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Max Ernst | Im Garten der Nymphe Ancolie
Dezember 5, 2007 |

KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer
| PT Museum Tinguely
Das Tinguely-Museum in Basel zeigt bis 27. Januar 2008 eine große Retrospektive des deutschen Surrealisten Max Ernst.
Kurator ist Werner Spies, der Herausgeber des Werkkatalogs und Gründer des Max-Ernst-Museums in Brühl. Rund 150 Werke aus internationalen Museen, Galerien und Privatbesitz, darunter auch bislang sehr selten oder nie gezeigte Arbeiten und die live-Restaurierung des Wandbildes “Blütenblätter und Garten der Nymphe Ancolie” von Max Ernst sind in der Schau zu sehen.

Wandbild: Blütenblätter und Garten der Nymphe Ancolie, 1934 | Max Ernst
Kunsthaus Zürich | Höhe: 415 cm Breite: 531 cm (Foto: Kunsthaus Zürich)
Die erste große Max-Ernst-Ausstellung in der Schweiz seit 1963 stellt das wiedergeborene Wandbild ganz ins Zentrum. Das Projekt wird in drei Schritten auf der Website kunsthaus dokumentiert.
dadamax
Nach des Künstlers militanter Dada Zeit in Köln in den beginnenden 1920er Jahren und seiner Übersiedlung nach Paris kehrten die Freuden des Lebens in ein Werk zurück, das wie ein Seismograph auf die Krisen der Kriege und Revolutionen, aber auch die Versprechen/Verheissungen des Eros, das Glück der Liebe, den Frieden und die Gelassenheit der Erdgeschichte reagierten.
Paradiese und Untergänge
Seit der kompletten Ausmalung seines mit Gala Éluard bewohnten Hauses in Eaubonne (1923/24) bewegte sich Max Ernst auf der Suche nach jener Göttin „Gradiva“, die von Sigmund Freud bis André Breton die Wunschträume der Männerwelt anregte. Bevor vor dem zweiten Weltkrieg wieder die Chimären, Barbaren und Todesengel in seine Bilderwelt einbrachen, erfreute sich der Künstler an den Wonnen der Natur, der vegetabilen Harmonie, den Lüsten der Verführung, dem Nirwana der Hingabe. Alles ist Zauber, alles heiteres Spiel, „Joie de vivre“. Selten hat ein Künstler in seinem Unbewussten so frei wandeln können.
Bald jedoch mischen sich wieder Störenfriede ins Idyll: Fleischfressende Pflanzen fallen über Flugzeugteile her (Jardin gobe-avions), und ganze Städte (Ville entière) werden von wild wuchernden Wäldern verschlungen. Aus den Gärten der Hesperiden und der Joie de vivre – Mittagshelle vertrieben, überlebt ein Sumpfengel im Dickicht, das grossartige Chant du soir singt in der Dämmerung, über dem Rhein bricht tiefe, düstere Nacht ein (Nuit rhénane, 1944).
Einzelfotos der ausgestellten Arbeiten ansehen
So pendelt Max Ernsts Werk seiner Biografie entsprechend zwischen den Metamorphosen der Lust und dem Trauerspiel der europäischen Geschichte und lotet assoziativ neue Erfahrungsräume der menschlichen Existenz aus.
Max Ernst. Im Garten der Nymphe Ancolie
| Museum Tinguely, Basel
| bis 27. Januar 2008
Fotorundgang
durch die Ausstellung
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KATALOG
Max Ernst
Im Garten der Nymphe Ancolie
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Deutsch
2007. 224 Seiten,
226 Abb.,
davon 183 farbig,
1 Klapptafel
24,80 x 28,70 cm
gebunden mit Schutzumschlag
Mit seinem experimentellen Umgang mit Materialien und Techniken und den antiformalistischen Bildfindungen überraschte und provozierte der Maler und Bildhauer Max Ernst (1891–1976) die Kunstwelt immer wieder. Die Publikation konzentriert sich auf ausgesuchte Aspekte, die einen geschärften Blick auf das facettenreiche Werk von Max Ernst erlauben. Im Zentrum steht das Wandbild Pétales et Jardin de la Nymphe Ancolie (1934). Gemälde, Collagen und Plastiken rund um das Thema der Garten- und Pflanzenwelt, der Transformation von Natur zu anthropomorphen oder menschlichen Figuren visualisieren den weiten ikonografischen Umkreis dieses Bildes. Dazu gehören u.a. die Jardins gobe-avions und Arbeiten rund um das Thema von Loplop, dem Alter Ego des Künstlers. Davon ausgehend berührt die Publikation auch weitere zentrale Themen im Schaffen des Künstlers wie die der Mechanik und Erotik in seinen dadaistischen Collagen sowie seinen bewussten Einsatz von Automatismus und Zufall in den Frottagen.
Max Ernst.
Leben und Werk
in Bildern und Dokumenten
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Gebundene Ausgabe
351 Seiten
Ein bewegtes Künstlerleben lässt ein ganzes Kunstjahrhundert verstehen: Lebensbilder – Bilderleben.
