Dez
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70 Jahre Georg Baselitz | Die Russenbilder
Dezember 28, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Deichtorhallen Hamburg |
Nach München, Wien ( REMIX ) und London ( RETROSPEKTIVE ) jetzt Hamburg: Anläßlich des 70. Geburtstags von Georg Baselitz, am 23. Januar 2008 zeigen die Deichtorhallen Hamburg bis zum 03. Februar 2008 die umfangreiche Serie der „RUSSENBILDER“, kuratiert von Robert Fleck.
Mit seinen Bildern, die ab 1969 meist wortwörtlich „auf dem Kopf stehen“, hat Georg Baselitz die internationale Kunstwelt erobert. In allen bedeutenden Museen weltweit werden seine neoexpressionistisch-figurativen Kunstwerke gezeigt. Für seine energievolle Malerei, die die internationale Kunstszene Jahrzehnte lang geprägt hat, wurde Georg Baselitz 2004 der “Nobelpreis der Künste”, der Praemium Imperiale der Japan Art Association, zuerkannt.
Zwischen 1998 und 2002 malte Georg Baselitz die Bilder des Sozialistischen Realismus in sehr freier Weise neu, die ihn als Jugendlichen in der DDR in Schulbüchern und Zeitschriften künstlerisch prägten. „Das Charakteristikum meiner Bilder“, so Baselitz, „war und ist immer der Gegenstand, und der hatte oft mit meiner Biografie zu tun - Personen, Landschaften, Ereignisse“.

Die erstmals in Deutschland gezeigte Serie großformatiger Bilder thematisiert Lenin, Stalin und dessen Propaganda, die russisch-deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert und die Frage des Realismus in der Malerei. Die Bejahung und Rückgewinnung der Malerei aus der unterkühlten Welt des Sozialistischen Realismus oder anderer neoakademischer Stile ist denn auch ein untergründiges Thema der Russenbilder, so Robert Fleck (Direktor der Deichtorhallen / Kurator der Ausstellung). Georg Baselitz schält in diesen eine allgemeine menschliche Dramatik heraus. Vor allem aber befreit er das Motiv von der Erinnerung an jene engen ästhetischen Normen, die im Namen des Sozialistischen Realismus auch ihm selbst in seiner Jugend auferlegt worden waren.
Die Ausstellung ist in Deutschland nur in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Eine Kooperation mit Musée d’art moderne de Saint-Etienne und dem National Museum of Contemporary Art, Seoul.
Georg Baselitz | Die Russenbilder
| Deichtorhallen, Hamburg
| bis 03. Februar 2008
VIDEO
| Rundgang durch die Ausstellung mit Georg Baselitz und Robert Fleck
( flash-video )
| Produktion: form-art.tv
| Redaktion: Dirk Finger
| Kamera/Schnitt: Matthias Heuermann
Musée d’Art Moderne St-Etienne
| Dossier pédagogique Baselitz
| anlässlich der Ausstellung “Russenbilder”,
| Frühjahr 2007
| Dossier pdf-Datei (französisch) lesen
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Katalog | Georg Baselitz | REMIX zu den Ausstellungen: Pinakothek der Moderne, München 21.7.–29.10.2006 · Albertina, Wien 16.1.–22.4.2007 kaufen bei amazon
Hrsg.: Pinakothek der Moderne, München 2006.
Deutsch 296 Seiten, 174 Abb., davon 169 farbig
25,40 x 32,80 cm
gebunden mit Schutzumschlag
»Ich habe mich immer häufiger gefragt, ob es möglich ist, Fehler, die ich einmal gemacht habe, zu korrigieren.« Georg Baselitz
Ein ebenso ungewöhnliches wie spektakuläres Experiment: In einer umfangreichen Werkgruppe interpretierte Georg Baselitz (*1938) programmatische Werke seiner künstlerischen Entwicklung wie die Helden, Neuen Typen oder Orangenesser völlig neu. Entstanden sind großformatige Bilder, Zeichnungen und Aquarelle, die mit bestechender gestischer Leichtigkeit und malerischer Verve souverän den Dialog mit dem eigenen Werk aufnehmen.
Die Publikation zu einer Ausstellung in der Pinakothek der Moderne, die diese Werkgruppe farbig reproduziert und nach Themen interpretiert, enthält fundierte Essays von Carla Schulz-Hoffmann und Richard Shiff, die das Werk des Künstlers seit Jahren verfolgen. Sie analysieren den spannungsreichen Dialog des Künstlers mit sich selbst und damit auch seine grundlegenden Fragestellungen zu Möglichkeiten und Grenzen der Malerei.
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Braver kleiner Stalin
TAZ - Petra Schellen
Sie wirken gefällig, milde, müde: “Russenbilder” hat Georg Baselitz seine, derzeit in den Hamburger Deichtorhallen präsentierten, Gemälde genannt, die sich als Reflexion des Sozialistischen Realismus seiner DDR-Jugend verstehen. Doch genau das leisten die fast folkloristischen Gemälde nicht
Diese geradezu obsessive Schau zeugt von keinerlei Emanzipation von den alten Themen. Sie demonstriert im Gegenteil, dass da einer eben nicht loskommt von den optischen Eindrücken seiner Jugend, die inzwischen zum Trauma wurden.
Zur Aufarbeitung von Geschichte trägt Baselitz mit diesen nicht einmal karikaturesken Bildern nichts bei. Zur Auseinandersetzung mit der Prägung, die der Sozialistische Realismus für eine Künstlergeneration bot, trägt wiederum die Hamburger Ausstellung nichts bei. Denn hierfür hätte sie die russischen Originale zwecks Vergleichs daneben hängen müssen. Die sind aber nur winzig und vereinzelt im Katalog abgebildet. Diese Schau ist leider Stückwerk geblieben.
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Die Gesichter der Verrückten
FAZ - Werner Spies
Die „Russenbilder“ von Baselitz in den Hamburger Deichtorhallen sind eigentlich nur der Auftakt zu der gewaltigen, lang erwarteten Retrospektive, die in London zusammengetragen wurde. Wo in London ein grundlegender Überblick gelingt, widmet man sich in Hamburg einem deutlich abgehobeneren Aspekt des Werks, der Abrechnung mit sowjetischen Motiven. Lenin auf der Tribüne, Stalin, die Propaganda des Sozialistischen Realismus erscheinen hier, überpudert von neoimpressionistischen Pickeln und Pixeln, als harmlose Luftgeister.
Man versteht, was Baselitz mit den „Russenbildern“ und vor allem mit der jüngsten Serie der Remix-Bilder, die auf frühere Motive im eigenen Werk zurückgreifen, zum Ausdruck bringen möchte. Die Arbeiten betreiben eine heitere, souveräne Revision der Vergangenheit. Und die chronologische Abfolge, in der die Ausstellung die versuchte Rückkehr zu sich selbst ausbreitet, unterstreicht, dass ein phantasiereicher, neugieriger Mensch glücklicherweise nie zweimal in denselben Fluss hinabzusteigen vermag.
Der Künstler, der in wenigen Wochen seinen siebzigsten Geburtstag begehen wird, sorgt mit den beiden Ausstellungen dafür, dass man von der Vergangenheit des Werks und gleichzeitig von dem Neuen im Werk sprechen muss.
