KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Sprengel Museum Hannover |

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Niki de Saint-Phalle | Schießbilder
1961 schoss ich auf: Papa, alle Männer, kleine Männer, grosse Männer, bedeutende Männer, dicke Männer, Männer, meinen Bruder, die Gesellschaft, die Kirche, den Konvent, die Schule, meine Familie, meine Mutter, alle Männer, Papa, auf mich selbst, auf Männer.”

Bis zum 27. Januar 2008 zeigt das Sprengel Museum Hannover die Ausstellung „Nouveau Réalisme. Revolution des Alltäglichen“, die in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou Paris und den Galeries nationales du Grand Palais entstanden ist. Sie gibt mit zahlreichen hochkarätigen Arbeiten der französischen Künstlergruppe, die sich am 27. Oktober 1960 in der Pariser Wohnung Yves Kleins konstituierte, einen umfangreichen Überblick über eine der interessantesten späten Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts.

Der von Pierre Restany geprägte Begriff ‚Neuer Realismus’ wurde zum Markenzeichen dieser Künstler. Einer von ihnen, der 2005 verstorbene Raymond Hains, erinnerte sich viel später:

 „Der Nouveau Réalisme ist eine Art Bruderschaft. Ein Zusammenschluss kleiner Cäsaren, die sich die Welt teilen, so wie man einen Kuchen unter sich aufteilt. Yves Klein nimmt das Blau, César die zum Block gepressten Autos, Arman die Mülleimer, Villeglé, Rotella und ich die abgerissenen Plakate, Christo die Verpackungen. Mit den Nouveaux Réalistes gehen wir von der Welt der Malerei in die Welt der Wahrheit. Die Künstler hören auf, Kunst herzustellen, um personifizierte Abstraktionen zu werden.”

Die schillernde Welt des Massenkonsums, der Werbung und der Unterhaltungsindustrie wurden zur Quelle ihrer Inspirationen und bestimmte ihre Ästhetik maßgeblich. In der Ausstellung vertretene Künstler sind

Arman, Lee Bontecou, César, John Chamberlain, Christo, Gérard Deschamps, Erik Dietman, François Dufrêne, Raymond Hains, Alain Jacquet, Yves Klein, Robert Malaval, Daniel Pommereulle, Jean-Pierre Raynaud, Martial Raysse, Mimmo Rotella, Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri, Richard Stankiewicz, Jean Tinguely, Günther Uecker, Jacques Villeglé, Wolf Vostell und Gil Joseph Wolman.

Von ihnen werden ca. 240 Werke gezeigt.

Nouveau Réalisme
| Sprengel Museum Hannover
| bis 27. Januar 2008

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katalog-nouveau-realisme-2007.jpgKATALOG | Nouveau Réalisme
Revolution des Alltäglichen
| Deutsch, ca. 352 S.,
| ca. 424 Abb.,
| ca. 252 farbig,
| 23 x 30,5 cm,
| gebunden
| mit Schutzumschlag

Prächtig ausgestattetes, sachkundig kommentiertes Standardwerk zu dem großen Thema der französischen Kunst der 1960er-Jahre und einer der interessantesten Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts.

| Mit Werken von Arman, Christo, Yves Klein, Daniel Spoerri, Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle u.a..

Als sich im Jahr 1960 um den französischen Kunstkritiker Pierre Restany die Nouveaux Réalistes als Gruppe zusammenschlossen – mit Künstlern wie Arman, Yves Klein, Daniel Spoerri, Jean Tinguely und später auch Niki de Saint Phalle –, begann ein überaus spannendes Jahrzehnt.

Die Mitglieder hatten sich in Abkehr vom vorherrschenden Abstrakten Expressionismus und der informellen Malerei zum Ziel gesetzt, mit neuen Materialien und Techniken die Realität des täglichen Lebens in die Kunst zu integrieren. Durch die Einbeziehung von trivialen Fundgegenständen erweiterte sich der Spielraum der Kunst um ungeahnte Möglichkeiten.

Die Publikation bietet einen ungemein umfangreichen Überblick über die künstlerische Bewegung: So werden die Protagonisten der Künstlergruppe, ihre bevorzugten künstlerischen Verfahren, der Rückbezug auf dadaistische Strategien und das Vorbild Marcel Duchamp oder auch der Dialog zwischen Paris und New York breit vorgestellt. Eine mit historischen Fotos reich bebilderte Geschichte der vielfältigen Aktionen, eine umfangreiche Chronologie und eine ausführliche Biblio- und Filmografie ergänzen das Standardwerk.

