100 Jahre Paula Modersohn-Becker

November 20, 2007 | Comments Off

paula modersohn beckerKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Bremen |

Paula-Modersohn-Becker-Denkmal enthüllt.
      
Zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker wurde am 20. November 2007 in den Wallanlagen hinter der Kunsthalle Bremen ein Denkmal für die Künstlerin enthüllt. Das Denkmal ist der bronzene Abguss einer Modersohn-Becker-Büste, die die Bildhauerin Clara Westhoff 1908 geschaffen hatte. Das Original der Büste befindet sich in der Bremer Kunsthalle.

Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900

Die Kunsthalle Bremen zeigt bis zum 24. Februar 2008 Meisterwerke der Künstlerin in einer großen Sonderausstellung.

Sie war eine Pionierin der Moderne in Deutschland und eine Künstlerin von Weltrang: Zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker präsentiert die Kunsthalle Bremen 61 herausragende Gemälde und zahlreiche Zeichnungen der Malerin in einer großen Sonderausstellung. Viermal reiste Paula Modersohn-Becker nach Paris und begegnete dort den Künstlern der französischen Avantgarde um 1900. Diese bestätigten sie auf ihrem eigenen Weg zu einer radikal modernen Bildsprache. Die Ausstellung zeigt erstmals in direkten Gegenüberstellungen die Berührungspunkte in Paula Modersohn-Beckers Werk mit Künstlern wie Cézanne, Gauguin und Van Gogh, den „Nabis“ sowie Picasso und Matisse in 33 Gemälden und Skulpturen.

Sehnsucht nach der Weltstadt
‘Paris war ein Fixpunkt im Leben von Paula Modersohn-Becker (1876-1907). Bereits 1898, kurz nach ihrer Ankunft in der ländlich-abgeschiedenen Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen, äußerte sie den Wunsch, Europas pulsierende Kunstmetropole zu besuchen und reiste in der Neujahrsnacht 1900 zum ersten Mal dorthin.

Leuchtende Farben, vereinfachte Formen
In Paris sah Paula Modersohn-Becker in Ausstellungen und bei Kunsthändlern die Werke bedeutender Künstler wie Cézanne oder Gauguin. Zeitgenossen wie Rodin und Maillol lernte sie persönlich kennen. Wie die Ausstellung in Bremen verdeutlicht, fühlte sich die junge Malerin durch ihre Pariser Kunsterlebnisse in ihrer höchst modernen Kunstauffassung bestätigt und auf ihrer Suche nach neuen Ausdrucksformen inspiriert: Konsequent und eigenständig entwickelte sie nun ihre eigene Bildsprache jenseits von Naturalismus und Impressionismus weiter. Sie verwendete zunehmend leuchtende, flächig aufgetragene Farben und kam zu einer ausdrucksstarken Formensprache von großer Einfachheit. Entscheidenden Einfluss auf Paula Modersohn-Beckers Entwicklung hatten vor allem Cézanne und Gauguin. Am 21. Oktober 1907, kurz vor ihrem Tod, schrieb sie ihrer Freundin Clara Rilke-Westhoff: „Ich denke und dachte diese Tage stark an Cézanne und wie das einer von den drei oder vier Malerkräften ist, der auf mich gewirkt hat wie ein Gewitter und ein großes Ereignis“.

Radikal moderne Stillleben und Figurenbilder
Tagebücher und Briefe dokumentieren, wie wichtig die Erlebnisse in Paris für die Künstlerin waren. Doch mit welchen Kunstrichtungen kam sie ganz konkret in Berührung? Wo zeigen ihre Arbeiten auch motivische und stilistische Parallelen zu Künstlern, die sie in ihren Aufzeichnungen nicht erwähnte? Die Präsentation in der Kunsthalle Bremen geht diesen Fragen nach. Sie konzentriert sich dabei vor allem auf Paula Modersohn-Beckers
besonders herausragende Stillleben und Figurenbilder aus den Jahren 1900 bis 1907. In zahlreichen Gegenüberstellungen werden diese mit Werken der französischen Avantgarde konfrontiert: Ein Spannungsbogen, der von den „Vätern der Moderne“, Paul Cézanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh, über die Künstlergruppe der „Nabis“ bis zu jüngsten Gegenwartskünstlern der Zeit wie Henri Matisse und Pablo Picasso reicht und die Bedeutung Paula Modersohn-Beckers eindrucksvoll unterstreicht.

Paula in Paris
| Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900
| Von Cézanne bis Picasso
| Kunsthalle Bremen
| bis 24.2.2008

Zeitgleich im Paula Modersohn-Becker Museum:

Paula Modersohn-Becker und die ägyptischen Mumienportraits
| Eine Hommage zum 100. Todestag der Künstlerin
| Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
| bis 24.2.2008

Weitere Ausstellungen zu Paula Modersohn-Becker:

Leben! Paula Modersohn-Becker in Worpswede
| Ein Gemeinschaftsprojekt Worpsweder Kultureinrichtungen
| bis 24.2.2008

Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn – Ein Künstlerpaar um 1900
| Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
| bis 24.02.2008

Die Beziehung zwischen Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn ist geprägt von einer fruchtbaren wie auch spannungsreichen Auseinandersetzung mit der künstlerischen Arbeit des anderen. Anhand von rund 150 Gemälden und Handzeichnungen wird in der Ausstellung der Frage nachgegangen, wie die beiden einander in ihrer jeweiligen künstlerischen Entwicklung beeinflusst haben.

otto-moderson-sonniger-herbsttag-1904.jpg

Eine repräsentative Gegenüberstellung beider Künstler ist nun erstmals möglich, da die bedeutenden Werkgruppen des Landesmuseums Hannover durch Leihgaben aus der Kunsthalle Bremen, der Kunstsammlungen Böttcherstraße/Paula Modersohn-Becker Museum Bremen, der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung Bremen, dem Von der Heydt-Museum Wuppertal, dem Otto Modersohn Museum in Fischerhude sowie aus zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen ergänzt werden.

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Deutschlands Picasso ist eine Frau

FAZ - Julia Voss

Es ist kein Geheimnis, dass Frauen, ergriffen sie den Künstlerberuf, auf starke Widerstände stießen. Im Fall von Modersohn-Becker trifft dies doppelt zu: Zu Lebzeiten stark angefeindet, wurde bald nach ihrem Tod das Werk so sehr vom biographischen Interesse vereinnahmt, dass es zu einer sentimentalischen Illustration eines Frauenschicksals zusammenschrumpfte.

