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100 Jahre Paula Modersohn-Becker
November 20, 2007 |
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Bremen |
Paula-Modersohn-Becker-Denkmal enthüllt.
Zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker wurde am 20. November 2007 in den Wallanlagen hinter der Kunsthalle Bremen ein Denkmal für die Künstlerin enthüllt. Das Denkmal ist der bronzene Abguss einer Modersohn-Becker-Büste, die die Bildhauerin Clara Westhoff 1908 geschaffen hatte. Das Original der Büste befindet sich in der Bremer Kunsthalle.
Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900
Die Kunsthalle Bremen zeigt bis zum 24. Februar 2008 Meisterwerke der Künstlerin in einer großen Sonderausstellung.
Sie war eine Pionierin der Moderne in Deutschland und eine Künstlerin von Weltrang: Zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker präsentiert die Kunsthalle Bremen 61 herausragende Gemälde und zahlreiche Zeichnungen der Malerin in einer großen Sonderausstellung. Viermal reiste Paula Modersohn-Becker nach Paris und begegnete dort den Künstlern der französischen Avantgarde um 1900. Diese bestätigten sie auf ihrem eigenen Weg zu einer radikal modernen Bildsprache. Die Ausstellung zeigt erstmals in direkten Gegenüberstellungen die Berührungspunkte in Paula Modersohn-Beckers Werk mit Künstlern wie Cézanne, Gauguin und Van Gogh, den „Nabis“ sowie Picasso und Matisse in 33 Gemälden und Skulpturen.
Sehnsucht nach der Weltstadt
‘Paris war ein Fixpunkt im Leben von Paula Modersohn-Becker (1876-1907). Bereits 1898, kurz nach ihrer Ankunft in der ländlich-abgeschiedenen Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen, äußerte sie den Wunsch, Europas pulsierende Kunstmetropole zu besuchen und reiste in der Neujahrsnacht 1900 zum ersten Mal dorthin.
Leuchtende Farben, vereinfachte Formen
In Paris sah Paula Modersohn-Becker in Ausstellungen und bei Kunsthändlern die Werke bedeutender Künstler wie Cézanne oder Gauguin. Zeitgenossen wie Rodin und Maillol lernte sie persönlich kennen. Wie die Ausstellung in Bremen verdeutlicht, fühlte sich die junge Malerin durch ihre Pariser Kunsterlebnisse in ihrer höchst modernen Kunstauffassung bestätigt und auf ihrer Suche nach neuen Ausdrucksformen inspiriert: Konsequent und eigenständig entwickelte sie nun ihre eigene Bildsprache jenseits von Naturalismus und Impressionismus weiter. Sie verwendete zunehmend leuchtende, flächig aufgetragene Farben und kam zu einer ausdrucksstarken Formensprache von großer Einfachheit. Entscheidenden Einfluss auf Paula Modersohn-Beckers Entwicklung hatten vor allem Cézanne und Gauguin. Am 21. Oktober 1907, kurz vor ihrem Tod, schrieb sie ihrer Freundin Clara Rilke-Westhoff: „Ich denke und dachte diese Tage stark an Cézanne und wie das einer von den drei oder vier Malerkräften ist, der auf mich gewirkt hat wie ein Gewitter und ein großes Ereignis“.
Radikal moderne Stillleben und Figurenbilder
Tagebücher und Briefe dokumentieren, wie wichtig die Erlebnisse in Paris für die Künstlerin waren. Doch mit welchen Kunstrichtungen kam sie ganz konkret in Berührung? Wo zeigen ihre Arbeiten auch motivische und stilistische Parallelen zu Künstlern, die sie in ihren Aufzeichnungen nicht erwähnte? Die Präsentation in der Kunsthalle Bremen geht diesen Fragen nach. Sie konzentriert sich dabei vor allem auf Paula Modersohn-Beckers
besonders herausragende Stillleben und Figurenbilder aus den Jahren 1900 bis 1907. In zahlreichen Gegenüberstellungen werden diese mit Werken der französischen Avantgarde konfrontiert: Ein Spannungsbogen, der von den „Vätern der Moderne“, Paul Cézanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh, über die Künstlergruppe der „Nabis“ bis zu jüngsten Gegenwartskünstlern der Zeit wie Henri Matisse und Pablo Picasso reicht und die Bedeutung Paula Modersohn-Beckers eindrucksvoll unterstreicht.
