Zur Poetik der documenta 12

Freitag, Juni 15, 2007
By Peter Panter

Erklärung von Ruth Noack und Roger M. Buergel im Juni 2007

Wir begreifen die Ausstellung als ein Medium. Damit bewegen wir uns weg von der Repräsentation der „besten KünstlerInnen der Welt“ hin zur Produktion eines Erfahrungsraums, in dem es möglich wird, die Begriffe „Kunstwerk“ und „Publikum“ aneinander zu schärfen.

Was ist zeitgenössische Kunst, was ist ein zeitgenössisches Publikum, was ist die Gegenwart? Die Erfahrung von Kunst ist stets die Erfahrung eines Lebenszusammenhangs. Wollen wir dieses Verhältnis neu bestimmen, so brauchen wir ein Mittel, das uns unserem unmittelbaren Lebenszusammenhang entrückt. Die ästhetische Erfahrung, die dort beginnt, wo Bedeutung im herkömmlichen Sinne endet, kann ein solches Mittel sein.

Wir privilegieren die direkte Erfahrung vor dem Kunstwerk, nicht weil wir meinen, dass sie ausreiche, um zu einem Urteil zu kommen, sondern vielmehr wissen wir, dass selbst den ExpertInnen unter uns das notwendige Wissen fehlt, einem jeden Werk wirklich gerecht zu werden. Und das ist auch nicht durch dicke Wälzer oder lange Texttafeln zu kompensieren, die dann in der Ausstellung in Konkurrenz zum Kunstwerk treten.

Wir verbinden die Erfahrung der eigenen Lücken mit der Forderung nach Bildung, einer Bildung, die zwischen staatlicher Verantwortung und Selbstsorge austariert werden will. Als ephemere Institution kann die documenta 12 nur ihr Scherflein dazu beitragen, dieses aber dann in Form eines dafür umso avancierteren Vermittlungsprogramms. Als Teil der Ausstellung versteht die Vermittlung ihre Arbeit mit dem Publikum auch jenseits von Serviceleistung und Ökonomie als eine Möglichkeit, die Poetik der documenta 12 aufzunehmen und weiterzureichen.

vollständige Erklärung lesen

___________________________________________________________

Documenta-Chef Buergel: Wir wollen keine Hitparade der Kunst

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Stefan Koldehoff

Der Leiter der “documenta 12″, Roger Buergel, hat die Liste der 113 Künstler bekannt gegeben, die von Samstag an ihre Werke 100 Tage lang ausstellen werden.

Ein Gespräch mit Roger M. Buergel.

Die Erwartung, die es an die Documenta alle fünf Jahre gibt, ist, sie muss den Stand der Dinge in der Kunstwelt dokumentieren, es muss eine Art Abbild der Gegenwartskunst sein. Sie und Frau Noack haben recht früh gesagt, mit uns nicht, das sehen wir gar nicht ein. Was ist Ihr Konzept stattdessen gewesen, was wollten Sie erreichen?

Buergel: Ich habe mich immer dagegen gewehrt, die Documenta als das künstlerische Äquivalent zu so einer Art landwirtschaftlichen Leistungsshow zu sehen. Mir ging es tatsächlich immer darum oder geht es auch in Zukunft darum, Menschen zu verführen, zu sehen, sich einzulassen, sich Beziehungen hinzugeben, also sich auf diesen ganzen Prozess der ästhetischen Erfahrung zu konzentrieren. Das ist etwas, was einfach auch sehr, sehr viel Zeit und sehr, sehr viel Ruhe braucht und wo uns die Kunst unterstützt, einfach unser eigenes Verhältnis auch zur Umwelt zu befragen, zu betrachten, mit Muße zu besehen und eventuell auch zu ändern. Also das ist das, was mich interessiert. Das heißt, mir geht es eigentlich eher um einen Raum für die Sinne als jetzt um eine Hitparade.

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

AUDIO – Gespräch & documenta-Reportage ( u.a. mit Hanno Rauterberg – DIE ZEIT ) anhören

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

 

___________________________________________________________

Videocast | Roger Rabbits | documenta 12 | Episode 01 |
Terrassen_Reis_Feld_Kunst_Projekt von Sakarin Krue-On

YouTube Preview Image

______________________________________________________________

Documenta 12 – KATALOG

| Documenta 12 – BILDBAND

| DOCUMENTA | BÜCHER

______________________________________________________________

Kassel, bis 23. September 2007

siehe auch
weitere archivierte Beiträge
zum Thema DOCUMENTA

Related posts:

  1. Documenta 12 | Zeitgenössische Kunst ist Pop
  2. Documenta 12 | Wer ist Roger M. Buergel? | Ein Porträt
  3. Documenta 12 | | | | | | Reaktionen der Medien nach der Eröffnung
  4. Documenta 12 | Das Fazit
  5. Documenta 12 | Sakarin Krue-On | Spirituelle Aufklärung

This website uses IntenseDebate comments, but they are not currently loaded because either your browser doesn't support JavaScript, or they didn't load fast enough.

Comments are closed.

TWITTER Art News

Initializing...

KunstPresseschau

Auswahl aktueller Veröffentlichungen zum Themenschwerpunkt Kunst in der deutschsprachigen InternetMedienlandschaft. Die Artikel werden hier kurz angerissen, teilweise thematisch gebündelt - mit Video/Audio, Katalog- & Medieninfos ergänzt - und sind direkt mit den Online-Medien verlinkt.

Termine

  • DOCKVILLE 2010 sucht Künstler
    9. Februar 2010 | 00:41

    Hamburg | Call for Participation: Das Hamburger Kunst- und Musikfestival Dockville sucht Künstler: "Kunstcamp + 10 Tage Open Air Ausstellung + 3 Tage Festival: Im Vorfeld des 3-tägigen Festes wird in diesem Jahr unter dem Motto RECREATION ein in der Festivallandschaft einzigartiger Raum für Kunst geschaffen. Ab sofort läuft die Ausschreibung für künstlerische Beiträge aus allen Disziplinen.

  • Not In Our Name, Marke Hamburg
    9. November 2009 | 14:30

    MI 11 NOV 09 um 18 Uhr | WIR BLEIBEN ALLE | Kundgebung am Ex Burgerking Starbucks Elbphilharmonie Kulturcafé [ wo Stadtkultur erlebbar wird ] Am Mönckebergbrunnen | Zahlreiche Künstler warnen in einem Manifest vor einer Totalkommerzialisierung der Stadt und ihrer kulturellen und quartiersbezogenen Vielfalt. Der Vorwurf lautet: Der Senat missbrauche die Künstler als Standortfaktoren. Er vermarkte die Kreativität der Szene in der Stadt und verringere zugleich den Raum für die Arbeit von Künstlern und Initiativen | Video-Statements von Rocko Schamoni & Richard Florida via ZDF Aspekte

  • RSSArchiv von Termine »

*