Bonjour Russland

Oktober 11, 2007 | Comments Off

repin-17-oktober-1905KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT museum kunst palast |

Das museum kunst palast, Düsseldorf zeigt bis zum 06.01.2008 französische und russische Meisterwerke von 1870–1925 aus Moskau und St. Petersburg.

Die Ausstellung widmet sich mit konzentriertem Blick auf die Jahre 1870 bis 1925 den faszinierenden Parallelen, den gegenseitigen Beeinflussungen, aber auch den unterschiedlichen Wegen der modernen russischen und französischen Kunstentwicklung. Das Spektrum der ausgestellten Werke reicht vom russischen Realismus eines Ilja Repin über Cézannismus, Fauvismus, Neoprimitivismus, Kubo-Futurismus, Abstraktion bis zum Suprematismus.

“Im Zentrum des Interesses steht die Reflektion der von den russischen Repräsentantinnen und Repräsentanten der modernen Kunst unter dem Einfluss der Pariser Meister unternommenen Wandlungen. Wobei nicht übersehen werden sollte, wie schnell die Schüler ihre Meister eingeholt haben, um neue Horizonte in der Kunst nicht nur für Russland, sondern für ganz Europa zu erschließen und Gebiete zu erforschen, die zuvor in der Kunst unvorstellbar gewesen wären.”
(Chefkurator Sir Norman Rosenthal)

Die wichtigsten Pioniere der modernen französischen und russischen Malerei werden mit bedeutenden Schlüsselwerken wie dem „Porträt Jeanne Samary“ von Renoir, „Mont Saint-Victoire“ von Cézanne, „Portrait Dr. Rey“ von Van Gogh, „Ihr Name ist Vairaumati“ von Gauguin, „17. Oktober 1905“ von Ilja Repin, „Der Tanz“ und „Das rote Zimmer“ von Matisse, „Gitarre und Violine“ bzw. „Badende“ von Picasso, „Der rote Jude“ von Chagall, „Komposition No. 7“ von Kandinsky, „Weibliches Modell “ von Tatlin und dem Triptychon von „Schwarzen Kreuz, Schwarzen Kreis und Schwarzen Quadrat“ von Malewitsch präsentiert.

“Die französische moderne Kunst bot unzweifelhaft einen konstanten Prüfstein für die Entwicklung der russischen Kunst am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die vielfältige Art und Weise, in der so viele russische Künstler beiderlei Geschlechts diese westlichen Einflüsse erfolgreich mit dem Reichtum ihres eigenen kulturellen Erbes verbanden, bewirkte nicht nur eine wunderbare Blütezeit in der russischen Kunst, sondern prägte die kunstgeschichtliche Entwicklung der Moderne.”
(Chefkurator Sir Norman Rosenthal und Co-Kurator Ann Dumas)

“Bonjour Russland” wird nach seiner einzigen Station in Deutschland auch in der Londoner Royal Academy unter einem anderen Titel zu sehen sein.

BONJOUR RUSSLAND
| museum kunst palast, Düsseldorf
| bis 06. Januar 2008

from-russia-london-2008From Russia: French and Russian Master Paintings
| 1870-1925
from Moscow and St Petersburg
|  Royal Academy of Arts, London
| 26. Januar – 18. April 2008

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bonjour-russland-2007-katalog | kaufen bei amazonKATALOG
| Bonjour Russland
| anlässlich der Ausstellung 2007
| Museum Kunst Palast, Düsseldorf

Gebundene Ausgabe
310 Seiten
168 farb. Abb.
20 S/W-Fotos
15 Farb-Fotos
Sprache: Deutsch

Katalog mit Beiträgen von Sir Norman Rosenthal und Ann Dumas, Christina Lodder, Irina Antonowa, Jewgenija Petrowa, Lydia Iowlewa, Albert Kostenewitsch, Wladimir Lenjaschin, A. Petuchow/Anna Posnanskaja. | kaufen bei amazon

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Superlative unvermeidbar

ARTNET - Stefan Kobel

Die Ausstellung „Bonjour Russland“ im Düsseldorfer Museum Kunst Palast ist nichts weniger als eine Sensation. Was Chefkurator Sir Norman Rosenthal aus den vier wichtigsten russischen Museen zusammengetragen hat, bietet einen Blick auf die russische Kunst um die Wende zum 20. Jahrhundert, wie er so umfassend noch nie zu sehen war und so bald auch nicht wieder zu sehen sein wird.