Ihre Bilder wurden bevorzugt psychologisch ausgedeutet, im eng gesteckten Rahmen persönlicher Befindlichkeiten. Als Bauernmalerin wurde sie retrospektiv in das ländliche Worpswede eingesperrt, vor dem sie selbst nach Paris geflüchtet war. Jedes Kind, jedes Mädchen, das sie malte, gab angeblich Auskunft über die Sehnsüchte der Malerin, über ihr Frausein.

Damit kein Missverständnis entsteht - gegen Paula Modersohn-Becker fuhr das Umfeld das ganze Bollwerk auf, das Künstlerinnenkarrieren unwahrscheinlich machte wie Tennisstars in der Antarktis: der Unglaube ihrer Familie, dass eine Frau Kunst machen könnte, die Verachtung der Kritiker, die ständigen Vorwürfe, die jeden Versuch, unabhängig oder selbständig zu sein, als Vergehen an Dritten darstellten. Und doch besteht die Stärke der Malerin darin, eben nicht die Kleinheit der Verhältnisse auszupinseln, sondern diese Enge aufgesprengt und sich in der Kunst eine eigene Welt erfunden zu haben.

FAZ - Artikel lesen

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paula-moderson-becker-bio.jpg»Mein Leben ist ein kurzes, intensives Fest.«

PUBLIKATION
Paula Modersohn-Becker
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»Eine kluge, geradezu federnd leichte und in vielen Einzelheiten markante Biografie.« (Elke Schmitter im SPIEGEL über Kerstin Deckers Heine-Biografie)

Gebundene Ausgabe
304 Seiten
8 Seiten Farbabbildungen
Sprache: Deutsch
22 x 14,4 x 2,8 cm

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Zu jung, zu früh, zu gut

TAGESSPIEGEL online - Nicola Kuhn

Auf Augenhöhe: Bremen feiert die Malerin Paula Modersohn-Becker zum ihrem 100. Todestag und hebt sie auf eine Ebene mit Cézanne, van Gogh und Gauguin.

Es ist fatal. Da hat man nun einee Heroine der Moderne, die bedeutendste deutsche Malerin des frühen 20. Jahrhunderts, und stellt sie doch wieder nicht alleine aus. Ausgerechnet anlässlich ihres 100. Todesjahrs wird Paula Modersohn-Becker nicht für ihre singuläre Leistung gefeiert, sondern im Vergleich mit Cézanne, van Gogh, Gauguin auf das Podest gehoben, auf dem sie eigentlich längst schon steht. Auch als der Direktor der Bremer Kunsthalle, Wulf Herzogenrath, zur Ausstellungseröffnung wohlmeinend sagt, diese Künstlerin sei nicht nur für die nordwestdeutsche Tiefebene von Bedeutung, möchte man aufspringen und zurückfragen: Hat das jemand in den letzten 50 Jahren ernsthaft in Abrede zu stellen gewagt?

Die Begegnungen mit Bildern von Paul Cézanne und Paul Gauguin waren Initialerlebnisse, die sie zu eigenen Formulierungen animierten. Ihr berühmtestes Werk aus dem Jahr 1906, der erste weibliche Selbstakt überhaupt, dürfte nicht zuletzt von Gauguins Tahiti-Bildern mit ihren idolatrischen SüdseeSchönen inspiriert sein. Cézanne, von dem die Künstlerin sieben Jahre später schreibt, dass er auf sie gewirkt habe „wie ein Gewitter“, verdankt sie die Radikalität des verflachten Bildraums, die schwere Farbmaterie, das stoffliche Eigenleben von Äpfeln, Tischtuch und Flechtkorb im Stillleben. Das zeigt die Ausstellung deutlich: Die junge deutsche Malerin befindet sich mit den großen Franzosen auf Augenhöhe.

TAGESSPIEGEL - Artikel lesen

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VIDEO | Reportage | wmv [05′53 Min]
| Radio Bremen
| Florian Herbst
| ansehen 

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Ihr scheint mir’s nicht zuzutrauen

FR online - Judith von Sternburg

Die beiden Ausstellungen, mit denen Bremen nun die Malerin Paula Modersohn-Becker feiert, kann auch der Ortsfremde schon alleine deshalb nicht verfehlen, weil pro Ausstellung circa 1000 Schilder mit Richtungspfeil aufgehängt wurden.

Was für ein glückliches Ende für die Geschichte der Malerin in jener Stadt, in der sie aufwuchs und als 23-Jährige ihre vermutlich herbste öffentliche Niederlage hinnehmen musste. Als sie Ende Dezember 1899 zusammen mit ihrer gleichfalls jungen Kollegin Maria Bock in der Kunsthalle eine kleine Kabinettausstellung zeigen konnte, bekam Kunstkritiker Arthur Fitger Schaum vor den Mund, griff in die Tasten und schrieb:

“Unsere heutigen Notizen müssen wir leider beginnen mit dem Ausdrucke tiefen Bedauerns darüber, dass es so unqualifizierbaren Leistungen wie den sogenannten Studien von Maria Bock und Paula Boecker (!) gelungen ist, den Weg in die Ausstellungsräume unserer Kunsthalle zu finden … Für die Arbeiten der beiden genannten Damen reicht der Wörterschatz einer reinlichen Sprache nicht aus, und bei einer unreinlichen wollen wir keine Anleihe machen.”

FR - Artikel lesen

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moderson-becker-paris-leben-wie-im-rausch.jpgPUBLIKATION
Paula Modersohn-Becker
Paris - Leben wie im Rausch. Biografie
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Gebundene Ausgabe
300 Seiten
Sprache: Deutsch
22 x 15,4 x 3 cm

Paula Modersohn-Becker (1876-1907) ist eine der bedeutendsten Malerinnen zu Beginn der Moderne. Und doch: Bis heute wurde vor allem der Aufbruch der Männer-Moderne wahrgenommen: Cezanne, Gauguin, van Gogh, Munch, Picasso, Rodin und andere. Doch ohne Paula Modersohn-Becker und einige andere Künstlerinnen sähe die Kunst des frühen zwanzigsten Jahrhunderts anders aus.

Zum 100. Todestag der Künstlerin, am 20. November 2006, erscheint von der Kunsthistorikerin Renate Berger die Schilderung der prägendsten und aufregendsten Zeit der Künstlerin: die “Pariser Jahre” zwischen 1900 und 1907. Begleitet wird sie bei ihren zahlreichen Aufenthalten in der französischen Metropole von der Freundin und Malerin Clara Westhoff, der Ehefrau Rainer Maria Rilkes. Die Stadt an der Seine ist ein Abenteuer, eine Flucht aus der Enge der deutschen Provinz in eine Welt, in der die Sprache der Kunst neu erfunden wurde, und die Modersohn-Becker schließlich in Worpswede auf die ihr eigene Weise weiterentwickeln wird. Paris ist aber auch der Ort, an dem Paula Modersohn-Becker ganz zu sich findet und ihr Leben endgültig selbst in die Hand nimmt. So steht sie auch am Anfangn einer sehr aktuellen, unaufgeregten und zugleich entschiedenen Selbstbefreiung der moderner Frauen.

