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Daido Moriyama | Retrospektive ab 1965
Oktober 28, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT SK Stiftung Kultur Köln |
Die rund 350 Photographien umfassende Retrospektive stellt bis 09. Dezember 2007 das ausgesprochen komplexe und kreative Werk von Daido Moriyama (* 1938), einem der renommiertesten japanischen Photographen, vor. Sie zeigt dreizehn, vorwiegend auf Vintage-Material beruhende Bildreihen und eine Filmpräsentation in der Fotografischen Sammlung / SK Stiftung Kultur Köln, Mediapark.
Ist die Bildsprache Moriyamas Photographien schroff, kontrastreich, unscharf und grobkörnig, so beruht dies einerseits auf seiner geschwinden, vielfach aus der Bewegung heraus vorgenommenen Aufnahmetätigkeit, bei der er sogar den Blick durch den Bildsucher meidet, andererseits auf seiner kraftvoll durchdringenden Dunkelkammerarbeit, während der er die Motive erneut erlebt und zu verdichten sucht. Die Aufnahme des „Stray Dog“ (1971), des unruhig streunenden Hundes, ist gleichsam ein von Moriyama selbst gewähltes Symbol für seine eigenes Schaffen: grenzgängerisch, ungebunden, mit Instinkt und großer Aufmerksamkeit für Atmosphäre und Details. Der Akt des Photographierens wie auch der Nachbearbeitung kann für Moriyama durchaus als eine existentielle Notwendigkeit bezeichnet werden, der er extensiv und kompromisslos nachgibt.
Die Kölner Ausstellung ist in enger Kooperation mit dem Künstler und der Taka Ishii Gallery in Tokio realisiert worden. Folgende Bildreihen werden zu sehen sein: Pantomime (1965), Actor Shimizu Isamu (1967), NIPPON GEKIJO SHASHINCHO (Japan Theater Photo Album) (1968), Marine Accident (1969), Smash-Up (1969), Provoke No. 2 and No. 3 (1969), 71 N.Y. (1971), KARIUDO (Hunter) (1971), SHASHINYO SAYOUNARA (Farewell Photography) (1972), Light and Shadow, (1981/82), Daido Hysteric (1993) und Shinjuku (2000–04).
Daido Moriyama. Retrospektive ab 1965
| Fotografische Sammlung / SK Stiftung Kultur
| bis 09. Dezember 2007
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Daido Moriyama, 1938 in der Nähe von Osaka geboren, gehört mit Nobuyoshi Araki zu den einflussreichsten Repräsentanten der zeitgenössischen japanischen Fotografie. Beeinflusst von der Bildauffassung eines Weegee und William Klein entwickelt Moriyama seit den 1970er Jahren seinen unverkennbaren Stil: Treffend als ¯Hunter of Light® charakterisiert, besticht Moriyama in seinen Fotografien durch Hell-Dunkel-Kontraste und die diffuse Abstufung von Grautönen. Seine Vorliebe für das Atmosphärische und Enigmatische führt immer wieder zu einer Abstraktion des Bildmotivs.
PHOTO _ BUCH
Daido Moriyama: Shinjuku
Text von Zdenek Felix
Deutsch/Englisch
2006. 124 Seiten,
72 Abb. in Duplex
24,40 x 34,20 cm
Broschur
Das Buch präsentiert bislang unveröffentlichte Fotografien aus dem Tokioter Viertel Shinjuku, dessen labyrinthische Anordnung und dunkle Zonen Moriyama seit jeher in den Bann schlagen. Das Ergebnis ist ein faszinierendes Panorama an Schwarzweißfotografien, die mit schnappschussartiger Geschwindigkeit aufgenommen, in der Dunkelkammer aber einer langen Nachbearbeitung unterzogen wurden.
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Gesteigerte Sinnlichkeit
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Michaela Schmitz
Fotoband “Shinjuku” des Japaners Daido Moriyama
Kaum einer hat Shinjukus bittersüße Mischung aus Erotik, Abfall und Kommerz so eingefangen wie Daido Moriyama. Mit seinen expressiven Bildern wurde der bei Osaka geborene Moriyama zu einem der wichtigsten japanischen Fotografen der Nachkriegszeit. Shinjuku ist auch sein neu herausgekommener Fotoband mit bisher unveröffentlichten Bildern des Großstadtviertels gewidmet. Wild, verschwommen und unscharf sind Moriyamas Schwarz-Weiß-Fotografien von Straßen, Gesichtern, Hinterhöfen, Nachtclubs, Fast-Food-Ständen und Supermärkten, körnig und voll harter Kontraste. Die Menschen wirken verloren in seinen rohen und düsteren Großstadtszenen. Fotos, die in ihrer Spontaneität und Beiläufigkeit der Bildauswahl an Polaroids denken lassen, mit denen der Fotograf auch seit den 90er Jahren experimentiert.
“Anstatt irgendeine theoretische Vorgangsweise anzuwenden,” so Moriyama in einem Interview, “reagiere ich total körperlich. Zum Beispiel drehe ich mich nach rechts und fotografiere ein Poster, drehe mich um und fotografiere die Straße. Manchmal richte ich auch die Kamera auf mich selbst. Ich treffe dabei keine Unterscheidungen, trotzdem gibt es in meinem Inneren keinen Widerspruch.”
Wie eilige Schnappschüsse erscheinen die Bilder. Bewusst grobkörnig, unscharf, verkantet und angeschnitten präsentieren sich die im Labor intensiv nachbearbeiteten Fotos.
“Ich und meine Photos”, so Moriyama “stimmen exakt überein.” Die Fotos und seine Biografie zeigen das; in einer künstlerischen Radikalität und existenziellen Konsequenz, die den Betrachter treffen. Direkt, wild und unmittelbar.
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Bodenlose Bilder
NZZ - Kerstin Stremmel
. die Fotografische Sammlung / SK Stiftung Kultur bietet eine überbordende Fülle von Arbeiten Daido Moriyamas, die seit 1965 entstanden sind und von ihm für die Retrospektive ausgewählt wurden.
Diese Präsentation kann den Blick auf den 1938 bei Osaka geborenen Meister des fotografischen Existenzialismus verändern, denn in umfangreichen Bildreihen aus dreizehn Serien werden Moriyamas unterschiedliche Werkphasen und die Vielzahl seiner Einflüsse deutlich. Street-Photography jenseits von Klischees und Sentimentalität, geprägt durch Fotografen wie Robert Frank oder William Klein, taucht immer wieder auf; Strassenszenen, viele aus Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku, Blicke, die der Flaneur beiläufig auf Passanten geworfen hat, Fassaden, Werbeschilder oder räudige Tiere illustrieren Moriyamas Credo, dass die Welt und die Menschen in ihr nicht schön sind.
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Daido Moriyama. Retrospektive ab 1965
| Fotografische Sammlung / SK Stiftung Kultur
| bis 09. Dezember 2007

