Eine Liebe | Max Klinger und die Folgen

Donnerstag, Oktober 25, 2007
By Peter Panter

klinger-blaue-stunde.jpgKUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Hamburg |

Auf über 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigt die Hamburger Kunsthalle bis zum 13. Januar 2008 mehr als 200 bedeutende  Werke des Künstlers (u.a. 60 Gemälde, 12 Skulpturen) und seinen Einfluss auf folgende Künstlergenerationen.

Der 150. Geburtstag von Max Klinger (1857-1920) im Jahr 2007 ist der Hamburger Kunsthalle und war dem Museum der bildenden Künste Leipzig ein willkommener Anlass, die vielfältigen Wirkungen des Künstlers in der europäischen Kunst um 1900 und in den folgenden Dekaden in einer gemeinsam konzipierten Ausstellung zu untersuchen. Erstmals thematisiert die große Jubiläumsausstellung Eine Liebe. Max Klinger und die Folgen Klingers inspirierende Rolle und belegt seinen Einfluss auf zahlreiche bedeutende Künstler des Symbolismus und Surrealismus, des Naturalismus und des Jugendstils.

Diese bedeutende Wirkung Klingers verbildlicht die Ausstellung mit Gemälden und Graphiken von Max Beckmann, Giorgio de Chirico, Max Ernst, Paul Klee, Käthe Kollwitz, Alfred Kubin, Edvard Munch u. a.

Neben zahlreichen Werken Max Klingers aus Leipzig wird die Schau in der Hamburger Kunsthalle durch den umfangreichen eigenen Bestand ergänzt, für den der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, den Grundstein legte. Unbeirrt von Kritik an Klinger setzte sich Lichtwark immer wieder für sein Werk ein und wurde so nicht nur zu einem seiner wichtigsten Förderer, sondern auch zu einem engen Freund des Künstlers. Wiederholt lud er ihn nach Hamburg ein. Sein Ziel war es, Klingers Werk in einem eigenen Raum umfassend zu präsentieren:

„Wenn wir einen Saal in der Kunsthalle übrig hätten, würde ich vorschlagen, ihn Klinger zu geben, für eine Wanddecoration, in der sich Bilder und Statuen von ihm einfügen.“

Die Ausstellung wird kuratiert von Richard Hüttel (Museum der bildenden Künste Leipzig) und Petra Roettig (Hamburger Kunsthalle). Von März bis Juni 2007 war die Schau im Museum für bildende Künste Leipzig zu sehen.

Eine Liebe |  Max Klinger und die Folgen
| Hamburger Kunsthalle
| bis 18. Januar 2008

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Max Klinger
| Info auf Wikipedia

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Eine Liebe
|  Max Klinger und die Folgen

23,5 × 30,5 cm,
368 Seiten
inklusive Altarfalz
mit 149 farbigen und
261 s/w-Abbildungen,
Hardcover, gebunden,
mit Schutzumschlag

Klinger hat die Tür in das Reich der Fantasie weit aufgestoßen und seine fantastischen Traumbilder und Szenerien des Unwirklichen faszinierten und inspirierten zahlreiche Künstler. So bezogen sich unter anderen Giorgio de Chirico, Alberto Savinio, Max Ernst, Alfred Kubin aber auch Edvard Munch immer wieder auf seine rätselhaften Bildmotive. Die nachhaltige Etablierung der Grafik als künstlerische Form durch Klinger ist dabei genauso zu beachten, wie sein Versuch, einen Weg aus der „Stilverwirrung“ des Historismus zu finden.

Der Kunstkritiker Richard Muther nannte 1909 Max Klinger den „ersten Modernen“.

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klinger-arbeit-wohlstand-schoenheit-1919-detail.jpgOhne politisches Anliegen

TAZ – Alexander Diehl

“Max Klinger ist nicht wiederzuentdecken”, schrieb vor 15 Jahren der Kunsthistoriker Thomas Zaunschirm. “Immer, wenn ein neues Interesse für Realismus sich gegen die internationalistischen Tendenzen der Avantgarde behauptet hat, in den dreißiger, nach den sechziger und wieder in den achtziger Jahren, erinnerte man sich seiner, wenn auch nicht gleichermaßen euphorisch.” Nie wieder indes sei er so “in den Olymp gehoben” worden wie im Wien der Jahrhundertwende.