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Leben. Malen

ZEIT online - Christa Bürger

In diesem Herbst feiert die Kunstwelt mit zahlreichen Ausstellungen die Malerin Paula Modersohn-Becker, die vor 100 Jahren gestorben ist. Ein biografischer Essay.

Im Sommer des Jahres 1900 kommt der Dichter Rainer Maria Rilke nach Worpswede bei Bremen. Eine Künstlerkolonie hat sich hier seit 1889 angesiedelt, wie es jetzt so viele gibt in Europa, da die Maler die staubigen Säle der Akademien verlassen, um die Natur, um Licht und Kunst neu zu erfahren. Rilke trifft dort auf zwei junge Frauen, die Malerin Paula Becker und die Bildhauerin Clara Westhoff. In seinem Worpsweder Tagebuch hält er den Augenblick der Begegnung fest: »Ganz in Weiß kamen die Mädchen vom Berg aus der Heide…«

Die blonde Malerin, ihre dunkle Freundin und der Dichter ahnen in diesem Moment noch nicht, dass sie fortan verbunden sein werden in einem Liebesverhältnis eigener Ordnung. In ihre wechselseitige erotische Anziehung mischt sich aber bald schon das Wissen, dass ihnen etwas anderes bestimmt ist als eine bürgerliche Existenz. Zwar erkennt die Malerin in Rilke, der sie in altmodisch empfindsamen Versen besingt, den Dichter nicht, und in Rilkes Worpswede-Buch kommt Paula Becker als Malerin nicht vor. Und doch muss sich in ihrem Atelier ein spontaner Gleichklang der Weltwahrnehmung eingestellt haben. »Die Uhr schlug eine viel zu große Stunde und ging ganz laut zwischen unseren Gesprächen umher. – Ihr Haar war von florentinischem Golde […]. Ein großer Schatten ging durch die Stube […]. Wir schauten nach den westlichen Fenstern hin. Aber es war niemand nah vorbeigegangen.«

Sie werden beide gespürt haben, wie rasch ihr Worpsweder Sommer verging. Die Lebenswege des Dichters und der beiden Freundinnen kehrten in die traditionelle Ordnung zurück. Rilke heiratet Clara Westhoff; Paula Becker verlobt sich mit Otto Modersohn. »Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben«, schreibt sie in ihr Tagebuch. – Es war jemand vorbeigegangen.

ZEIT - Artikel lesen

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moderson-becker-mond-ueber-landschaft-ca-1900.jpgEine der ganz Großen

TAZ - Henning Bleyl

Raus aus dem Moor, rein in die Moderne: Zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker soll die Malerin in der ersten Liga platziert werden. Mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Bremen.

Die etwas unklare Stellung, die Paula Modersohn-Becker bislang in der Kunstgeschichte einnimmt, manifestiert sich nirgends deutlicher als in Bremen. Dort ist die Malerin einerseits Hausheilige mit eigenem Museum, andererseits brauchte die Stadt nach ihrem Tod noch 100 Jahre - und den massiven Druck des Vereins “Bremer Frauenmuseum” -, um ein Stückchen öffentlichen Raums nach der Malerin zu benennen. Nicht etwa eine Straße oder gar einen Platz, sondern einen kleinen geländerlosen Steg hinter der Kunsthalle. Dort wiederum findet gerade der Versuch statt, Modersohn-Becker mit der Ausstellung “Paula in Paris” endgültig in der ersten Liga der internationalen Moderne zu platzieren.

Der Nachholbedarf liegt auf der Hand: Während die rezeptionsfreudigen Japaner eine Modersohn-Becker-Wanderausstellung vor zwei Jahren zum Publikumserfolg machten, ist die Malerin andernorts - etwa, ausgerechnet, in Paris - nach wie vor eine unbekannte Größe.

TAZ - Artikel lesen

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Vom Teufelsmoor mitten in die Moderne

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Rainer Berthold Schossig

Lange wurde Paula Modersohn-Becker als betuliche Worpsweder Arme-Leute-Malerin missverstanden. Heute wird sie als Wegbereiterin der Moderne zu den bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Zeit gerechnet.

Obwohl Modersohn-Becker nur 31 Jahre alt wurde, hinterließ sie bei ihrem Tod vor 100 Jahren ein beeindruckendes malerisches und zeichnerisches Werk voller Poesie und experimenteller Kraft, das gerade in diesem Herbst und Winter in einer Reihe bedeutender Ausstellungen neu präsentiert und gewürdigt wird.

“Worpswede, Worpswede, Worpswede! Versunkene Glocke-Stimmung! Birken, Birken, Kiefern und alte Weiden. Schönes, braunes Moor, köstliches Braun. Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz. Die Hamme mit ihren dunklen Segeln, es ist ein Wunderland, ein Götterland.”

So schwärmte die junge Künstlerin Paula Becker im Sommer 1897 in ihrem Tagebuch. Sie war damals 21 Jahre, und Worpswede hinterließ bei ihr einen so tiefen Eindruck, dass sie hier Malen und Zeichnen erlernen wollte. So wurde sie zur Stimmungs-Malerin brauner Sumpf-, Moor- und Heidelandschaft: Doch das Teufelsmoor war nur der Anfang ihres künstlerischen Weges; der sollte sie mitten in die Moderne, nach Paris führen: Heute gilt sie als die Wegbereiterin deutscher Avantgardekunst. - 1876 in Dresden geboren, wuchs Paula Becker in Bremen auf.

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

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moderson-becker-kalender-2008.jpgPaula Modersohn-Becker 2008. Kunstkalender.
12 ausgesuchte Werke in hochwertigen Reproduktionen
aus dem Paula Modersohn-Becker-Museum, Bremen
der Kunstsammlungen Böttcherstraße
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39,8 x 34 x 0,4 cm

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In Einfachheit gross werden

NZZ - Manfred Schwarz

Zum Todestag von Paula Modersohn-Becker, der sich am heutigen Tag zum 100. Mal jährt, untersucht eine gross angelegte Ausstellung in der Kunsthalle Bremen die Beziehung der Künstlerin zur Malerei der Avantgarde im Paris des frühen 20. Jahrhunderts. …

«Mit van Gogh und seiner Richtung sich seltsam berührend» – so versuchte R. M. Rilke die letzten, fulminanten Werke der Freundin Paula Modersohn-Becker in ihrer Eigenart zu beschreiben. Nun untersucht eine eminente Ausstellung in Bremen jene wichtigste Inspirationsquelle der Künstlerin: die Avantgarde-Malerei im Paris des frühen 20. Jahrhunderts.

