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Stockhausen | Aus _ Klang
Dezember 7, 2007 | Comments Off
LP-Cover einer Audio-Veröffentlichung der Deutschen Grammophon
vom 4. Mai 1968 | Kurzwellen | eine Aufnahme von Radio Bremen
Karlheinz Stockhausen (filtering and positioning), Aloys Kontarsky (p), Johannes G. Fritsch (electronic va.), Harald Boje (electronium),
Alfred Alings & Rolf Gehlhaar (tamtam)
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | wikipedia
Der deutsche Komponist Karlheinz Stockhausen ist tot. Der weltbekannte Musiker gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Der 79-Jährige radikal innovative zeitgenössische Musiker Stockhausen wandte sich früh der seriellen Musik zu, einer Strömung der Neuen Musik, die die Zwölfton-Technik von Arnold Schönberg weiterentwickelte. Er machte mit Kompositionen elektronischer Musik auf sich aufmerksam und beeinflusste mehrere Musikergenerationen, bis hin zur aktuellen Electronica-Szene.
Stockhausen studierte von 1947 bis 1951 an der Musikhochschule Köln. Bei der Expo 1970, der Weltausstellung im japanischen Ōsaka, war er mit seinen futuristischen Kompositionen der Anziehungspunkt im deutschen Pavillon. 2001 erhielt er den inoffiziellen Nobelpreis für Musik, den Polar Music Prize.
VIDEO | Vortrag von Karlheinz Stockausen im Mai 1972
in Oxford über ‘ Vier Kriterien der Elektronischen Musik ‘
(Ausschnitt - english)
2005 vollendete Karlheinz Stockhausen seine 1977 begonnene Heptalogie LICHT. Mit seinem Lebenswerk hinterließ er ein religiöse Themen behandelndes, monumentales Opus. Die Opern bauen auf einer „Superformel“ (siehe Formelkomposition) auf, die drei Melodien zusammenfügen, welche die Hauptfiguren – Michael, Eva, Luzifer – charakterisieren. Ursprüngliche Idee des Zyklus: Den Wochentagen religiös-biologischen Sinn abseits von Konsum und Produktion zurückzugeben. Außergewöhnliche Einfälle bietet der Zyklus in Fülle – so werden vier Streicher in vier fliegende Hubschrauber gesetzt und spielen von dort ihre Musik. Zwei 35-minütige Stücke für Chor und Orchester werden simultan in zwei verschiedenen Räumen gespielt, der Hörer bekommt nur Ausschnitte davon zu hören.
VIDEO
| Karlheinz Stockhausen “Helicopter String Quartet”
Freigeist
Trotz seiner Bedeutung gilt Stockhausen als kontroverse Person. Seine zuweilen exzentrische Selbstdarstellung stand stark in der Kritik. So auch seine Bemerkung im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001:
„Das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos.“
Er führte dazu aus:
„Daß Menschen in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nicht träumen könnten, daß Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch für ein Konzert und dann sterben, stellen Sie sich das doch vor, was da passiert ist. Da sind also Leute, die sind so konzentriert für eine Aufführung und dann werden fünftausend Leute in die Auferstehung gejagt, in einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts als Komponisten. Manche Künstler versuchen doch auch über die Grenze des überhaupt Denkbaren und Möglichen zu gehen, damit wir wach werden, damit wir uns für eine andere Welt öffnen.“
VIDEO Feature | Interview ( english )
Karlheinz Stockhausen
infos auf wikipedia
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Denken und erfinden, fühlen und glauben
NZZ - Peter Hagmann
Karlheinz Stockhausen stand ganz im Zentrum der musikalischen Avantgarde. Ausgehend vom strengen Denken in Reihen, hat er massgebliche Beiträge geleistet zur Einführung der Elektronik in die Musik und zum Denken in der Kategorie des Raums. Sein Hauptwerk, die siebenteilige Oper «Licht», ist noch nicht zur Gänze uraufgeführt.
