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Documenta 12 | Das Fazit
September 29, 2007 |
Der Trailer ist ein Ausschnitt aus Rush Hour, Morning and Evening, Cheapside (2005), 35mm, 4 Minuten. Der Film von Mark Lewis wurde der documenta 12 mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, Fund for the Twenty-First Century, zur Verfügung gestellt.
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Nach der Documenta
Brot für die Künstler, Spiele für das Publikum
FR online - Ulf Erdmann Ziegler
Den bildenden Künstlern geht es gut. Die Akademien boomen. Galeristen jagen über Semesterausstellungen; Abschlussklassen stellen gleich im Museum aus.
Dem Publikum dagegen geht es schlecht. Es soll fressen, was auf den Tisch kommt. Galerien sehen zunehmend aus wie Gemischtwarenhandlungen; ernsthafte Retrospektiven sind rar geworden; hochnäsige Kuratoren bestellen mit Riesenbudgets Riesenausstellungen mit einer Halbwertszeit von einem Jahr.
Selbst eine vergebliche Anstrengung wie die Documenta 12 wird von Kritikern mit Samthandschuhen angefasst: die Süddeutsche, die FR, die FAZ, Die Zeit, die New York Times - alle haben sich größte Mühe gegeben, aus raren Blüten Honig zu saugen. Monatelang hatte ein eloquenter Kurator intellektuelle PR gemacht für ein Aby Warburgsches Projekt, den motivischen Abgleich von Fundstücken und Fundstellen. Das Prinzip lebt von der Verkleinerung, vom Wegnehmen der Farbe, von der Darstellung im Zweidimensionalen.
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Was bleibt?
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Nein, die Kunstwelt wurde nicht verändert durch diese zwölfte Documenta. Zu sehr haben sich die Profikunstkenner dem Ansatz von Roger M. Buergel und seiner mitbestimmenden Frau Ruth Noack verweigert. Nur Häme und Spott hatten Künstler und Sammler, natürlich auch die Vertreter des von Buergel so konsequent ausgegrenzten Kunsthandels für die Kasseler Ausstellung übrig,…
Am allermeisten aber polemisierten Buergels Kuratorenkollegen, denn er stellte fast alles in Frage, was ihnen lieb und teuer ist: den Kanon der allseits bevorzugten Künstler, die gängigen Theoriekonstrukte, die Präsentation im weißen Kubus oder in der verrotteten Fabrik, nicht zuletzt die Verflechtung im Netzwerk der Machthaber und Funktionäre.
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Kasseler Sprengkraft
ZEIT online - Hanno Rauterberg
Verstörung war das große Ziel – und verstört hat diese Documenta.
Auf fast schon klassische Weise hat sie das Übliche ins Ungewohnte gewendet: hat nicht die Brachialkunst gezeigt, die sonst so gern genommen wird, sondern sich am Beiläufigen delektiert. Hat sich frei gemacht vom Diktat der Innovation und sich einen Blick in die Geschichte der Moderne gestattet, hoffend darauf, auch die Ideale dieser Moderne zu reaktivieren. Nicht zuletzt hat sie ein neues Vertrauen in die Kunst gesetzt, in ihre ästhetische Eigenmacht. Sie wollte ein Geschmacks-, kein Theorieverstärker sein, sie ließ sich leiten von einer tiefen Lust an der Form.
. wird diese Documenta als eine Documenta der Neubestimmungen in Erinnerung bleiben. Auf geradezu verwegene Weise stellte sie nicht die Kunst, sondern den Betrachter in den Mittelpunkt. Sie forderte seine Bildung, und das heißt: seine Bereitschaft, sich selbst etwas einzubilden, eigene Deutungen zu entwickeln, sich heranzutrauen an das Unvertraute. Früher nannte man dergleichen ästhetische Erfahrung. Welche Sprengkraft sie noch immer besitzt, auch das hat dieser Kunstsommer gezeigt.
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| Teilnehmer aus Afrika, Asien, Lateinamerika
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Die Helden helfen nicht mehr
TAGESSPIEGEL - Nicola Kuhn
Trotz . Rekordmeldung will nicht recht Freude aufkommen über die Documenta 12. Die professionelle Kritik scheint sich auf ein Missfallen eingeschworen zu haben.
In einem Akt des Aufbegehrens setzte sich Roger M. Buergel, der künstlerische Leiter des Unternehmens, kurz vor Torschluss mit einer doppelseitigen Erwiderung im „Spiegel“ noch einmal gegen den „Lynchmob“ zur Wehr, der beschlossen habe, seine Ausstellung zu hassen. „In der Verurteilung der Documenta 12 drücken sich Ratlosigkeit und Angst aus,“ konstatierte er – Angst vor der Globalisierung und Angst vor dem Verlust eines festen Kanons.