– Wie unendlich weit doch diese Welten auseinanderlagen: das träumerisch-schweigsame Teufelsmoor im rustikalen Nordwesten Deutschlands und die Lichterstadt, die Weltstadt an der Seine. Zwischen Worpswede und Paris lag damals, um 1900, mehr als eine mehrtägige, schier endlos anmutende Zugreise. Zwischen dem Moordorf und der Kapitale lagen ganze Welten: ein gähnender, alles verschluckender Abgrund. Wer diesen überwinden, wer gleichsam darüberspringen wollte, musste kühn sein, unabhängig und unersättlich neugierig, todesmutig geradezu.

NZZ - Artikel lesen

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Die große einfache Form

BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss

Deutschlands Moderne begann mit einer Frau: Vor 100 Jahren starb Paula Modersohn-Becker

Es war ein Programmbild, das Paula Modersohn-Becker am 25. Mai 1906, ihrem sechsten Hochzeitstag, malte. Die 30-Jährige war aus Worpswede nach Paris entflohen. Ihre Ehe steckte in der Krise, Paula wollte nicht mehr mit dem elf Jahre älteren Maler Otto Modersohn in der abgeschiedenen Moorlandschaft leben. Ottos Briefe vernahm sie “wie eine Stimme von der Erde und ich selbst bin wie eine, die gestorben ist und in seligen Gefilden weilt und diesen Erdenschrei hört”.

In solcher Stimmung, wild entschlossen, ein neues Leben anzufangen und sich noch bedingungsloser als bisher ihrer Kunst zu widmen, stellt sich Modersohn-Becker vor den Spiegel und malt sich nackt. Es wird ihr berühmtestes Gemälde, denn noch nie zuvor hat sich eine Frau selbst als Akt dargestellt. Sie tut es in der charakteristischen Modersohn-Becker-Weise: schwer und derb, mit rauem Pinselstrich, auf die wesentlichen Formen beschränkt. Modern will sie unbedingt sein, auch wenn sie das Wort nicht benutzt. Sie hasst alle “Convention”, stemmt sich mit Willenskraft gegen alle Einzwängungen.

BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen

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Paula in Paris
| Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900
| Von Cézanne bis Picasso
| Kunsthalle Bremen
| bis 24.2.2008

Zeitgleich im Paula Modersohn-Becker Museum:

Paula Modersohn-Becker und die ägyptischen Mumienportraits
| Eine Hommage zum 100. Todestag der Künstlerin
| Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
| bis 24.2.2008

Weitere Ausstellungen zu Paula Modersohn-Becker:

Leben! Paula Modersohn-Becker in Worpswede
| Ein Gemeinschaftsprojekt Worpsweder Kultureinrichtungen
| bis 24.2.2008

Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn – Ein Künstlerpaar um 1900
| Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
| bis 24.02.2008

Jeff Wall | Belichtung

November 20, 2007 | Comments Off

jeffwall-a-sudden-gust-of-wind-1993-ausschnitt.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Deutsche Guggenheim |

Zehn Jahre Deutsche Guggenheim Berlin.

Der kanadische Fotograf Jeff Wall präsentiert bis zum 20. Januar 2008 ein eigens für Berlin entworfenes Ausstellungskonzept mit einer neuen Werkgruppe, die als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim entstand.

Den Kern der Ausstellung bilden vier neue, großformatige Silbergelatineabzüge. Drei von diesen folgen einem kinematografischen Ansatz – sie sind bis ins Detail inszeniert und durchkomponiert, jedoch auf der Straße und nicht im Studio aufgenommen. Das verbindende Element ist die Bildthematik. Jede Komposition schildert auf realistische Weise Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die typisch für unsere heutige Gesellschaft sind: Eine Gruppe Arbeitsloser wartet am Straßenrand auf die Gelegenheit, sich ein bisschen Geld zu verdienen; eine Frau kehrt in ihre trostlose Mietskaserne zurück;Kinder treiben auf einem verlassenen Gelände ein Kriegsspiel.

Die vierte Arbeit dieser neuen Werkgruppe ist ein Dokumentarfoto ohne Personen. Die grandiose Aufnahme zeigt einen Kühlraum, der jeden, der dort arbeitet, vor extreme Belastungen stellt.

In seiner Gesamtheit zieht Walls Auftragszyklus Parallelen zur Entwicklung und sozialen Tendenz der Dokumentarfotografie und zur Geschichte des neorealistischen Films. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Fotografien und Farbleuchtkästen aus den Jahren 2001/2002.

Jeff Wall: Belichtung
| Deutsche Guggenheim, Berlin
| bis 20. Januar 2008

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jeff-wall-belichtung-katalogcover-guggenheim-berlin-2007 | katalog kaufen bei amazonKATALOG
Jeff Wall | Exposure | Belichtung
kaufen bei amazon
Sprache: Deutsch
60 Seiten, 37 farbige Abb.
25,30 x 30,50 cm
gebunden
Jeff Wall (geb. 1946) gilt als einer der angesehensten Künstler seiner Generation, viele seiner Bilder sind zu Ikonen der zeitgenössischen Fotografie geworden.

Der Band dokumentiert eine Ausstellung Walls im Deutschen Guggenheim in Berlin (20.10.2007- 13.1.2008): Mit den großformatigen Schwarzweißfotografien von trostlosen Gegenden und Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen bezieht sich der Künstler inhaltlich und formal auf die klassische Dokumentarfotografie und deren traditionelles Engagement für unterprivilegierte Schichten sowie auf den neorealistischen Film.

Die erstmals publizierte Gruppe von Silbergelatineabzügen wird ergänzt von thematisch verwandten, früheren Arbeiten. Sie alle belegen Jeff Walls Einsatz für brisante, der Kunst bis zu Beginn der Moderne unwürdig erscheinende Themen der Gegenwart wie Armut, Ausgrenzung, Gewalt und ökologische Belange und verorten das Werk des Kanadiers in der Tradition des Realismus des 19. Jahrhunderts, den er durch zeitgenössische Ingredienzien meisterhaft weiterentwickelt.

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Jeff Wall | In His Own Words
| MoMA, New York 2007
| Projekt-Webseite (Flash)
| mit zahlreichen Fotos

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Schöne Ansichten | Jenseits des Moments

FR online - Elke Buhr

Zwei Sorten von Bildern gebe es in seinem Werk, sagte Jeff Wall bei der Vorstellung der Ausstellung in Berlin: die kinematographischen, die er aufwendig inszeniere, und die dokumentarischen, die er in wenigen Sekunden schieße. Allerdings, muss man hinzufügen, kommen diese dokumentarischen Fotos, so wie der Kühlkeller, immer ohne Figuren aus: Wall will das Exemplarische isolieren, und dazu muss er den Menschen aus der gelebten Zeit herauslösen, ihn zur Zeitlupe der Inszenierung zwingen, damit die Momentaufnahme ins Überzeitliche vordringen kann.

