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Georg Baselitz | Retrospektive in der Royal Academy of Arts London
September 25, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Royal Academy Of Arts |
Eine große Retrospektive zu Ehren des herausragenden deutschen Künstlers Georg Baselitz gibt es zur Zeit in London zu sehen. Mit über 60 Gemälden und einer großen Zahl seiner Zeichnungen, Drucke und Skulpturen präsentiert die Royal Academy of Arts bis zum 09. Dezember 2007 einen umfassenden Überblick über das Werk von Baselitz
Diese Werke sind Leihgaben von mehr als 30 Besitzern, die hauptsächlich in Europa ansässig sind; daher ist die Ausstellung eine einzigartige Gelegenheit, den Erfolgsweg des Malers über fünf Jahrzehnte zu bewundern. Baselitz, der 1981 in großem Stil an der wichtigen Ausstellung A New Spirit in Painting an der Royal Academy teilnahm und bei dieser Gelegenheit sein Werk dem englischen Publikum vorstellte, ist Ehrenmitglied der Royal Academy.
Diese Ausstellung ist die erste Retrospektive in England seit der Ausstellung in der Whitechapel Gallery im Jahr 1983. Georg Baselitz, der 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen geboren wurde, gilt als einer der produktivsten und bekanntesten Künstler Deutschlands. Baselitz erlangte wahrscheinlich die meiste Berühmtheit mit der Motivumkehr, die dazu dient, den Bildraum außer Kraft zu setzen. Sein frühes gegenständliches Werk befasst sich jedoch mit den existentiellen Problemen des Daseins in Deutschland in einer Zeit, in der die Abstraktion größtenteils die Vorherrschaft hat. Aggressiv und oft unbequem vereint das Werk von Baselitz halbabstrakte Figuren, Tiere und Landschaften auf einem Hintergrund voller Farben und freier Pinselführung. Sein Werk vermittelt auf einprägsame Weise ein Gefühl von Feindseligkeit und Isolierung.
Als Maler, technischer Zeichner, Drucker und Bildhauer nahm Baselitz im Jahr 1956 das Malstudium an der Hochschule für Bildende Künste in Ostberlin auf, wurde jedoch nach nur einem Semester wegen ’sozialer und politischer Unreife’ der Universität verwiesen. Nach seinem Umzug nach Westberlin im Jahr 1956 nahm Baselitz das Kunststudium 1957 wieder auf und brachte es 1962 zum Abschluss.
In seinen frühen Jahren stand er unter dem Einfluss der Kunst- und Schriftwerke einflussreicher Künstler und Theoretiker wie Kandinsky, Malevich, Nietzsche, Baudelaire, Samuel Beckett und des französischen Schriftstellers und Künstlers Antonin Artaud. Baselitz stand später in hohem Maße im Banne der Kunst von Geisteskranken und anderer, am Rande der Gesellschaft lebender Existenzen, eine Kunst, die auch eine bedeutende Quelle der Inspiration bildete. Sein Werk ist in gleichem Maße von der traditionellen afrikanischen Kunst, der manieristischen Malerei und dem Druck des 16. Jh. in Frankreich und Italien, aber auch einem tiefen Sinn für Schmuck und Verzierung inspiriert.
Die Ausstellung beginnt mit einigen der frühesten, um 1962 entstandenen Werke von Baselitz, wie die Große Nacht im Eimer und den Heldengemälden Der neue Typ. Weiter folgen herausragende Beispiele seiner zu Ende der 60er-Jahre entstandenen ‘Fraktur’-Gemälde, bis hin zu den ersten Gemälden mit der sogenannten ‘Motivumkehr’, wie der Mann am Baum, 1969. Durch sein Werk fand Baselitz eine neue Sprache, die ihm erlaubte, die Prinzipien der Abstraktion mit denen des Realismus zu verbinden und philosophisch ‘die Welt auf den Kopf zu stellen’, die vielen seiner späteren Werke als Metapher und Leitmotiv dienen sollten.
