Dez
16
Matthias Grünewald
Dezember 16, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer |
Bis zum 02. März 2008 widmet sich eine Doppelausstellung der Kunsthalle Karlsruhe ( Grünewald und seine Zeit ) und des Unterlindenmuseums in Colmar ( Blicke auf ein Meisterwerk ) dem Renaissance-Maler Matthias Grünewald.
Grünewalds religiöse Bilder waren in ihrer mystischen Symbolsprache noch dem Mittelalter verhaftet, doch seine expressiven realistischen Darstellungen waren eine Art malerische Revolution hin zur Renaissance. ( ARTE.TV )
Der französische Dichter Joris Karl Huysmans im Jahr 1905 über Grünewalds Kunst:
„Man begreift nun, warum Grünewalds Name nicht wie der Holbeins, Dürers und Cranachs auf den Bestellungs- und Zahlungslisten der Kaiser und Fürsten zu finden ist. Sein Christus der Aussätzigen hätte den höfischen Geschmack verletzt; er konnte nur von den Kranken, den Verzweifelten und den Mönchen, von den leidenden Gliedern Christi, verstanden werden.“
Während in Colmar der „Isenheimer Altar“ im Mittelpunkt steht, werden in Karlsruhe zwölf weitere Arbeiten des Meisters aus Aschaffenburg, Basel, Berlin, Coburg, Frankfurt am Main und Oxford zusammengeführt und Gemälden und Graphiken unter anderem von Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer, Hans Burgkmair, Hans Baldung Grien, Lucas Cranach d.Ä, Hans Holbein d.Ä, Hans Holbein d.J. und dem Meister H.L. aus internationalem Museums- und Privatbesitz gegenüberstellt.
Grünewald und seine Zeit
| Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
| bis 02. März 2008
Grünewald – Blicke auf ein Meisterwerk
| Unterlindenmuseum
| F – 68000 Colmar
| bis 02. März 2008
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KATALOG
| Grünewald und seine Zeit
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440 Seiten mit 170 farbigen
und 324 schwarzweißen Abb.,
24,5 x 30,5 cm,
Klappenbroschur
Katalog zur Großen Landesausstellung Baden-Württemberg der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe vom 8. Dezember 2007 bis 2. März 2008
Matthias Grünewald (1475-80 bis 1528), einer der faszinierendsten Künstler seiner Zeit, dessen Werk bis heute durch seine ergreifende Ausdruckskraft und die Intensität von Komposition und Kolorit überzeugt, steht im Zentrum der von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe ausgerichteten Großen Landesausstellung. Durch die Gegenüberstellung seiner Werke mit denen anderer führender Meister seiner Zeit wie z.B. Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer, Hans Burgkmair, Hans Baldung Grien, Lucas Cranach d.Ä. und Hans Holbeins d.Ä und d.J. in etwa 160 Beispielen aus eigenen Beständen und von internationalen Leihgebern eröffnen Ausstellung und Katalog ein Panorama der frühen deutschen Renaissancemalerei. Thematische Schwerpunkte bilden Grünewalds erschütternde Darstellungen der Passion Christi sowie die kunstvolle Technik der Grisaille. Ein weiterer Höhepunkt ist die Präsentation der bedeutenden Tauberbischofsheimer „Kreuztragung“, deren ursprünglich brillante Farbigkeit nach ersten Restaurierungsmaßnahmen wiederentdeckt werden kann.
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Die Supernova der Kunst
ZEIT online - Hans Joachim Müller
Wer war Mathias Grünewald? Karlsruhe und Colmar wollen das Geheimnis des Renaissancegenies lüften. Eine Jahrhundertausstellung.
Grünewald malt den Augenblick danach. Gerade ist etwas geschehen, was noch währt und doch schon zurückliegt, etwas Unaushaltbares, Unvordenkliches. Tod, unvorstellbarer Schmerz. Schieres Entsetzen, das ist es, was Grünewalds Figuren so eigentümlich losgebunden sein lässt, was sie so schwebend macht.
