Cindy Sherman | Retrospektive

Juli 8, 2007 | Comments Off

cindy-sherman.jpgIch posiere ja nur

DIE ZEIT - Claudia Müller |

Die Masken der Schönheit und der Ekel vor den Dingen: Ein Gespräch mit der amerikanischen Foto- & Verwandlungskünstlerin Cindy Sherman.

ZEIT:
Als sie Anfang der achtziger Jahre anfingen, sich selbst zu fotografieren, galt Fotografie nicht als Kunst. Wie schwer war es, in dieser Kunstwelt einen Platz zu finden?

Sherman:
Es war toll, wenn man es mit der Situation heutiger junger Künstler vergleicht. Auch wenn es eine extrem harte Zeit war. Wir haben nichts verkauft und kein Geld verdient, aber das hat auch niemand von uns erwartet. Die einzigen Leute, die mit Kunst Geld verdienten, waren zu dieser Zeit Robert Rauschenberg oder Jasper Johns oder Andy Warhol. Wir hatten das Gefühl, einfach alles machen zu können, und mussten uns nicht drum kümmern, ob diese Sachen irgendjemand kauft. Das machte einen freier und viel kreativer.

Heute gibt es so etwas in dieser Form nicht mehr. Wir hatten alle irgendwelche Jobs als Kellner oder sonst irgendwas. Ich habe in einer Galerie gejobbt, um mich zu finanzieren. Das war eine andere Art von Leben. Politisch war das auch eine sehr aufregende Zeit. Anstatt lange zu diskutieren oder uns zu fragen, was politische Kunst ist, haben wir einfach gehandelt. Die Arbeit sprach für sich selbst. Viele Künstler arbeiteten auf unterschiedlichen Ebenen. Wie man sich ausdrückte, war egal. Es gab Maler, die gleichzeitig auch Filmemacher waren, oder Künstler, die in einer Band spielten, wie zum Beispiel Kim Gordon von Sonic Youth. Es war einfach eine Zeit, in der sich die unterschiedlichsten kulturellen Disziplinen kreuzten oder aufeinanderprallten und das kein Widerspruch war.

ZEIT - Gespräch lesen

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Vom 15. Juni bis 17. September 2007 zeigt der Martin-Gropius-Bau Berlin die große, vom Jeu de Paume in Paris erarbeitete Retrospektive „Cindy Sherman“. Die Werkschau umfasst alle Schaffensperioden der Künstlerin aus den Jahren 1975 bis 2005.

Die amerikanische Künstlerin Cindy Sherman zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen inszenierter Fotografie. In ihren Fotografien nutzt sie ihren Körper auch als Bildträger und setzt sich in unterschiedlichsten Maskeraden und Rollen in Szene. Indem sie zugleich als Regisseurin, Hauptdarstellerin und Fotografin agiert, löst sie strenge Trennungen zwischen Posieren und Betrachten, zwischen Objekt und Subjekt auf.

cindy-sherman-berlin-2007.jpg

Cindy Sherman Retrospektive

| bis 17. September 2007

| Martin-Gropius-Bau | Berlin

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Bissig und schockierend

3sat - Tatjana Berlakovich
| anlässlich der Ausstellung “Cindy Sherman” im Kunsthaus Bregenz bis 28.01.2007.

Die Fotografien der Cindy Sherman im Kunsthaus Bregenz

“Schöne Kunst”, wie sie sagt, ist nichts für sie. Sie möchte schockieren, inszeniert das Hässliche und sich selbst. Es geht Sherman nicht darum, etwas zu dokumentieren, sondern vielmehr darum, die Realität zu inszenieren. Als ihr eigenes Modell schlüpft Cindy Sherman in unterschiedliche Rollen, sowohl in männliche als auch in weibliche. Interviews vor der Kamera gibt Cindy Sherman schon lange nicht mehr. 1995 sagte sie: “Mit Fotografie kann ich weismachen, was ich will. Die Leute glauben es.

Nicht die Kamera macht die Fotos, sondern die Person dahinter. Sie denkt sich etwas aus, erzählt eine Art Lüge mit der Kamera. Ich zeige das, was meiner Fantasie entspringt.”  Ihre Motive sucht Cindy Sherman in den Massenmedien. Sie zerlegt vertraute Bilder aus Fernsehen, Film und Zeitschriften und setzt sie neu zusammen. Im Mittelpunkt steht immer die Frau. Es geht der Künstlerin darum, gängige Rollenklischees aufzubrechen.

