwelt ist so voll davon, dass, wer von ihr sprechen will, es schwer hat. Wer kann hier überhaupt von den eigenen empfundenen Sehnsüchten, Gefühlen und Erinnerungen sprechen, ohne sie in ein Verhältnis zu diesen allgegenwärtigen und unglaublich starken, schon bestehenden Bildern der “Liebe” zu setzen? Zumal Liebe als ein entgrenzendes Gegenmodell zu den Beschränkungen, Anforderungen, Funktionalisierungen und Ökonomisierungen der menschlichen Alltags- und Arbeitswelt aufgefasst wird. Es schmerzt oft, nicht entsprechend exklusive Bilder für dieses exklusivste Gefühl zu haben.

“Wer sich nach Licht sehnt, ist nicht lichtlos. Denn die Sehnsucht ist schon Licht!”, schrieb die deutsche Dichterin Bettina von Arnim.

Die Honey-Suckle Company hat der Immaterialität der subjektiven Empfindungen des Betrachtenden einen entsprechenden Raum geben. Ein großer weißer Raum mit offener Decke, von der die Szenerie mit Licht geduscht wird. Ästhetisch – schneeweiß – ohne Ecken und Kanten. Der Raum ist leer und erzeugt einen leicht psychedelischen Zustand. Und doch – die Bilder stehen dort, ohne präsent zu sein – so wird trotz aller Subtraktion dieser Raum zu einem Raum der Unmöglichkeit und diese ästhetische Erfahrung reflexiv thematisch.

Licht und Liebe in der Schale
Auf Stelen platzierte Schalen erinnern an die “Weltschalen” aus der arabischen Philosophie und der Kosmologie des 13. Jahrhunderts. Die neunte Weltschale war der Kristallhimmel, der göttlichen Sphäre am nächsten und Ursprung aller Naturprozesse. Von hier ging das göttliche Licht in Materie über. Eine schöne Verbindung zum nahen Lichtraum.

Gerade für Zugreisende “in Sachen Kunst” bietet sich ein Zwischenstopp in Hamburg-Harburg an. Der Kunstverein ist direkt im Bahnhof beheimatet. Kurze Wege sind damit garantiert.

Kunstverein Harburger Bahnhof ( Archiv 2002 – 2007 )

Reihe:Ordnung sagt _ Liebe
| Honey-Suckle Company & Konrad Sprenger
| bis 19. August 2007 | Dienstag bis Sonntag 14-18 Uhr

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