Theologisch war das ja immer eine Zumutung, den unglaublich toten Isenheimer Christus am Kreuz und den als Supernova verglühenden Auferstehenden zusammendenken zu sollen. Physiologisch gesehen, hat Grünewald gemalt, was noch nie zuvor gemalt worden ist. Dem Christus ist der Menschenschmerz gleichsam durch die gespreizten Fußzehen abgegangen, und nun steht der Schmerzstoff im Raum und erfüllt den Raum, der keiner mehr ist, der seine Grenzen verliert, der sich auflöst, Licht wird. Die Seele verlässt den Körper, hat man früher gesagt. Und wie anders sollte man ein solches Transzendenzereignis beschreiben? Grünewalds Auferstehender ist vielleicht der einzige Auferstehende der Bildgeschichte, dem alles fehlt zum nachösterlichen Imperator.
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Der letzte Schrei
TAGESSPIEGEL - Nicola Kuhn
Dieser Christus ist ein Alptraum an Wahrhaftigkeit: der Körper von Blessuren übersät, die in allen Blauschattierungen schimmern, das aschfahle Haupt mit dem zur Fratze verzerrten Gesicht tief auf die Brust gesunken, die Finger krampfhaft hochgereckt, die Nagelwunden in den schmerzverkrallten Füßen zu Kratern aufgerissen. Ein kaum erträglicher Anblick.
Trotzdem registriert man jedes Detail. Der Schock weicht der Neugierde, auf die Befremden folgt. Wie kann man einen Gekreuzigten mit so viel Realitätssinn malen? Wie kann ein solches Leiden zur „Compassio“, zur Nachfolge Christi animieren?
Tatsächlich ist ein Werk von Matthias Grünewald wie jener 1525 gemalte Tauberbischofsheimer Altar für uns Heutige eine aufregende Zumutung mit seinem Verismus, seiner Überwältigungskraft. Und war es wohl auch damals schon, vor fast 500 Jahren. Erstaunlich, dass der Maler in Vergessenheit geriet, obwohl seine Bilder dem Betrachter nicht mehr aus dem Sinn gehen, hat man sie nur einmal gesehen. Der Isenheimer Altar mit seinem Johannes dem Täufer, der spitzfingrig auf den Gekreuzigten zeigt, die gloriose Himmelfahrt auf der rückwärtigen Seite, bei der Jesus in eine orangerotgelbe Sonne hochjagt – diese Motive haben sich tief ins kollektive Bildergedächtnis eingegraben.
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Grünewald und seine Zeit
| Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
| bis 02. März 2008
Grünewald – Blicke auf ein Meisterwerk
| Unterlindenmuseum
| F – 68000 Colmar
| bis 02. März 2008
Dez
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Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973
Dezember 16, 2007 | Comments Off

Sigmar Polke: Original + Fälschung 5 (nach Thomas Gainsborough), 1973, MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, Sammlung Ströher |
KUNSTSCHAU Hamburg -
Jens Ullheimer
| PT Kunsthalle Tübingen |
Mit »Original + Fälschung« wird in Tübingen bei Stuttgart bis zum 24. Februar 2008 ein Schlüsselwerk Sigmar Polkes gezeigt. Die Werkgruppe entstand 1973 für eine Ausstellung im Westfälischen Kunstverein zu Münster. Für den damals 32jährigen Künstler, der seit Mitte der 1960er Jahre mit Galerieausstellungen und Aktivitäten an der Seite von Gerhard Richter und Konrad Lueg auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde es der »Durchbruch«.
Den Ausgangspunkt für Polkes frühes Meisterwerk bildet eine skurrile Sammlung zeichnerischer und fotografischer Vorlagen, die zumeist aus Zeitschriften entnommen sind. Neben Werbeanzeigen, Witzbildchen und Filmstandbildern findet sich dabei auch eine Interpol-Liste der meist gesuchten gestohlenen Gemälde alter Meister. Aus diesen Inspirationsquellen entnehmen Polke und sein Mitarbeiter Achim Duchow die Zitate ihres ebenso vielfältigen wie virtuosen Bilderkosmos. Zu den Variationen über Werke von Rembrandt, Rubens oder Toulouse-Lautrec gesellen sich Affen auf Motorrädern, bunt karierte Tanzkapellen, Tapeten im Flower-Power-Dekor und blumenberankte Tischdecken.
