Stan Douglas Werkschau | Video- und Filminstallationen | Fotografie

Samstag, September 29, 2007
By Peter Panter

stan-douglas-photo-by-michael-courtney.jpgKUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Württ. Kunstverein |

Bis zum 6. Januar 2008 präsentieren der Württembergische Kunstverein und die Staatsgalerie Stuttgart auf zusammen 4000 Quadratmetern die weltweit erste umfassende Werkschau des kanadischen Künstlers Stan Douglas. Es sind 14 Video- und Filminstallationen sowie über 120 Fotografien zu sehen.

Der 1960 in Vancouver geborene Stan Douglas zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Bereits dreimal nahm er an der Documenta (1992, 1997, 2002) und der Biennale von Venedig (1990, 2001, 2005) teil und war auf zahlreichen weiteren Biennalen vertreten. Große Ausstellungshäuser widmeten ihm Einzelausstellungen. In Stuttgart sind jedoch erstmals seine zentralen Werke der letzten 20 Jahre zu sehen. Die von Iris Dressler und Hans D. Christ im engen Dialog mit Douglas entwickelte Ausstellung folgt keiner chronologischen Konzeption, sondern setzt an verschiedenen möglichen Lesarten des vielschichtigen Werks an.

Kein anderer Künstler vermag es, wie Douglas auf gleichermaßen sinnliche wie intellektuelle Weise die Erfahrungsräume des Kinos, Fernsehens und Museums zu erweitern. Im Rückgriff auf die geistigen, kulturellen und ideologischen Traditionen der Moderne stellen seine Werke eine kritische Revision der westlichen Geschichte und Gegenwart dar.

Es ist das Scheitern der modernen Utopien, um das seine Arbeiten immer wieder kreisen. Ihnen allen geht die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Ort voraus – Potsdam, British Columbia, Havanna oder Detroit –, dessen Geschichte Douglas entlang literarischer, filmischer oder musikalischer Vorlagen reflektiert: so etwa E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann, den Grimmschen Märchen, Karl Marx’ Das Kapital, Samuel Becketts Film oder Arnold Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielscene. Nicht selten verändert Douglas dabei zum Beispiel das Geschlecht sowie die Hautfarbe der von ihm entliehenen Protagonisten.

Das scheinbar Unvereinbare wird in Beziehung zueinander gesetzt und durch die besondere Art und Weise, in der Douglas sich der audiovisuellen Medien bedient, zur offenen, mehrdeutigen Erzählung.

Stan Douglas
| Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
| Staatsgalerie Stuttgart
| bis 6. Januar 2008

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Stan Douglas
| Informationen auf
Medienkunstnetz

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stan-douglas-katalog-pastperfect-2007 | kaufen bei amazonKATALOG | Stan Douglas
anlässlich der großen,
retrospektiven Schau
in Stuttgart 2007

Past Perfect
Werke 1986 – 2007

Deutsch
ca. 232 Seiten, ca. 180 Abb.,
davon ca. 120 farbig
20,50 x 26,50 cm
gebunden mit Schutzumschlag
Erscheinungstermin: Januar 2008

 

Kein anderer Künstler vermag es, wie Stan Douglas (*1960 in Vancouver) auf gleichermaßen sinnliche wie intellektuelle Weise die Erfahrungsräume des Kinos und Museums zu erweitern. Hinter fast allen seinen Arbeiten steht die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Ort, dessen Geschichten entlang literarischer, filmischer oder musikalischer Vorlagen reflektiert werden. Die von den Herausgebern im engen Dialog mit Douglas entwickelte Begleitpublikation dazu setzt an verschiedenen potenziellen Lesarten des vielschichtigen Werks des Künstlers und dessen Interpretationen von Historie, Film, Literatur und Musik an.

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Die Illusion der Vergangenheit

FR online -  Gabriele Hoffmann

Als DAAD-Stipendiat in Berlin entdeckt Douglas in Potsdam Reste einer Schrebergartenkolonie. Die Magie der aus den Fugen geratenen Gartenordnung, vermischt mit dem Schauder vor der dahinterstehenden Immobilienspekulation gibt seiner Lektüre von E.T.A. Hoffmanns Novelle “Der Sandmann” die Richtung, die zum Film gleichen Titels führt.