Paula in Paris
| Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900
| Von Cézanne bis Picasso
| Kunsthalle Bremen
| bis 24.2.2008
Zeitgleich im Paula Modersohn-Becker Museum:
Paula Modersohn-Becker und die ägyptischen Mumienportraits
| Eine Hommage zum 100. Todestag der Künstlerin
| Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
| bis 24.2.2008
Weitere Ausstellungen zu Paula Modersohn-Becker:
Leben! Paula Modersohn-Becker in Worpswede
| Ein Gemeinschaftsprojekt Worpsweder Kultureinrichtungen
| bis 24.2.2008
Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn – Ein Künstlerpaar um 1900
| Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
| bis 24.02.2008
Die Beziehung zwischen Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn ist geprägt von einer fruchtbaren wie auch spannungsreichen Auseinandersetzung mit der künstlerischen Arbeit des anderen. Anhand von rund 150 Gemälden und Handzeichnungen wird in der Ausstellung der Frage nachgegangen, wie die beiden einander in ihrer jeweiligen künstlerischen Entwicklung beeinflusst haben.

Eine repräsentative Gegenüberstellung beider Künstler ist nun erstmals möglich, da die bedeutenden Werkgruppen des Landesmuseums Hannover durch Leihgaben aus der Kunsthalle Bremen, der Kunstsammlungen Böttcherstraße/Paula Modersohn-Becker Museum Bremen, der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung Bremen, dem Von der Heydt-Museum Wuppertal, dem Otto Modersohn Museum in Fischerhude sowie aus zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen ergänzt werden.
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Deutschlands Picasso ist eine Frau
FAZ - Julia Voss
Es ist kein Geheimnis, dass Frauen, ergriffen sie den Künstlerberuf, auf starke Widerstände stießen. Im Fall von Modersohn-Becker trifft dies doppelt zu: Zu Lebzeiten stark angefeindet, wurde bald nach ihrem Tod das Werk so sehr vom biographischen Interesse vereinnahmt, dass es zu einer sentimentalischen Illustration eines Frauenschicksals zusammenschrumpfte.
Ihre Bilder wurden bevorzugt psychologisch ausgedeutet, im eng gesteckten Rahmen persönlicher Befindlichkeiten. Als Bauernmalerin wurde sie retrospektiv in das ländliche Worpswede eingesperrt, vor dem sie selbst nach Paris geflüchtet war. Jedes Kind, jedes Mädchen, das sie malte, gab angeblich Auskunft über die Sehnsüchte der Malerin, über ihr Frausein.
Damit kein Missverständnis entsteht - gegen Paula Modersohn-Becker fuhr das Umfeld das ganze Bollwerk auf, das Künstlerinnenkarrieren unwahrscheinlich machte wie Tennisstars in der Antarktis: der Unglaube ihrer Familie, dass eine Frau Kunst machen könnte, die Verachtung der Kritiker, die ständigen Vorwürfe, die jeden Versuch, unabhängig oder selbständig zu sein, als Vergehen an Dritten darstellten. Und doch besteht die Stärke der Malerin darin, eben nicht die Kleinheit der Verhältnisse auszupinseln, sondern diese Enge aufgesprengt und sich in der Kunst eine eigene Welt erfunden zu haben.
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»Mein Leben ist ein kurzes, intensives Fest.«
PUBLIKATION
Paula Modersohn-Becker
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»Eine kluge, geradezu federnd leichte und in vielen Einzelheiten markante Biografie.« (Elke Schmitter im SPIEGEL über Kerstin Deckers Heine-Biografie)
Gebundene Ausgabe
304 Seiten
8 Seiten Farbabbildungen
Sprache: Deutsch
22 x 14,4 x 2,8 cm
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Zu jung, zu früh, zu gut
TAGESSPIEGEL online - Nicola Kuhn
Auf Augenhöhe: Bremen feiert die Malerin Paula Modersohn-Becker zum ihrem 100. Todestag und hebt sie auf eine Ebene mit Cézanne, van Gogh und Gauguin.
Es ist fatal. Da hat man nun einee Heroine der Moderne, die bedeutendste deutsche Malerin des frühen 20. Jahrhunderts, und stellt sie doch wieder nicht alleine aus. Ausgerechnet anlässlich ihres 100. Todesjahrs wird Paula Modersohn-Becker nicht für ihre singuläre Leistung gefeiert, sondern im Vergleich mit Cézanne, van Gogh, Gauguin auf das Podest gehoben, auf dem sie eigentlich längst schon steht. Auch als der Direktor der Bremer Kunsthalle, Wulf Herzogenrath, zur Ausstellungseröffnung wohlmeinend sagt, diese Künstlerin sei nicht nur für die nordwestdeutsche Tiefebene von Bedeutung, möchte man aufspringen und zurückfragen: Hat das jemand in den letzten 50 Jahren ernsthaft in Abrede zu stellen gewagt?
