Otto Dix | Geisterbahn und Glanzrevue

Freitag, Juni 15, 2007
By Peter Panter

otto-dix-hamburg-2007.jpgKUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Bucerius KF |

Das Hamburger Bucerius Kunstforum zeigt Aquarelle und Gouachen von Otto Dix.

Als Meister der Neuen Sachlichkeit wurde Otto Dix (1891-1969) in den 1920er Jahren berühmt und berüchtigt. Den Ruf des avantgardistischen Bürgerschrecks erwarb sich Dix nicht zuletzt mit seinen Aquarellen und Gouachen. Sie entfalten ein schillerndes Panorama menschlicher Existenz: einfühlsam und drastisch, humorvoll und grotesk.

Besonders eindrucksvoll zeigen die in rascher Folge entstandenen Aquarelle der zwanziger Jahre den Künstler auf der Jagd nach dem, was er selbst das “unverdünnte Leben” nannte. Virtuos nutzt Dix alle Möglichkeiten des Mediums von der spontanen Skizze bis zur sorgsam arrangierten Komposition und offenbart wechselnde Haltungen zwischen Anteilnahme und Distanz – nicht nur in Portraits und Selbstbildnissen, sondern auch in seinen oft bizarren Erzählungen aus der Welt der Spießbürger und Bohemiens, der Matrosen, Huren und Artisten.

Mehr als 100 Werke aus 25 Jahren, darunter drei von Dix gestaltete Kinderbücher und selten gezeigte Einzelblätter werden in Hamburg gezeigt. Die Ausstellung vereinigt wichtige Leihgaben der Otto Dix Stiftung, Vaduz, mit Hauptwerken aus öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, England, Italien, der Schweiz und den Vereinigten Staaten.

| Bucerius Kunstforum Hamburg
| 16. Juni bis 09. September 2007

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| Otto Dix Stiftung

| KATALOG | Otto Dix – Geisterbahn und Glanzrevue

Mit dem Katalog liegt erstmals seit dem Erscheinen des Werkverzeichnisses der Aquarelle und Gouachen von Otto Dix 1991 wieder eine Publikation vor, die sich dieser bedeutenden Werkgruppe umfassend widmet.
Der Nachtrag zum Werkverzeichnis rundet den reich illustrierten Band ab.

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Zeittypische Pappkameraden

TAZ – Petra Schellen

Als ewige Schau begriff Otto Dix sein Leben und Arbeiten. Vor ihm waren sie alle gleich: Die wilhelminischen Beamten malte und zeichnete er ebenso wie die Elenden, Bohemiens und Prostituierten. Austauschbare Typen sind sie, beinahe: zeittypische Pappkameraden.

Genau das wollte Dix, der selbst ja formuliert hatte, dass man das Leben nackt betrachten müsse. Malen, was man sehe. Und dass sich die Kunst nach dem Grauen des Weltkriegs nicht mehr zum Ausdruck individueller Befindlichkeit nutzen lasse. Festzuhalten sei das Großstadtleben in all seinen Facetten. Ein Credo, mit dem sich Dix von der Subjektivität des Expressionismus abwandte: Die Neue Sachlichkeit hatte begonnen, eine Phase des erbarmungslosen Dokumentierens, des quasi-naturwissenschaftlichen Draufblickens.

… Appellativ-sozialkritisch ist keines seiner Bilder.

… Farbe und Form sind – perfekt praktiziert – in der Tat wohl alles gewesen, auch wenn Dix seinen Nietzsche verinnerlicht hatte und sich selbst als Auge stilisierte, das den endlosen Reigen des Lebens betrachtet. Das ist ihm gelungen – auch in seinen Kinderbüchern, die vor Monstern und Totentänzern strotzen.

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