Was also ist schief gelaufen? Und: Ist die Documenta wirklich das Desaster, als das sie allgemein verhöhnt wird? Zunächst hat noch jede Documenta einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. In ihr kreuzen sich so viele Erwartungen, Vorstellungen von Kunst und ihrer künftigen Form, dass noch keine Ausgabe auf die sofortige Gegenliebe von Kritikergemeinde oder Kuratorenkollegen stieß.
Das beantwortet zugleich die immer mitgestellte Frage, ob sich in Zeiten der permanent vervielfältigenden Biennalen, des sich immer schneller drehenden Rades im Kunstbetrieb, das Modell Documenta nicht längst erübrigt hat. Gerade nicht, wie sich aus den Reaktionen ablesen lässt.
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„Wir sind ein bisschen konventionell geblieben“
HANNOVERSCHE ALLGEMEINE - Johanna und Luca Di Blasi
Interview mit Roger Buergel und Ruth Noack … über Kritiker, Kunsthygiene und alte Männer, die nicht loslassen können.
Wie erklären Sie sich die harsche Ablehnung von Profis wie Bazon Brock? Der nannte die documenta ein „völlig beliebiges, ohne jeden Sinn und Verstand, ohne jedes Konzept, ohne jede Thesenbehauptung präsentiertes Sammelsurium dritter Klasse“.
Buergel: Das sind ältere Männer, die nicht loslassen können. Sie glauben, es sei ihre documenta. Da findet jetzt einfach eine Generationsablösung statt. Mit pauschalen Aburteilungen kommt man natürlich nicht weiter. Man muss jetzt einfach warten – und ich bin da auch geduldig. Ich ziehe im Moment noch so eine Kommentarebene ein, schreibe Texte, in denen ich etwas über Zusammenhänge erzähle, und pinne sie an Wände. Ich betrachte die documenta als ein Laboratorium, nicht als fertige Vitrine.
HANNOVERSCHE ALLGEMEINE - Interview lesen
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Wen die Theoriekeule schlägt
WELT online - Uta Baier
. die Ausstellung zeigte bei theoretischer Höchstleistung vor allem Eines: praktische Überforderung und kuratorisches Unvermögen. Nicht umsonst gaben einige Kritiker zu Protokoll, noch keine schlechtere Ausstellung gesehen zu haben.
Doch das Überraschendste am Ende der zwölften Documenta ist, wie aggressiv ihr Chef auf seine Kritiker reagierte. Zum Hass hätten die sich zusammengeschlossen, schrieb Buergel in einer “Kritik der Kritik” und entblödete sich nicht, die Kritiker - Kunsthistoriker, Kuratoren, Museumsdirektoren - als Lynchmob zu bezeichnen, bei dem “das Interesse am Urteil größer (ist) als am Prozess”. Und er zog über ältere Männer her, die nicht loslassen können von ihren Erinnerungen an frühere Documenta-Ausstellungen, an denen sie selbst beteiligt waren und nannte die Kritik einen “Rülpswettbewerb”. Dabei hatte er doch immer wieder kokett verkündet: “Scheitern ist einkalkuliert.”
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DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
im Gespräch mit Barbara Steiner,
Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig
Die gebürtige Österreicherin sieht nicht die documenta, sondern das gesamte System der Produktion, Präsentation und Kommerzialisierung von Kunst in der Krise.
AUDIO
| Das vollständige Gespräch mit Barbara Steiner hält Deutschlandradio für begrenzte Zeit zur Verfügung.
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Vom “sinnlichen” Kunstereignis zum “Chaos”
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Die documenta 12 begann mit Versprechungen und Vorschlusslorbeeren. Von einer “sinnlichen” documenta war die Rede, davon, dass ein “Umsturz” bevorstehe. Doch am Ende der Kasseler Ausstellung stellen die Experten dem Kurator Roger M. Buergel ein vernichtendes Urteil aus.
Jan Hoet, einer von Buergels Amtsvorgängern, bescheinigte ihm kürzlich, von dieser documenta werde nichts im Gedächtnis bleiben. Die “Süddeutsche Zeitung” lässt die Schau zum Schluss, trotz neuen Besucherrekordes, gleich ganz im Chaos versinken.
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Pleiten, Pech und Pannen
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
im Gespräch mit Rudolf Schmitz
Für den Kunstkritiker Rudolf Schmitz ist der Ruf der Kasseler documenta als wichtigste Kunstausstellung der Welt ruiniert.
Die Ausstellung, die am Sonntag endet, sei eine Folge von Pleiten, Pech und Pannen gewesen, sagte Schmitz im Deutschlandradio Kultur.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
AUDIO
| Das vollständige Gespräch mit Kunstkritiker Rudolf Schmitz
hält Deutschlandradio bis zum 20.2.2008 zur Verfügung.
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Kassel, bis 23. September 2007
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