Documenta 12 | Stop and go mit Ai Weiwei
Der bislang unterhaltsamste Kommentar zur Documenta kommt von der
TAZ – Rüdiger Kind |
Kassel, 16. Juni 2007, Eröffnung der documenta 12. Die “Welthauptstadt der zeitgenössischen Kunst” versinkt in einem gigantischen Chaos aus zigtausenden, wild hupenden Autos.
Der Stau erstreckt sich flächendeckend von der Wilhelmshöher Allee bis zur Wolfhager Straße. Die Abgasglocke, die über der nordhessischen Stadt hängt wie der Atompilz über dem Bikini-Atoll, macht jeden Atemzug zur Qual. Verwirrte Omis taumeln halb ohnmächtig durch die Fußgängerzone, retten sich vom Drogeriemarkt in die nächste Kaufhalle, um nahe den Belüftungsschlitzen der Klimaanlage etwas Frischluft zu erhaschen.
Die meisten Chinesen scheinen die Stadt denn auch mit einem riesigen Autoscooter zu verwechseln: Karambolagen, Seit- und Frontalzusammenstöße passieren im Minutentakt, die Polizei hat die Unfallaufnahme längst aufgegeben. Für Ai Weiwei ist das Verkehrschaos Bestandteil und erster Höhepunkt der documenta. “Was wir hier erleben dürfen”, sagt der kahl geschorene Sohn des Dichters Ai Qing und zupft verzückt an seinem Bart, “ist die Faszination des chinesischen Menschen für die westliche Technik und fortgeschrittene Lebensart. Eine wunderbare Performance von art in motion.”
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