Documenta 12 | Grenzenlose Matrix
ARTNET -
Belinda Grace Gardner |
Die Live-Begegnung mit der Kunst hat auf der d12 tendenziell eine eigenartig diffuse Wirkung. So bleiben die inneren, tieferen Zusammenhänge, die es zwischen den Ausstellungsstücken in der Schau zweifellos gibt, oft an der Oberfläche rein formaler Ähnlichkeiten haften.
Genau darin liegt ein Problem dieser documenta: dass nämlich die angeblich auf Bedeutung stiftenden Vernetzungen basierende Matrix, die die optische Verwandtschaft der Bildsprachen vorgibt, nicht immer tragfähig ist.
Zwar ist die Idee einer „Migration der Formen“ im Sinne des Standardwerks Patterns that Connect von Carl Schuster und Edmund Carpenter spannend. Auch ist es hochinteressant, sich auf die Spur der Entwicklungslinien etwa vom jahrhundertealten, aus Alltagsformen erwachsenen Ornament hin zur abstrakten modernistischen Rasterstruktur zu machen. Doch läuft eine bewusst auf Kontextualisierung verzichtende, nonchalant das Unvereinbare verbindende Ausstellung Gefahr, ins Leere zu zielen oder zumindest in Beliebigkeit abzugleiten.
Eine allzu sehr auf die äußere Anmutung der Exponate gestützte Präsentationspraxis produziert schon mal Hohlformeln. Andererseits haben die von Buergel/Noack locker in Szene gesetzten Referenz-Cluster, die sich teils über mehrere Stationen der Ausstellung verteilen und deshalb eben nicht immer anschaulich werden, das Potenzial, die mehr oder weniger verborgenen Affinitäten und Kontinuitäten in der „Migration der Formen“ freizusetzen.
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Kassel, bis 23. September 2007
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