Die Ausstellung zeigt auch seine in jüngster Zeit erfolgte Rückwendung zu Motiven, die er in seiner frühen Karriere bearbeitete. Diese weisen einen transparenteren, mehr linearen Charakter auf, den er Remixes nennt. In der Ausstellung werden auch bedeutende Skulpturen gezeigt, besonders das Modell für eine Skulptur, das bei seiner Vorstellung 1980 an der Biennale von Venedig als Sensation gefeiert wurde.
Georg Baselitz - Eine Retrospektive
| Royal Academy of Arts London
| bis 09. Dezember 2007
FOTOSTRECKE auf Telegraph.co.uk
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GEORG BASELITZ
| Infos auf wikipedia
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Der Kriegsmaler
TAGESSPIEGEL - Markus Hesselmann
In den 1960er Jahren gab es große Empörung über die Werke von Georg Baselitz. Die Rezensenten von “Times” und “Guardian” reagieren auch heute noch angesichts von Hakenkreuzen und nackter Penisse.
Der Besucher „läuft in die Welt eines künstlerischen Schlachters“, schreibt die „Times“. Doch provozieren wird Baselitz im Jahr 2007 in London mit seinen Bildern, so sehr sie auch Blut, Sperma und Hakenkreuze zeigen, kaum noch. Anders als in den Sechzigern, als sein Gemälde „Die große Nacht im Eimer“, auf dem ein körperlich deformierter Junge bei der Masturbation zu sehen ist, in Berlin wegen Obszönität konfisziert wurde.
„Times“ und „Guardian“ haben das frühe Baselitz-Bild als Hauptillustration ihrer Rezensionen ausgewählt. Den Briten gefällt, dass sich Baselitz auf einen englischsprachigen Dichter beruft. Beide Zeitungen greifen den Katalogtext auf, in dem Georg Baselitz von einer Lesung Brendan Behans erzählt, die der irische Dichterrebell mit offener Hose und gut sichtbarem Penis bestritt. Baselitz habe das Bild gemalt, nachdem ihm schlagartig klar geworden sei, dass Behans Penis eine Kraft hatte, die seine Poesie nicht haben konnte, schreibt die „Times“.
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KATALOG zur Ausstellung in London 2007
Georg Baselitz:
A Retrospective
| Gebundene Ausgabe
| 260 Seiten
| 250 Illustrationen
| Royal Academy of Arts (September 2007)
| Sprache: Englisch
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London steht kopf
DEUTSCHLANDFUNK Kultur - Hans Pietsch
Georg Baselitz, bekannt dafür, dass er seine Motive gern auf den Kopf stellt, ist der erste deutsche Maler, dem in London eine große Retrospektive gewidmet wird. Die Schau in London ist ein Doppel-Ereignis: politisch und künstlerisch.
Kurator Norman Rosenthal von der Royal Academy hat die Retrospektive seines alten Freundes, mit mehr als 60 Bildern, vielen Zeichnungen und Grafiken sowie einem Dutzend Holzplastiken, streng chronologisch gehängt - jeder Raum eine andere Werkgruppe: von den “Heldenbildern”, dem “Neuen Typ”, über die “Frakturbilder” und die “Motivumkehr” bis zu den jüngsten, als “Remix” bezeichneten Gemälden.
Vorbei geht es an klotzigen Waldarbeitern und heldenhaften Männern, an abstürzenden Adlern und nackten Selbstporträts. Düstere Farben, viel Braun, viel Rot. Und dann sein Markenzeichen, die auf dem Kopf stehenden Bilder, als eines der ersten “Der Mann am Baum” von 1969 - der Versuch, das Bild von seinem Inhalt zu befreien: Abstraktion ohne den Verzicht auf das Figürliche. Besonders verstörend der Raum mit den Frakturbildern - zerlegte Körper, abgehackte Gliedmaßen. Eine wüste, wilde Malerei, die kompromisslose Untersuchung dessen, was es heißt, ein Deutscher zu sein und in einer brutalen Welt zu leben.