“Wir zeigen mehr Klinger selber”, sagt Kuratorin Roettig über das Verhältnis zwischen ihrer Ausstellung und jener in Leipzig. Weniger also die “sächsischen Bezüge, dafür mehr noch De Chirico und Max Ernst. Also die Auswirkungen auf die Surrealisten mit ihren Kollagen. Max Ernst zum Beispiel interessierte die graphischen Techniken, die Klinger nebeneinander setzt und mit denen er ganz irre Wirkungen erzielt. Klinger arbeitete ja auch mit merkwürdigen Versatzstücken, und das hat die Surrealisten unheimlich interessiert.”

Vieles seiner Skizzen und Wandgemälde ist formal näher am Schwulst gründerzeitlichen Dekors als an der Abstraktion des 20. Jahrhunderts; nicht von ungefähr wird da auch der heftig durch Klinger beeinflusste Karl-May-Illustrator Sascha Schneider gezeigt. Inhaltlich freilich beschreitet er, und das eben besonders in den schwarz-weißen Zeichnungen und Radierungen, durchaus Neuland: Noch bevor Freud seine Traumanalyse vorlegte oder gar die Surrealisten die traumartig-assoziative Kombination von nicht Zusammengehörendem zum Kunstgriff erhoben, ließ Klinger im Zyklus “Der Handschuh” einen ebensolchen zum Leben erwachen und immer fantastischere Bilder durchlaufen.

TAZ – Artikel lesen

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Artikel im Zusammenhang mit der vorangegangenen Schwesterausstellung in Leipzig 2007

Ermatteter Amor, übersinnliche Sinnlichkeit

TAGESSPIEGEL online – Michael Zajonz

„Max Klinger und die Folgen“ ist ein ziemlich doppeldeutiger Titel. Denn im Mittelpunkt der großzügig präsentierten Ausstellung stehen die frühen Grafikzyklen, mit denen der in Karlsruhe, Berlin, Brüssel und Paris ausgebildete Künstler bereits um 1880 seine Zeitgenossen erregte – und aufregte.

Etwa mit „Opus VI: Ein Handschuh“. Was als harmloser Sturz einer jungen Frau auf der Rollschuhbahn in der Berliner Hasenheide beginnt, wächst sich auf den folgenden Blättern zu einem triebgesteuerten Tanz um einen von dieser rätselhaften Beauté verlorenen Handschuh aus. Der Held – mit den Zügen Klingers – nimmt das erotische Kleidungsstück mit nach Haus und wird fortan in virtuos in Szene gesetzten Träumen von Monstren, Ertrinkenden und anderem Ungemach heimgesucht. Auf dem letzten Blatt sitzt ein ermatteter Amor neben dem erschlafften Fetisch. Der Kunsthistoriker Werner Hofmann bringt es im vorzüglichen Katalog auf den Punkt: „Freud ante portas“.

TAGESSPIEGEL – Artikel lesen

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Heiße Träume

FR online – Elke Buhr

Klingers Radiernadel erfasst die bürgerliche Welt in dem Moment, in dem sich ein Arzt namens Sigmund Freud in einer anderen europäischen Metropole langsam zur Theorie des Unbewussten vortastet.

Auch Klinger holt hervor, was unter der Oberfläche brodelt, er inszeniert den Fetisch und die Erotik, er lässt die wilhelminische Steifheit geradezu explodieren in seinen symbolistischen Visionen.

Klingers Todes- und Traumvisionen finden bei Edvard Munch ein expressives Echo, Käthe Kollwitz verfolgt seine Leidensdarstellungen in ihren dunklen Sozialdramen weiter, und Liebhaber des Surrealen von Max Ernst bis zu Giorgio de Chirico und Salvador Dalí zitieren Klingers unheimliche Landschaften. Und der Frauentypus, den Klinger in den Porträts seiner langjährigen Lebensgefährtin, der Dichterin Elsa Asenijeff, verklärt, war der gleiche, den etwas später auch Gustav Klimt zur Ikone machte: verführerische Vamps mit dunklen, langen Locken, die weder ihre Formen noch ihre Sexualität mehr ins Korsett zwängten, und die gelegentlich mehr fallen ließen als nur einen Handschuh.

FR Artikel 3.2007 | nicht mehr online

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Eine Liebe |  Max Klinger und die Folgen
| Hamburger Kunsthalle
| bis 18. Januar 2008

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