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Der Osten steht Kopf
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Anfang nächsten Jahres feiert einer der Großen der deutschen Nachkriegs-Malerei 70. Geburtstag: Georg Baselitz. Schon jetzt ehrt die Ausstellung “Die Russenbilder” in den Hamburger Deichtorhallen den Künstler.
Baselitz’ persönlicher Grund für diese Bilder liegt in seinen Stasi-Akten, wie er sagt. Als er diese Mitte der neunziger Jahre durchgeblättert und dabei gesehen habe, von wie vielen Menschen er schon damals, als Zwanzigjähriger bespitzelt wurde, darunter natürlich von Mitschülern und sogar Modellen, habe er gespürt, dass er sich mit dieser Vergangenheit beschäftigen müsse und dass er Schuldgefühle empfinde gegenüber jenen, die damals nicht, wie er, nach West-Berlin gegangen sind. So malt er, mehr oder weniger skizzenhaft, wie gewohnt kopfüber oder quer, die Motive der Propagandakunst, immer wieder Lenin, Politbüroporträts, Arbeiter- und Soldatenszenen, Porträts von jungen Mädchen aus sowjetischen Volksstämmen, denen er keck die Trachten vom blanken Busen zieht, weil eben damals nackte Haut verboten war.
Auch Stalin taucht auf, weil er nun mal dazugehört, obwohl Baselitz ihn anfangs gar nicht malen wollte. Und doch erzeugen diese Bilder nicht mehr als teilnahmslose Gefälligkeit. Viel zu sehr schwimmt der alte Meister im heutigen Mainstream mit, und das mag in der Tat das zweite sehr persönliche Motiv des in die Jahre gekommen Malers sein: die Sorge, als Künstler des 20. und nicht mehr den 21. Jahrhunderts zu gelten. Die Deichtorhallen unterstützen ihn in diesem Bemühen mit größtmöglicher Fürsorge. Die Ausstellung ist wunderbar luftig gehängt, ohne rechte Winkel, mit schräg zueinander gestellten schmalen Bildwänden, fast wie ein überdimensionales Stelenfeld. Soviel Freundlichkeit sollte dem alten Haudegen aber einmal zu denken geben.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Unten nackt - oben ganz der Papa
SIEGEL online - Jenny Hoch
Aus alt mach neu: Für seine “Russenbilder” erstellte Georg Baselitz Cover-Versionen berühmter Werke des Sozialistischen Realismus. Eine große Hamburger Ausstellung zeigt: Mit der jungen wilden Malerkonkurrenz kann der einstige Kunstberserker noch immer locker mithalten.
In allen Neufassungen bleibt von dem heroischen Gestus der Vorlagen herzlich wenig übrig. Im Gegenteil, man sieht förmlich, mit welch diebischer Freude sich Baselitz über alle Konventionen der sozialistisch-realistischen Malweise, mit der er auch selbst in seiner Zeit auf der Ost-Berliner Hochschule für bildende und angewandte Kunst gegängelt wurde, hinwegsetzt. Statt dicker Farbschichten, wie bei früheren Werken, dominiert in allen “Russenbildern” ein luftiges, aquarellähnliches Verfahren. Baselitz hat sich vom Dunklen, Derben, Expressiven hin zum Hellen, Heiteren, Sanften gewandelt.
Provozieren wird Baselitz mit einem nackten Lenin oder einem kopfstehenden Stalin natürlich niemanden mehr. Überhaupt, die Kopfsteh-Masche, die der Maler 1969 einführte, um die Inhaltlichkeit seiner Werke zu tilgen: Jahrzehntelang war sie ein äußerst effektives Alleinstellungsmerkmal, doch inzwischen ist sie längst zum Markenzeichen erstarrt. Ob der geniale Selbstvermarkter Baselitz es jemals wieder wird abschütteln können, ist ungewiss. Anzeichen für eine schrittweise Rücknahme der Marketing-Maßnahme gibt es immerhin: Nicht wenige seiner “Russenbilder” sind nur noch um 90 Grad gekippt.
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KATALOG zur Ausstellung in London 2007
Georg Baselitz:
A Retrospective
| Gebundene Ausgabe
| 260 Seiten
| 250 Illustrationen
| Royal Academy of Arts (September 2007)
| Sprache: Englisch
| kaufen bei amazon
Bis zum 09. Dezember 2007 war in der Londoner RoyalAcademy eine von Norman Rosenthal kuratierte Retrospektive der Werke von Georg Baselitz aus den Jahren 1963 bis 2007 zu sehen, der ersten überhaupt, die das Museum für einen deutschen Maler je ausgerichtet hat.
London steht kopf
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Hans Pietsch
Georg Baselitz, bekannt dafür, dass er seine Motive gern auf den Kopf stellt, ist in London eine große Retrospektive gewidmet wird. Die Schau in London ist ein Doppel-Ereignis: politisch und künstlerisch.
Kurator Norman Rosenthal von der Royal Academy hat die Retrospektive seines alten Freundes, mit mehr als 60 Bildern, vielen Zeichnungen und Grafiken sowie einem Dutzend Holzplastiken, streng chronologisch gehängt - jeder Raum eine andere Werkgruppe: von den “Heldenbildern”, dem “Neuen Typ”, über die “Frakturbilder” und die “Motivumkehr” bis zu den jüngsten, als “Remix” bezeichneten Gemälden.
Vorbei geht es an klotzigen Waldarbeitern und heldenhaften Männern, an abstürzenden Adlern und nackten Selbstporträts. Düstere Farben, viel Braun, viel Rot. Und dann sein Markenzeichen, die auf dem Kopf stehenden Bilder, als eines der ersten “Der Mann am Baum” von 1969 - der Versuch, das Bild von seinem Inhalt zu befreien: Abstraktion ohne den Verzicht auf das Figürliche. Besonders verstörend der Raum mit den Frakturbildern - zerlegte Körper, abgehackte Gliedmaßen. Eine wüste, wilde Malerei, die kompromisslose Untersuchung dessen, was es heißt, ein Deutscher zu sein und in einer brutalen Welt zu leben.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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PORTRAIT | Georg Baselitz,
der 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen geboren wurde, gilt als einer der produktivsten und bekanntesten Künstler Deutschlands. Baselitz erlangte wahrscheinlich die meiste Berühmtheit mit der Motivumkehr, die dazu dient, den Bildraum außer Kraft zu setzen. Sein frühes gegenständliches Werk befasst sich jedoch mit den existentiellen Problemen des Daseins in Deutschland in einer Zeit, in der die Abstraktion größtenteils die Vorherrschaft hat. Aggressiv und oft unbequem vereint das Werk von Baselitz halbabstrakte Figuren, Tiere und Landschaften auf einem Hintergrund voller Farben und freier Pinselführung. Sein Werk vermittelt auf einprägsame Weise ein Gefühl von Feindseligkeit und Isolierung.
Als Maler, technischer Zeichner, Drucker und Bildhauer nahm Baselitz im Jahr 1956 das Malstudium an der Hochschule für Bildende Künste in Ostberlin auf, wurde jedoch nach nur einem Semester wegen ’sozialer und politischer Unreife’ der Universität verwiesen. Nach seinem Umzug nach Westberlin im Jahr 1956 nahm Baselitz das Kunststudium 1957 wieder auf und brachte es 1962 zum Abschluss.