Katalog zu den Ausstellungen:
Galeries nationales du Grand Palais, Paris 28.3.-2.7.2007,
Sprengel Museum Hannover 9.9.2007-27.1.2008

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Von Plakatabreißern und Alltagsrevolutionären

DEUTSCHLANDRADIO Kultur -  Volkhard App

Farbige Papierfetzen, hier und da der Rest eines Slogans oder Fragmente eines Fotos: So sieht sie aus, die Poesie abgerissener Plakatwände. Jene urbanen Flaneure um 1960, die diese Flächen in ihre Ateliers brachten und an die Wände von Galerien, gehörten zu den “neuen Realisten”, zu den Archäologen des modernen Alltags. Sie nahmen sich industrieller und massenmedialer Objekte an und verwandelten sie.

Von 1960 datiert das vom Theoretiker Pierre Restany formulierte Gründungsmanifest der “Neuen Realisten”, länger als drei Jahre existierte diese heterogene “Bruderschaft” nicht. Doch individuell dauerte die “Revolution des Alltäglichen” bei diesen Dekonstrukteuren, Sammlern, Bastlern und Aktionisten weiter an. Und nach wie vor war ein vitaler Widerstand gegen andere, herrschende Kunstrichtungen spürbar. Museumsdirektor Ulrich Krempel:

“Die Künstler haben gesagt: In einer Zeit so kurz nach dem Ende des großen Krieges, so kurz nach dem Abwurf der Atombomben, in einer Zeit, in der zum Beispiel Frankreich Kriege führte in den ehemaligen Kolonien, kann man nicht so tun, als könne man sich nur mit dem Innenleben und der großen Kontemplation im Kopf beschäftigen. Also ging es gegen diese Kunst, die dominant war in Frankreich und international.”

Eine wichtige Schau - die öffentlichen Aktionen von einst, die Spektakel und Skandale der Künstler lassen sich allerdings nur noch ahnen. Tinguelys Maschinen zertrümmerten in einem Schaufenster Unmengen von Porzellan, Arman zerstörte Klaviere, Christo blockierte aus Protest gegen die Berliner Mauer und die Kriege eine Durchfahrt mit Ölfässern. Und Niki de Saint-Phalle, die einzige prominente Frau in dieser Gruppierung, ließ auf ihre Materialbilder schießen, so dass sich Farbbeutel darüber entluden.

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

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Der Alltag und die «ästhetische Taufe des Objekts»
Zur Kritik der Neo-Avantgarde: die Pariser Gruppe der Nouveaux Réalistes

NZZ - Peter Bürger

Der 1960 in Paris gegründeten Gruppe der Nouveaux Réalistes ging es nicht um Fragen des Daseins, sondern vor allem um eine Erneuerung des künstlerischen Vokabulars – um den Versuch, eine neue Unmittelbarkeit zu erreichen. Eine kritische Würdigung der Bewegung aus Anlass einer Ausstellung im Sprengel-Museum Hannover.

Nicht um Fragen des Daseins geht es der Gruppe, sondern um eine Erneuerung des künstlerischen Vokabulars. Genauer um den Versuch, eine neue Unmittelbarkeit zu erreichen durch den Verzicht auf Transposition. Die grossen Autoren der Moderne haben die Frage nach der Möglichkeit künstlerischer Darstellung mit einer Theorie der Transposition bzw. der Metapher beantwortet – Prousts Maler Elstir gibt das Meer mit den Farben des Landes und das Land mit den Farben des Meeres wieder –, die historischen Avantgarden hofften die ästhetischen Kräfte im Leben selbst freizusetzen, erstrebten also, strenggenommen, gar kein Werk mehr.

Im Gegensatz dazu geht es den Nouveaux Réalistes (wenn wir Restany folgen) um den Ausdruckswert der gesellschaftlichen Realität selbst. Man kann darin den Versuch erblicken, das zu benennen, was Yves Kleins «Anthropométries», Spoerris «Fallenbilder» und Hains’ Plakatabrisse gemeinsam haben. Wenn Klein mit blauer Farbe bemalte nackte Frauen zu «lebenden Pinseln» erklärt und sie sich auf Papier oder Leinwand wälzen lässt, Spoerri die Reste einer Mahlzeit, so wie sie sich zufällig ergeben haben, auf der Tischplatte fixiert und diese als Bild an die Wand hängt und Hains von Wind und Wetter zerfetzte Plakatabrisse auf Bildträger aufbringt, dann verzichten sie auf die traditionellen Mittel der Malerei und setzen stattdessen auf die ästhetische Wirkung des zufälligen Realitätsfragments.

NZZ - Artikel lesen

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Nouveau Réalisme
| Sprengel Museum Hannover
| bis 27. Januar 2008


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