TAGESSPIEGEL - Nicola Kuhn |

Warum wurde ausgerechnet der große Unbekannte Roger M. Buergel mit dem wichtigsten Job betraut, den der deutsche Kunstbetrieb in diesem Jahr zu vergeben hat?

Als Ende 2003 die Wahl der Berufungskommission auf Roger M. Buergel fiel, war das Staunen groß. Den damals 41-jährigen Kurator kannte im internationalen Ausstellungsbusiness kaum jemand. Weder einen Kunstverein noch ein Museum hatte der Absolvent der Wiener Kunstakademie sowie studierte Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler je geleitet, geschweige denn eine Blockbuster-Show gestemmt. Der einstige Privatsekretär des österreichischen Aktionskünstlers Hermann Nitsch und Mitbegründer der Kunstzeitschrift „Springerin“ hatte sich aber fernab der Kunstzentren mit Ausstellungen über das Verhältnis von Kunst und Politik einen Namen gemacht.

… : Nach den theorielastigen Documenta-Ausgaben von Catherine David (1997) und Okwui Enwezor (2002) verspricht Buergel eine stärkere Rückbesinnung auf die Kunst. Schon in seinen ersten Interviews kurz nach der Wahl plädierte er vehement für die Schönheit, was die Community sogleich in zwei Lager schied: Die einen nahmen diese Ankündigung als ersehnten Abschied von der trockenen PolitKunst der letzten beiden Documentas auf, die anderen befürchteten die reine Oberflächlichkeit.

… das Thema Bildung, ästhetische Erziehung. In den vergangenen Wochen hat er in seinen Vorträgen landauf, landab gepredigt, dass seine Documenta kein Spaziergang wird. Das Publikum bekäme bei ihm viel zu lernen, sollte sich auf die geistige Anstrengung einlassen können. „Ich will die Daumenschrauben anziehen, so fest es geht“. sagt er. Gleichwohl hat Buergel das Picknicken auf dem Gelände explizit erlaubt …

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Kassel, bis 23. September 2007

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  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    ( Archiv )