In seinen frühen Jahren stand er unter dem Einfluss der Kunst- und Schriftwerke einflussreicher Künstler und Theoretiker wie Kandinsky, Malevich, Nietzsche, Baudelaire, Samuel Beckett und des französischen Schriftstellers und Künstlers Antonin Artaud. Baselitz stand später in hohem Maße im Banne der Kunst von Geisteskranken und anderer, am Rande der Gesellschaft lebender Existenzen, eine Kunst, die auch eine bedeutende Quelle der Inspiration bildete. Sein Werk ist in gleichem Maße von der traditionellen afrikanischen Kunst, der manieristischen Malerei und dem Druck des 16. Jh. in Frankreich und Italien, aber auch einem tiefen Sinn für Schmuck und Verzierung inspiriert. ( Royal Academy Of Arts, London 2007 )
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Georg Baselitz | Die Russenbilder
| Deichtorhallen, Hamburg
| bis 03. Februar 2008
Dez
17
YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten
Dezember 17, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer
| PT ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe |
User dominiert, user redigiert, user orientiert, user kuratiert, user generiert, user zentriert ist die Ausstellung YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten.
Bild oben:
ZKM_YOUniverse in Second Life. Screenshot [Avatare]
Der Karlsruher Kreis: (v.l.n.r)
Boris Groys_Oh, Peter Weibel_Oh
Beat Wyss_Boa,
Peter Sloterdijk_Voom und Wolfgang Rihm_Voom
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Mit der bis 06. Januar 2009 laufenden Ausstellung widmet sich das Zentrum für Kunst und Medientechnologie anlässlich seines Jubiläums »10 Jahre ZKM im Hallenbau A« den Auswirkungen der netzbasierten, globalen Kreation auf Kunst und Gesellschaft.
Im Rahmen seiner Sammlung interaktiver Kunst, der größten weltweit, präsentierte das ZKM | Medienmuseum bereits in den vergangenen Jahren die wichtigsten Wegbereiter und Strömungen partizipativer Kunst des 20. Jahrhunderts: Op-Art, kinetische und kybernetische Kunst, Arte Pro-grammata, Konzeptkunst, Fluxus und Happening, interaktive computergestützte Installationen und virtuelle Umgebungen. BetrachterInnen aktivierten Kunstwerke über Handlungsanweisungen und veränderbare Objekte. So nahmen und nehmen sie bis heute Teil an der Konstruktion des Werkes.
Im Internet bieten Portale wie “flickr”, “youtube”, “myspace”, virtuelle Welten wie “secondlife” oder Blogs nun einen neu strukturierten Raum für die kreativen Äußerungen von Millionen von Menschen. Kreativität ist nicht länger das Monopol des Künstlers. Der Benutzer liefert oder generiert selbst den Inhalt oder stellt ihn zusammen. Er wird selbst zum Produzenten und Programmgestalter und damit zum Konkurrenten von Fernsehen, Radio und Zeitungen, den historischen Monopolmedien. Die Teilnahme des Publikums formt sich neu zur Emanzipation des Konsumenten.
Diese Transformationen betreffen nicht nur die globalen Weiten des Internet, sondern auch das Museum. Es reagiert auf die veränderten kulturellen und sozialen Verhaltensweisen und unterstützt jene Tendenzen, die sich im Geiste der Aufklärung für Demokratie und die Idee des Zugangs zur Bildung für Alle einsetzen. Die in der Ausstellung präsentierten, neuen Installationen übertragen das im Internet entwickelte Potenzial der Mitgestaltung durch den Benutzer in einen künstlerischen Kontext und ermöglichen den BesucherInnen, sich zu emanzipieren. Sie können als KünstlerInnen, KuratorInnen und ProduzentInnen agieren. Die AusstellungsbesucherInnen stehen als Nutzer, als emanzipierte Konsumenten im Zentrum.
ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe
| YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten
| bis 06. Januar 2009
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Zehn Jahre Zentrum für Kunst und Medientechnologie
Anika von Greve-Dierfeld, dpa
Die britische Zeitung The Independent listete das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) 2005 unter den 50 besten Museen Europas auf Platz drei. Vor dem Louvre in Paris. In 2007 feiert das ZKM in Karlsruhe offiziell den zehnten Jahrestags seines Bestehens in den Räumen einer ehemaligen Munitionsfabrik.
In seinem eingegliederten Museum für Neue Kunst (MNK) verfügt das ZKM inzwischen nicht nur über einen beachtlichen Bestand von rund 14.000 Objekten und Gemälden moderner Kunst. Mit einem Pool aus acht Sammlungen – dem laut Peter Weibel größten Sammlerverbund in Baden-Württemberg – ist dort die Geschichte der Kunst nach 1945 “lückenlos darstellbar”. Das ZKM genießt inzwischen aber auch und vor allem einen internationalen Ruf als Begegnungs- und Aufführungsort sowie als Forschungszentrum für neue Medien, Informationstechnologie und Medienkunst.
“Wir sind weiter als der neueste Stand”, sagt Weibel und setzt noch eins drauf: “Das ZKM ist das technisch avancierteste Museum der Welt.”
“Interaktiv total” ist Weibels Vorstellung von der Ausstellung, dem Museum, dem Künstler und dem Museumsbesucher der Zukunft. Das ZKM soll zu einem Riesenportal für Kunst werden, in das jeder einspeisen kann, was er will. “Einen Teil würde ich kuratieren”, sagt er. Der andere Teil stünde unbewertet zur Debatte.
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Peter Weibel
| “Polizei lügt”
| Wien 1971
| AktionsDokuFoto
User Art _ Nutzerkunst
TELEPOLIS - Peter Weibel
Peter Weibel ist Direktor des ZKM und Kurator der Ausstellung, deren Konzept und kunsthistorischen Hintergrund er in seinem Text vorstellt.
Im 19. Jahrhundert ist das 20. Jahrhundert imaginiert worden als Technologie der Mobilisierung und Personalisierung. Mit PC und Handy etc. sind diese Phantasien eingetreten. Diese Technologien haben aber auch die Kunst verändert. Die Geschichte der Betrachter von Kunst und der Besucher von Museen hat im 20. Jahrhundert neue Akzente erhalten.
Nach 1945 hat in der Neuen Musik und in der bildenden Kunst die Partizipation des Publikums als Teil des Kunstwerkes eingesetzt. Die Medienkunst hat die Teilnahme des Betrachters am Entstehen des Kunstwerkes als Interaktivität zwischen Betrachter und Kunstwerk, im Sinne einer wechselseitigen Beeinflussung, etabliert (im 1. Stock des ZKM | Medienmuseums kann man diese Entwicklung nachvollziehen).
Ein Beispiel für das Ersetzen des Kunstobjektes durch Handlungen und Handlungsanweisungen in der Aktionskunst …
Yoko Ono begann 1961 mit ihren Performances als Anweisungen an das Publikum. In Cut Piece forderte sie das Publikum auf, auf die Bühne zu kommen und ihr die Kleider abzuschneiden. Sie verwandelte die Kunst der Gebrauchsanweisung für Gegenstände in die Kunst der Anweisung für Menschen.
