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Kampf auf dem Parkdeck
Juli 13, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Pony Pedro |
Das Business am Rande des Existenzminimums. Ein Projekt von Pony Pedro.
Das Parkhaus hinter dem Zentrum Kreuzberg in Berlin, in den 1960ern geplant als Teil einer sozialen Utopie von Stadt, befindet sich im Ausnahmezustand: Die unteren Etagen sind Treffpunkt für Drogendealer und Konsumenten. Ab dem zweiten Stockwerk Leerstand. Kostenpflichtiges Parken gehört hier der Vergangenheit an. Man würde abreißen, wenn das nicht so teuer wäre.
Was kommt nach dem Parken?
Das Nutzungskonzept von Pony Pedro passt sich der aussichtslosen Lage an und steigt beim neuen Aufschwung am Arbeitsmarkt ein: Für „Kampf auf dem Parkdeck“ bewirtschaften Arbeitslose und Anwohner aus Kreuzberg 40 Parkplatzparzellen am Kottbusser Tor – temporäre Geschäftsgründungen am Rande des Existenzminimums. Im PARKBAZAR auf Deck M vergibt Pony Pedro Stellplätze als Gewerbeflächen mit einem kleinen Startkapital an arbeitslose Existenzgründer: Friseurstuhl auf dem Parkdeck? Zähne bleichen? Druckerpatrone aufbohren? Wettbüro? Sweat-Shop? Gleichzeitig entstehen auf Parkebene O – dem Roof-Top – Nutzgärten vor urbaner Betonkulisse: Selbstversorger aus der Nachbarschaft bepflanzen zwölf Parkplätze – Mais, Paprika und Kartoffeln für die Kreuzberger Eigenernte.
Vom Tellerwäscher zum Millionär, raus aus der Arbeitslosenstatistik: Ist der Handel noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein. Ihren Traum von der Selbständigkeit stellen die Gründer des „Business am Rande des Existenzminimums“ vom 14. bis 22. Juli 2007 dem Publikum vor: Dann wird im Parkbazar, in der Installation von Pony Pedro, gehandelt und eingekauft.
| 14. bis 22. Juli 2007
Parkhaus Zentrum Kreuzberg
Hofeinfahrt Skalitzer Str. 133
10999 Berlin
U-Bahnhof Kottbusser Tor (U8)
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Happening | Die Existenzgründler
TAGESSPIEGEL - Jens Mühling
… in den siebziger Jahren noch als „hängende Gärten von Kreuzberg“ angepriesen … gelte das Areal (heute) rund ums Kottbusser Tor als verkommene No-Go-Area ohne städteplanerische Perspektiven. „Uns ging es darum, Ideen aufzuzeigen, die in diesem Kontext funktionieren können.“
Das gilt auch für die „hängenden Gärten von Kreuzberg“, die im Rahmen des Projekts in unendlich bescheidenerer Version verwirklicht wurden: Auf dem Dach des Parkhauses haben die Pony-Pedro-Macher ein Dutzend Gemüsegärten angelegt, die von Bewohnern des angrenzenden Plattenbaus bewirtschaftet werden – auch dies eine Form prekärer Selbstversorgung, die an die ökonomischen Grenzfallmodelle des Basars anknüpft. Per Handzettel suchten die Künstler im Haus nach Teilnehmern – und erhielten deutlich mehr Anfragen, als Parzellen zu vergeben waren. Vor allem beim türkischstämmigen Teil der Anwohner stieß das Pony-Pedro-Modell der Subsistenzwirtschaft auf Gegenliebe.
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PONY PEDRO
| Mark Thomann, Sebastian Wagner, Franziska Werner
Pony Pedro arbeitet an Kunst- und Kulturprojekten im urbanen Raum und verbindet Genres wie Grafik, erformance, Musik,Design und Installation. Die Künstler zeigen ihr Aktionskonzept der öffentlichen Intervention auf Festivals und in Kooperation mit Spielorten wie der Akademie der Künste Berlin, dem HAU Berlin, dem Stadttheater Freiburg oder dem Jungen Theater Bremen. Ihre Projekte realisieren sie in den eigenen Atelierräumen mit Siebdruckwerkstatt, wo sowohl Plakate, Flyer und Printmaterialien als Ausstattung und Bühnenbilder für die Aktionen als auch Textildesigns und großformatige Kunstdrucke entstehen.

