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Documenta 12 | | | | | | Reaktionen der Medien nach der Eröffnung
Juni 18, 2007 | Comments Off
Befreiung aus der Gefangenschaft des Marktes |
FAZ - Thomas Wagner |
Irgendwo zwischen Formlosigkeit und Formschicksal, zwischen dem künstlerischen Drang zur Form und deren kulturellem Transfer lassen Buergel und Noack sich die Ausstellung entwickeln. … sie machen keine Ausstellung, sie lassen diese sich entwickeln, entfalten, sich ausbreiten. Darin liegt der Unterschied - und die Provokation …
… schaffen Buergel und Noack tatsächlich so etwas wie einen Neuanfang: mit und durch die Kunst, anhand einzelner, nicht isolierter Werke, vor allem aber nicht entlang eines zementierten Verständnisses, das über den Werken schwebt. Einzelne Fäden aufnehmen und sie zur Probe zusammenzwirbeln - das versucht die d 12. Den Fäden folgen, sie weiterspinnen, das muss jeder Besucher selbst.
Die documenta macht Kunst wieder erfahrbar. Buergel setzt sie nicht auf Diät. Er nimmt sie schlicht ernst, manchmal zu ernst. Weil sie das Sensationelle meidet, befreit die d12 die Kunst aus der Gefangenschaft, in der sie die aufs Neue schielende Wahrnehmung des Marktes zu halten sucht.
Hätte sie auch die Drehzahl des Spinnrads des Kuratierens gedrosselt, wäre sie wirklich wunderbar.
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Schule des Sehens, Alphabet der Formen
FR online - Elke Buhr
Die “Migration der Form” hatten der künstlerische Leiter Roger M. Buergel und seine Kuratorin Ruth Noack zum zentralen Inszenierungsprinzip ihrer Documenta12 gemacht. Sie wollten zeigen, wie Formen wandern, durch die Zeit und von Kultur zu Kultur; sie wollten untersuchen, wie ähnliche ästhetische Lösungen auf unterschiedliche Weise mit Kontexten und Inhalten paktieren. Und wo das gelingt, ist der Effekt atemberaubend. Bereits nach dem ersten Rundgang über die Mammut-Ausstellung ist klar: Buergel und Noack haben diese Documenta zu einer echten ästhetischen Erfahrung gemacht.
… gelingt es ihr, Schluss zu machen mit der leidigen Opposition zwischen dem Politischen und dem Schönen, zwischen dem Engagement und der Form. Und nebenbei haben Buergel und Noack es wirklich geschafft, weitgehend an den großen Namen des heiß gelaufenen Kunstmarktes vorbei zu kuratieren, ohne dass es im Mindesten auf die Qualität geschlagen wäre.
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Rohrstockhiebe in Arkadien
SPIEGEL online - Jenny Hoch, Kassel
Wer sich von der Ausstellung allerdings einen marktfähigen Wegweiser durch angesagte Positionen der Gegenwartskunst erwartet, der wird enttäuscht sein. Denn diese Documenta will alles, nur nicht dem überhitzten Kunstmarkt Futter in den unersättlichen Rachen werfen.
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Die Kunst der Ausstellung
TAZ - Brigitte Werneburg
Trotz ausgestopfter Giraffe und Blumenzucht wirkt die Ausstellung irgendwie museal.
Der Frage nach der Ausstellung und dem Zusammenspiel zwischen Institution, Raumarchitektur und Exponaten, aus dem sie hervorgeht, ging vor genau zehn Jahren die Berliner Künstlerin Bettina Allamoda in ihrer Installation “les artistes décorateurs” im kunstraum münchen nach. Dieses Zusammenspiel hat seine eigene Geschichte.
Eine Geschichte, der sich Roger M. Buergel mit der Referenz auf die erste documenta durchaus bewusst ist. Der atmosphärisch-illustrative Kontext, in den Arnold Bode damals die Kunst einbettete, überlebte später allerdings nur noch im Naturkundemuseum, im Anthropologischen und Technischen Museum.
Zu Allamodas Installation gehörte auch eine 1962 entstandene Fotografie des Apartments von Ben Heller am Central Park West. Hier diente ein Jackson Pollock als eine Art Raumteiler, der bestens mit Mies van der Rohes Barcelona Chair harmonierte. So ungefähr darf man sich das Flair der documenta 12 vorstellen, wobei orientalische Teppiche, Hochzeitsschleier und Hochzeitsvorhänge Mies Barcelona Chair ersetzen.
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Im leichten Laufschritt durch die Weltkunst
NZZ - Samuel Herzog
Die 12. Documenta von Kassel kommt ohne Aufregung daher. … - man trabt durchs Weltgelände, Dinge tauchen auf und verschwinden wieder, alles ist irgendwie wichtig und doch auch irgendwie nicht. Die Strecke ist nur leicht coupiert, weder gibt es heftige Steigerungen noch krasse Abfälle.
