Montage: Sakarin Krue-On © documenta GmbH / Sakarin Krue-On ARTNET - Petra Reichensperger |

Die Saat der documenta geht langsam auf: Neben Sanja Ivekovics Mohnfeld auf dem Friedrichsplatz wird auch das Reisfeld, das Sakarin Krue-On im Bergpark Wilhelmshöhe anlegen lässt, zu den zentralen Outdoor-Ereignissen gehören. Petra Reichensperger stellt die Arbeit des thailändischen Künstlers vor.

Sakarins Wunsch, Ästhetik mit Ethik zu verbinden – die „Herausstellung einer Ethik des Miteinanders“, wie Roger M. Buergel sagen würde – wird besonders deutlich in seiner zehnstufigen Terrassenanlage unterhalb des Schlosses  Wilhelmshöhe.

Sein Vorschlag, ein Reisfeld im Bergpark anzulegen, ist politisch motiviert. Er beruht auf der Einsicht, dass der grassierende Kapitalismus auch in Thailand bald zu einem Rückgang der Vielfalt der Reissorten und zum Zusammenbruch der Nachbarschaftshilfe bei der Reisernte führen wird. Sein Interesse gilt dem Clash der Kulturen: Asien trifft auf Europa. Das Zusammentreffen des Heterogenen erzeugt dabei einen Bedeutungsüberschuss. Selbst die Straße zwischen Schloss und Reisfeld erscheint in diesem Zusammenhang als wohl kalkulierter Schnitt, als etwas Trennendes und zugleich Verbindendes, das Synergien freisetzt.

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Sakarin Krue-On, geboren 1965 in Mae Hong Son, ist Direktor des Thai Art Department der Silpakorn University Bangkok, wo er auch lehrt. In seinen raumbezogenen Installationen, Videoprojektionen und Objekten greift er traditionelle thailändische Kunstgattungen, Maltechniken, Farbsymboliken und mythologische Erzählungen auf und verbindet sie mit der zeitgenössischen Kunstproduktion. Das ironisch-kritische Potential in seinen Arbeiten gilt u. a. den modernen Bedingungen der sozialen Umwelt, den kapitalistischen Einflüssen und der materiellen Orientierung der einst buddhistisch geprägten Gesellschaft Thailands.

documenta 12 | kassel

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Kassel, bis 23. September 2007

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Die Leiden der Anderen

Juni 11, 2007 | Comments Off

TAZ - Katja Behrens |

Phil Collins stößt die Teilnehmer seines Kunstprojekts in genau die Schrecken, denen sie entkommen wollten. Seine Installation “The return of the real” steht in der Münsteraner Ausstellungshalle

Die scheinbar empathielose Inszenierung ist vor allem wohl als Spiegel einer zynischen Gesellschaft und ihrer fragwürdigen Vergnügungen gemeint. Einer Gesellschaft, die Menschen mit hohlen Versprechungen in eine demütigende Situation lockt und sich darüber erhebt, dass diese auch das Offensichtliche nicht begreifen: Dass ihr Leben durch andere Dinge ruiniert wurde und dass ihr Geltungsdrang und ihre Einsamkeit sie nur ein zweites Mal in die Arme einer höhnischen Öffentlichkeit treiben.

Im Museum ist diese Öffentlichkeit das Kunstpublikum, das sich sozial und intellektuell weit jenseits der Big Brother-Community ansiedelt, gleichzeitig aber in diesem Image und seinem System der Selbstkonstruktion ebenso gefangen ist wie die von den Medien kolonisierten Menschen, die es beobachtet. Der Unterschied ist eben nicht so groß wie gerne geglaubt wird. Übrig bleibt das Unbehagen an der eigenen Rolle in dieser re-inszenierten Inszenierung und seine Transformation in die Kunst.

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| Phil Collins (*1970 in Runcorn, lebt in Glasgow)
| „gercegin geri donusu / the return of the real”
| Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster
| bis 26. August 2007

Die Multi-Channel-Video- und Fotografie-Installation „the return of the real / gercegin geri donusu” (2005) untersucht die Versprechen und Täuschungen von Talk Shows, Vorher/Nachher-Shows und Reality TV. Die ursprünglich für die 9. International Istanbul Biennial konzipierte Installation wurde 2006 auch in der sala rekalde in Bilbao gezeigt.

Die Installation ist einerseits eine Inszenierung von Reality TV. Andererseits werden die Strategien dieses Formats aber so überzeichnet, dass eine kritische Selbstreflexion möglich wird: Ehemalige Teilnehmer, die meinen, dass ihr Leben durch ihren Fernsehauftritt ruiniert wurde, werden ein weiteres Mal eingeladen, um über ihre Erfahrungen zu sprechen.

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  • Kunst | Presseschau

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  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
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