So erscheint in den Bildern von Jeff Wall das Soziale immer ein wenig entfernt - die sorgfältige Ästhetisierung schützt vor der Primitivität des dokumentarischen Wühlens im Dreck, aber sie schützt auch ein wenig vor dem Dreck selbst. So passen diese Bilder in ihrer fast erhabenen Perfektion ideal in die distinguierten, immer bis ins Detail sauber bespielten Räume der Deutschen Guggenheim. Mit “Belichtung” feiert das Joint Venture zwischen der Bank und dem New Yorker Museumskonzern sein zehnjähriges Bestehen.

FR - Artikel lesen

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Jeff Wall | Inszenierte Photographie
| Harald Klinke
| Institut für Kunstwissenschaften
| Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

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Inszenierung des Alltäglichen

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst

Schon lange bevor die digitale Fotografie erfunden wurde, komponierte Jeff Wall seine Bilder mithilfe von Computertechnik und ließ sich dabei von der Malerei inspirieren. Wall fotografiert nicht, er inszeniert seine Bilder. Nun zeigt das Deutsche Guggenheim Berlin eine Auswahl seiner Fotografien.

Jeff Walls inzwischen berühmte Methode, Bilder im seinem Studio mithilfe langwieriger Aufnahmensessions zu hybriden Montagen zusammenzusetzen, hat nach Ansicht mancher Kunsthistoriker die digitale Fotografie vorweggenommen, obwohl Wall selbst zunächst kaum mit digitalen Kameras gearbeitet hat, wohl aber mit Bildkomposition am Computer. Eigentlich hat seine Art zu montieren und zu manipulieren herzlich wenig mit Technikbegeisterung zu tun, sondern mit einer Vorliebe für Erzählstrukturen klassischer Malerei. So begann auch die künstlerische Ausbildung des 1946 im kanadischen Vancouver geborenen Wall mit malerischem Schwerpunkt, woraufhin er dann ziemlich bald nach London umzog:

“Ich war Maler in dem Sinne, dass ich Malerei liebte, als ich 20 Jahre alt war, aber ich habe mich in der Tat ziemlich lang damit beschäftigt. Und ich habe eine Menge dadurch gelernt. Einerseits für die Art und Weise, wie ich in meinem eigenen Studio arbeite, und außerdem, wie ich Malerei aller Zeiten genießen und studieren kann, Malerei von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Ich lernte etwas für die Fotografie von der Malerei. Sehr vieles sogar. Es gibt aber keine direkte Beziehung von Malerei und Fotografie, außer dass beide Künste in der westlichen Tradition dazu dienen, Bilder herzustellen. Sie gehören zur selben Familie. Als ich merkte, dass mich die Fotografie mehr interessierte, entschied ich mich, Fotograf zu werden, und mein Werk hat keine direkten Beziehungen zur Malerei mehr, außer eben jener, dass ich persönlich viel von Malerei gelernt habe, Dinge durch die Malerei zu genießen und zu lieben.”

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

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jeff-wall-raisonne-1978-2004-werkkatalog | kaufen bei amazonPUBLIKATION
Jeff Wall | Catalogue Raisonné
1978 to 2004
kaufen bei amazon
Sprache: Englisch
500 Seiten
120 Farbabb.
92 Illustrationen
36,4 x 25,8 x 4,4 cm
gebunden

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Die Schönheit nach Marx

TAZ - Brigitte Werneburg

Zum Jubiläum zeigt die Deutsche Guggenheim Fotos von Jeff Wall. Sie zeigen die Häßlichkeit der westlichen Industriegesellschaft zwar ästhetisch, aber mit viel Empathie.

… die sorgfältig, bis in Detail hinein durchinszenierten Fotogemälde des Künstlers verführen unbedingt dazu, nach der Geschichte zu suchen, die ihnen womöglich zugrunde liegt.

Ohne diese Geschichte im Bild wirklich rekonstruieren zu können, ist immer deutlich, dass sie vom Alltag und den Arbeits- und Lebensbedingungen in der westlichen Industriegesellschaft erzählt. Die gesuchte Geschichte spielt, darüber lässt Jeff Wall keine Zweifel, “in einer hässlichen Welt”.

Jeff Wall hat seinen Marx gelesen. Er weiß, dass seine Bilder und die Bewunderung, die sie in den Museen und Ausstellungsräumen weltweit erfahren, die Arbeitsbedingungen und den Lebensstandard derjenigen nicht verändern, denen sie lakonisch und unsentimental ein Denkmal setzen.

TAZ - Artikel lesen

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Wir müssen leider draußen bleiben

TAGESSPIEGEL online - Thomas Wulffen

Das prekäre Bild: Warum sich die zeitgenössische Kunst der sozialen Realität verweigert, vor allem in Deutschland.

Wo aber ist der Künstler hierzulande, der in ähnlicher Weise (Wulffen bezieht sich auf Jeff Wall) eine kritische Beschreibung der ihn umgebenden Wirklichkeiten vornimmt? Die zeitgenössische Malerei scheint an sozialen Themen nicht interessiert, … Insgesamt befasst sich die neue Malergeneration eher mit malerischer Delikatesse als mit sozialen Debatten. Selbst Neo Rauch, in dessen Bildern „Werktätige“ zu sehen sind, belässt es bei einer surrealen Reminiszenz an den Arbeiter- und Bauernstaat von einst. Bilder aus der heutigen Arbeitswelt oder von Migranten in Deutschland? Fehlanzeige.

Soll es Olaf Metzel also allein überlassen sein, das neue Proletariat polemisch zu thematisieren oder aktuelle gesellschaftliche Diskussionen aufzugreifen? Auf dem Plakat zu Metzels Ausstellung „Turkish Delight“ im Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum ist eine nackte Kopftuchträgerin zu sehen.

TAGESSPIEGEL - Artikel lesen

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Jeff Wall: Belichtung
| Deutsche Guggenheim, Berlin
| bis 20. Januar 2008

Olaf Metzel | Turkish Delight

November 20, 2007 | Comments Off

olaf-metzel-turkish-delight.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer
| PT von der Heydt-Museum |

Neben Zeichnungen und Installationen umfasst die bis zum 25. November 2007 laufende Ausstellung “no problem” im Von der Heydt-Museum auch Plastiken. Einer der Höhepunkte der Wuppertaler Schau ist die Bronzeplastik “Turkish Delight” (Türkischer Honig).

