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Eugène Atget | Retrospektive
Oktober 13, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg -
Jens Ullheimer
| PT Martin Gropius Bau |
Anlässlich des 150. Geburtstages des französischen Fotografen Eugène Atget (1857–1927) wird bis 06. Januar 2008 eine große Retrospektive seiner Arbeiten im Martin-Gropius-Bau Berlin zu sehen sein. Die Ausstellung wurde von der Bibliothèque nationale de France zusammengestellt. Aus dem großen Oeuvre Atgets wurden 350 Werke ausgewählt.
Atget hat wie kein anderer Fotograf zwischen 1897 und 1927 das Alte Paris in seinen Bildern festgehalten. Seine Aufnahmen zeigen die Stadt in ihren unterschiedlichen Facetten: enge Gassen und Höfe im historischen Zentrum mit alten Gebäuden, die teilweise kurz vor dem Abriss stehen, prächtige Paläste aus der Zeit vor der Französischen Revolution, Brücken und Kais am Ufer der Seine, aber auch Geschäfte mit ihren Auslagen in den Schaufenstern. Er fotografierte Treppenhäuser und architektonische Details an den Fassaden und nahm Interieurs von Wohnungen auf. Sein Interesse galt auch der Umgebung von Paris.
Atgets Aufnahmen unterscheiden sich von denen seiner Kollegen, die über die streng bauliche Dokumentation nicht hinausgehen, durch ihren Motivreichtum und durch eigenständige gestalterische Lösungen. Er wählte seine Sujets selbst. Oft verwendete er starke Lichtgegensätze, Schatten und Formüberschneidungen, die dem Bild Plastizität verleihen.
Mitte der zwanziger Jahre wurde Atget von jungen Avantgardekünstlern entdeckt. Man Ray, der wie er am Montparnasse wohnte, erwarb etwa vierzig Aufnahmen und veröffentlichte 1926 vier von ihnen in La Révolution surréaliste.
Eugène Atget – Retrospektive
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 6. Januar 2008
Eugène Atget
| Fotos auf “Masters Of Photography” ansehen
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Pariser Vorleben
TAGESSPIEGEL - Christiane Meixner
Der Fotograf Eugène Atget porträtiert Paris mit geheimnisvoll wirkenden Bildern. Im Berliner Martin Gropius-Bau ist eine Retrospektive über sein unvergleichliches Werk zu sehen.
Atget, der sensible Porträtist, hielt das Alte fest. Nüchtern, so meinte er, denn gedacht waren seine Fotografien als „Documents pour Artistes“, als Vorlagen für Künstler und Kunsthandwerker, die nach den Abbildern populäre Stadtansichten fertigen sollten. Vorbilder sind sie tatsächlich geworden, nur anders, und wer sich die große Retrospektive zum 150. Geburtstag des Fotografen im Martin-Gropius-Bau ansieht, der versteht den Grund. Atgets Bilder wirken wie perfekt komponierte Geschichten.
Darüber hinaus lädt der Fotograf seine geliebte Stadt allerdings auch atmosphärisch auf. Je länger man hinschaut, desto mehr wird sichtbar. Kleine Blick und Gesten, dunkle Orte und dubiose Winkel. Vieles davon ist flüchtig und bleibt so zeichenhaft, dass man es nicht entschlüsseln kann. Eines aber macht Atget klar: Das moderne, saubere Paris wird eine Stadt ohne jene Geheimnisse sein, wie sie der alte, schmutzige Ort in sich trägt.
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Phantombilder einer Stadt
NZZ - Marc Zitzmann
Komm, alter Flaneur, nimm mich bei der Hand und führ mich durch deine Stadt. Paris: seine Passagen und Prospekte, seine Brücken und Brunnen, seine Gässchen und Gossen, Winkel und Wege, Kirchen und Quais, Parks und Plätze. Paris: seine windschiefen Eckhäuser, seine regennassen Pflastersteine, seine von verschlissenen Affichen gesäumten stickigen Sackgassen und seine unter einer bleichen Sonne verwitternden Fassaden. Seine aristokratischen Hôtels und seine proletarischen Höfe, seine Regeneration aus den Ruinen - seine morbide Schönheit. Kein Fotograf hat diese Schönheit akribischer dokumentiert als Eugène Atget …
Es ist das grosse Verdienst der anlässlich von Atgets 150. Geburtstag ausgerichteten Ausstellung in der Pariser Nationalbibliothek und des von den Kuratoren, Sylvie Aubenas und Guillaume Le Gall, sowie von drei weiteren Koryphäen verfassten Katalogs, den Mythos zu dekonstruieren, um ein wirklich repräsentatives Gesamtbild zu entwerfen.
Der Katalog arbeitet . ohne jeden Jargon das Paradox des Fotografen heraus: dass nämlich ein Archivar den Ruf eines Avantgardisten erlangte und ein Projekt ohne jede künstlerische Ambition den Status eines Œuvre. Was im Übrigen dem Lauf der (Kunst-)Welt entspricht: Es gibt kein Œuvre ohne Rezeption - und letztlich ist es der Blick des Betrachters, der ein Objekt zu Kunst macht. Sylvie Aubenas bringt den Fall auf den Punkt: «Von Atgets Werk entspricht ein Teil dem von der Nachwelt geliebten Künstler, Bilder, die zugleich subtil und unerwartet sind, banal und fremdartig, ungelenk und virtuos.