VIDEO | Yoko Ono | “Cut Piece”
| Performance in der Carnegie Hall London 1965
Im 21. Jahrhundert erzeugt nun der Betrachter durch die Möglichkeiten des Internets auch die Inhalte der Kunstwerke, die untereinander ausgetauscht und im Netz frei verteilt werden können. Der Betrachter wird zum Nutzer/User. Die Ausstellung YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten zeigt in den nächsten ein bis zwei Jahren mit wechselnden Kunstwerken und Positionen erstmals Konturen dieser neuen Nutzerkunst.
TELEPOLIS - Text von Peter Weibel lesen
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YOU_ser Art | Benutzerkunst oder Kunstbenutzer?
TELEPOLIS - Robert Hauser
Das ZKM präsentiert seit dem 21.10.2007 eine neue Ausstellung mit dem hippen Titel YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten. Das klingt erst einmal spannend: Ich bin Konsument, ich bin Nutzer, ich bin Web 2.0-tauglich, ich fühle mich angesprochen. Und wie man es sich nicht schöner hätte denken können, ist man sofort nach Eintritt in die ehemaligen Fabrikhallen des ZKM umgeben von Technik.
Gleich am Eingang zur Ausstellung wird jeder, der die Ausstellung betritt, mit einem kräftigen Paukenschlag begrüßt. Damit man sicher sein kann, dass dieser Begrüßungspaukenschlag wirklich einem selbst gilt, erscheint wie durch Zauberhand das eigene Konterfei auf der Pauke. Das Kunstwerk, so lese ich, heißt deshalb auch bezeichnenderweise “Greetings”(Stephan von Huene). Noch keine drei Sekunden sind vergangen, seit die nette Frau am Eingang die Karte abgerissen hat, und schon bin ich mittendrin im Kunstwerk, statt wie so oft nur dabei. Das lässt hoffen.
Während ich mir weiter die Ausstellung anschaue, wird mir eines immer bewusster: Ich als Kunstbetrachter werde zwar zum Mitgestalter der Kunst, jedoch nicht im Sinne eines Web 2.0, in dem ich mich selbst verwirkliche, sondern ich bin lediglich – und das scheint mir ein durchgängiges Prinzip im Konzept der Ausstellung zu sein – irgendwie Teil der Kunst. Mein Handeln kann zwar das Kunstwerk beeinflussen, jedoch in einer vom Künstler vorher definierten und von mir als Nutzer selten zu durchschauenden Art und Weise. So kann ich als Kunst-Nutzer z. B. Stichwörter in eine Suchmaschine eingeben, aber der Output wird von den vom Künstler hinterlegten Suchroutinen und anderen Mechanismen bestimmt, und hat am Ende semantisch nichts mehr mit den von mir eingegebenen Stichwörtern gemein. Aktion und Reaktion ergeben keinen richtigen Sinn, sondern dienen nur dem Kunstwerk. Statt Nutzer zu sein, wird der YOU_ser zum benutzten Benutzer. Am Ende dieser Überlegungen angelangt, fühle ich mich irgendwie instrumentalisiert.
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Wozu braucht Internetkunst noch Museen, Herr Weibel?
NEUE GEGENWART - Magazin für Medienjournalismus | Ausgabe 52 | Kunstsommer
Björn Brückerhoff hat mit Peter Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, über die Veränderung der Kunstwahrnehmung, das Verschwinden des Künstlers und über die Medienkunst der Zukunft gesprochen.
Inwiefern spielt es für die Rezeption von Kunst eine Rolle, dass bei Netzwerk-Kunstwerken die Person des Künstlers irrelevant wird?
Peter Weibel: Der Künstler, wie wir ihn heute kennen, war ohnehin nur eine theoretische Fehlkonstruktion des Bürgertums des 19. Jahrhunderts, ein Spiegelbild und Idealbild des „freien“ Unternehmertums, deswegen sprach man auch missverständlich von den „freien Künsten“.
Jetzt zeigt sich, dass der Künstler abhängig ist und die Kunst unfrei oder vom Staat und der Industrie alimentiert. Wirklich frei ist nur der Ohnmächtige, der nichts zu verlieren hat, also der Amateur, der geringste der Brüder, er nimmt die Stelle des Künstlers ein.
Neue Gegenwart: Wie wichtig ist es für die Wahrnehmung von Web-Projekten als Internet-Kunst, ob das Veröffentlichte als Kunst bezeichnet wird?
Peter Weibel: Die Beobachtung (der Zeitungen etc.) der Beobachtung (des Internet) schafft nur parallele Öffentlichkeiten, keine Hierarchie. Es ist wichtig für die Zeitungen im Netz beobachtet zu werden und es ist wichtig für das Netz in den Zeitungen beobachtet zu werden.
NEUE GEGENWART - Interview lesen
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ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe
| YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten
| bis 06. Januar 2009
Dez
16
Matthias Grünewald
Dezember 16, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer |
Bis zum 02. März 2008 widmet sich eine Doppelausstellung der Kunsthalle Karlsruhe ( Grünewald und seine Zeit ) und des Unterlindenmuseums in Colmar ( Blicke auf ein Meisterwerk ) dem Renaissance-Maler Matthias Grünewald.
Grünewalds religiöse Bilder waren in ihrer mystischen Symbolsprache noch dem Mittelalter verhaftet, doch seine expressiven realistischen Darstellungen waren eine Art malerische Revolution hin zur Renaissance. ( ARTE.TV )
Der französische Dichter Joris Karl Huysmans im Jahr 1905 über Grünewalds Kunst:
„Man begreift nun, warum Grünewalds Name nicht wie der Holbeins, Dürers und Cranachs auf den Bestellungs- und Zahlungslisten der Kaiser und Fürsten zu finden ist. Sein Christus der Aussätzigen hätte den höfischen Geschmack verletzt; er konnte nur von den Kranken, den Verzweifelten und den Mönchen, von den leidenden Gliedern Christi, verstanden werden.“
Während in Colmar der „Isenheimer Altar“ im Mittelpunkt steht, werden in Karlsruhe zwölf weitere Arbeiten des Meisters aus Aschaffenburg, Basel, Berlin, Coburg, Frankfurt am Main und Oxford zusammengeführt und Gemälden und Graphiken unter anderem von Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer, Hans Burgkmair, Hans Baldung Grien, Lucas Cranach d.Ä, Hans Holbein d.Ä, Hans Holbein d.J. und dem Meister H.L. aus internationalem Museums- und Privatbesitz gegenüberstellt.
