COURBET | Retrospektive

Oktober 15, 2007 | Comments Off

courbet-paris-2007.jpgDie Ausstellung im Grand Palais Paris präsentiert 120 Gemälde, 30 graphische Arbeiten und 60 Fotografien und ist die größte Courbet-Schau in Paris seit 1977.

Der Maler als Zeitgenosse

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Björn Stüben

In Deutschland wurde Gustave Courbet schon zu Lebzeiten als “Maler des Wahren” geehrt. Doch in seiner Heimat Frankreich hatte der Realist es schwerer. Er wandte sich gegen geltende ästhetische Anschauungen - und das hat man ihm nicht so leicht verziehen. Als Courbet 1877 im Schweizer Exil starb, hat das in Frankreich niemanden interessiert. Jetzt ist im Pariser Grand Palais die Einzelausstellung “Gustave Courbet” zu sehen.

Laurence des Cars, Konservatorin am Pariser Musée d’Orsay und eine der Kuratorinnen der Schau, umreißt die Idee zur aktuellen Ausstellung.

Wir haben heute eine andere Vision von der Kunst Courbets. Es geht jetzt vor allem darum, seine Werke in den Kontext der Kunst des 19. Jahrhunderts einzuordnen. Courbet lässt sich einerseits als der letzte der klassischen Maler und andererseits als der erste moderne Künstler begreifen. Sein Verhältnis zur Tradition in der Kunst ist vielschichtig. Er stellt sich ihr und ordnet sich unter, aber er überwindet sie auch oft wie zum Beispiel in seinen Frauenakten. Mit seinen “Badenden” wollte er eindeutig provozieren. Aber er wollte sich auch immer in eine Reihe gestellt wissen mit den großen Meistern der Vergangenheit. Daraus resultiert auch sein Arbeiten im Großformat der Historienmalerei.

Courbet vollführt wie kaum ein anderer Maler einen “künstlerischen Drahtseilakt” zwischen Tradition und Moderne, der ihn zu einer Schlüsselfigur der Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden ließ. Der Pariser Schau gelingt es grandios, dies zu verdeutlichen.

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Courbet | Retrospektive
Grand Palais in Paris
Galeries nationales du Grand Palais Paris
| bis 28. Januar 2008

Gustave Courbet
| Infos auf wikipedia

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KATALOG | Gustave Courbet.1819-1877
(Gebundene Ausgabe)
480 Seiten
ab Januar 2008
Sprache: Englisch

Ein Prachtband zum Werk Gustave Courbets, des großen Erneuerers der französischen Kunst des 19.Jahrhunderts, der mit seinen lebensnahen Bildern bis heute ein breites Publikum fasziniert.

Gustave Courbet (1819-1877) gilt als einer der herausragendsten Vertreter des Realismus, dessen Leben und Werk ganz im Zeichen der Auflehnung gegen die akademische Maltradition und die konservative Politik standen. Seine bestechenden, mit virtuoser Technik gemalten Bilder stellten der Idealisierung der Natur das wahre Abbild entgegen und lösten damit beim zeitgenössischen Publikum oft regelrechte Skandale aus.

Der prächtig ausgestattete Band spannt mit den Hauptwerken Courbets Selbstbildnisse, Porträts, Genrebilder, Landschaften, Akte, Jagdszenen, Stillleben einen Bogen über die gesamte künstlerische Karriere und das politische Engagement des Franzosen.

Ausgewiesene Fachautoren beleuchten seine Entwicklung hin zu einem realistisch-kritischen Stil, beschreiben den großen Einfluss auf Zeitgenossen und nachfolgende Generationen, betrachten das Werk im Kontext seiner Zeit und dessen Beziehung zur frühen Fotografie, die ebenfalls die naturgetreue Darstellung der Wirklichkeit anstrebte.

Ausstellungen:
Galeries nationales du Grand Palais, Paris 13.10.2007 28.1.2008; The Metropolitan Museum of Art, New York 27.2. 18.5.2008; Mus‚e Fabre, Montpellier 13.6. 28.9.2008

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arte-television-europe

 

30 Jahre ist es her, dass Paris dem Meister des Realismus eine Ausstellung dieser Größenordnung widmete. Bis 28. Januar zeigt das “Grand Palais” mehr als 200 Gemälde, Zeichnungen und Fotografien.

ARTE | Kultur | Ausstellungen

| VIDEO-Reportage ansehen (wmv video)

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Dandy, Verzweifelter, Kraftprotz

FAZ - Werner Spies, Paris

karikatur-courbet-zerstoert-die-vendome-saeule-1879

Mag Courbet auch als Beispiel eines Künstlers gelten, der eine libertäre politische Haltung zeigte, so muss sich doch Proudhon schweren Herzens mit dem gesellschaftskritisch blinden Fleck im Werk des Freundes abfinden. Denn eigentlich greift dieser so gut wie nie zu sozialkritischen Themen. Courbet sieht über die Industrialisierung und über den Pauperismus hinweg.

 

Gegen Paris, gegen die Mode, die der Natur den atemberaubenden Wechsel der sozialen Labilität entgegenhält, stellt Courbet das Unheimliche, das in Kavernen und tabuierten Zonen lauert.

Dazu gehören seine sapphischen Umschlingungen, die Blicke auf die schlafenden, wie anästhetisierten Leiber. Aus diesem Grunde kommt einem heute das erst vor wenigen Jahren wiederentdeckte „L’Origine du monde“ (Der Ursprung der Welt), Courbets sexuellstes malerisches Angebot, als die Enthüllung der Obszönität und der Fruchtbarkeit des Jahrhunderts vor. Wie aufgebahrt präsentiert der Maler den Unterleib, aus dem die Forschung, zu einseitig, den Appetithappen für den Umgang mit dem Maler gemacht hat.