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KATALOG
Ausstellungen Paris / Berlin
Eugène Atget | Retrospektive
280 Seiten
260 Abb. im Duotone
Sprache: Deutsch
24 x 31 cm
Gebunden mit Schutzumschlag
Eugène Atget (1857–1927) zählt zu den größten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Berühmt geworden ist er vor allem durch seine Ansichten des „alten Paris“, die schon zu seinen Lebzeiten bei Sammlern begehrt waren und vielen Malern als Vorlagen für ihre Werke dienten. Seine herausragende Bedeutung als Fotograf wurde allerdings erst nach seinem Tod erkannt.
Dieses Buch präsentiert zum 150. Geburtstag Atgets mit 260 Abbildungen eine umfassende Retrospektive auf sein Gesamtwerk. Gezeigt werden die wichtigsten Bilder des Künstlers, aufgenommen in der Zeit von 1900 bis 1925. In instruktiven Essays charakterisieren die zurzeit wohl besten Kenner seines Werks den breiten Themenund Motivkreis seines fotografischen Schaffens, kommentieren seine Wahrnehmung der Stadt Paris als „historisches Sujet“, stellen ihn als Sammler vor und verfolgen die Rezeption Atgets bei den französischen Surrealisten, in Deutschland und den USA. Eine Chronologie, Werkübersicht, ausführliche Bibliographie und ein Register vervollständigen den umfangreichen Band, der die neuesten Erkenntnisse über Atget vorlegt und zugleich eine Einführung in die faszinierende Bilderwelt eines Fotografen darstellt, der am Beginn der modernen Fotografie steht.
• Die bislang vollständigste Retrospektive zu Eugène Atget in Deutschland
• Ein Fotografieband der Extraklasse zum 150. Geburtstag des Fotografen
• Mit Beiträgen der besten Kenner des Werks von Atget
• Erscheint anlässlich der großen Ausstellungen zu Eugène Atget in Frankreich und Deutschland
• 260 Abbildungen in bester Druckqualität
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Das ganze Paris
FR online - Elke Buhr
Eine kleine Menschenmenge steht vor dem Place de la Bastille in Paris, stadtfein in Hut und Mantel, und blickt gen Himmel. Leicht bizarr wirkt die Gruppe, Männer, Frauen, Kinder alle in gleicher Haltung in die gleiche Richtung geneigt, wie magisch angezogen von einem geheimnisvollen Objekt außerhalb der Bildgrenzen.

“Vor der Sonnenfinsternis. Place de la Bastille”, heißt diese Aufnahme von 1912 im Werkverzeichnis des Fotografen Eugène Atget.
Als André Breton dieses Bild 1926 auf die Titelseite seiner Zeitschrift “Die surrealistische Revolution” druckte, nannte er es “Die letzten Konversionen”. In den Augen der Surrealisten blickten die Menschen auf Atgets Aufnahme in eine revolutionäre Zukunft, und der greise Fotograf Atget schien ihnen als Prophet des Neuen.
Man Ray hatte Aufnahmen Atgets gekauft, und auch die Amerikanerin Berenice Abbott war für seine Stadtszenen entflammt; sie sollte ihn mit ihrer geduldigen Propagandaarbeit zu einem der Väter der modernen Fotografie des 20. Jahrhunderts machen, geschätzt von Künstlern wie Walker Evans oder Lee Friedlander.
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Der Fotolumpensammler
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Jochen Stöckmann
Ein Lumpensammler zieht schwer bepackt über das Pflaster der Vorstadt - und ebenso muss man sich den Fotografen Eugène Atget vorstellen, der diesen Moment des Großstadtlebens um 1900 festhielt: Als abgerissenen Straßenhändler, der in den staubigen Niederungen des Pariser Alltag fixierte, was die Hochkultur als nostalgisch glänzende Vergangenheit erst sehr viel später entdeckte.
“Er ging gerade nicht auf die von Haussmann sanierten Boulevards, in die Kaufhäuser. Es ging nicht um jenes ’schöne Paris’, dessen Bild das neunzehnte Jahrhundert ausmalte mit eleganten Avenuen, Bahnhöfen, Gaslaternen und elektrischem Licht. Er blieb bewusst außen vor.” (Jean-Claude Crespy, Leiter des Institut francais)
Als Außenseiter mied der abgebrochene Schauspieler und erfolglose Zeichner die vom Baron Haussmann luxussanierten Viertel, jene guten Adressen also, die damals der Schriftsteller Marcel Proust bei seiner “Recherche” nach einer verlorenen Welt ansteuerte. Operettenseligkeit und Chanson-Idyll mochte Atget mit seinen Fotos nicht das Wort reden.
“Das sind ganz besondere Blickwinkel wie bei André Breton oder Man Ray. Sie merkten bald, dass hier zum Preis gewöhnlicher Postkarten Arbeiten des größten Fotografen des zwanzigsten Jahrhunderts verkauft wurden.” (Jean-Claude Crespy, Leiter des Institut francais)
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Eugène Atget – Retrospektive
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 6. Januar 2008