Die Begegnungen mit Bildern von Paul Cézanne und Paul Gauguin waren Initialerlebnisse, die sie zu eigenen Formulierungen animierten. Ihr berühmtestes Werk aus dem Jahr 1906, der erste weibliche Selbstakt überhaupt, dürfte nicht zuletzt von Gauguins Tahiti-Bildern mit ihren idolatrischen SüdseeSchönen inspiriert sein. Cézanne, von dem die Künstlerin sieben Jahre später schreibt, dass er auf sie gewirkt habe „wie ein Gewitter“, verdankt sie die Radikalität des verflachten Bildraums, die schwere Farbmaterie, das stoffliche Eigenleben von Äpfeln, Tischtuch und Flechtkorb im Stillleben. Das zeigt die Ausstellung deutlich: Die junge deutsche Malerin befindet sich mit den großen Franzosen auf Augenhöhe.
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VIDEO | Reportage | wmv [05′53 Min]
| Radio Bremen
| Florian Herbst
| ansehen
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Ihr scheint mir’s nicht zuzutrauen
FR online - Judith von Sternburg
Die beiden Ausstellungen, mit denen Bremen nun die Malerin Paula Modersohn-Becker feiert, kann auch der Ortsfremde schon alleine deshalb nicht verfehlen, weil pro Ausstellung circa 1000 Schilder mit Richtungspfeil aufgehängt wurden.
Was für ein glückliches Ende für die Geschichte der Malerin in jener Stadt, in der sie aufwuchs und als 23-Jährige ihre vermutlich herbste öffentliche Niederlage hinnehmen musste. Als sie Ende Dezember 1899 zusammen mit ihrer gleichfalls jungen Kollegin Maria Bock in der Kunsthalle eine kleine Kabinettausstellung zeigen konnte, bekam Kunstkritiker Arthur Fitger Schaum vor den Mund, griff in die Tasten und schrieb:
“Unsere heutigen Notizen müssen wir leider beginnen mit dem Ausdrucke tiefen Bedauerns darüber, dass es so unqualifizierbaren Leistungen wie den sogenannten Studien von Maria Bock und Paula Boecker (!) gelungen ist, den Weg in die Ausstellungsräume unserer Kunsthalle zu finden … Für die Arbeiten der beiden genannten Damen reicht der Wörterschatz einer reinlichen Sprache nicht aus, und bei einer unreinlichen wollen wir keine Anleihe machen.”
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Paula Modersohn-Becker
Paris - Leben wie im Rausch. Biografie
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Paula Modersohn-Becker (1876-1907) ist eine der bedeutendsten Malerinnen zu Beginn der Moderne. Und doch: Bis heute wurde vor allem der Aufbruch der Männer-Moderne wahrgenommen: Cezanne, Gauguin, van Gogh, Munch, Picasso, Rodin und andere. Doch ohne Paula Modersohn-Becker und einige andere Künstlerinnen sähe die Kunst des frühen zwanzigsten Jahrhunderts anders aus.
Zum 100. Todestag der Künstlerin, am 20. November 2006, erscheint von der Kunsthistorikerin Renate Berger die Schilderung der prägendsten und aufregendsten Zeit der Künstlerin: die “Pariser Jahre” zwischen 1900 und 1907. Begleitet wird sie bei ihren zahlreichen Aufenthalten in der französischen Metropole von der Freundin und Malerin Clara Westhoff, der Ehefrau Rainer Maria Rilkes. Die Stadt an der Seine ist ein Abenteuer, eine Flucht aus der Enge der deutschen Provinz in eine Welt, in der die Sprache der Kunst neu erfunden wurde, und die Modersohn-Becker schließlich in Worpswede auf die ihr eigene Weise weiterentwickeln wird. Paris ist aber auch der Ort, an dem Paula Modersohn-Becker ganz zu sich findet und ihr Leben endgültig selbst in die Hand nimmt. So steht sie auch am Anfangn einer sehr aktuellen, unaufgeregten und zugleich entschiedenen Selbstbefreiung der moderner Frauen.