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Katalog | Georg Baselitz | REMIX zu den Ausstellungen: Pinakothek der Moderne, München 21.7.–29.10.2006 · Albertina, Wien 16.1.–22.4.2007
Hrsg.: Pinakothek der Moderne, München 2006.
Deutsch 296 Seiten, 174 Abb., davon 169 farbig
25,40 x 32,80 cm
gebunden mit Schutzumschlag
»Ich habe mich immer häufiger gefragt, ob es möglich ist, Fehler, die ich einmal gemacht habe, zu korrigieren.« Georg Baselitz
Fast wäre man versucht, Baselitz Remix. Dialog der Bilder als ein weises Alterswerk zu betrachten — als Resümee eines großen Künstlers, der am Ende seines Schaffens zurückblickt auf sein Oeuvre. Kritische Geister mögen einwenden, dass Baselitz einfach nichts Neues mehr eingefallen sei und er sich schlichtweg selbst reproduziere. Beides ist grundlegend falsch. Baselitz Remix ist mehr als ein Remix. Und Baselitz’ Kunst wirkt frischer denn je. –Thomas Köster
Ein ebenso ungewöhnliches wie spektakuläres Experiment: In einer umfangreichen Werkgruppe interpretierte Georg Baselitz (*1938) programmatische Werke seiner künstlerischen Entwicklung wie die Helden, Neuen Typen oder Orangenesser völlig neu. Entstanden sind großformatige Bilder, Zeichnungen und Aquarelle, die mit bestechender gestischer Leichtigkeit und malerischer Verve souverän den Dialog mit dem eigenen Werk aufnehmen.
Die Publikation zu einer Ausstellung in der Pinakothek der Moderne, die diese Werkgruppe farbig reproduziert und nach Themen interpretiert, enthält fundierte Essays von Carla Schulz-Hoffmann und Richard Shiff, die das Werk des Künstlers seit Jahren verfolgen. Sie analysieren den spannungsreichen Dialog des Künstlers mit sich selbst und damit auch seine grundlegenden Fragestellungen zu Möglichkeiten und Grenzen der Malerei.
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Wie Georg Baselitz jetzt London erobert
WELT online - Dorothee Hellig
Der Künstler wird Ende der Woche mit einer Ausstellung in der ehrwürdigen Royal Academy of Arts in London geehrt, als erster lebender Deutscher überhaupt.
Angesprochen auf die Rekordpreise in der Kunstbranche, die jüngere Kollegen wie Neo Rauch, Daniel Richter oder der Chinese Fang Lijun auslösen, wettert er nicht wie manche Kollegen auf den Markt:
„Ich finde es großartig, dass lebende Künstler so hoch bewertet werden und dass man als Maler mit Leinwand, Papier und Farbe solche Chancen hat. Der Kunstbetrieb ist abhängig vom Geldmarkt, darüber läuft die Bewertung. Rembrandt oder Rubens und die Italiener waren zu ihrer Zeit genauso teuer, nur sieht das heute anscheinend niemand mehr.“
Er ist überzeugt, dass die hohe Wertschätzung die Kunstszene lebendig hält – im Gegensatz zu der der Komponisten, Theaterregisseure oder Dichter. Über Hochsubventionierte Filmemacher kann er sich ziemlich aufregen.
„Es kommt ja nix dabei heraus, das ist ja unmoralisch!“ ruft er, „früher haben Brecht, Beckett und Sartre ihre Stücke selbst inszeniert, das kann man sich gar nicht mehr vorstellen!“ Bei seinen eigenen Anfängen gab es kaum Hoffnung auf materiellen Erfolg und Anerkennung. „Wir waren besetzt, dem Kulturdiktat unterworfen. Die besseren Bilder wurden in Frankreich, England und Amerika gemalt.“
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Georg Baselitz - Eine Retrospektive
| Royal Academy of Arts London
| bis 09. Dezember 2007