Und mit einer Kraft, die nicht zuletzt die weit verbreitete Aufbruchsenergie wie auch den Machbarkeitsglauben der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg spiegelt, stürzte sich Stockhausen in die Erkundung des musikalischen Terrains. Wo er hinblickte, entdeckte er Neues. Das serielle Denken führte zur Atomisierung der musikalischen Verläufe in einzelne Punkte, für die ein Werk wie die «Kontra-Punkte» für zehn Instrumente von 1953 steht. Zugleich versuchte Stockhausen, das Pointillistische durch die Bildung von Tongruppen wieder zu bändigen, wovon zum Beispiel die «Zeitmasse» für fünf Bläser (1956) zeugen. Viele Werke aus dieser Zeit, die in den ersten Jahren ihres Nachlebens als abstrakt erschienen, sind längst zu Klassikern geworden: die insgesamt elf Klavierstücke von 1952 bis 1956 etwa oder die «Gruppen für drei Orchester» von 1957 …
Das serielle Denken, das Durchorganisieren der Musik auf der Basis vorgefertigter Reihen, erschien jedoch bald als Sackgasse – nicht zuletzt unter dem Eindruck der Zufallskomposition, mit der John Cage ab 1954 in Europa für Wellenschlag sorgte. Stockhausen griff bald nach den verschiedensten Seiten aus, und immer wieder gelangen ihm dabei Entwürfe von sensationeller Wirkung. Offene Form nannte er das Prinzip, bei dem den Interpreten mehr Spielraum als gewöhnlich bleibt, so dass sich die einzelnen Wiedergaben einer Partitur deutlich voneinander unterscheiden. Die Unmöglichkeit, mit Musikern, die bekanntlich auch nur Menschen sind, jene Genauigkeit zu erreichen, welche die serielle Musik intendiert, aber auch die Freundschaft zu Heribert Eimert brachte ihn sodann zur elektronischen Musik, wo er mit dem «Gesang der Jünglinge» (1956) einen ersten Markstein setzte.
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Zurück im All
TAZ - Ralf Krämer
Schlüsselkompositionen der Neuen Musik wie “Gesang der Jünglinge” stammen von ihm. Er bereitete der modernen Popmusik den Weg, von der Band Can bis zu Techno. Ein Nachruf.
Zwischen 1955 und 1967 entstanden Werke wie “Gesang der Jünglinge”, “Kontakte” und “Hymnen”, in denen er von Stimmen, herkömmlichen Instrumenten und elektronischen Apparaten erzeugte Geräusche, Töne und Klänge als gleichberechtigtes Material verwendete und ohne die Begrenzungen klassischer Strukturen organisierte. Sein bis heute anhaltender Ruf wäre kein anderer, wenn er sich seit den späten 60ern nur noch als Hobbygärtner betätigt hätte (der er auch war).
Die elektronische Musik, die auch die Düsseldorfer Ralf Hütter und Florian Schneider in Stockhausens Konzerten hörten, bevor sie 1970 ihre Band Kraftwerk gründeten, ist indes die gleiche, die ihm in den 90er-Jahren auch den Titel “Papa Techno” eintrug, eine etwas niedliche Huldigung, die er geschmeichelt wahrnahm, auch wenn er diesen Sohn nie wirklich anerkannte. Zu penetrant war ihm die Periodizität der neuzeitlichen Elektroniker, deren Tanzkultur er akzeptierte, aber für sich ausklammerte. “Mich beginnt die Musik in dem Moment zu interessieren, wenn ich den Musiker experimentieren höre”, sagte er. Damit schloss er in erster Linie Unregelmäßigkeiten in Rhythmik und Tonhöhe ein und das Partyvolk eher aus.
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Den Eulen im Wald nicht nahe kommen
SPEX - Interview: Ralf Krämer, Markus Krämer | August 2002
Er gilt nicht nur als Pionier der elektronischen Musik, er war auch dieser Pionier. Seit den fünfziger Jahren war Stockhausen als Komponist tätig, mit seinen zahlreichen Werken der experimentellen und elektronischen Musik bereitete er den Weg für zahllose moderne Künstler wie Can, Amon Düül und Aphex Twin.