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Leben. Malen
ZEIT online - Christa Bürger
In diesem Herbst feiert die Kunstwelt mit zahlreichen Ausstellungen die Malerin Paula Modersohn-Becker, die vor 100 Jahren gestorben ist. Ein biografischer Essay.
Im Sommer des Jahres 1900 kommt der Dichter Rainer Maria Rilke nach Worpswede bei Bremen. Eine Künstlerkolonie hat sich hier seit 1889 angesiedelt, wie es jetzt so viele gibt in Europa, da die Maler die staubigen Säle der Akademien verlassen, um die Natur, um Licht und Kunst neu zu erfahren. Rilke trifft dort auf zwei junge Frauen, die Malerin Paula Becker und die Bildhauerin Clara Westhoff. In seinem Worpsweder Tagebuch hält er den Augenblick der Begegnung fest: »Ganz in Weiß kamen die Mädchen vom Berg aus der Heide…«
Die blonde Malerin, ihre dunkle Freundin und der Dichter ahnen in diesem Moment noch nicht, dass sie fortan verbunden sein werden in einem Liebesverhältnis eigener Ordnung. In ihre wechselseitige erotische Anziehung mischt sich aber bald schon das Wissen, dass ihnen etwas anderes bestimmt ist als eine bürgerliche Existenz. Zwar erkennt die Malerin in Rilke, der sie in altmodisch empfindsamen Versen besingt, den Dichter nicht, und in Rilkes Worpswede-Buch kommt Paula Becker als Malerin nicht vor. Und doch muss sich in ihrem Atelier ein spontaner Gleichklang der Weltwahrnehmung eingestellt haben. »Die Uhr schlug eine viel zu große Stunde und ging ganz laut zwischen unseren Gesprächen umher. – Ihr Haar war von florentinischem Golde […]. Ein großer Schatten ging durch die Stube […]. Wir schauten nach den westlichen Fenstern hin. Aber es war niemand nah vorbeigegangen.«
Sie werden beide gespürt haben, wie rasch ihr Worpsweder Sommer verging. Die Lebenswege des Dichters und der beiden Freundinnen kehrten in die traditionelle Ordnung zurück. Rilke heiratet Clara Westhoff; Paula Becker verlobt sich mit Otto Modersohn. »Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben«, schreibt sie in ihr Tagebuch. – Es war jemand vorbeigegangen.
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Eine der ganz Großen
TAZ - Henning Bleyl
Raus aus dem Moor, rein in die Moderne: Zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker soll die Malerin in der ersten Liga platziert werden. Mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Bremen.
Die etwas unklare Stellung, die Paula Modersohn-Becker bislang in der Kunstgeschichte einnimmt, manifestiert sich nirgends deutlicher als in Bremen. Dort ist die Malerin einerseits Hausheilige mit eigenem Museum, andererseits brauchte die Stadt nach ihrem Tod noch 100 Jahre - und den massiven Druck des Vereins “Bremer Frauenmuseum” -, um ein Stückchen öffentlichen Raums nach der Malerin zu benennen. Nicht etwa eine Straße oder gar einen Platz, sondern einen kleinen geländerlosen Steg hinter der Kunsthalle. Dort wiederum findet gerade der Versuch statt, Modersohn-Becker mit der Ausstellung “Paula in Paris” endgültig in der ersten Liga der internationalen Moderne zu platzieren.
Der Nachholbedarf liegt auf der Hand: Während die rezeptionsfreudigen Japaner eine Modersohn-Becker-Wanderausstellung vor zwei Jahren zum Publikumserfolg machten, ist die Malerin andernorts - etwa, ausgerechnet, in Paris - nach wie vor eine unbekannte Größe.
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Vom Teufelsmoor mitten in die Moderne
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Rainer Berthold Schossig
Lange wurde Paula Modersohn-Becker als betuliche Worpsweder Arme-Leute-Malerin missverstanden. Heute wird sie als Wegbereiterin der Moderne zu den bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Zeit gerechnet.
Obwohl Modersohn-Becker nur 31 Jahre alt wurde, hinterließ sie bei ihrem Tod vor 100 Jahren ein beeindruckendes malerisches und zeichnerisches Werk voller Poesie und experimenteller Kraft, das gerade in diesem Herbst und Winter in einer Reihe bedeutender Ausstellungen neu präsentiert und gewürdigt wird.