Manches auf dieser Documenta scheint einer geheimen, für Dritte kaum verständlichen Logik zu folgen - vielleicht fühlen wir uns hier deshalb manchmal wie in den Privatgemächern eines etwas verschrobenen Sammlers mit einem leichten Hang zum Esoterischen. Sehr kommunikativ ist das nicht und auch nicht sehr zeitgemäss. Trotzdem ist diese Documenta eine schöne und recht weltläufige Ausstellung geworden, die den Werken viel Raum und dem Betrachter letztlich viel Freiheit lässt.
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Überall Kreuze
ARTNET Magazin - Ein kritischer Kommentar von Robert Fleck, dem künstlerischen Leiter der Deichtorhallen Hamburg und Kommissar des Österreichischen Pavillons der diesjährigen Biennale in Venedig.
Ist die religiöse Symbolik der heimliche Inhalt einer documenta, bei der die aktuelle Kunst nur in der Sekundärgalerie vorkommt?
Das Konzept ist nicht aufgegangen. Roger M. Buergel hat die Rehabilitierung der Form und der formalistischen Präzision angekündigt und eine Ausstellung abgeliefert, die zwischen einer von den Werken nicht abgesicherten Überästhetisierung in der Neuen Galerie und im Fridericianum und einer Flohmarktästhetik in der provisorischen Architektur der Auepavillons schwankt.
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Die Kunst in der Grabkammer
ARTNET Magazin - Gerrit Gohlke
Dass die Beantwortung .. vieler . Fragen nicht zufällig, sondern mutwillig der Mutmaßung und Spekulation überlassen bleibt, ist das unheilbare Ärgernis dieser ungemein muffigen Monumentalausstellung, die ihrem Publikum per Gleitwort das „Lauschen und Schauen“ empfiehlt, sich selbst aber in affektierten Posen um jede Auseinandersetzung drückt.
Die documenta 12 wird als höfische Inszenierung im Gedächtnis bleiben. Sie ist ein Akt der Willkür, der selbstgefällig die eigene Subjektivität dem Rest der Welt als Anreiz zum Nachdenken verkaufen will.
ARTNET _ documenta12 _ Dossier
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Elegant in die Besenkammer
SUEDDEUTSCHE - Holger Liebs
Dies sei ja wohl die “schlechteste Documenta aller Zeiten”, schimpften einige und regten sich über diese “Privatmythologie” auf; von den “wunderbaren Räumen” und der “eleganten Hängung”, vor allem im Fridericianum, in der Neuen Galerie und auf Schloss Wilhelmshöhe, schwärmten andere.
Der pädagogische Anspruch der Documenta - ihr Schiller’scher Bildungsgedanke: die ersehnte Erziehung des Menschengeschlechts durch ästhetische Erfahrung - führt im Ganzen zu einer erstaunlich humorlosen Veranstaltung, die manchmal gar ans Waldorfhafte, Esoterische grenzt.
Aber man lernt tatsächlich viel, erblickt nie Gesehenes, ja kann sich bisweilen verzaubern lassen …
Gerade im Fridericianum und in der Neuen Galerie, wo dunkel getönte Wände und Vorhänge nur gedämpftes Licht zulassen, wirkt der Kunst-Parcours wie aus einem Guss …
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DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Barbara Wiegand
Ein Ausstellungsrundgang als aktiver Müßiggang, auf dem der Betrachter nicht nur dem Geist, sondern durchaus auch den Augen und dem Bauch vertrauen soll.
Auch wenn das durchaus bedeuten kann, wie Buergel provokant formuliert, dass man nicht alles gesehen haben muss, nicht alles verstehen muss, mögen muss, ja sich auch mal langweilen kann. Ästhetik ist bei ihm also nicht das perfekte Event, sondern - und das ist absolut lobenswerter Ansatz, in Zeiten von Kunsthype und Blockbuster-Schauen - es ist ein Bekenntnis zur fast vergessenen Alltagskultur des Hinsehens, des Auf-sich-wirken-lassens, des Vielleicht-etwas-Erkennens, vielleicht den Blick-weiter-schweifen-lassens …
Im Pavillon ist Buergel wohl mit seinem ästhetischen Anspruch an die Grenzen gelangt. Vielleicht auch an die Grenzen dessen, was eine ästhetische Betrachtung der Kunst heute vermag - zum einen ist es sicher ein wichtiger Schritt, sie nach den von verkopfter Konzept-Kunst dominierten Zeiten wieder zuzulassen, um einen Zugang zur Kunst zu finden. Andererseits besteht immer die Gefahr der Oberflächlichkeit, dass man die Inhalte dieser Betrachtungsweise zu sehr unterordnet. Eine Gefahr, in die sich Buergel bewusst begeben hat, mit dem Wissen, dass er scheitern kann. Manchmal - im Pavillon tut er es. Aber nicht immer.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Eröffnung der documenta 12
| VIDEO-Reportage ansehen (real video)
arte.tv hält Sie den ganzen Sommer lang über die documenta 12 in Kassel und die Biennale in Venedig auf dem Laufenden.
| arte _ Kunstspecial | Zwei Blogs und Video_Reportagen.