3sat | Kulturzeit / hs - Beitrag lesen

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cindy-sherman-berlin-2007-katalog.jpgKATALOG | Cindy Sherman
Retrospektive 2007

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
zahlreiche meist farbige Abbildungen
Sprache: Deutsch
Größe: 31,6 x 22,8 x 3 cm

Cindy Shermans Lieblingsmodell heißt Cindy Sherman. Seit über einem Vierteljahrhundert hält sie die Kunstwelt mit ihren “Rollenporträts” in Atem, die sie in Personalunion als Regisseurin, Fotografin und Hauptdarstellerin gestaltet. Inzwischen sind mehr als 20 Zyklen entstanden, von den legendären “Untitled Film Stills” über die “History Portraits” und die umstrittenen “Sex Pictures” bis zu den “Broken Dolls” und den “Clowns”.

Das Magazin “Art news” zählt sie zu den 25 einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts, ihre Werke sind längst Klassiker der Gegenwartskunst. Mit ihrer Methode der Selbstinszenierung hat sie der Fotografie eine neue Dimension als künstlerisches Ausdrucksmittel verliehen.

weitere PUBLIKATIONEN / KATALOGE | Cindy Sherman

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VIDEO | Trailer | Dokumentarfilm Guest of Cindy Sherman
| Premiere am Sundance Filmfestival 2008

Shermans Gäste im Film sind unterschiedliche Kunstsammler, Kuratoren und Künstler. Der ehemalige Direktor des Whitney Museums, David Ross, erklärt: “Ihre Bilder veränderten die Vorstellung darüber, was Fotografie sein könnte.” Filmregisseur John Waters sieht in Sherman den “Anstoß dafür, dass man jetzt nicht mehr Fotografie sagt, sondern “Kunst”.

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Ich habe versucht, meine Lippen aufzublasen
 
TAGESSPIEGEL - Interview: Deike Diening

Ihre Bilder wirken oft selbstvergessen, die Frauen mit leerem Blick wie auf Stand-by. Dabei kann man lesen, dass Wut Sie sehr häufig auf die Idee zu neuen Bildern bringen soll.

Manchmal. Es ist allerdings keine unmittelbare Wut, die sich in den Bildern äußert, dafür dauert ihre Herstellung zu lange. Aber ich bin zum Beispiel wütend über die Art, in der Frauen in der Welt gesehen werden, oder Sex in der amerikanischen Kultur. In den 80ern war ich wütend darüber, dass männliche Künstler ganz anders wahrgenommen wurden als weibliche.

Worin bestand der Unterschied?

Männer wurden ernster genommen. Obwohl Frauen in den 80ern dabei waren, mehr und mehr Aufmerksamkeit zu erregen, hatte ich doch den Eindruck, dass eigentlich nur der männliche Maler für den „richtigen“ Künstler gehalten wurde. Indem ich also sowohl eine Frau als auch eine Fotografin war, war ich doppelt aus dem Weg. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum sich so viele Frauen der Fotografie zugewandt haben: Sie war einfach noch nicht besetzt, noch kein männliches Territorium.

TAGESSPIEGEL - Interview lesen

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Die Phantome der Fotografin

BERLINER ZEITUNG - Ingeborg Ruthe

Sie ist ihr eigenes Medium und Material. Dabei ist ihre Travestie so perfekt, dass ein uneingeweihter Betrachter gar nicht merken würde, dass immer das selbe Modell zu sehen ist: Mal ist sie blond, mal rot-, öfter noch schwarzhaarig, mal eisgrau, manchmal hat sie auch eine Glatze. Cindy Sherman brezelt sich auf - oder verunstaltet sich: mit Clownsmasken, hängenden Plastikbrüsten, hässlichen Rums- oder Höckernasen. Sie klebt sich Bärte an, drapiert sich als bizarres Altmeister-”Gemälde”. Sie spielt mit den Stilmitteln des Surrealismus: der extremen Übertreibung, des Horrors, des Schocks und des Ekels.

Proteismus nennt man in der Psychiatrie die Zwangsneurose, in immer neue Rollen zu schlüpfen.