Gedreht wird in den Babelsberger Studios mit zwei Kameras, die mit einem 360° Schwenk die gleiche Szene einmal mit dem Nachbau eines Schrebergartens aus den 70er Jahren – inclusive Copellius als DDR-Kleingärtner – und einmal mit einem Mix aus Studio und Großbaustelle aufnehmen. Der Riss durch das eine Bild ist die Konstante dieses Films. Er geht bis in die Aufspaltung der Mundbewegung des jungen Schwarzen, der als Nathaniel in Hoffmanns “Sandmann” einen Brief an seinen Freund Lothar in englischer Sprache liest.

Die Faszination, aber auch die Schwierigkeit von Douglas Film- und Videoarbeiten für den Betrachter ergibt sich aus der Verweigerung einer herauslösbaren Erzählung. Die medial äußerst wirkungsvoll ineinander verwobenen Bedeutungsebenen stimulieren die Reflexion über das “past perfect”, die Illusion einer vollendeten Vergangenheit.

FR – Artikel lesen

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Verfall in schönster Pracht

ZEIT online – Hanno Rauterberg

Der Kanadier Stan Douglas gilt als der große Intellektuelle unter den Film- und Fotokünstlern. Zu Recht? Eine Ausstellung in Stuttgart.

Stan Douglas liebt das Unaufhörliche und hat es sich ausbedungen, dass manche seiner Werke rund um die Uhr laufen. Er schickt seine Filme, die oft nur wenige Minuten lang sind, in die Endlosschleife, wenn auch in eine recht spezielle. Per Computer bringt er die Filmszenen in eine stetig wechselnde Reihenfolge, und so kommt es dem Betrachter vor, als blicke er in ein Kaleidoskop – das Immergleiche immer anders.

Auch wer Stunden über Stunden vor den Filmen zubringt, findet darin keinen überwölbenden Sinn, nichts, was festen Halt böte.

Und gerade das ist es, was viele an Douglas schätzen: Sie loben ihn, weil er den Film aus dem Zwang des Narrativen befreie, weil er das Prinzip des klaren Anfangs und Endes aufbreche und jeden Anspruch auf die eine Wahrheit zurückweise.

ZEIT – Artikel lesen

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stan-douglas-buch-2006 | Flick Collection | kaufen bei amazonPUBLIKATION
| Stan Douglas
Hrg. Friedrich Christian Flick Collection

183 S. mit ca. 123 farb. Abb.
H 28,5 x B 24,0 cm,
Halbleinenband
Erscheinungsjahr: Herbst 2006

Seinen Themen nähert sich der Künstler über sorgfältige Recherchen und fotografische Serien, die er zu raffinierten Film- oder Videoinstallationen montiert und mit eigenen Projektbeschreibungen kommentiert.

Diese technisch präzise umgesetzten Montagen liefern die Grundlage für seine subtile Kritik an der Gesellschaft, an Autorenschaft und Subjektivität im Übergang von mechanischer Reproduzierbarkeit zum elektronischen Zeitalter. Seine Installationen sind mediale Maschinen, unheimliche Automaten, denen der Autor zu fehlen scheint und die den Betrachter in ihren Mechanismus verstricken.

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Endlos gedehnte Zeit

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Christian Gampert

Manchmal ist es besser, von einem Künstler nur einige ausgewählte Werke zu sehen. Das beweist eindrucksvoll eine Retrospektive des Videokünstlers Stan Douglas in Stuttgart. Douglas’ Prinzipien sind schnell durchschaut und langweilen in Endlosschleifen. Die gleichzeitige Überschüttung mit Material ermüdet, denn die Botschaften sind eher simpel.

Douglas’ Arbeiten erzeugen im besten Fall eine produktive Irritation. Allerdings: eine Arbeit, die Motive des Western neu zusammensetzt, hat eine Gesamtlaufzeit von 67 Stunden, die Dauer des mit bunten Gespenstern bestückten Schwarz-Weiß-Horrorfilms “Suspiria” wird mit “unendlich” angegeben. Es müssen also meditativ begabte Zuschauer sein, die sich der Trance der Douglas-Filme aussetzen und gleichzeitig noch aufmerksam genug sind, die Kleinstverschiebungen im sozialen Feld zu beobachten.

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

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Stan Douglas
| Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
| Staatsgalerie Stuttgart
| bis 6. Januar 2008

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