Grünewald und seine Zeit
| Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
| bis 02. März 2008
Grünewald – Blicke auf ein Meisterwerk
| Unterlindenmuseum
| F – 68000 Colmar
| bis 02. März 2008
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KATALOG
| Grünewald und seine Zeit
kaufen bei amazon
440 Seiten mit 170 farbigen
und 324 schwarzweißen Abb.,
24,5 x 30,5 cm,
Klappenbroschur
Katalog zur Großen Landesausstellung Baden-Württemberg der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe vom 8. Dezember 2007 bis 2. März 2008
Matthias Grünewald (1475-80 bis 1528), einer der faszinierendsten Künstler seiner Zeit, dessen Werk bis heute durch seine ergreifende Ausdruckskraft und die Intensität von Komposition und Kolorit überzeugt, steht im Zentrum der von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe ausgerichteten Großen Landesausstellung. Durch die Gegenüberstellung seiner Werke mit denen anderer führender Meister seiner Zeit wie z.B. Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer, Hans Burgkmair, Hans Baldung Grien, Lucas Cranach d.Ä. und Hans Holbeins d.Ä und d.J. in etwa 160 Beispielen aus eigenen Beständen und von internationalen Leihgebern eröffnen Ausstellung und Katalog ein Panorama der frühen deutschen Renaissancemalerei. Thematische Schwerpunkte bilden Grünewalds erschütternde Darstellungen der Passion Christi sowie die kunstvolle Technik der Grisaille. Ein weiterer Höhepunkt ist die Präsentation der bedeutenden Tauberbischofsheimer „Kreuztragung“, deren ursprünglich brillante Farbigkeit nach ersten Restaurierungsmaßnahmen wiederentdeckt werden kann.
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Die Supernova der Kunst
ZEIT online - Hans Joachim Müller
Wer war Mathias Grünewald? Karlsruhe und Colmar wollen das Geheimnis des Renaissancegenies lüften. Eine Jahrhundertausstellung.
Grünewald malt den Augenblick danach. Gerade ist etwas geschehen, was noch währt und doch schon zurückliegt, etwas Unaushaltbares, Unvordenkliches. Tod, unvorstellbarer Schmerz. Schieres Entsetzen, das ist es, was Grünewalds Figuren so eigentümlich losgebunden sein lässt, was sie so schwebend macht.
Theologisch war das ja immer eine Zumutung, den unglaublich toten Isenheimer Christus am Kreuz und den als Supernova verglühenden Auferstehenden zusammendenken zu sollen. Physiologisch gesehen, hat Grünewald gemalt, was noch nie zuvor gemalt worden ist. Dem Christus ist der Menschenschmerz gleichsam durch die gespreizten Fußzehen abgegangen, und nun steht der Schmerzstoff im Raum und erfüllt den Raum, der keiner mehr ist, der seine Grenzen verliert, der sich auflöst, Licht wird. Die Seele verlässt den Körper, hat man früher gesagt. Und wie anders sollte man ein solches Transzendenzereignis beschreiben? Grünewalds Auferstehender ist vielleicht der einzige Auferstehende der Bildgeschichte, dem alles fehlt zum nachösterlichen Imperator.
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Der letzte Schrei
TAGESSPIEGEL - Nicola Kuhn
Dieser Christus ist ein Alptraum an Wahrhaftigkeit: der Körper von Blessuren übersät, die in allen Blauschattierungen schimmern, das aschfahle Haupt mit dem zur Fratze verzerrten Gesicht tief auf die Brust gesunken, die Finger krampfhaft hochgereckt, die Nagelwunden in den schmerzverkrallten Füßen zu Kratern aufgerissen. Ein kaum erträglicher Anblick.
Trotzdem registriert man jedes Detail. Der Schock weicht der Neugierde, auf die Befremden folgt. Wie kann man einen Gekreuzigten mit so viel Realitätssinn malen? Wie kann ein solches Leiden zur „Compassio“, zur Nachfolge Christi animieren?
Tatsächlich ist ein Werk von Matthias Grünewald wie jener 1525 gemalte Tauberbischofsheimer Altar für uns Heutige eine aufregende Zumutung mit seinem Verismus, seiner Überwältigungskraft. Und war es wohl auch damals schon, vor fast 500 Jahren. Erstaunlich, dass der Maler in Vergessenheit geriet, obwohl seine Bilder dem Betrachter nicht mehr aus dem Sinn gehen, hat man sie nur einmal gesehen. Der Isenheimer Altar mit seinem Johannes dem Täufer, der spitzfingrig auf den Gekreuzigten zeigt, die gloriose Himmelfahrt auf der rückwärtigen Seite, bei der Jesus in eine orangerotgelbe Sonne hochjagt – diese Motive haben sich tief ins kollektive Bildergedächtnis eingegraben.
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Grünewald und seine Zeit
| Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
| bis 02. März 2008
Grünewald – Blicke auf ein Meisterwerk
| Unterlindenmuseum
| F – 68000 Colmar
| bis 02. März 2008
Dez
16
Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973
Dezember 16, 2007 | Comments Off

Sigmar Polke: Original + Fälschung 5 (nach Thomas Gainsborough), 1973, MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, Sammlung Ströher |
KUNSTSCHAU Hamburg -
Jens Ullheimer
| PT Kunsthalle Tübingen |
Mit »Original + Fälschung« wird in Tübingen bei Stuttgart bis zum 24. Februar 2008 ein Schlüsselwerk Sigmar Polkes gezeigt. Die Werkgruppe entstand 1973 für eine Ausstellung im Westfälischen Kunstverein zu Münster. Für den damals 32jährigen Künstler, der seit Mitte der 1960er Jahre mit Galerieausstellungen und Aktivitäten an der Seite von Gerhard Richter und Konrad Lueg auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde es der »Durchbruch«.
Den Ausgangspunkt für Polkes frühes Meisterwerk bildet eine skurrile Sammlung zeichnerischer und fotografischer Vorlagen, die zumeist aus Zeitschriften entnommen sind. Neben Werbeanzeigen, Witzbildchen und Filmstandbildern findet sich dabei auch eine Interpol-Liste der meist gesuchten gestohlenen Gemälde alter Meister. Aus diesen Inspirationsquellen entnehmen Polke und sein Mitarbeiter Achim Duchow die Zitate ihres ebenso vielfältigen wie virtuosen Bilderkosmos. Zu den Variationen über Werke von Rembrandt, Rubens oder Toulouse-Lautrec gesellen sich Affen auf Motorrädern, bunt karierte Tanzkapellen, Tapeten im Flower-Power-Dekor und blumenberankte Tischdecken.
Sigmar Polkes Werkzyklus »Original + Fälschung« steht mitten in der explosiven Kunstentwicklung der 1960er und 1970er Jahre. Er verbindet den Zitatcharakter und die schillernde Bilderwelt der Pop Art mit der traditionellen Kunstgeschichte, jongliert mit alten Mythen der Malerei wie auch mit den neuen Motiven einer jugendbewegten, im Umbruch befindlichen Zeit. Die Frage nach »Original + Fälschung« wird im Rausch der Bildbausteine zugleich gestellt und auf den Kopf gestellt.
Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973
| Kunsthalle Tübingen
| bis 24. Februar 2008
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KATALOG
Sigmar Polke | Eine Retrospektive 2007
Das durch Experimentierfreude und Stilpluralismus gekennzeichnete Werk Sigmar Polkes kann hier anhand einer Vielzahl von Gemälden und mehr als hundert Arbeiten auf Papier von 1963 bis 2005 nachvollzogen werden.
Die Arbeiten Sigmar Polkes (geb. 1941) begeistern nach wie vor durch ihre Vielschichtigkeit und Gewitztheit, durch immer wieder neue, außergewöhnliche stilistische und formale Lösungen. Mit seinem zwischen Parodie und Provokationangesiedelten Werk hält Polke seit Langem eine Spitzenposition unter den meistbeachteten Künstlern weltweit.
