Bürgerstolz & Stadtfrieden | | | | | | | alternative arts festival | Kassel
PT Dezernat für Kulturordnung & Sicherheit
| Ralph Raabe und die 4 lustigen Fünf |
Das “Dezernat für Kulturordnung und Sicherheit” präsentiert bis zum 23. September 2007 das Kunstfestival Bürgerstolz & Stadtfrieden. Gezeigt werden Konzertreihen zeitgerechter Musik, bildende und darstellende Kunst, sowie Live-Happenings und Theater parallel zur documenta 12 in Kassel.
Wenn am 16. Juni die documenta12 ihre Pforten öffnet, legt die nordhessische Provinzstadt Kassel für drei Monate ihr Gewand des Aschenputtels ab und präsentiert sich als Metropole für moderne Kunst. Protegiert wird sie von Stadtpolitikern, die im grauen Alltag weniger als Kunstförderer, sondern vielmehr als Saubermänner und Klotz am Bein der freien Kunst auftreten.
Das Dezernat für Kulturordnung und Sicherheit präsentiert ihr eigenes Festival. Parallel zur documenta12 zeigt es junge, lebendige Kunst auf dem Festivalgelände in der Werner-Hilpert-Straße. Noch bis zum 23.09. werden somit lokale und überregionale Künstler an 101 Tagen ihre alternativen, volksnahen Arbeiten präsentieren. Inhaltlich wird dabei vor allem der Kunst- und Kulturstandort Kassel ins rechte Licht gerückt. Sowohl der Titel des Festivals als auch dessen Leitung verweisen als Ableitung bzw. Zitat städtischer Institution und Planung auf diese Zielsetzung.
Kulturelle Freiheit und städtische Realität
Veranstalter und Künstler aus dem ganzen Land versammeln sich, um die kulturelle, politische und soziale Situation in Kassel aufzugreifen und massiv zu hinterfragen, den Diskurs über die Auslegung des städtischen Kunstbegriffs anzustoßen und voranzutreiben.
So sieht sich das Festival Bürgerstolz & Stadtfrieden als notwendige Ergänzung zum geförderten Kulturbetrieb, dessen Ausrichtung weder die kulturellen noch die sozialen Realitäten der Stadt aufgreift, sondern ein sozial einseitiges, auf die ältere Generation ausgelegtes Kulturverständnis widerspiegelt. Das Festival konzentriert sich auf diejenigen, die von der Stadt Kassel zur großen Randgruppe deklariert worden sind: Interessierte, kritische, kreative Menschen zwischen 15 und 50.
Intelligente Kulturförderung – eine Investition für die Zukunft.
Als sich Kassel für den Titel der Kulturhauptstadt bewarb, formulierte ihr Berater Reinhart Richter eine maßgebliche Vision: “Wenn im Jahr 2006 die Entscheidung fällt, muss hier schon der stadtgesellschaftliche Aufbruch funktioniert haben”. In programmatischen Reden bezog er sich auf Joseph Beuys` Konzept der “Welt als Gesamtkunstwerk“ und dessen Begriff der sozialen Plastik; demnach auf einen Gestaltungsprozess, in dem alle Menschen Teil der inhärenten Entwicklung sein sollen. Pläne also, die auch dazu führen sollten, Nachwuchs an Kassel zu binden. Von so genannten Zukunftswerkstätten war die Rede. Die Bewerbung scheiterte – aus heutiger Sicht zu Recht.
Die politischen Realitäten haben sich derweil dem demographischen Wandel der Stadt angepasst: Mit fortschreitender Überalterung schwindet im Kulturamt das Verständnis für zeitgemäße Kulturarbeit, und Kassel findet sich in einer zwiespältigen Realität wieder: Im Fünfjahrestakt präsentiert sich die Stadt für drei Monate als moderne Kunstmetropole, während die junge Kunst jenseits der documenta repressiv behandelt wird: Verbote, Propaganda und eine zweifelhafte Fördermittelvergabe zeugen davon.
“The exhibition is an alien phenomenon for much of the local blue-collar population.” SPIEGEL online International – Cameron Abadi
Akut gefährdet sind städtische Kulturanbieter jenseits des Mainstreams, obwohl gerade sie als Garant dienen, dass kreative Köpfe langfristig an die Stadt gebunden werden. Vor diesem Hintergrund sehen sich die Veranstalter von Bürgerstolz & Stadtfrieden nicht nur als Fürsprecher für eine freie und starke Kunst, sondern auch als Vorkämpfer des Zukunftsstandorts Kassel.
Festival Bürgerstolz und Stadtfrieden | www.buergerstolzundstadtfrieden.de
| 101 Tage Kunst, Kultur und Leben
| bis zum 23.09.2007
Dezernat für Kulturordnung & Sicherheit
Werner Hilpert Str. 22
34117 Kassel
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CONTRASTING CULTURES
SPIEGEL online International – Cameron Abadi, Kassel
A City in the Shadow of Documenta
When Documenta opens on Friday, as it does every five years, it will cast a light on the paradox of the world’s biggest contemporary art show: The exhibition is an alien phenomenon for much of the local blue-collar population. About halfway between Kassel’s central train station and Friedrichplatz, the central site of the Documenta 12 art exhibition, a self-made billboard has been propped on the sidewalk. With black letters painted on white cardstock, the sign poses a simple question: “After the 100 days, then what?”
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