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Ferdinand Kriwet | Der XXL-Radiohörer
Juli 27, 2007 | Comments Off

TAZ -
Björn Gottstein |
Historische Klang-Collagen: Die “Hörtexte” des Medienkunst-Pioniers Ferdinand Kriwet erzählen vom Leiden der Massenmedien an der flüchtigen Gegenwart.
“Hörtexte” nannte der heute in Dresden lebende Künstler seine akustischen Collagen, in denen er die Sprache der Massenmedien zu einer “poetischen Analyse” verdichtete. Mit Akribie und Eifer sammelte er Ausschnitte aus Radio- und Fernsehsendungen, sezierte und montierte sie zu mehrstimmig-rhythmischen Kompositionen. Sein Blick auf das Material ist zunächst wertfrei, distanziert. Die Dimension des kritischen Kommentars stellte sich eher unbeabsichtigt ein. Jetzt sind seine “Hörtexte” in einer Dreifach-LP-Box erschienen - auf dem Cover sieht man Kriwet selbst, mit Kopfhörer und Aufnahmegerät in der New Yorker U-Bahn, im Gesicht den Ausdruck melancholischer Entschlossenheit eines jungen Intellektuellen.
Kriwet war kein Hasardeur, der auf Zufälle wartete. Für das Stück “Apollo Amerika” mietete er 1969 in New York zur Mondlandung ein Hotelzimmer und Radio- und Fernsehgeräte, um sich dort für die drohende Epiphanie der Menschheit zu wappnen.
… wo deutlich wird, wie die US-amerikanischen Medien die Mondlandung zu einem religiösen Ereignis umdeuten. Mit biblischer Rhetorik wird Raumfahrt zu einem spirituellen und patriotischen Unterfangen, während die Radiostimmen den Mythos vom auserwählten Volk beschwören. Gottgleich dröhnt Armstrongs Stimme aus dem All. “Apollo Amerika” ist, der Distanz des Künstlers zum Trotz, ein Stück Ideologiekritik.
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AUDIO | Apollo America | 1969
Realisation: Ferdinand Kriwet
Produktion: Studio Akustische Kunst WDR Köln/SWF/BR 1969
Redaktion: Klaus Schöning
21 min
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Ferdinand Kriwet (geb. 1942 in Düsseldorf) ist Multmediakünstler und Dichter. In den 60er und 70er Jahren produzierte er bahnbrechende Filme und Klangarbeiten für Radio und Fernsehen.
Seine Arbeiten ‚Apollovision’ (1969-2005) und ‚Campaign’ (1972/73-2005), die in Zusammenarbeit mit der BQ Galerie Köln ausgestellt wurden, gelten heute als bedeutende Zeugnisse spektakulärer Ereignisse der Menschheitsgeschichte. So schuf Kriwet ‚Apollovision’ zur Zeit der Apollo-Mission in den USA und benutzte für seine Arbeit Informationen und Materialien aus Radio, Fernsehen und Zeitungen, die über das Spektakel berichteten. Kriwet selbst beschreibt diese Filme als „Bild-Ton-Collage“, produzierte aber gleichzeitig Konkrete Poesie, Hörspiele und Geräusch- und Klangkunst. Kriwets Arbeiten beschreiben den Versuch eine Vorstellung von der allgegenwärtigen Geräuschkulisse zu vermitteln, die uns auf Kurz-, Mittel- oder Langwelle begleitet. Sein Ansatz politisch engagierter Avantgarde-Kunst wurde beeinflusst von künstlerischen und konzeptuellen Strömungen vom Konstruktivismus über Neue Musik und Beat Generation bis zum Pop.
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Ferdinand Kriwet
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