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Ratlos in Kassel – ein Versuch, sich auf die «documenta 12» einzulassen
| Sendung vom 20.06.2007 | Bericht: Markus Unterfinger
Das Ziel der Kuratoren klang einleuchtend. Nicht die grossen Stars der Gegenwartskunst sollten die «documenta 12» prägen, sondern die ästhetische Erfahrung der Besucher. Ein Augenschein an der grössten Kunstausstellung der Welt zeigt Schwächen: Erklärungsbedarf allenthalben, überfordertes Publikum, übercodierte Kunst. Ist das Konzept der Ausstellung als Gegenveranstaltung zum grossen Kunstkommerz in der Umsetzung gescheitert?
VIDEO | Reportage des SF | Documenta 12 (Breitband-Video | 6 Minuten )
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Kassel, bis 23. September 2007
siehe auch
weitere archivierte Beiträge
zum Thema DOCUMENTA
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Kirchners Heimholung
Juni 18, 2007 | Comments Off
NZZ - Christian Saehrendt |
Chemnitz zeigt die Ausstellung “Ernst Ludwig Kirchner - Die Deutschlandreise”
Die Ausstellung ist Beispiel einer kulturellen Identitätspolitik par excellence, die die Stadt sehr erfolgreich mit ihrem Museum betreibt. Im Mittelpunkt der Chemnitzer Schau steht der künstlerische Ertrag von Kirchners Deutschlandreise, die er im Winter 1925/26 von seinem Davoser Wohnsitz aus unternahm, um Sammler, Galeristen, Freunde und Verwandte in Frankfurt, Dresden, Berlin und Chemnitz zu treffen.
Die Klammer, die die z. T. hochkarätigen Werke in der Chemnitzer Schau zusammenhält, ist Kirchners Biografie. Seine Briefe und Werke, die im Zusammenhang mit den Reisen entstanden sind, verdeutlichen die Spannung, unter der er stand: Er schwankte zwischen der Geborgenheit des Alpentals und dem rotierenden Kunstbetrieb der Weimarer Republik. Tatsächlich hat man mit den Deutschlandreisen ein Desiderat für eine weitere thematische Kirchner-Ausstellung gefunden - und eine der wenigen Lücken zu finden, die die dichte und anhaltende Rezeption dieses Künstlers überhaupt noch hinterlassen hat, ist an sich schon eine bemerkenswerte Leistung.
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| bis 5. August 2007
Die Ausstellung im Chemnitzer König-Albert-Museum zeigt Gemälde und Arbeiten auf Papier. Schwerpunkt sind die Jahre 1925/1926. Zu dieser Zeit hielt sich Kirchner nach Jahren in der Schweiz erstmals wieder in seiner Heimatstadt Chemnitz auf.
Ernst Ludwig Kirchner war nicht nur dominierender Charakter der Künstlervereinigung “Die Brücke”, seine Darstellung von Straßenszenen und Menschen in der Großstadt machten ihn auch zu einem Hauptvertreter des deutschen Expressionismus.
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| KATALOG | Ernst Ludwig Kirchner - Die Deutschlandreise 1925/1926
286 Seiten mit 95 farbigen und 117 s/w Abbildungen 24 x 30 cm
Erstmalige Beschäftigung mit den Deutschlandreisen des bedeutenden Expressionisten.
Chemnitz ist als Geburtsstadt von Karl Schmidt-Rottluff bekannt - aber kaum jemand weiß, dass auch ein weiteres Gründungsmitglied der Künstlergruppe “Brücke” (1905) hier aufwuchs: Ernst Ludwig Kirchner (1880 - 1938). Nach seinem Umzug in die Schweiz reiste der bedeutende Expressionist Ende 1925 zurück nach Deutschland, wo er sich mehrere Monate u.a. in Frankfurt am Main, Dresden und Berlin aufhielt. Den Jahreswechsel 1925/26 verbrachte Kirchner in Chemnitz bei seinen Eltern und unternahm im Juni 1926 eine weitere Reise nach Deutschland. Die Publikation zeigt mit zahlreichen Gemälden und Arbeiten auf Papier, darunter Tanzbilder, Akte, Großstadtbilder mit Schaufenster- und Straßenszenen sowie Porträts, wie der Künstler sein Heimatland aufnahm.
weitere MEDIEN/KATALOGE | Ernst Ludwig Kirchner
Jun
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A pile of crap
Juni 18, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer |
“Einen Haufen Scheiße” nennt der britische Street-Art-Künstler Banksy seine neueste Arbeit im öffentlichen Raum. Das eröffnet unterhaltsame Interpretationen.
Auf dem Gelände des Glastonbury-Rockfestivals im englischen Süden installierte er ( vor der Eröffnung ) eine Kopie des in der Nähe gelegenen Steinkreises von Stonehenge.
Die Felsblöcke wurden durch Toilettenhäuschen aus Plastik ersetzt und mit einem weißhaarigen Druiden fotografiert, der im fliessenden Gewande auf einer Art Altar steht.
| Glastonbury Festival 22. - 24. Juni 2007
| Banksy


