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Mark Wallinger | Haus Salve Hospes
September 9, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT KV Braunschweig |
Obwohl einer der wichtigsten britischen Künstler seiner Generation ist Wallingers Ausstellung im Kunstverein Braunschweig die erste Retrospektive des aktuellen Turner-Preis-Kandidaten in Deutschland. Die Ausstellung ist bis 11. November 2007 zu sehen.
Seine Arbeit wurde bereits in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt (wie derzeit bei den Skulptur Projekten in Münster) und er selbst gerade für den renommierten Turner Prize nominiert. Die Ausstellung in Braunschweig wird einen umfangreichen Überblick über Wallingers künstlerisches Schaffen der letzten Dekade in Form von Filmprojektionen, Fotografien, Objekten, Installationen und Gemälden geben. Außerdem werden neue, bisher nicht gezeigte Arbeiten präsentiert.
Mark Wallinger (geb. 1959) gehört zur Generation der britischen Künstler/innen, die unter der Bezeichnung „Young British Art“ in den 1990er Jahren im Kunstbetrieb Furore gemacht haben. Allerdings unterscheiden sich seine Themen und künstlerische Sprache von „Kolleg/innen“ wie etwa Tracey Emin, Damien Hirst, Sarah Lucas oder Chris Ofili, die ihre Inhalte oft mittels direkter Provokation umsetzen. Wallinger untersucht in seinen Arbeiten die Mechanismen von Symbolen, Identitäten und den damit verbundenen Codierungen – nationale, religiöse, kulturelle oder allgemein gesellschaftliche –, um diese zu verkehren, ironisch in Frage zu stellen und neu aufzuführen. Seine künstlerische Haltung verbindet gesellschaftliches und politisches Engagement mit Satire und einem Interesse an abendländischen Traditionen, wobei er sich so unterschiedlicher Medien bedient wie Malerei, Installation, Film, Fotografie, Objekt oder Performance.
1997 singt er z.B. in Hymn ein viktorianisches Kirchenlied – als Blinder verkleidet und einen bunten Ballon haltend, der sein Portrait als Kind zeigt. Seine durch Heliumgas verzerrte und kindlich gehöhte Stimme karikiert jeden unreflektierten Glauben als Kinderglauben; als blinden Glauben, dem die Luft ausgeht wie dem Ballon am Ende des Liedes.
2004 trottet er sieben Nächte lang im Bärenkostüm durch das hell erleuchtete Erdgeschoss der Neuen Nationalgalerie in Berlin, für jeden Nachtschwärmer durch die große Fensterfront des Mies van der Rohe-Baus sichtbar. Durch den Titel Sleeper verknüpfen sich Vorstellungen an Berlin als ehemaliger Hochburg für Spione und Agenten mit der Panikmache um den 11. September und dem Wappentier der Stadt.
2007 baut er im Eingangsbereich der renommierten Tate Britain den über 40 Meter langen Protestzaun nach, den der Brite Brian Haw anlässlich des Irak- und Afghanistankrieges und der britischen Verflechtung darin seit 2001 am Parliament Square gegenüber des Westminster Palastes in London aufgestellt und ständig erweitert hatte – und den die britische Regierung im vergangenen Jahr im Zuge eines plötzlich erlassenen Demonstrationsverbotes im näheren Umkreis des Regierungsviertels über Nacht hat entsorgen lassen (die Tate Britain allerdings befindet sich innerhalb dieser Bannmeile).
State Britain wird in Braunschweig leider nicht gezeigt.
Kunstverein Braunschweig
| Mark Wallinger | Haus Salve Hospes
| bis 11. November 2007
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Wallingers Reisende | In der Bannmeile
FR online - Sandra Danicke
Gilbert und George ging es so. Bei Tony Cragg oder Rachel Whiteread war es das Gleiche: Erst nach der zweiten Nominierung hatten sie ihn endlich, den begehrten “Turner Prize”. Genauso war es übrigens auch bei Damien Hirst, der Mark Wallinger 1995 die Trophäe vor der Nase wegschnappte. Die Chancen stünden also prima für Wallinger, wäre da nicht Mike Nelson. Auch er ist zum zweiten Mal auf der Shortlist. Wallinger ist entsprechend nervös, was er nur ungern zugibt.
Wenn es ein Wallinger-Markenzeichen gibt, dann ist es vermutlich die ausgeprägte Vorliebe für das Groteske. Ob er eine tote Fliege auf der Scheibe filmt, hinter der Flugzeuge, Vögel und Artgenossen teilnahmslos vorbei fliegen (”Fly”, 2000), ob er den britischen Union Jack mit seinen Komplementärfarben orange-grün versieht und ihm damit scheinbar unabsichtlich einen irischen Stempel aufdrückt (”Oxymoron”, 1996), oder ob er - als Blinder verkleidet - einen Luftballon hält, dem das Porträt des Künstlers als Kind aufgedruckt ist, und mit Helium verzerrter Kinderstimme ein viktorianisches Kirchenlied singt, das die damalige Kindersterblichkeit verharmlosen sollte (”Hymn”, 1997).
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Mark Wallinger, State Britain
SPIKE Kunstmagazin - Sally O’Reilly
Aus dem Englischen von Thomas Raab
Eine Sonderverordnung zum Polizeigesetz gegen schweres organisiertes Verbrechen vom Mai 2006 verbot Demonstrationen innerhalb eines Radius von einem Kilometer um den Parliament Square. Sie wurde eigens beschlossen, um den 40 Meter langen improvisierten Protestzaun zu entfernen, der in den letzten fünf Jahren gegenüber dem Parlament entstanden ist. Die Konstruktion und die Plakate wurden mitsamt dem Favela-artigen Ein-Mann-Peace-Camp des Demonstranten Brian Haw mitten in der Nacht von der Polizei entfernt, was zu großer Empörung führte.
Mit »State Britain« (2007) hat Mark Wallinger die mit Slogans voll geschriebenen Transparente, die fotokopierten Montagen und die mit falschem Blut durchtränkten Puppen und Teddys, die auf die Kriegsgräuel im Mittleren Osten verweisen, rekonstruiert. Wallingers Arbeit ist – bevor wir uns deren Politik zuwenden – mit ihrer großen Genauigkeit den detaillierten Fotovorlagen gegenüber ein brillantes Faksimile. Sie erstreckt sich über die gesamte Länge der Grand Duveen Galleries in der Tate, und mit ihrem einfachen Handwerk und den anklagenden Slogans nimmt sie mit Leichtigkeit, nicht ohne mit der Trashästhetik der Post-YBA-Kunst zu spielen, die Rolle der Installationskunst ein.
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Mark Wallinger
| Re-Produktion von Brian Haw’s Parliament Square protest
| in eine Installation in der Tate Britain. ( Photo-Strecke Telegraph.co.uk )
Mark Wallinger | State Britain | Tate Britain, London 2007
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VIDEO | english
| Mark Wallinger spricht über seine Arbeit State Britain | 2007
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Kunstverein Braunschweig
| Mark Wallinger | Haus Salve Hospes
| bis 11. November 2007