Anhand der drei bedeutenden Polke-Sammlungen von Frieder Burda, Josef Froehlich und Reiner Speck unternimmt die Publikation eine Retrospektive. Sie präsentiert Gemälde und Arbeiten auf Papier sowohl aus den 1960er Jahre, als Polke zusammenmit Gerhard Richter und Konrad Lueg in ironischer Anlehnung an die sozialistische Staatskunst und in kritischer Auseinandersetzung mit der Pop Art den ¯Kapitalistischen Realismus® begründete, als auch spätere Arbeiten, bei denen er Bildthemen der Kunstgeschichte zitiert und durch Materialexperimente überrascht. Der Band beinhaltet zudem ein Gespräch des Herausgebers Götz Adriani mit den Sammlern.
Katalog zu den Ausstellungen: Museum Frieder Burda, Baden-Baden 3.2–13.5.2007 und Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien 22.6.–7.10.2007
Sigmar Polke
| Eine Retrospektive 2007
kaufen bei amazon
Deutsch
2007. 256 Seiten,
194 Abb., davon 193 farbig
20,20 x 28,70 cm
gebunden mit Schutzumschlag
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Glitter, Glamour, Suchtstoffe aller Art
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Christian Gampert
Sigmar Polke hat schon immer gern Kunstgeschichte durcheinander gequirlt. Wer einen ganzen Gemälde-Zyklus “Original und Fälschung” nennt, der signalisiert sehr lautstark, dass er sich aus dem bereits vorhandenen Bildervorrat und Zitatenschatz zu bedienen weiß und ihn neu zu montieren gedenkt. So war die Situation 1973, als Polke für den Westfälischen Kunstverein Münster zunächst nur die zwölf meistgesuchten gestohlenen Kunstwerke dieser Erde paraphrasieren wollte.
Unter jedem Einzel-Thema des Zyklus hängt ein “Kommentar-Bild” mit Skizzen und Zeitungsausschnitten, und zwar so tief, dass der Besucher sich hinknien muss wie in der Kirche. Dort liest man dann sinnfreie Texte von Polkes Mitstreiter Achim Duchow oder vermischte Meldungen über Rentner, die den Führerschein wiederbekommen möchten.
Sigmar Polke “Original und Fälschung Ausstellungsplakat Kunsthalle Bonn 1974 Ausschnitt
Zwei in weißem Nebel, in Plakatfarbe und Spachtelmasse sich verlierende Bilder handeln von der Trunksucht und vom Marihuana-Rauchen, und das gibt doch recht unverblümt über den damaligen Produktionsprozess Auskunft: Unter der Anleitung von Polke waren damals diverse Künstler an diesen Werken beteiligt und im Jargon der Zeit könnte man sagen: Es war eine Kiffer-WG, die da Kunst machte und sich wahrscheinlich köstlich amüsierte, dass die Bilder tatsächlich gekauft wurden.
Sigmar Polke leistete sich den Luxus, die Welt nicht ernstzunehmen - und das mitten in jenen politikbewegten siebziger Jahren, als man Marxismus studierte und manche sogar Bomben warfen.
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Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973
| Kunsthalle Tübingen
| bis 24. Februar 2008
Dez
7
Stockhausen | Aus _ Klang
Dezember 7, 2007 | Comments Off
LP-Cover einer Audio-Veröffentlichung der Deutschen Grammophon
vom 4. Mai 1968 | Kurzwellen | eine Aufnahme von Radio Bremen
Karlheinz Stockhausen (filtering and positioning), Aloys Kontarsky (p), Johannes G. Fritsch (electronic va.), Harald Boje (electronium),
Alfred Alings & Rolf Gehlhaar (tamtam)
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | wikipedia
Der deutsche Komponist Karlheinz Stockhausen ist tot. Der weltbekannte Musiker gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Der 79-Jährige radikal innovative zeitgenössische Musiker Stockhausen wandte sich früh der seriellen Musik zu, einer Strömung der Neuen Musik, die die Zwölfton-Technik von Arnold Schönberg weiterentwickelte. Er machte mit Kompositionen elektronischer Musik auf sich aufmerksam und beeinflusste mehrere Musikergenerationen, bis hin zur aktuellen Electronica-Szene.
Stockhausen studierte von 1947 bis 1951 an der Musikhochschule Köln. Bei der Expo 1970, der Weltausstellung im japanischen Ōsaka, war er mit seinen futuristischen Kompositionen der Anziehungspunkt im deutschen Pavillon. 2001 erhielt er den inoffiziellen Nobelpreis für Musik, den Polar Music Prize.
VIDEO | Vortrag von Karlheinz Stockausen im Mai 1972
in Oxford über ‘ Vier Kriterien der Elektronischen Musik ‘
(Ausschnitt - english)
2005 vollendete Karlheinz Stockhausen seine 1977 begonnene Heptalogie LICHT. Mit seinem Lebenswerk hinterließ er ein religiöse Themen behandelndes, monumentales Opus. Die Opern bauen auf einer „Superformel“ (siehe Formelkomposition) auf, die drei Melodien zusammenfügen, welche die Hauptfiguren – Michael, Eva, Luzifer – charakterisieren. Ursprüngliche Idee des Zyklus: Den Wochentagen religiös-biologischen Sinn abseits von Konsum und Produktion zurückzugeben. Außergewöhnliche Einfälle bietet der Zyklus in Fülle – so werden vier Streicher in vier fliegende Hubschrauber gesetzt und spielen von dort ihre Musik. Zwei 35-minütige Stücke für Chor und Orchester werden simultan in zwei verschiedenen Räumen gespielt, der Hörer bekommt nur Ausschnitte davon zu hören.
VIDEO
| Karlheinz Stockhausen “Helicopter String Quartet”
Freigeist
Trotz seiner Bedeutung gilt Stockhausen als kontroverse Person. Seine zuweilen exzentrische Selbstdarstellung stand stark in der Kritik. So auch seine Bemerkung im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001:
„Das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos.“
Er führte dazu aus:
„Daß Menschen in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nicht träumen könnten, daß Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch für ein Konzert und dann sterben, stellen Sie sich das doch vor, was da passiert ist. Da sind also Leute, die sind so konzentriert für eine Aufführung und dann werden fünftausend Leute in die Auferstehung gejagt, in einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts als Komponisten. Manche Künstler versuchen doch auch über die Grenze des überhaupt Denkbaren und Möglichen zu gehen, damit wir wach werden, damit wir uns für eine andere Welt öffnen.“
VIDEO Feature | Interview ( english )
Karlheinz Stockhausen
infos auf wikipedia
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Denken und erfinden, fühlen und glauben
NZZ - Peter Hagmann
Karlheinz Stockhausen stand ganz im Zentrum der musikalischen Avantgarde. Ausgehend vom strengen Denken in Reihen, hat er massgebliche Beiträge geleistet zur Einführung der Elektronik in die Musik und zum Denken in der Kategorie des Raums. Sein Hauptwerk, die siebenteilige Oper «Licht», ist noch nicht zur Gänze uraufgeführt.