Es handelt sich um das Abbild einer schönen, jungen Frau. Sie ist nackt, nur mit einem Kopftuch bekleidet. Die alltägliche Kontroverse zwischen dem islamischen und dem abendländischen Kulturkreis bricht in dieser Arbeit auf. Der Akt, als europäische künstlerische Darstellung des Körpers, und das Kopftuch, das auf das Verbot der Entblößung rechtgläubiger Muslima hinweist, provoziert. Der Künstler fordert zur Stellungnahme heraus.

Olaf Metzel zu seiner Arbeit: “Wir haben in Deutschland das Gut der Meinungsfreiheit. Man darf sich nicht selbst beschränken.”

Olaf Metzel - noproblem
| Von der Heydt-Museum, Wuppertal
| bis 25. November 2007

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Skulptur: Olaf Metzel “Turkish Delight”
| KUNSTHALLE Wien public space Karlsplatz
| Pressetext (pdf)
| bis 30. April 2008

Gottesfurcht und Angst vor der Polizei

November 20, 2007 | Comments Off

BERLINER ZEITUNG - Rana Göroglu |

Eine Kunstausstellung in Istanbul gerät zwischen die Fronten von Islamismus und Kemalismus.

Hafriyat” heißt so viel wie “Baustelle”, aber auch “Ausgrabung”. Es ist zugleich der Name einer der ersten und bis heute wichtigsten unabhängigen Künstlergruppen der Türkei …
Mit den Reaktionen, die ihr jüngstes Projekt, eine Posterausstellung mit dem Titel “Allah Korkusu” (Gottesfurcht), ausgelöst hat, hatte keines der zwölf “Hafriyat”-Mitglieder gerechnet.

Islamismus auf der einen Seite, Atatürkismus auf der anderen - das sind nicht nur die zwei großen Lager, die sich in der Türkei seit Jahren so erbittert gegenüber stehen, sondern auch zwei der größten Tabus. Es war das Ziel der Ausstellung, die damit verbundenen Mechanismen der Angst und Unterdrückung humorvoll in Frage zu stellen, sie künstlerisch zu durchbrechen - etwa mit der Parole “Verzeih mir lieber Gott, dass ich an dieser Ausstellung teilnehme!” auf einem Poster. Nun hat man beide Lager aufgebracht, wenn auch mit unterschiedlichen Werken: Der gesichtslose Atatürk, unter den der Künstler geschrieben hat, dass Kemalismus eine Form der Gottesanbetung sei, wurde von der islamistischen Zeitung “Vakit” lobend erwähnt.

BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen

 

joy-division.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | wikipedia |

Ab Januar 2008 wird Anton Corbijns Film “Control” in den deutschen Kinos zu sehen sein, der sich mit dem End-1970ger Phänomen Joy Division beschäftigt. Grund genug für die Wiederveröffentlichung von digital aufbereitetem Audiomaterial, als Sammler-Edition in Vinyl und auf 3000 Exemplare begrenzt.

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joy-division-vinyl-box-set-2007.jpgVinyl Box Set:
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| Veröffentlicht am 17. September 2007
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| Peter Saville Hard-Cover-Box-Design.

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Der Name Joy Division leitet sich von einer angeblichen Prostituierten-Riege der deutschen Wehrmacht ab, die im Roman The House of Dolls des ehemaligen KZ-Häftlings Yehiel Feiner beschrieben wird. Joy Division waren bereits ab 1979 eine Dark Soul New Wave Band bevor der Begriff “New Wave” im Zuge von Post-Punk erfunden wurde. Nach dem Suizid des Sängers Ian Curtis gründeten die drei verbliebenen Mitglieder (zusammen mit der Musikerin Gillian Gilbert) 1980 die Band New Order, die englische Bezeichnung für Hitlers Neue Weltordnung. Der Name kann aber auch schlicht als “Neue Ordnung” oder “Neue Richtung” interpretiert werden.

bluemonday-floppydisc-cover-peter-saville-und-erett-wickens-1983.jpg

Der größte Erfolg von New Order war die Veröffentlichung der Maxi-Single Blue Monday im Jahr 1983. Diese Platte, die auf dem Independent-Label Factory Records erschien, ist bis heute die weltweit meistverkaufte Vinyl-Maxisingle. Allerdings blieb, laut Factory Chef Tony Wilson, der finanzielle Erfolg wegen des aufwändig gestalteten Covers in Form einer Floppy-Disk aus. Cover-Design von Peter Saville (* 1955), Grafikdesigner aus Manchester.

Joy Division
| info auf wikipedia

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Schöner Sterben mit Joy Division

WELT online - Harald Peters

Für den kurzen Zeitraum von zwei Jahren war das Quartett aus Manchester die beste Band der Welt.

Im Januar 1978 trat sie erstmals unter dem Namen Joy Division auf, im Juni 1979 veröffentlichte sie ihr wegweisendes Debüt “Unknown Pleasures”, am frühen Morgen des 18. Mai 1980 nahm sich dann ihr Sänger Ian Curtis das Leben. Nachdem er sich den Werner-Herzog-Film “Stroszek” angeschaut und die Iggy-Pop-Platte “The Idiot” angehört hatte, hängte er sich in der Küche seines Hauses in Manchester-Macclesfield auf.

“Wir hassten die Platte”, sagte Gitarrist Bernard Sumner einmal, “aber unser Manager liebte sie, die Plattenfirma liebte sie, die Kritiker liebten sie, und die Hörer liebten sie auch. Wir waren nur die kleinen, dummen Musiker, die sie geschrieben hatten.”

Hauptgrund für die anfängliche Abneigung war der Umstand, dass der geniale und 1991 verstorbene Produzent Martin Hannett den eigentlich kraftvoll und hart gemeinten Songs im Studio die Energie entzog und ihnen eine schwere und eisige Grundstimmung verpasste.

WELT - Artikel lesen

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VIDEO | Transmission | Live 1978 - BBC Sessions

So wollten Joy Division klingen - von der BBC dokumentiert

Audio CD | The Complete BBC Recordings 1978
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Kunst-Events

November 7, 2007 | Comments Off

philippe-paredo-il-tempo-del-postino-photo-joel-fildes.jpgFAZ - Julia Voss und Niklas Maak |

So geht das alles nicht weiter 

… eine banale Geste, die, um als Kunst anerkannt zu werden, der Expressbetankung mit Bedeutung bedarf, und je öder das Werk, desto verrückter irrlichtert die Auslegung zwischen Paranoia und Kirchentag herum.