Rosenthal ist es gelungen, Platzhirsch-Attitüden und persönliche Eitelkeiten der vier großen russischen Museen auszuhebeln und sie zu einer Kooperation zu bewegen. So sind nicht nur viele Werke überhaupt erstmals im Ausland zu sehen, sondern erstmalig auch unter einem Dach. Aus der Zusammenschau auf das Beste der Bestände von Eremitage und Russischem Museum in St. Petersburg sowie Puschkin-Museum und Tretjakow-Galerie in Moskau ergibt sich ein umfassendes Bild der russischen Kunstszene. Das Publikum kann verfolgen, wie aus der Auseinandersetzung mit dem Pariser Impressionismus bis zum Kubismus eine zunächst tastende und später immer selbstsicherer werdende, das europäische Vorbild gar überflügelnde russische Nationalkunst wächst.

ARTNET - Artikel lesen

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Vom Wagnis zweier Textilhändler

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Jochen Stöckmann

Vor lauter Schwelgen mit großen Namen wie van Gogh, Gauguin, Chagall oder Kandinsky könnte man im Museum Kunstpalast glatt das Sehen vergessen - wären da nicht einige wundersame, von kundiger Hand hingezauberte Kontraste und Korrespondenzen:

repin-tolstoi-renoir-jeanne-samary.jpgIlja Repins “Tolstoj” etwa, der als barfüßiger Wanderprediger in Lebensgröße direkt neben Renoirs eleganter Schauspielerin Jeanne Samary erscheint, porträtiert im selben schmalen Hochformat. Da hat Norman Rosenthal, der - natürlich: prominente - Kurator wohl doch ein wenig mehr im Sinn gehabt als nur die Plazierung von Highlights:

“Das ist eine Erzählung, wenn man so will, über die Geschichte der Kunst in Rußland.”

mashkov-selbstbildnis-mit-konchalovskiy.jpg… Blick in ein leicht schummriges Kabinett mit Gemälden aus der Sammlung Sergej Diaghilews, Begründer der “Ballets russes”. Zwei halbnackte Herkules-Gestalten sitzen da vor einem Klavier, schwere Hanteln am Boden, die Violine in den feingliedrigen Händen. Ein Selbstbildnis von Ilya Mashkov mit seinem Freund Konchalovskij:

“Nicht bekannte Künstler können auch ganz interessant sein, wie zum Beispiel Mashkov, der für mich eigentlich eine Offenbarung ist. Gerade in dieser Zeit, wo Strawinsky ‘Sacre du Printemps’ geschrieben hat, der war ja auch Russe. Und da tritt auch Diaghilew sehr hervor - und dieser ganze Primitivismus! Es ist ja nicht nur diese ganz puristische Kunstform von Malewitsch. Die Kunst in Rußland damals, die moderne Kunst, war wahnsinnig vielseitig.”

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

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Die Pioniere

TAGESSPIEGEL - Christina Tilmann

Der Funke sprang besonders schnell, über die weiteste Distanz. Heißer als die Verbindung zwischen Wien, Berlin und Paris war Ende des 19. Jahrhunderts der Draht nach Russland, in die aufstrebende Metropole Moskau.

Das gilt vor allem für die Kunst: Noch bevor die Maler der französischen Moderne, Picasso, Matisse, Cézanne oder Gauguin mit ihren Werken in den französischen Salons, Privatsammlungen, gar nicht zu reden von den Institutionen, landeten, erwarben um 1900 Iwan Morosow und Sergei Schtschukin, zwei russische Industrielle, in großem Umfang Bilder für ihre Privatsammlungen – mit Folgen. Was in Paris, Berlin oder Wien sezessionistischer Protest gegen das Kunst-Establishment der Salons war, inspirierte in Russland eine ganze Künstlergeneration zur Neuerfindung. Der rasante Aufstieg der russischen Moderne bis hin zu Expressionismus und Suprematismus hat seine Wurzeln in der Begegnung mit französischer Kunst.

