Der Künstler betritt die Bühne
NZZ – Karin Schulze |
Experimente an der Schnittstelle von Kunst und Theater.
Manchem Kritiker gelten John Bock, Jonathan Meese und Christoph Schlingensief als «Künstler-Performer-Ekel-Schockschwerenot-Pseudoprovokateure», denen ihre Mittel allenfalls Selbstzweck sind. Doch die neuen multimedialen theatralischen Kunstformen ergeben mehr Sinn, als ihre Oberfläche aus Chaos, Nonsens und Dilettantismus ahnen lässt.
Die wesentlichen Protagonisten dieses Genres sind Meese, John Bock und Christoph Schlingensief. Alle drei Künstler greifen für ihre lässig zusammengehauenen intermedialen Welten auf zahllose Versatzstücke der Kunstgeschichte zurück. Mit dem Mörtel ihrer krausen Imagination verfugen sie, was eben noch nicht zusammenging: Splitter von Richard Wagners Gesamtkunstwerksidee mit Artauds Konzept eines spontanen, «nicht-repräsentativen» Theaters; die wuchernde Höhlenwelt von Schwitters Merzbau mit den Entsublimierungs-Grotesken eines Paul McCarthy; und Beuys’ predigenden Gestus mit der provokativen Deftigkeit des Wiener Aktionismus und dem zersetzenden Humor eines Martin Kippenberger.
Ohne schockierende, provozierende Dreistigkeiten, ohne chaotische Materialballungen und Momente der Langeweile und der Unsinnsproduktion geht es dabei nicht ab. Für viele Kritiker stehen solche – an der Oberfläche destruktiven – Produktionen unter dem Verdacht, «Verschaukelung des Publikums und grenzenlosen Zynismus» («FAZ») zu betreiben.
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John Bock | Filme
| Schirn Kunsthalle Frankfurt
| bis 23. September 2007
Christoph Schlingensief | 18 Bilder pro Sekunde
| Haus der Kunst München
| bis 16. September 2007
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