Das Werk und die Auslegung sind symptomatisch für das Elend einer Kunst, die bei gleichzeitig höchsten Ansprüchen zwischen Faulheit und Nichtkönnen pendelt, was einem mit Verweis auf die „Tradition des Fragments“ aber auch noch als Leistung des Weglassens verkauft wird. Mehr noch: Was als Fotoreportage oder als Drehbuchidee durchfallen würde, entzieht sich, einmal zur „Kunst“ umdeklariert, allen Qualitätskriterien. (zu den Fotos von Maulwurfshügeln der Documenta 2007-Künstlerin Martha Rosler)

Kann es sein, dass es nur an der konservativen Darreichungsform liegt, dass man so wenig interessante Kunst sieht?

Denn mit erstaunlicher Monotonie hat der Ausstellungsbetrieb bisher immer weitergemacht, als hätte sich in der Geschichte der Kunst in den letzten sechzig Jahren nichts getan. Trotz Video, Installation, Performance und Happening wird mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit versucht, all das in Vitrinen und auf Wänden zu befestigen - mit zweifelhaften Ergebnissen: Bilder hängen gut an einer Wand, Reste einer Matthew-Barney-Performance eher nicht. Auch Videokunst wird gern präsentiert, als sei sie ein leider etwas unruhiges Ölgemälde: Oft gibt es keine Stühle davor, es ist hell, man stolpert hinein ins Werk. Kein Kino würde sich das erlauben - das Museum schon.

FAZ - Artikel lesen

 

Werner Herzog | The Wild Blue Yonder

November 5, 2007 | Comments Off

herzog-wild-blue-yonder-2.jpgZEIT online - Diedrich Diederichsen |

Wir sind dann mal weg

Wackelkameras fangen fremde Lebensformen ein, schwarz-weiße Bilder künden unklar von der Frühzeit des Fliegens, zweifelhafte Wissenschaftler winken mit windigen Weltformeln.

Irgendwann, so der Plot, nimmt die Menschheit den alten Roswell-Zwischenfall von 1947 doch noch ernst. Die Ufologen hatten immer schon Recht: Damals ist wirklich ein Schiff von Außerirdischen auf der Erde notgelandet, was die Regierung natürlich vertuscht hat. Mit neuen Methoden hat man den Space-Schrott noch einmal inspiziert und dabei aus Versehen todbringende Essenzen freigesetzt. Um die Menschheit zu retten, musste Ende der neunziger Jahre unter strikter Geheimhaltung eine Astronautencrew nach einer Ersatz-Erde suchen und dabei alle bisherigen kosmischen Geschwindigkeitsbeschränkungen durch den Einsatz neuer astrophysikalischer Erkenntnisse überwinden: Wurmlöcher, wenig stabile Zeittunnel und das Ausnutzen von stellarer Anziehungskraft helfen dabei.

Herzog hat in seinem Film inszenierte und echte Nasa-Bilder von Weltraumreisen fröhlich gemischt. Auffällige Locations und verrücktes Filmmaterial aus dem weiteren Umfeld der Weltraumforschung bilden dokumentarische Belege für die Geschichte, die der Alien uns erzählt. So hat man das Gefühl, dass die Geschichte mit viel Humor all das narrativ zusammenschustert, was dem Regisseur an interessantem Material über den Weg lief.

ZEIT - Artikel lesen

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the-wild-blue-yonder-dvd | kaufen bei amazonDVD | The Wild Blue Yonder
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VIDEO
| Trailer zu Werner Herzogs “The Wild Blue Yonder” 2005

 

VIDEO
| Paul Weller | PromoVideo | “Wild Blue Yonder” 2006

wildblueyonder
| Film-Projekt-Webseite

Der Reiz von Fülle und Leere | Bühnenbilder

November 5, 2007 | Comments Off

photo-thomas-dashuber-woyzeck-muenchen-2007.jpgDEUTSCHLANDRADIO Kultur - Stefan Keim |

Ungewöhnliche Bühnenbilder prägen immer häufiger die Theateraufführungen

Die Bühne ist eine Hügellandschaft aus blauen Müllsäcken. Kein Schauspieler ist zu sehen. Ganz leise schleicht sich ein Geräusch ins Ohr, wird langsam lauter. Jetzt kann man es identifizieren, Kinderstimmen rufen, es ist wahrscheinlich ein Spielplatz. Aber zu sehen sind bloß die Müllsäcke. Ein gespenstischer, beeindruckender Moment, der beste in Martin Kusejs Inszenierung von Georg Büchners “Woyzeck” in München. Die Formulierung ist typisch: Fast immer nennen Kritiker den Regisseur zuerst. Dabei gebührt ein großer Teil des Ruhms dem Bühnenbildner, in diesem Fall Martin Zehetgruber.

… das Performanceduo Signa in Köln:

Da wurde in eine Halle eine komplette kleine Stadt gebaut, ohne Techniker und Elektriker. Thomas Bo Nilsson hat sie entworfen. Die Schauspieler hämmerten und tapezierten selbst, verlegten auch die Kabel. Sie richteten sich ihr Umfeld ein, bauten die Welt selbst, in der sie in einer bis zu 84 Stunden langen Installation Tag und Nacht spielen. Selten war die Entwicklung des Bühnenbildes so sehr integraler Bestandteil des Probenprozesses.

Das Ergebnis ist überwältigend. Wer in die Performance “Die Erscheinungen der Martha Rubin” geht und sich in dieser künstlichen Stadt bewegt, vergisst irgendwann ganz, dass er im Theater ist. Das liegt an der Glaubwürdigkeit der Schauspieler. Aber es ist auch ein Triumph des Bühnenbildes.

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

Neo Rauch | para

November 4, 2007 | Comments Off

rauch-para-ausschnitt.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Max Ernst Museum |

Das Max Ernst Museum zeigt bis 30. März 2008 als einzige Station nach dem Metropolitan Museum of Art in New York dreizehn eigens für diese Ausstellung geschaffene Werke, die – exklusiv für Brühl – durch sechs weitere Leihgaben ergänzt wurden.

Ob rauchende Dandys, Männer in Jagdröcken oder Feuerwehrmänner bei der Arbeit – die Protagonisten auf den magisch leuchtenden Bildbühnen Neo Rauchs scheinen vergangenen Zeiten entsprungen zu sein. Oft sind sie in Erwartung einer Sache: die latente Gefahr oder das Aufbrechen des lange Zeit Unterdrückten sind als rätselhafte Präsenz des Unbehagens deutlich zu spüren. Der Betrachter mag dann dem Ausstellungstitel entsprechend Begriffe wie „paranormal”, „parallel” oder „paradox” assoziieren.