Und mit einer Kraft, die nicht zuletzt die weit verbreitete Aufbruchsenergie wie auch den Machbarkeitsglauben der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg spiegelt, stürzte sich Stockhausen in die Erkundung des musikalischen Terrains. Wo er hinblickte, entdeckte er Neues. Das serielle Denken führte zur Atomisierung der musikalischen Verläufe in einzelne Punkte, für die ein Werk wie die «Kontra-Punkte» für zehn Instrumente von 1953 steht. Zugleich versuchte Stockhausen, das Pointillistische durch die Bildung von Tongruppen wieder zu bändigen, wovon zum Beispiel die «Zeitmasse» für fünf Bläser (1956) zeugen. Viele Werke aus dieser Zeit, die in den ersten Jahren ihres Nachlebens als abstrakt erschienen, sind längst zu Klassikern geworden: die insgesamt elf Klavierstücke von 1952 bis 1956 etwa oder die «Gruppen für drei Orchester» von 1957 …
Das serielle Denken, das Durchorganisieren der Musik auf der Basis vorgefertigter Reihen, erschien jedoch bald als Sackgasse – nicht zuletzt unter dem Eindruck der Zufallskomposition, mit der John Cage ab 1954 in Europa für Wellenschlag sorgte. Stockhausen griff bald nach den verschiedensten Seiten aus, und immer wieder gelangen ihm dabei Entwürfe von sensationeller Wirkung. Offene Form nannte er das Prinzip, bei dem den Interpreten mehr Spielraum als gewöhnlich bleibt, so dass sich die einzelnen Wiedergaben einer Partitur deutlich voneinander unterscheiden. Die Unmöglichkeit, mit Musikern, die bekanntlich auch nur Menschen sind, jene Genauigkeit zu erreichen, welche die serielle Musik intendiert, aber auch die Freundschaft zu Heribert Eimert brachte ihn sodann zur elektronischen Musik, wo er mit dem «Gesang der Jünglinge» (1956) einen ersten Markstein setzte.
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Zurück im All
TAZ - Ralf Krämer
Schlüsselkompositionen der Neuen Musik wie “Gesang der Jünglinge” stammen von ihm. Er bereitete der modernen Popmusik den Weg, von der Band Can bis zu Techno. Ein Nachruf.
Zwischen 1955 und 1967 entstanden Werke wie “Gesang der Jünglinge”, “Kontakte” und “Hymnen”, in denen er von Stimmen, herkömmlichen Instrumenten und elektronischen Apparaten erzeugte Geräusche, Töne und Klänge als gleichberechtigtes Material verwendete und ohne die Begrenzungen klassischer Strukturen organisierte. Sein bis heute anhaltender Ruf wäre kein anderer, wenn er sich seit den späten 60ern nur noch als Hobbygärtner betätigt hätte (der er auch war).
Die elektronische Musik, die auch die Düsseldorfer Ralf Hütter und Florian Schneider in Stockhausens Konzerten hörten, bevor sie 1970 ihre Band Kraftwerk gründeten, ist indes die gleiche, die ihm in den 90er-Jahren auch den Titel “Papa Techno” eintrug, eine etwas niedliche Huldigung, die er geschmeichelt wahrnahm, auch wenn er diesen Sohn nie wirklich anerkannte. Zu penetrant war ihm die Periodizität der neuzeitlichen Elektroniker, deren Tanzkultur er akzeptierte, aber für sich ausklammerte. “Mich beginnt die Musik in dem Moment zu interessieren, wenn ich den Musiker experimentieren höre”, sagte er. Damit schloss er in erster Linie Unregelmäßigkeiten in Rhythmik und Tonhöhe ein und das Partyvolk eher aus.
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Den Eulen im Wald nicht nahe kommen
SPEX - Interview: Ralf Krämer, Markus Krämer | August 2002
Er gilt nicht nur als Pionier der elektronischen Musik, er war auch dieser Pionier. Seit den fünfziger Jahren war Stockhausen als Komponist tätig, mit seinen zahlreichen Werken der experimentellen und elektronischen Musik bereitete er den Weg für zahllose moderne Künstler wie Can, Amon Düül und Aphex Twin.
Dez
5
Max Ernst | Im Garten der Nymphe Ancolie
Dezember 5, 2007 | Comments Off

KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer
| PT Museum Tinguely
Das Tinguely-Museum in Basel zeigt bis 27. Januar 2008 eine große Retrospektive des deutschen Surrealisten Max Ernst.
Kurator ist Werner Spies, der Herausgeber des Werkkatalogs und Gründer des Max-Ernst-Museums in Brühl. Rund 150 Werke aus internationalen Museen, Galerien und Privatbesitz, darunter auch bislang sehr selten oder nie gezeigte Arbeiten und die live-Restaurierung des Wandbildes “Blütenblätter und Garten der Nymphe Ancolie” von Max Ernst sind in der Schau zu sehen.

Wandbild: Blütenblätter und Garten der Nymphe Ancolie, 1934 | Max Ernst
Kunsthaus Zürich | Höhe: 415 cm Breite: 531 cm (Foto: Kunsthaus Zürich)
Die erste große Max-Ernst-Ausstellung in der Schweiz seit 1963 stellt das wiedergeborene Wandbild ganz ins Zentrum. Das Projekt wird in drei Schritten auf der Website kunsthaus dokumentiert.
dadamax
Nach des Künstlers militanter Dada Zeit in Köln in den beginnenden 1920er Jahren und seiner Übersiedlung nach Paris kehrten die Freuden des Lebens in ein Werk zurück, das wie ein Seismograph auf die Krisen der Kriege und Revolutionen, aber auch die Versprechen/Verheissungen des Eros, das Glück der Liebe, den Frieden und die Gelassenheit der Erdgeschichte reagierten.
Paradiese und Untergänge
Seit der kompletten Ausmalung seines mit Gala Éluard bewohnten Hauses in Eaubonne (1923/24) bewegte sich Max Ernst auf der Suche nach jener Göttin „Gradiva“, die von Sigmund Freud bis André Breton die Wunschträume der Männerwelt anregte. Bevor vor dem zweiten Weltkrieg wieder die Chimären, Barbaren und Todesengel in seine Bilderwelt einbrachen, erfreute sich der Künstler an den Wonnen der Natur, der vegetabilen Harmonie, den Lüsten der Verführung, dem Nirwana der Hingabe. Alles ist Zauber, alles heiteres Spiel, „Joie de vivre“. Selten hat ein Künstler in seinem Unbewussten so frei wandeln können.
Bald jedoch mischen sich wieder Störenfriede ins Idyll: Fleischfressende Pflanzen fallen über Flugzeugteile her (Jardin gobe-avions), und ganze Städte (Ville entière) werden von wild wuchernden Wäldern verschlungen. Aus den Gärten der Hesperiden und der Joie de vivre – Mittagshelle vertrieben, überlebt ein Sumpfengel im Dickicht, das grossartige Chant du soir singt in der Dämmerung, über dem Rhein bricht tiefe, düstere Nacht ein (Nuit rhénane, 1944).
