muntean-rosenblum-2007-make-death-listen-katalog.jpgKUNSTSCHAU Hamburg
| Jens Ullheimer
| PT GfZK Leipzig |

Die erste retrospektiv angelegte Schau des österreichisch-israelischen Künstler-Paares MUNTEAN / ROSENBLUM in Deutschland.
Die Leipziger Galerie für zeitgenössische Kunst zeigt Arbeiten von 1998 bis 2007.

Die Sehnsucht nach einem Sich-Von-Anderen-Unterscheiden, nach Individuell-Sein, nach einer unverwechselbaren Identität steht den von Medien geprägten Schönheitsidealen und Normvorstellungen gegenüber.

Bilder von Echtheit/Authentizität/Aufrichtigkeit werden in der Werbeindustrie gezielt eingesetzt, um Produkte und Dienstleistungen (noch) besser vermarkten zu können. Dabei bedient man sich ähnlicher Pathosformeln, wie man sie aus der Kunstgeschichte kennt, und schöpft aus einem Fundus von Gesten, Posen, Attributen, Kompositionsstrategien und Farbsymboliken, die - ihres religiösen, mythologischen Hintergrundes entkleidet - eingesetzt werden, um Emotionen künstlich zu erzeugen.

Markus Muntean & Adi Rosenblum arbeiten in ihren Filmen, Zeichnungen, Malereien und Installationen mit diesen Pathosformeln aus Kunstgeschichte und Werbung. Bewusst wird eine Widersprüchlichkeit zwischen Bild- und Textinformation, Passivität und Aktivität, Authentizität und Künstlichkeit sowie eine Mehrdeutigkeit von kulturellen Codes erzeugt.

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Markus Muntean & Adi Rosenblum  | | |  Make Death Listen

Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig

| bis 7. Oktober 2007

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Süßer Slogan Jugend

AUTOREN + REPORTER - Carmen Stephan
| veröffentlicht in MONOPOL

Ein Mädchen macht eine Ballerina-Figur, zwei andere halten eine weiße Fahne wie für den Sturm auf die Bastille. Ein Junge steht lässig mit dem Rücken zum Betrachter, das Muskelshirt ist ihm halb von der Schulter gerutscht. Ein Mädchen im „Urban 77“-Shirt macht entweder eine Übung aus einem Aerobic-Kurs, oder sie streckt ihre Hand Gott im Himmel entgegen.

Es sind starre Pathos-Gesten, die aus der klassischen Ikonographie stammen. Heute findet man sie noch in den Lifestyle-Magazinen, aus denen Muntean/Rosenblum schöpfen. Darin sieht man die weit ausgestreckten Finger mit dem neuesten Nagellack und das emporgehobene Gesicht im Verführerinnen-Makeup. Muntean/Rosenblum entdecken darin die Posen, mit denen schon Rubens oder Géricault den Betrachter berührten, sie lassen somit deren Malerei wieder zeitgenössisch werden. Keiner der Porträtierten blickt den anderen an. Dennoch erscheinen sie als harmonische, energetische Gruppe - die noch identitätslos ist.

muntean-rosenblum.jpg

Life is just a prison in which we try to keep ourselves busy and to forget. Yes we forget. We go on forgetting, all the things we would prefer to know nothing about. Just taking refuge in forgetfulness and frivolity”.

[ Bild_Text unten ]

 

Die Aussage muss keinen Sinn ergeben, sie wurde von Muntean/Rosenblum aus verschiedenen Satz-Fragmenten, die sie in den Magazinen entdeckten, zusammengesetzt. Im Wechselspiel von Wort und Bild entstehen Mehrdeutigkeiten. Hinter der Oberfläche des Vertrauten öffnen sich auf einmal viele Fragen. Muntean/Rosenblum schaffen es, das Verhängnis der Jugend in nur einem Bild einzufrieren. Die Teenager müssen auf künstliche Identitätsmuster zurückgreifen, sie haben ihre Unschuld verloren. Ihre in Wahrheit vielschichtige Persönlichkeit spielt keine Rolle mehr, denn sie lässt sich in keinen Slogan verwandeln.

TEXT von Carmen Stephan lesen

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MUNTEAN/ROSENBLUM | Jugendkultur und eine Art Metaphysik des Leibes

Kunstpreis
der Diözese Graz-Seckau für zeitgenössische Bildende Kunst 1999
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Präzise Mehrdeutigkeiten, um die Frage offen zu halten …

MUNTEAN/ROSENBLUM
im Gespräch mit Johannes Rauchenberger und Alois Kölbl,
Minoriten-Galerien Graz, 2002

Die Minoriten-Galerien Graz zeigen internationale und heimische Kunstpositionen vor allem mit dem Fokus an Auseinandersetzungen mit Dimensionen von Religion und Spiritualität – ob in Bestreitung, Weiterführung oder Transformation.

Ihr habt einmal gesagt: Pathos ist der Religion vorgängig, auch die Religion verwendet Pathosformeln wie eben ihr auch, allerdings von einem anderen Standpunkt aus und aus einem anderen Interesse. Wo liegt euer Interesse an diesen Formeln?

M/R: Wir betrachten Pathos unabhängig vom christlichen oder religiösen Kontext. Auch wenn man keine Ahnung vom Inhalt der Darstellung hat, kann man Pathos spüren, empfindet man Emotion. Genau darum geht es uns. Nicht um die inhaltliche Botschaft. Unabhängig von der Tradition einer bestimmten Religion. Es gibt bestimmte menschliche Gesten, die auch durch Malerei vermittelt werden, die eben unabhängig von einer konkreten inhaltlichen Message transportiert und verstanden werden. Man müsste auch darüber diskutieren, wie sehr historische Kunst sich überhaupt mit Religion auseinandersetzte.