Man könnte meinen, mit „Der Ursprung der Welt“ habe Courbet die Ankunft Freuds, die Enträtselung der Welt durch die Libido angekündigt. Nicht von ungefähr war dieses lange Zeit vergessene Bild, das für den osmanischen Botschafter Khalil-Bey gemalt wurde, nach dem Zweiten Weltkrieg zur versteckten Trophäe des Psychoanalytikers Jacques Lacan geworden.

FAZ - Artikel lesen

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Spektakuläre Courbet-Retrospektive in Paris

Ö1 Inforadio - Hans Woller

“Die Lust am Provozieren lag in seinem Temperament”,

sagt Dominique de Font-Reaulx, Konservatorin des Musee d’Orsay. Neben der technischen Brillanz und einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe hat sie Courbet zu einem der einflussreichsten und kontroversesten Maler des 19. Jahrhunderts gemacht.

coubert-ursprung-der-welt-1866.jpgGustave Courbert | Ursprung der Welt | L’origine du Monde | 1866

Dabei überschritt er manchmal die Grenze zur Schamlosigkeit. Mit seinen Aktbildern im zweiten Ausstellungsteil schockierte er Moral und ästhetisches Empfinden. “Die Badende” von 1853 stellt eine mehr als üppige Frau dar, deren feister Körper die Zeichen der Zeit trägt. Im “Ursprung der Welt” konzentriert sich Courbet ganz auf das weibliche Geschlechtsteil. Mit der einstigen Skandalwirkung spielend, haben die Kuratoren das Gemälde in ein Separee gehängt, in die Wand gegenüber sind drei Gucklöcher wie in einer Peep-Show eingelassen.

Der Mitbegründer des Realismus verbrachte seine letzten Lebensjahre in Armut. Als Anhänger der Pariser Kommune hatte Courbet zur Zerstörung der Vendome-Säule aufgerufen und konnte die Schadensersatzforderung der neuen französischen Regierung nicht aufbringen. Als er 1877 im Schweizer Exil an Wassersucht starb, fand dies in seinem Heimatland keine Beachtung.

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courbet-begraebnis-von-ornans.jpgDer Ursprung der Welt und ihre Ordnung

FR online - Martina Meister

Seltsamer Courbet: Mit der Romantik abgeschlossen, den Realismus erfunden, den Impressionismus angedacht. Wegbereiter der Moderne. Das ist nicht schlecht für ein einziges Leben.

Als sein Gemälde “Ein Begräbnis von Ornans” auf dem Salon von 1850 gezeigt wird, ist die Empörung groß: Courbet hatte es gewagt, auf einer Leinwand, so groß wie die von Davids “Krönung”, eine ländliche Trauergesellschaft zu zeigen. Das war der unerhörte Einzug des Alltags in die Kunst in Gestalt der Historienmalerei: Einfache Menschen, weinende Frauen, der Bürgermeister und der Pope des Dorfes, Mitglieder von Courbets Familie, sie stehen alle am offenen Grab. Lebensgroß. Ein Schädel liegt da, wie ein letzter Gruß an Delacroix. Das war keine gewöhnliche Beisetzung: Hier wurde die Romantik beerdigt. Mit einem einzigen Gemälde hat Courbet sie für tot erklärt: Schluss mit den Mythen, mit dem Heiligen und auch mit dem klassischen Ideal. Genau so wird er weiter machen: als Provokateur. Er will Gemälde zeigen, die den Betrachter wie “Faustschläge” treffen; …

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Courbet | Retrospektive
Grand Palais in Paris
Galeries nationales du Grand Palais Paris
| bis 28. Januar 2008

Les Contes d’Hoffmann | Hamburger Staatsoper

Oktober 15, 2007 | Comments Off

Christine Mielitz inszeniert »Les Contes d’Hoffmann«

FR online - Hamburg (dpa)

Mit einer packenden und facettenreichen Neuproduktion von Jacques Offenbachs fantastischer Oper “Les Contes d’Hoffmann” (”Hoffmanns Erzählungen”) ist der Staatsoper Hamburg am Sonntagabend ein später, aber umso faszinierenderer Premieren-Start in die neue Saison gelungen.

Als Glücksfall für den neuen “Hoffmann” erwies sich schon Christine Mielitz.

 . bei Mielitz ( Opernchefin in Dortmund ) ist Hoffmann ebenso Täter wie Opfer in einer Horror-Comic-Picture-Show, in der die Geliebte Olympia, ein ferngesteuerter Puppen-Automat, am Ende gar als monströse männerverschlingende Marilyn-Monroe-Parodie erscheint. Realität, Kunst und Groteske gehen in dieser Inszenierung eben immer neue, verstörende Koalitionen ein. Einzige Hoffnung in dem von Mord, Suff und Selbstzerstörung geprägten Spiel ist die Muse, die im blütenweißen Engelsgewand den Dichter zur einzig wahren Liebe, der Liebe zur Kunst, zu bekehren sucht.

FR - Artikel lesen

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Staatsoper Hamburg
| Aufführungen:   21., 24. und 31. Oktober 2007, 19.00 Uhr,
| 4. und 9. November 2007, 19.00 Uhr

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  • Kunst | Presseschau

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  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
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