Sherman wäre “gut genug, eine echte Schauspielerin zu sein”, kommentierte einst Andy Warhol ihre Arbeit. Er fand es stark, wie sie sich als Puppe, damit als Weiblichkeitsklischee selber inszenierte. Künstlich genug, um echt zu wirken. Überzeugend genug, um gesellschaftskritisch zu sein.

BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen

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Cindy Sherman Retrospektive
| bis 17. September 2007
| Martin-Gropius-Bau | Berlin

KATALOG | Cindy Sherman Retrospektive 2007

Documenta 12 | Stop and go mit Ai Weiwei

Juli 8, 2007 | Comments Off

ai-weiwei.jpgDer bislang unterhaltsamste Kommentar zur Documenta kommt von der

TAZ - Rüdiger Kind |

Kassel, 16. Juni 2007, Eröffnung der documenta 12. Die “Welthauptstadt der zeitgenössischen Kunst” versinkt in einem gigantischen Chaos aus zigtausenden, wild hupenden Autos.

Der Stau erstreckt sich flächendeckend von der Wilhelmshöher Allee bis zur Wolfhager Straße. Die Abgasglocke, die über der nordhessischen Stadt hängt wie der Atompilz über dem Bikini-Atoll, macht jeden Atemzug zur Qual. Verwirrte Omis taumeln halb ohnmächtig durch die Fußgängerzone, retten sich vom Drogeriemarkt in die nächste Kaufhalle, um nahe den Belüftungsschlitzen der Klimaanlage etwas Frischluft zu erhaschen.

Die meisten Chinesen scheinen die Stadt denn auch mit einem riesigen Autoscooter zu verwechseln: Karambolagen, Seit- und Frontalzusammenstöße passieren im Minutentakt, die Polizei hat die Unfallaufnahme längst aufgegeben. Für Ai Weiwei ist das Verkehrschaos Bestandteil und erster Höhepunkt der documenta. “Was wir hier erleben dürfen”, sagt der kahl geschorene Sohn des Dichters Ai Qing und zupft verzückt an seinem Bart, “ist die Faszination des chinesischen Menschen für die westliche Technik und fortgeschrittene Lebensart. Eine wunderbare Performance von art in motion.”

TAZ - Kommentar lesen

Documenta 12 | Grenzenlose Matrix

Juli 8, 2007 | Comments Off

documenta12-katalog.jpgARTNET -
Belinda Grace Gardner |

Die Live-Begegnung mit der Kunst hat auf der d12 tendenziell eine eigenartig diffuse Wirkung. So bleiben die inneren, tieferen Zusammenhänge, die es zwischen den Ausstellungsstücken in der Schau zweifellos gibt, oft an der Oberfläche rein formaler Ähnlichkeiten haften.

Genau darin liegt ein Problem dieser documenta: dass nämlich die angeblich auf Bedeutung stiftenden Vernetzungen basierende Matrix, die die optische Verwandtschaft der Bildsprachen vorgibt, nicht immer tragfähig ist.

Zwar ist die Idee einer „Migration der Formen“ im Sinne des Standardwerks Patterns that Connect von Carl Schuster und Edmund Carpenter spannend. Auch ist es hochinteressant, sich auf die Spur der Entwicklungslinien etwa vom jahrhundertealten, aus Alltagsformen erwachsenen Ornament hin zur abstrakten modernistischen Rasterstruktur zu machen. Doch läuft eine bewusst auf Kontextualisierung verzichtende, nonchalant das Unvereinbare verbindende Ausstellung Gefahr, ins Leere zu zielen oder zumindest in Beliebigkeit abzugleiten.

Eine allzu sehr auf die äußere Anmutung der Exponate gestützte Präsentationspraxis produziert schon mal Hohlformeln.  Andererseits haben die von Buergel/Noack locker in Szene gesetzten Referenz-Cluster, die sich teils über mehrere Stationen der Ausstellung verteilen und deshalb eben nicht immer anschaulich werden, das Potenzial, die mehr oder weniger verborgenen Affinitäten und Kontinuitäten in der „Migration der Formen“ freizusetzen.

ARTNET - Artikel lesen

ARTNET _ documenta12 _ Dossier

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Documenta 12 - KATALOG

| Documenta 12 - BILDBAND

| DOCUMENTA | BÜCHER

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Kassel, bis 23. September 2007

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  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
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    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
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