Vieles, was vom Thema her einen religiösen Inhalt hat, ist wohl überhaupt nicht religiöse Kunst, wird wohl vorschnell auf diese eine Ebene reduziert. Das Problem entsteht dadurch, dass alte Kunst immer in einen religiösen Kontext eingebettet war. Aber für uns bietet die Religion eine Lösung, die nicht mehr gangbar ist. Das hat nichts damit zu tun, dass historische Kunst nicht mehr interessant wäre. Wir sehen das ganze von einem nachmetaphysischen Standpunkt. Religion ist eine Lösungsform, die einfach nicht mehr zur Verfügung steht, nach unserer Überzeugung.

Gespräch lesen [ pdf-Format ]

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Markus Muntean & Adi Rosenblum  | | |  Make Death Listen
Retrospektive Werkschau ab 1998

Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig

| bis 7. Oktober 2007

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Tocotronic | Schnapsideen statt Bierernst

Juli 22, 2007 | Comments Off

NZZ - Aram Lintzel

«Kapitulation» – schon der Titel des neuen Tocotronic-Albums sorgt für Gesprächsstoff. Warum und vor wem streckt die Hamburger Band die Waffen? Die punkige Single «Sag alles ab» liefert Indizien: Der Song ist eine Hymne gegen neoliberales Networking und gegen volle Terminkalender. Auch sonst ist die CD reich an metaphorischen Verweigerungsgesten.

Auf «Kapitulation» gibt es anmassende Slogans im Geiste des Punk, die Erinnerungen an «Null Bock»-Generation und «No Future»-Graffiti wecken. Auch die vielen Kriegsmetaphern – neben dem Titel Begriffe wie «Festung», «Verschwörung», «Strategie» – lassen sich als Ausdruck einer biografisch gewachsenen Punk-Haltung verstehen.

Wie das Vorgängeralbum «Pure Vernunft darf niemals siegen» ist «Kapitulation» trotz seinen Verweigerungssounds kein beglaubigtes Programm, kein in Klang gegossenes Handbuch für die des Kapitalismus Überdrüssigen, kein Agitprop zum Generalstreik. Vielleicht ist die «Kapitulation» sogar als ultimative Steigerungsform der Romantik zu verstehen: Schliesslich kann derjenige, der sich jeglichem Tun und jeglicher Entscheidung kategorisch entzieht, wie niemand sonst in den unendlichen Traumwelten noch nicht verwirklichter Optionen schwelgen.

«Ein schöner Gedanke», kommentiert von Lowtzow, «viel schöner als diese -Ideologie, die heutzutage aus allen Kanälen dröhnt.»

«Morgens früh lief ich hinaus / Das Gras war feucht vom frischen Tau / Ich schaute und war voller Glück / Verrückt, denn alles stimmt genau»

NZZ - Artikel lesen

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| VIDEO | Kapitulation | Tocotronic
| Promo für die 2007-TonträgerVeröffentlichung

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“Dieses ganze scheiß Harmlosistan”

TAZ - Interview von Kirsten Riesselmann und Thomas Winkler
 
Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow darüber, warum er immer noch wütend ist, warum seine Band faul ist. Und: Warum Kapitulation gegen neoliberale Zumutungen hilft.

Die zweite Single dagegen, das Titelstück “Kapitulation”, ist ein unglaublicher Ohrwurm. Da freut sich doch das Radio.

Auch das wird nicht gespielt werden. Radio ist ein wahnsinnig rigides und reaktionäres System: Alles, was aus dem normalen Rahmen heraus fällt, findet da keinen Platz. Deswegen fristen wir ja auch weiterhin ein Nischendasein, weil die Feuilletons, die Musikpresse und die Stadtmagazine einfach nicht so relevant sind für den breiten Markt.

Aber die Plattenverkäufe sind in der Kalkulation heute doch sowieso längst nicht mehr so wichtig wie die Konzerte.

Das ist so - und das ist eine sehr ungute Entwicklung. Denn in der Idee des Albums liegt ja ein extrem hoher emanzipatorischer Gehalt. Bei aller Liebe zu den Konzerten: Das ist doch Reproduktion. Man spielt immer nur das, was man schon aufgenommen hat. Livekonzert bedeutet eben: Man tritt in eine Arena, wird angeguckt, die Leute wollen was bekommen für ihr Geld. Das ist auch okay so, aber kreativ ist es nicht. Es hat ja seinen Grund, warum Anfang der Sechzigerjahre mit dem Aufkommen der Langspielplatte Künstler - von den Beatles bis Glenn Gould - gesagt haben: Wir gehen nicht mehr raus, Konzerte sind die Reproduktion des Ewiggleichen, wir verschanzen uns im Studio und genießen die Freiheiten dieser Sache. Deshalb sehe ich die Entwicklung, dass man sein Geld nur noch mit Livekonzerten verdienen kann, nicht nur positiv.

TAZ - Interview lesen

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tocotronic-tontrager-kaptulation-2007.jpgTONTRÄGER | Kapitulation
(Ltd. Edition incl. Bonus-DVD) [Doppel-CD]

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  • Kunst | Presseschau

    Auswahl aktueller Veröffentlichungen zum Themenschwerpunkt Kunst in der deutschsprachigen Internet - Medienlandschaft. Die Artikel werden hier kurz angerissen, teilweise thematisch gebündelt - mit Video/Audio, Katalog- & Medien - Informationen ergänzt - und sind direkt mit den Online-Medien verlinkt.

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  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
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