Einzelfotos der ausgestellten Arbeiten ansehen
So pendelt Max Ernsts Werk seiner Biografie entsprechend zwischen den Metamorphosen der Lust und dem Trauerspiel der europäischen Geschichte und lotet assoziativ neue Erfahrungsräume der menschlichen Existenz aus.
Max Ernst. Im Garten der Nymphe Ancolie
| Museum Tinguely, Basel
| bis 27. Januar 2008
Fotorundgang
durch die Ausstellung
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KATALOG
Max Ernst
Im Garten der Nymphe Ancolie
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Deutsch
2007. 224 Seiten,
226 Abb.,
davon 183 farbig,
1 Klapptafel
24,80 x 28,70 cm
gebunden mit Schutzumschlag
Mit seinem experimentellen Umgang mit Materialien und Techniken und den antiformalistischen Bildfindungen überraschte und provozierte der Maler und Bildhauer Max Ernst (1891–1976) die Kunstwelt immer wieder. Die Publikation konzentriert sich auf ausgesuchte Aspekte, die einen geschärften Blick auf das facettenreiche Werk von Max Ernst erlauben. Im Zentrum steht das Wandbild Pétales et Jardin de la Nymphe Ancolie (1934). Gemälde, Collagen und Plastiken rund um das Thema der Garten- und Pflanzenwelt, der Transformation von Natur zu anthropomorphen oder menschlichen Figuren visualisieren den weiten ikonografischen Umkreis dieses Bildes. Dazu gehören u.a. die Jardins gobe-avions und Arbeiten rund um das Thema von Loplop, dem Alter Ego des Künstlers. Davon ausgehend berührt die Publikation auch weitere zentrale Themen im Schaffen des Künstlers wie die der Mechanik und Erotik in seinen dadaistischen Collagen sowie seinen bewussten Einsatz von Automatismus und Zufall in den Frottagen.
Max Ernst.
Leben und Werk
in Bildern und Dokumenten
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Gebundene Ausgabe
351 Seiten
Ein bewegtes Künstlerleben lässt ein ganzes Kunstjahrhundert verstehen: Lebensbilder – Bilderleben.
Bildwelten schuf Max Ernst als wichtigster Künstler des Dadaismus und Surrealismus sein Leben lang. Aber nur mit dem Blick auf die Bilder seines wirklichen Lebens und mit dem Klang der zahlreichen Originaldokumente, Briefe, Gelegenheitsdichtungen und Tagebücher im Ohr vermag der Leser und Betrachter begreifen, was diesen zu den herausragendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählenden Maler bewegte. Das zwischen den Kunstmetropolen des 20. Jahrhunderts verlaufende Leben des Malers, der mit den bedeutendsten Kollegen seiner Zeit in engstem Austausch stand, vermittelt darüber hinaus faszinierende Einblicke in das dicht verwobene Netzwerk, das die Kunst des 20. Jahrhunderts bestimmte. Als »Dada-Max« stand Ernst in regem Austausch mit Tristan Tzara und Hans Arp und den Künstlern der Dada-Zentren Zürich und Berlin. In Paris begegnen wir dem surrealistischen Künstlerzirkel um André Breton und Paul Éluard und in den USA erleben wir Max Ernst in intensivem Austausch mit den Händlern und Sammlern der Neuen Welt.So eröffnen diese Einblicke in ein bewegtes Künstlerleben zugleich die Sicht auf ein ganzes Kunstjahrhundert.
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Das berühmte Gemälde “Blütenblätter und Garten der Nymphe Ancolie” ist das Prunkstück der Max-Ernst-Retrospektive im Basler Tinguely-Museum. Hier wird es vor den Augen der staunenden Besucher detailgenau restauriert. Die Auftragsarbeit von 1934 schmückte eine Wand in der Bar des Züricher Corso-Theaters. Als ihr Besitzer wechselte, drohte das Gemälde für immer zu verschwinden, wurde dann aber im letzten Augenblick gerettet…
ARTE | Kultur | Ausstellungen
| VIDEO-Reportage ansehen (wmv video)
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Der große Spieler
NZZ - Maria Becker
Max Ernsts fast vergessenes Wandgemälde «Pétales et jardin de la nymphe Ancolie» (1934) zierte während einiger Jahrzehnte das Ambiente der Zürcher Corso-Bar. Im Basler Museum Jean Tinguely steht das Bild nun als Gelenk zwischen Frühwerk und Spätwerk des Künstlers. …
«Loplop» nannte Max Ernst (1891–1976) dieses Vogelwesen, das seit den zwanziger Jahren durch seine Bilder geistert. Meist ist es halb versteckt, schaut um die Ecke oder hält mit zartem Schnabelgriff die Ränder des Blatts, auf dem sich das Hauptmotiv abspielt. Loplop ist ein kleiner Regisseur, der die Dinge auf der Bühne von Max Ernsts Bildern zu dirigieren scheint. Er zeigt an, was da auftritt: «Loplop présente . . .» All das krude und phantastische Arsenal auf diesen Bildern, deren Aufgebot nicht selten an das von Jahrmarktsbühnen erinnert.
Und wenn auch Loplop ein Vogelwesen ist, hat er doch immer ein wenig Ähnlichkeit mit dem Künstler selbst, dessen Profil mit den Jahren mehr und mehr dem eines verschmitzten Vogels gleicht. Max Ernst jedenfalls kann diese Ähnlichkeit nicht entgangen sein. Auf dem etwa 4 × 5 Meter grossen Wandbild aus der Zürcher Corso-Bar ist Loplop ebenfalls mit dabei, nur ist er noch nicht klar zu sehen.
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PUBLIKATION
Max Ernst
Retrospektive
zum 100. Geburtstag
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1999
Broschiert
388 Seiten
Die in 1999 von Werner Spies konzipierte “Retrospektive” zum 100. Geburtstag von Max Ernst versammelt über 250 Werke des Künstlers, die uns das Oeuvre in einer bisher nicht gezeigten Vollständigkeit und Großartigkeit vor Augen führt.
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Im Garten der Nymphe
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Christian Gampert
Das Tinguely-Museum in Basel zeigt Max Ernst als Poeten.
Wenn man die alten Dada-Provokationen wie das “mobile Herbarium” und den sich in der Bläue räkelnden Frauenleib der “Puberté proche” dann einmal abgeschritten hat, merkt man aber doch, dass die Zeitgeschichte, und das heißt: die heraufdräuende Nazizeit, ihre Spuren im Werk hinterlassen hat - in den fleischfressenden Pflanzen, dem bleichen Mond vor dunklem Gestrüpp, den Steinwüsten.
Werner Spies stellt diesen Aspekt durchaus in den Vordergrund:
“Aus den Gesprächen mit Max Ernst wurde mir immer wieder klar, wie stark er in seinem Werk der 30iger Jahre auf die politischen Umstände reagierte. Zum Beispiel diese Collagen aus den 30iger Jahren, diese wunderbaren Blätter zu ‘une semaine de bonté’, sind nach der Auskunft von Max Ernst auch entstanden als Gegenrede zum Diskurs der Nazis. Das sind Bilder, die vergleichbar sind mit Goyas ‘desastres de la guerra’ und ‘proverbios’.”
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Max Ernst. Im Garten der Nymphe Ancolie
| Museum Tinguely, Basel
| bis 27. Januar 2008





