Michelangelo Antonioni | Cut !

Sonntag, August 5, 2007
By Peter Panter

Jedes seiner Rätsel ist ein Film geworden |

FAZ – Michael Althen

Michelangelo Antonioni ist tot

Wenn es stimmt, dass die Größe eines Regisseurs in der Zärtlichkeit besteht, die er der Welt und ihren Dingen gegenüber aufbringt, dann gehört Antonionis Werk zum Größten, was das erste Jahrhundert des Kinos hervorgebracht hat. 

Was Camus „die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt“ genannt hat, findet sich bei ihm wieder und wieder. Und doch befreit Antonioni in jedem seiner Filme das Leben aus dem Gefängnis seiner Alltäglichkeit und verwandelt die Welt in ein Wunder. 

Wenn dann also in „Zabriskie Point“ in einer siebenminütigen Explosions-Sinfonie zur Musik von Pink Floyd eine Villa samt Einrichtung in ihre Bestandteile zerlegt wird, wenn ein Kühlschrank, ein Bücherregal, eine Sitzecke und ein Kleiderschrank in Superzeitlupe vor himmelblauem Hintergrund auseinanderfliegen, dann ist auch dabei weniger Zivilisationskritik am Werk als der Wille, all die bedeutungslosen Objekte des Alltags dem Gefängnis ihrer Form zu entwinden und einer neuen Schönheit zuzuführen.

FAZ – Artikel lesen

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zabriskie-point-rolling-stone-cover-1970.jpg

Daria Halprin und Mark Frechette | die beiden Hauptdarsteller von Zabriskie Point auf dem Cover vom ROLLING STONE Magazine 1970 |

 

 

Die Sprengung der Warenform | Zum Tode von Michelangelo Antonioni

TAZ – Diedrich Diederichsen

- in “Zabriskie Point”, einer Reise durch die Idee der Politisierung. Sie beginnt mit Black Panthers, führt über ein gigantisches Love-in in der Wüste und endet in der psychedelischen Apokalypse der Warenkultur, einem der stärksten Bilder jener Revolte: einer zeitlupengedehnten Explosion von Logos und Verpackungen zur Musik der frühen Pink Floyd. Kein anderer 68er-Regisseur hat die viel gefilmte Werbe- und Logokultur so zu einer fast chiliastischen Kapitalismuskritik zugespitzt: nicht Vietnam, nicht der Rassismus, nicht Repression, auch nicht “Konsumterror”, wie man damals sagte, sondern: Die Ware selbst ist das Problem. Was gab es danach noch zu sagen?

TAZ – Kommentar lesen

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VIDEO | Zabriskie Point | Schlussszene | 1970
| Musik: Pink Floyd
( modifizierte Version von “Be Careful With Your Axe Eugene” )

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Von diesem Film wurde womöglich David Schnell inspiriert.
Aktuelle Ausstellung: MIKADO | Eigen+Art / Leipzig

schnell-thermik-2007.jpg

David Schnell Leipzig/Berlin | ”Thermik” | Öl auf Leinwand
230 x 360 cm | 2007

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Beredtes Schweigen

NZZ – Thomas Christen

Was bleibt? Präzision.

Die Erinnerung an einen eleganten, sportlichen Mann, der im «Who’s who» als Hobby Tennis angab. Ein scharfgeschnittenes Gesicht, das im Alter zu einer eigentlichen Landschaft wurde. Ein Regisseur, der es hasste, Interviews zu geben, der oft verlangte, dass die Fragen schriftlich eingereicht wurden, um darauf – ebenfalls schriftlich – zu antworten, wohl weil er fürchtete, sonst nicht präzise genug zu antworten.

Präzision ist eines der Schlüsselworte, um Antonionis Stil zu charakterisieren. Zugleich ist es eine Bezeichnung, deren Richtigkeit sich erst auf den zweiten Blick erweist, denn inhaltlich wirken seine Filme oft zufällig, leer oder gar chaotisch. Sie handelten von nichts, so beschrieb der Regisseur sie selbst, aber dieses Nichts erfolge mit präziser filmischer Vergegenwärtigung. Dies verlangt vom Zuschauer den zweiten Blick. Denn hinter einer glatten Oberfläche, hinter einer Geschichte ist stets etwas anderes, eine zweite Ebene, ein weiterer «Text» zu finden, der sich oft ganz erheblich vom primären unterscheidet. In der Präzision manifestiert sich der Wille, Stil und visuelle Sprache des Films voranzutreiben.

NZZ – Artikel lesen

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VIDEO | Blow Up | die legendäre Yardbirds-Szene | 1966
| mit Jeff Beck und Jimmy Page, der kurz darauf Led Zeppelin gründete
| Film-Soundtrack von Herbie Hancock
| Film _ Info

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Der Regisseur der banalen Nicht-Orte ist tot

WELT online – Tomas Fitzel

Arbeiterelend und trostlose Landschaften, Swinging Sixties und Freie Liebe – all dies zeigen die Filme des Michelangelo Antonioni in nüchternen Bildern.

Was bleibt? Keine Geschichten, Plots, die sich nacherzählen ließen, aber der Eindruck von eigentümlichen Atmosphären und Stimmungen, die nur schwer in Worte zu fassen sind, aber vor allem Bilder, eindringliche und unauslöschliche Bilder.

leclisse-film-cover.jpgUtopie, das heißt Nicht-Ort und Antonioni zeigte in all seinen Filmen vor allem Nicht-Orte, angefangen bei “Der Schrei”. Die Landschaft darin am Po mit ihren geraden Straßen, weiten Feldern und Nebeln besitzt nichts Trostspendendes, sie ist wüst, leer und unglaublich banal, eine Landschaft als Peripherie und im Übergang von Stadt, Industriegebiet, Agrar- und Brachfläche. Auch in den späteren Filmen sind es immer wieder solche Randgebiete und Nicht-Orte, an denen die Handlung angelegt ist. Nicht zufällig sieht man bei ihm sehr oft Neubausiedlungen oder Baustellen. Antonioni suchte diese Nicht-Orte, denn an ihnen kann Neues entstehen, Geschichte ist dort noch nicht übermächtig, hier ist Platz. Und zugleich: einsamer kann man Menschen nicht in einen Raum setzen.

WELT – Artikel lesen

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VIDEO | L’Eclisse | 1962 | Schlussszene
| Film _ Info

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Montag den 6. August um 22.15 Uhr
Die mit der Liebe spielen (L’Avventura)

ARTE zeigt den italienischen Klassiker
anlässlich des Todes von Michelangelo Antonioni.

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