Das zumindest behauptet eine Düsseldorfer Groß-Ausstellung, die unter dem Titel „Bonjour, Russland“ russische und französische Avantgardekunst miteinander konfrontiert.

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Die «Moskauer Medici» und ihre Liebe zur Kunst

NZZ - Manfred Schwarz

Sergei Schtschukin, der Textilunternehmer aus Moskau, hat damals die kühnsten Gemälde der französischen Avantgarde gekauft und gleichzeitig die russische entscheidend stimuliert, indem er diese Meisterwerke von Rousseau, Gauguin und Picasso, von Monet, Cézanne und Matisse in seinem Moskauer Palais öffentlich zugänglich machte, das eine Art Museum war, eine Lehranstalt – ein Treibhaus, so der Sammler selbst, voll von köstlich «giftigen Pflanzen».

Schtschukin gehörte zur kleinen, eng miteinander verbundenen Garde der Nouveaux Riches in der kapitalistischen Boomtown Moskau, … jenen legendären Zirkel der «Moskauer Medici», die mit ihrem immensen Bilderfieber den Aufschwung der russischen Kunst unterstützen und sich zumindest auf diese Weise in den Dienst des russischen Volkes stellen wollten.

Sergei Diaghilews Ahnung, in einer untergehenden Welt zu leben – auch dieser flamboyante Impresario gehört natürlich zu den grauen Eminenzen der Düsseldorfer Schau –, dürften die Moskauer Medici ebenso bitter empfunden haben.

«Wir sind dazu bestimmt», so hat der Direktor der Ballets Russes in jenen Jahren geschrieben, «auszusterben und die Bühne frei zu machen für den Auftritt von etwas ganz Neuem, das von uns nimmt, was es braucht, uns auswringt – und uns dann ins Vergessen spült.»

NZZ - Artikel lesen

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BONJOUR RUSSLAND
| museum kunst palast, Düsseldorf
| bis 06. Januar 2008

KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Rhein. LandesMuseum |

vostell-shoa.jpg Shoa

Im Oktober 2007 wäre Wolf Vostell 75 Jahre alt geworden. Die Ausstellung in Bonn erinnert bis zum 25. November 2007 an einen der unruhigsten Geister des 20. Jahrhunderts, dessen inhaltliche Tiefe und Aktualität heute immer noch wirkt und dessen bildkünstlerische Manifestationen heute aktueller zu sein scheinen denn je.

Das letzte große Triptychon, das Vostell vor seinem Tod gemalt hat, trägt den Titel „Shoa” und verweist auf die Judenverfolgungen von 1492 und 1945. Die historische Dimension des Holocaust bringt er in den Kontext von Spanien, Amerika und Deutschland. Um dieses große Gemälde wird in Bonn eine Ausstellung entwickelt, in der von frühen Anfängen bis zu seinen letzten Äußerungen sein Thema von Gewalt, Macht und Ohnmacht deutlich wird.

Wolf Vostell gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts, wobei mit seiner Kunst Erinnerungen an die künstlerischen Aufbrüche in den sechziger Jahren, an Happenings, an Fluxus und an seine Dé-coll-agen und Installationen verbunden sind. Vostells früher Einsatz von Neuen Medien in der Kunst machte ihn darüber hinaus zu einem Vorreiter der Videokunst neben Nam June Paik. Wolf Vostell gelang der Ausbruch aus der ästhetischen Tradition der Nachkriegszeit hinein in eine unmittelbare Wirklichkeit, in der er sich als Zeitgenosse und als scharfer Analytiker der Gegenwart immer wieder mit unangenehmen Fragestellungen auseinandersetzte. Sein Werk erscheint in der heutigen Zeit so aktuell wie in seinen Anfangsjahren.
 