“Worpswede, Worpswede, Worpswede! Versunkene Glocke-Stimmung! Birken, Birken, Kiefern und alte Weiden. Schönes, braunes Moor, köstliches Braun. Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz. Die Hamme mit ihren dunklen Segeln, es ist ein Wunderland, ein Götterland.”
So schwärmte die junge Künstlerin Paula Becker im Sommer 1897 in ihrem Tagebuch. Sie war damals 21 Jahre, und Worpswede hinterließ bei ihr einen so tiefen Eindruck, dass sie hier Malen und Zeichnen erlernen wollte. So wurde sie zur Stimmungs-Malerin brauner Sumpf-, Moor- und Heidelandschaft: Doch das Teufelsmoor war nur der Anfang ihres künstlerischen Weges; der sollte sie mitten in die Moderne, nach Paris führen: Heute gilt sie als die Wegbereiterin deutscher Avantgardekunst. - 1876 in Dresden geboren, wuchs Paula Becker in Bremen auf.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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In Einfachheit gross werden
NZZ - Manfred Schwarz
Zum Todestag von Paula Modersohn-Becker, der sich am heutigen Tag zum 100. Mal jährt, untersucht eine gross angelegte Ausstellung in der Kunsthalle Bremen die Beziehung der Künstlerin zur Malerei der Avantgarde im Paris des frühen 20. Jahrhunderts. …
«Mit van Gogh und seiner Richtung sich seltsam berührend» – so versuchte R. M. Rilke die letzten, fulminanten Werke der Freundin Paula Modersohn-Becker in ihrer Eigenart zu beschreiben. Nun untersucht eine eminente Ausstellung in Bremen jene wichtigste Inspirationsquelle der Künstlerin: die Avantgarde-Malerei im Paris des frühen 20. Jahrhunderts.
– Wie unendlich weit doch diese Welten auseinanderlagen: das träumerisch-schweigsame Teufelsmoor im rustikalen Nordwesten Deutschlands und die Lichterstadt, die Weltstadt an der Seine. Zwischen Worpswede und Paris lag damals, um 1900, mehr als eine mehrtägige, schier endlos anmutende Zugreise. Zwischen dem Moordorf und der Kapitale lagen ganze Welten: ein gähnender, alles verschluckender Abgrund. Wer diesen überwinden, wer gleichsam darüberspringen wollte, musste kühn sein, unabhängig und unersättlich neugierig, todesmutig geradezu.
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Die große einfache Form
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Deutschlands Moderne begann mit einer Frau: Vor 100 Jahren starb Paula Modersohn-Becker
Es war ein Programmbild, das Paula Modersohn-Becker am 25. Mai 1906, ihrem sechsten Hochzeitstag, malte. Die 30-Jährige war aus Worpswede nach Paris entflohen. Ihre Ehe steckte in der Krise, Paula wollte nicht mehr mit dem elf Jahre älteren Maler Otto Modersohn in der abgeschiedenen Moorlandschaft leben. Ottos Briefe vernahm sie “wie eine Stimme von der Erde und ich selbst bin wie eine, die gestorben ist und in seligen Gefilden weilt und diesen Erdenschrei hört”.
In solcher Stimmung, wild entschlossen, ein neues Leben anzufangen und sich noch bedingungsloser als bisher ihrer Kunst zu widmen, stellt sich Modersohn-Becker vor den Spiegel und malt sich nackt. Es wird ihr berühmtestes Gemälde, denn noch nie zuvor hat sich eine Frau selbst als Akt dargestellt. Sie tut es in der charakteristischen Modersohn-Becker-Weise: schwer und derb, mit rauem Pinselstrich, auf die wesentlichen Formen beschränkt. Modern will sie unbedingt sein, auch wenn sie das Wort nicht benutzt. Sie hasst alle “Convention”, stemmt sich mit Willenskraft gegen alle Einzwängungen.
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Paula in Paris
| Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900
| Von Cézanne bis Picasso
| Kunsthalle Bremen
| bis 24.2.2008
Zeitgleich im Paula Modersohn-Becker Museum:
Paula Modersohn-Becker und die ägyptischen Mumienportraits
| Eine Hommage zum 100. Todestag der Künstlerin
| Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
| bis 24.2.2008
Weitere Ausstellungen zu Paula Modersohn-Becker:
Leben! Paula Modersohn-Becker in Worpswede
| Ein Gemeinschaftsprojekt Worpsweder Kultureinrichtungen
| bis 24.2.2008
Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn – Ein Künstlerpaar um 1900
| Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
| bis 24.02.2008

