Zur Poetik der documenta 12
Erklärung von Ruth Noack und Roger M. Buergel im Juni 2007
Wir begreifen die Ausstellung als ein Medium. Damit bewegen wir uns weg von der Repräsentation der „besten KünstlerInnen der Welt“ hin zur Produktion eines Erfahrungsraums, in dem es möglich wird, die Begriffe „Kunstwerk“ und „Publikum“ aneinander zu schärfen.
Was ist zeitgenössische Kunst, was ist ein zeitgenössisches Publikum, was ist die Gegenwart? Die Erfahrung von Kunst ist stets die Erfahrung eines Lebenszusammenhangs. Wollen wir dieses Verhältnis neu bestimmen, so brauchen wir ein Mittel, das uns unserem unmittelbaren Lebenszusammenhang entrückt. Die ästhetische Erfahrung, die dort beginnt, wo Bedeutung im herkömmlichen Sinne endet, kann ein solches Mittel sein.
Wir privilegieren die direkte Erfahrung vor dem Kunstwerk, nicht weil wir meinen, dass sie ausreiche, um zu einem Urteil zu kommen, sondern vielmehr wissen wir, dass selbst den ExpertInnen unter uns das notwendige Wissen fehlt, einem jeden Werk wirklich gerecht zu werden. Und das ist auch nicht durch dicke Wälzer oder lange Texttafeln zu kompensieren, die dann in der Ausstellung in Konkurrenz zum Kunstwerk treten.
Wir verbinden die Erfahrung der eigenen Lücken mit der Forderung nach Bildung, einer Bildung, die zwischen staatlicher Verantwortung und Selbstsorge austariert werden will. Als ephemere Institution kann die documenta 12 nur ihr Scherflein dazu beitragen, dieses aber dann in Form eines dafür umso avancierteren Vermittlungsprogramms. Als Teil der Ausstellung versteht die Vermittlung ihre Arbeit mit dem Publikum auch jenseits von Serviceleistung und Ökonomie als eine Möglichkeit, die Poetik der documenta 12 aufzunehmen und weiterzureichen.
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Documenta-Chef Buergel: Wir wollen keine Hitparade der Kunst
DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Stefan Koldehoff
Der Leiter der “documenta 12″, Roger Buergel, hat die Liste der 113 Künstler bekannt gegeben, die von Samstag an ihre Werke 100 Tage lang ausstellen werden.
Ein Gespräch mit Roger M. Buergel.
Die Erwartung, die es an die Documenta alle fünf Jahre gibt, ist, sie muss den Stand der Dinge in der Kunstwelt dokumentieren, es muss eine Art Abbild der Gegenwartskunst sein. Sie und Frau Noack haben recht früh gesagt, mit uns nicht, das sehen wir gar nicht ein. Was ist Ihr Konzept stattdessen gewesen, was wollten Sie erreichen?
Buergel: Ich habe mich immer dagegen gewehrt, die Documenta als das künstlerische Äquivalent zu so einer Art landwirtschaftlichen Leistungsshow zu sehen. Mir ging es tatsächlich immer darum oder geht es auch in Zukunft darum, Menschen zu verführen, zu sehen, sich einzulassen, sich Beziehungen hinzugeben, also sich auf diesen ganzen Prozess der ästhetischen Erfahrung zu konzentrieren. Das ist etwas, was einfach auch sehr, sehr viel Zeit und sehr, sehr viel Ruhe braucht und wo uns die Kunst unterstützt, einfach unser eigenes Verhältnis auch zur Umwelt zu befragen, zu betrachten, mit Muße zu besehen und eventuell auch zu ändern. Also das ist das, was mich interessiert. Das heißt, mir geht es eigentlich eher um einen Raum für die Sinne als jetzt um eine Hitparade.
DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen
AUDIO – Gespräch & documenta-Reportage ( u.a. mit Hanno Rauterberg – DIE ZEIT ) anhören
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Videocast | Roger Rabbits | documenta 12 | Episode 01 |
Terrassen_Reis_Feld_Kunst_Projekt von Sakarin Krue-On
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Kassel, bis 23. September 2007
siehe auch
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