Vostell befasste sich in seinem gesamten Lebenswerk immer wieder mit der Frage, warum und in welcher Qualität der Mensch Gewalt und Macht einsetzt, gegen sich selbst, gegen andere Menschen und auch gegen die Natur als Gesamtgeschöpf. Diesem Themenkomplex spürte er in den unterschiedlichsten Formen nach, bis zu seinem Tod 1998.

Wolf Vostell
| Rheinisches LandesMuseum Bonn
| bis 25. November 2007

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| Infos auf Vostell.de

Infos auf wikipedia

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“Eine Militärparade, John F. Kennedy, der Flug eines Jumbo-Jets. Dazwischen immer wieder Flackern, Streifen, Zerrbilder. Das Logo des “Deutschen Fernsehens” erscheint, attraktive Ansagerinnen treten auf und verschwinden gleich wieder in der Sendestörung. Begleitet wird die nervöse Bilderflut von einem unangenehmen, durchdringenden Quietschen, man könnte an Sirenen denken.

Für diese Filmmontage hatte Wolf Vostell 1963 schlicht Passagen aus diversen Fernsehsendungen abgefilmt und mit dieser Idee Mediengeschichte geschrieben. “Sun in Your Head”, so lautet der Titel des Werkes, gilt als erste Arbeit mit bewegten Fernsehbildern und wird immer angeführt, wenn es um die Anfänge der Videokunst geht.” ( WELT - Stefanie Stadel | 2006 )

1963 steht noch keine Videotechnik zur Verfügung und Vostell lässt den Kameramann Edo Jansen verzerrte TV-Bilder von der Mattscheibe abfilmen. 1967 wird dieser Film dann neu geschnitten und auf Video übertragen.

VIDEO
| Wolf Vostell - Sun in your head | 1963
| TV-décoll/age

Im Unterschied zur neue Sinnschichten schaffenden Collage ist die »Dé-coll/age« ein aggressiver Akt durch das Abreißen, Verwischen und Stören von vorgefundenen Bildstrukturen. Mit seiner Zeitschrift »Dé-coll/age – Bulletin aktueller Ideen«, die von 1962 bis 1967 in sieben Nummern erscheint, liefert er ein wichtiges Forum für die Intermediakunst dieser Zeit.

Wolf Vostell | Medienkunstnetz

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“Meine Kunst ist der ewige Widerstand gegen den Tod”

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Volkhard App

Der 1998 verstorbene Aktionskünstler Wolf Vostell fiel als Plakatabreißer auf, irritierte die Öffentlichkeit mit fluxusbewegten Happenings und steckte Limousinen in Beton. Mit einer anregenden Werkschau, in deren Mittelpunkt ein Gedenkbild zur Shoa steht, ist dem Rheinischen Landesmuseum Bonn eine Hommage an einen unbequemen Künstler gelungen.

“Meine Kunst ist der ewige Widerstand gegen den Tod, gegen den bösen Willen und die Gewalt”,

so formulierte Vostell seine Linie, die er über Jahrzehnte durchhielt. Leben und Kunst, Kunst und Leben sollten nicht länger getrennt sein. Mit diesem Willen zur Aufklärung und Bewusstseinserweiterung wirkt er angesichts der heutigen Kunstszene fast schon anachronistisch.

Kein Zweifel, man hat in Bonn markante Werke aus Vostells Oeuvre ausgewählt und zeigt manches aus Sammlungen, was lange nicht zu sehen war. Wenn nur die technischen Probleme nicht wären: So kann das aktuelle Fernsehprogramm derzeit nicht in die TV-Geräte der Installationen eingespeist werden, wie Vostell es wünschte. Und die pointierten “Sara Jevo”-Fluxusobjekte können wegen des zu großen Stromverbrauchs erst mal nicht in Bewegung gesetzt werden: die Motorsägen graben sich also nicht in die Tasten eines Klaviers.

DEUTSCHLANRADIO - Beitrag lesen

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Wolf Vostell
| Rheinisches LandesMuseum Bonn
| bis 25. November 2007

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