Sigmar Polkes Werkzyklus »Original + Fälschung« steht mitten in der explosiven Kunstentwicklung der 1960er und 1970er Jahre. Er verbindet den Zitatcharakter und die schillernde Bilderwelt der Pop Art mit der traditionellen Kunstgeschichte, jongliert mit alten Mythen der Malerei wie auch mit den neuen Motiven einer jugendbewegten, im Umbruch befindlichen Zeit. Die Frage nach »Original + Fälschung« wird im Rausch der Bildbausteine zugleich gestellt und auf den Kopf gestellt.
Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973
| Kunsthalle Tübingen
| bis 24. Februar 2008
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KATALOG
Sigmar Polke | Eine Retrospektive 2007
Das durch Experimentierfreude und Stilpluralismus gekennzeichnete Werk Sigmar Polkes kann hier anhand einer Vielzahl von Gemälden und mehr als hundert Arbeiten auf Papier von 1963 bis 2005 nachvollzogen werden.
Die Arbeiten Sigmar Polkes (geb. 1941) begeistern nach wie vor durch ihre Vielschichtigkeit und Gewitztheit, durch immer wieder neue, außergewöhnliche stilistische und formale Lösungen. Mit seinem zwischen Parodie und Provokationangesiedelten Werk hält Polke seit Langem eine Spitzenposition unter den meistbeachteten Künstlern weltweit.
Anhand der drei bedeutenden Polke-Sammlungen von Frieder Burda, Josef Froehlich und Reiner Speck unternimmt die Publikation eine Retrospektive. Sie präsentiert Gemälde und Arbeiten auf Papier sowohl aus den 1960er Jahre, als Polke zusammenmit Gerhard Richter und Konrad Lueg in ironischer Anlehnung an die sozialistische Staatskunst und in kritischer Auseinandersetzung mit der Pop Art den ¯Kapitalistischen Realismus® begründete, als auch spätere Arbeiten, bei denen er Bildthemen der Kunstgeschichte zitiert und durch Materialexperimente überrascht. Der Band beinhaltet zudem ein Gespräch des Herausgebers Götz Adriani mit den Sammlern.
Katalog zu den Ausstellungen: Museum Frieder Burda, Baden-Baden 3.2–13.5.2007 und Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien 22.6.–7.10.2007
Sigmar Polke
| Eine Retrospektive 2007
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Deutsch
2007. 256 Seiten,
194 Abb., davon 193 farbig
20,20 x 28,70 cm
gebunden mit Schutzumschlag
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Glitter, Glamour, Suchtstoffe aller Art
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Christian Gampert
Sigmar Polke hat schon immer gern Kunstgeschichte durcheinander gequirlt. Wer einen ganzen Gemälde-Zyklus “Original und Fälschung” nennt, der signalisiert sehr lautstark, dass er sich aus dem bereits vorhandenen Bildervorrat und Zitatenschatz zu bedienen weiß und ihn neu zu montieren gedenkt. So war die Situation 1973, als Polke für den Westfälischen Kunstverein Münster zunächst nur die zwölf meistgesuchten gestohlenen Kunstwerke dieser Erde paraphrasieren wollte.
Unter jedem Einzel-Thema des Zyklus hängt ein “Kommentar-Bild” mit Skizzen und Zeitungsausschnitten, und zwar so tief, dass der Besucher sich hinknien muss wie in der Kirche. Dort liest man dann sinnfreie Texte von Polkes Mitstreiter Achim Duchow oder vermischte Meldungen über Rentner, die den Führerschein wiederbekommen möchten.
Sigmar Polke “Original und Fälschung Ausstellungsplakat Kunsthalle Bonn 1974 Ausschnitt
Zwei in weißem Nebel, in Plakatfarbe und Spachtelmasse sich verlierende Bilder handeln von der Trunksucht und vom Marihuana-Rauchen, und das gibt doch recht unverblümt über den damaligen Produktionsprozess Auskunft: Unter der Anleitung von Polke waren damals diverse Künstler an diesen Werken beteiligt und im Jargon der Zeit könnte man sagen: Es war eine Kiffer-WG, die da Kunst machte und sich wahrscheinlich köstlich amüsierte, dass die Bilder tatsächlich gekauft wurden.
Sigmar Polke leistete sich den Luxus, die Welt nicht ernstzunehmen - und das mitten in jenen politikbewegten siebziger Jahren, als man Marxismus studierte und manche sogar Bomben warfen.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973
| Kunsthalle Tübingen
| bis 24. Februar 2008