Bildwelten schuf Max Ernst als wichtigster Künstler des Dadaismus und Surrealismus sein Leben lang. Aber nur mit dem Blick auf die Bilder seines wirklichen Lebens und mit dem Klang der zahlreichen Originaldokumente, Briefe, Gelegenheitsdichtungen und Tagebücher im Ohr vermag der Leser und Betrachter begreifen, was diesen zu den herausragendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählenden Maler bewegte. Das zwischen den Kunstmetropolen des 20. Jahrhunderts verlaufende Leben des Malers, der mit den bedeutendsten Kollegen seiner Zeit in engstem Austausch stand, vermittelt darüber hinaus faszinierende Einblicke in das dicht verwobene Netzwerk, das die Kunst des 20. Jahrhunderts bestimmte. Als »Dada-Max« stand Ernst in regem Austausch mit Tristan Tzara und Hans Arp und den Künstlern der Dada-Zentren Zürich und Berlin. In Paris begegnen wir dem surrealistischen Künstlerzirkel um André Breton und Paul Éluard und in den USA erleben wir Max Ernst in intensivem Austausch mit den Händlern und Sammlern der Neuen Welt.So eröffnen diese Einblicke in ein bewegtes Künstlerleben zugleich die Sicht auf ein ganzes Kunstjahrhundert.
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Das berühmte Gemälde “Blütenblätter und Garten der Nymphe Ancolie” ist das Prunkstück der Max-Ernst-Retrospektive im Basler Tinguely-Museum. Hier wird es vor den Augen der staunenden Besucher detailgenau restauriert. Die Auftragsarbeit von 1934 schmückte eine Wand in der Bar des Züricher Corso-Theaters. Als ihr Besitzer wechselte, drohte das Gemälde für immer zu verschwinden, wurde dann aber im letzten Augenblick gerettet…
ARTE | Kultur | Ausstellungen
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Der große Spieler
NZZ - Maria Becker
Max Ernsts fast vergessenes Wandgemälde «Pétales et jardin de la nymphe Ancolie» (1934) zierte während einiger Jahrzehnte das Ambiente der Zürcher Corso-Bar. Im Basler Museum Jean Tinguely steht das Bild nun als Gelenk zwischen Frühwerk und Spätwerk des Künstlers. …
«Loplop» nannte Max Ernst (1891–1976) dieses Vogelwesen, das seit den zwanziger Jahren durch seine Bilder geistert. Meist ist es halb versteckt, schaut um die Ecke oder hält mit zartem Schnabelgriff die Ränder des Blatts, auf dem sich das Hauptmotiv abspielt. Loplop ist ein kleiner Regisseur, der die Dinge auf der Bühne von Max Ernsts Bildern zu dirigieren scheint. Er zeigt an, was da auftritt: «Loplop présente . . .» All das krude und phantastische Arsenal auf diesen Bildern, deren Aufgebot nicht selten an das von Jahrmarktsbühnen erinnert.
Und wenn auch Loplop ein Vogelwesen ist, hat er doch immer ein wenig Ähnlichkeit mit dem Künstler selbst, dessen Profil mit den Jahren mehr und mehr dem eines verschmitzten Vogels gleicht. Max Ernst jedenfalls kann diese Ähnlichkeit nicht entgangen sein. Auf dem etwa 4 × 5 Meter grossen Wandbild aus der Zürcher Corso-Bar ist Loplop ebenfalls mit dabei, nur ist er noch nicht klar zu sehen.
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PUBLIKATION
Max Ernst
Retrospektive
zum 100. Geburtstag
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1999
Broschiert
388 Seiten
Die in 1999 von Werner Spies konzipierte “Retrospektive” zum 100. Geburtstag von Max Ernst versammelt über 250 Werke des Künstlers, die uns das Oeuvre in einer bisher nicht gezeigten Vollständigkeit und Großartigkeit vor Augen führt.
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Im Garten der Nymphe
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Christian Gampert
Das Tinguely-Museum in Basel zeigt Max Ernst als Poeten.
Wenn man die alten Dada-Provokationen wie das “mobile Herbarium” und den sich in der Bläue räkelnden Frauenleib der “Puberté proche” dann einmal abgeschritten hat, merkt man aber doch, dass die Zeitgeschichte, und das heißt: die heraufdräuende Nazizeit, ihre Spuren im Werk hinterlassen hat - in den fleischfressenden Pflanzen, dem bleichen Mond vor dunklem Gestrüpp, den Steinwüsten.
Werner Spies stellt diesen Aspekt durchaus in den Vordergrund:
“Aus den Gesprächen mit Max Ernst wurde mir immer wieder klar, wie stark er in seinem Werk der 30iger Jahre auf die politischen Umstände reagierte. Zum Beispiel diese Collagen aus den 30iger Jahren, diese wunderbaren Blätter zu ‘une semaine de bonté’, sind nach der Auskunft von Max Ernst auch entstanden als Gegenrede zum Diskurs der Nazis. Das sind Bilder, die vergleichbar sind mit Goyas ‘desastres de la guerra’ und ‘proverbios’.”
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Max Ernst. Im Garten der Nymphe Ancolie
| Museum Tinguely, Basel
| bis 27. Januar 2008