Neo Rauch (*1960 Leipzig) zählt zu den international gefeiertsten und gefragtesten Künstlern der Gegenwartskunst. Auf seinen Großformaten inszeniert er Raumfragmente zu urbanen Randzonen von magischer Stimmung. Es entstehen dramatisch leuchtende Bühnen für stumme Erzählungen, deren Protagonisten mit unermüdlicher Emsigkeit und Ernsthaftigkeit scheinbar ziellosen Unternehmungen nachgehen. Fliehende Wahrnehmungen, Erinnerungsfetzen, Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit erstarren zu surrealen Momentaufnahmen.

Neben den meist großformatigen Gemälden sind darüber hinaus acht Lithografien zu „Der Mittler” von Botho Strauß zu sehen.

Neo Rauch - para
| Max Ernst Museum Brühl
| bis 30.3.2008

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neo-rauch-para-2007-katalog.jpgIn seinen Bildern schafft Neo Rauch jene einzigartige Atmosphäre, die eine Mischung aus Realem, Erzähltem und Erträumtem ist. Voller Aktivität, doch auf geheimnisvolle Weise emotional statisch erscheinen diese Gemälde, die den Betrachter in Szenen mit archetypischen Wesen und surrealen Landschaften versetzen.

KATALOG anlässlich der Ausstellungen in der Met, New York
und im Max Ernst Museum Brühl 2007

| Gebundene Ausgabe
| 116 Seiten
| 32 farb. Abb
| 30,4 x 22,8 x 1,4 cm

Viele seiner Arbeiten sind bevölkert von Figuren, die räumlich miteinander verbunden sind, doch entfremdet bleiben und in Unwissenheit voneinander verharren. Obwohl bekannte Elemente in Rauchs Gemälden erscheinen, sind die gewählten Situationen dieser Parallel-Welt bizarr, und das scheinbar Normale vermischt sich mit dem Absurden und Paradoxen. So entstand der von Neo Rauch gewählte Titel: para.

Neo Rauch. para 
| Katalog im PDF-Format ansehen (7,4 MB)

Galerie Eigen+Art

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“Glückliche Verwirrung”

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Interview mit Werner Spies

Neo Rauch zählt zu den “teuersten Künstlern der Leipziger Schule”, wie die “Süddeutsche Zeitung” schrieb. Vor allen in Amerika ist der 46-Jährige unter Sammlern sehr beliebt. Nur folgerichtig also, dass das Metropolitan Museum of Art in New York ihm unlängst eine Ausstellung widmete. Diese ist nun im Max Ernst Museum in Brühl unter dem Titel “para” zu sehen, erweitert um sechs weitere Werke.

Einer der Kuratoren der Ausstellung, Werner Spies, sagte im Deutschlandradio Kultur,

Rauchs Bilder seien “Traumlandschaften”, die faszinieren, weil sie keine Antworten geben, Rätselbilder bleiben, sie produzieren, so Spies, eine “glückliche Verwirrung”, denn obwohl die Motive teilweise bedrückend seien, sei die Farbgebung hedonistisch, das Flugmotiv sei sehr stark.

AUDIO | DEUTSCHLANDRADIO Kultur
hält das vollständige Interview mit Werner Spies mindestens bis zum 29.3.2008 als Audio-on-Demand-Angebot bereit.

Werner Spies ist Kunsthistoriker, Literat, Ausstellungsmacher und Rezensent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Als erster Ausländer wurde Spies 1997 Direktor des Musée National d’Art Moderne am Pariser Centre Georges Pompidou. Darüber hinaus hatte er über 25 Jahre an der Düsseldorfer Kunstakademie den Lehrstuhl für die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts inne.

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arte-television-europe

ARTE | Kultur | Ausstellungen

 

| arte-Reportage ansehen (real video)
| anlässlich der Retrospektive
| Neo Rauch - Neue Rollen. Bilder 1993 bis heute
| Kunstmuseum Wolfsburg 2007

Diese detailschwangeren Bilder, sind mal Comicstrip, mal Werbung und dann wieder sozialistische Staatskunst. Und auf dem internationalen, insbesondere amerikanischen Kunstmarkt wird diese Extradosis Ost-Tristesse feilgeboten wie die Werke Alter Meister.

neo-rauch-neue-rollen-2007-katalog | kaufen bei amazon 

 

 

KATALOG
Neo Rauch - Neue Rollen

| ein opulenter Begleitband
| Gebundene Ausgabe
| 248 Seiten
| ca. 128 farb. Abb
| 31,6 x 25,6 x 2,4 cm

 

Auf den Bildern des 1960 in Leipzig geborenen Malers begegnet man eigentümlichen Gestalten aus vergangenen Zeiten, die sich in surrealen Landschaften und Interieurs zusammenfinden, um verrätselte Geschichten aus dem Jetzt zu erzählen.

Zwischen Comic und Historiengemälde entwickelt der Künstler in seiner unverwechselbaren Farbgebung traumartige Bildsequenzen, die gleichermaßen zeitlos wie geschichtsträchtig erscheinen.

Der Katalog bietet einen umfassenden Einblick in das Werk dieses Leipziger Malers von 1993 bis heute. Die Publikation spürt Fragen nach, die aus seinem eigentümlichen Bildkosmos hervordrängen: Wovon handeln diese Bilder? Welche Rollen werden dort gespielt? Welche Bedeutung kommt den Farben in diesen Bildern zu?

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Komm her, Betrachter, geh weg!

Faz - Rose-Maria Gropp

Die neuen Gemälde sind von starker Farbigkeit durchtränkt, wie die Viktorianer und Präraffaeliten sie gepflegt haben oder wie sie aus den Illuminationen alter Bücher dringt.

Erratische Fels- und Gesteinsformationen rufen Gustave Courbet oder Balthus auf, in unheimeligen Stuben spielen sich absurde Genreszenen ab, das Draußen ist eine böse Melange aus entgleister Natur und gescheiterter Kultivierung. Neo Rauch, der sich begabt und beredt selbst kommentiert, hat einmal erklärt, dass er allergrößten Wert darauf lege, dass neben den „konzeptuellen Bastelanteilen, denen die Bilder entspringen“, „im rechten Moment“ die Malerei Raum bekommen müsse. Die Bricolagen seines wilden Malens bilden eine verrückte Wirklichkeit ab, der ein atemloser Stillstand oktroyiert ist und die jede Sinnhaftigkeit boykottiert.

FAZ - Artikel lesen

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Neo Rauch - para
| Max Ernst Museum Brühl
| bis 30.3.2008

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  • Kunst | Presseschau

    Auswahl aktueller Veröffentlichungen zum Themenschwerpunkt Kunst in der deutschsprachigen Internet - Medienlandschaft. Die Artikel werden hier kurz angerissen, teilweise thematisch gebündelt - mit Video/Audio, Katalog- & Medien - Informationen ergänzt - und sind direkt mit den Online-Medien verlinkt.

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  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
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