Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973

Sonntag, Dezember 16, 2007
By Peter Panter

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Sigmar Polke: Original + Fälschung 5 (nach Thomas Gainsborough), 1973, MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, Sammlung Ströher

KUNSTSCHAU Hamburg  – Jens Ullheimer
| PT Kunsthalle Tübingen 

Mit »Original + Fälschung« wird in Tübingen bei Stuttgart bis zum 24. Februar 2008 ein Schlüsselwerk Sigmar Polkes gezeigt. Die Werkgruppe entstand 1973 für eine Ausstellung im Westfälischen Kunstverein zu Münster. Für den damals 32jährigen Künstler, der seit Mitte der 1960er Jahre mit Galerieausstellungen und Aktivitäten an der Seite von Gerhard Richter und Konrad Lueg auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde es der »Durchbruch«.

Den Ausgangspunkt für Polkes frühes Meisterwerk bildet eine skurrile Sammlung zeichnerischer und fotografischer Vorlagen, die zumeist aus Zeitschriften entnommen sind. Neben Werbeanzeigen, Witzbildchen und Filmstandbildern findet sich dabei auch eine Interpol-Liste der meist gesuchten gestohlenen Gemälde alter Meister. Aus diesen Inspirationsquellen entnehmen Polke und sein Mitarbeiter Achim Duchow die Zitate ihres ebenso vielfältigen wie virtuosen Bilderkosmos. Zu den Variationen über Werke von Rembrandt, Rubens oder Toulouse-Lautrec gesellen sich Affen auf Motorrädern, bunt karierte Tanzkapellen, Tapeten im Flower-Power-Dekor und blumenberankte Tischdecken.

Sigmar Polkes Werkzyklus »Original + Fälschung« steht mitten in der explosiven Kunstentwicklung der 1960er und 1970er Jahre. Er verbindet den Zitatcharakter und die schillernde Bilderwelt der Pop Art mit der traditionellen Kunstgeschichte, jongliert mit alten Mythen der Malerei wie auch mit den neuen Motiven einer jugendbewegten, im Umbruch befindlichen Zeit. Die Frage nach »Original + Fälschung« wird im Rausch der Bildbausteine zugleich gestellt und auf den Kopf gestellt.

Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973
| Kunsthalle Tübingen
| bis 24. Februar 2008

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KATALOG
Sigmar Polke | Eine Retrospektive 2007

Das durch Experimentierfreude und Stilpluralismus gekennzeichnete Werk Sigmar Polkes kann hier anhand einer Vielzahl von Gemälden und mehr als hundert Arbeiten auf Papier von 1963 bis 2005 nachvollzogen werden.

Die Arbeiten Sigmar Polkes (geb. 1941) begeistern nach wie vor durch ihre Vielschichtigkeit und Gewitztheit, durch immer wieder neue, außergewöhnliche stilistische und formale Lösungen. Mit seinem zwischen Parodie und Provokationangesiedelten Werk hält Polke seit Langem eine Spitzenposition unter den meistbeachteten Künstlern weltweit.

Anhand der drei bedeutenden Polke-Sammlungen von Frieder Burda, Josef Froehlich und Reiner Speck unternimmt die Publikation eine Retrospektive. Sie präsentiert Gemälde und Arbeiten auf Papier sowohl aus den 1960er Jahre, als Polke zusammenmit Gerhard Richter und Konrad Lueg in ironischer Anlehnung an die sozialistische Staatskunst und in kritischer Auseinandersetzung mit der Pop Art den ¯Kapitalistischen Realismus® begründete, als auch spätere Arbeiten, bei denen er Bildthemen der Kunstgeschichte zitiert und durch Materialexperimente überrascht. Der Band beinhaltet zudem ein Gespräch des Herausgebers Götz Adriani mit den Sammlern.

Katalog zu den Ausstellungen: Museum Frieder Burda, Baden-Baden 3.2–13.5.2007 und Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien 22.6.–7.10.2007

polke-retrospektive-2007-katalog | kaufen bei amazonSigmar Polke
| Eine Retrospektive 2007

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Deutsch
2007. 256 Seiten,
194 Abb., davon 193 farbig
20,20 x 28,70 cm
gebunden mit Schutzumschlag

Sigmar Polke
| >> Kataloge & Publikationen

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Glitter, Glamour, Suchtstoffe aller Art

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Christian Gampert

Sigmar Polke hat schon immer gern Kunstgeschichte durcheinander gequirlt. Wer einen ganzen Gemälde-Zyklus “Original und Fälschung” nennt, der signalisiert sehr lautstark, dass er sich aus dem bereits vorhandenen Bildervorrat und Zitatenschatz zu bedienen weiß und ihn neu zu montieren gedenkt. So war die Situation 1973, als Polke für den Westfälischen Kunstverein Münster zunächst nur die zwölf meistgesuchten gestohlenen Kunstwerke dieser Erde paraphrasieren wollte.

Unter jedem Einzel-Thema des Zyklus hängt ein “Kommentar-Bild” mit Skizzen und Zeitungsausschnitten, und zwar so tief, dass der Besucher sich hinknien muss wie in der Kirche. Dort liest man dann sinnfreie Texte von Polkes Mitstreiter Achim Duchow oder vermischte Meldungen über Rentner, die den Führerschein wiederbekommen möchten.

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Sigmar Polke “Original und Fälschung Ausstellungsplakat Kunsthalle Bonn 1974 Ausschnitt

Zwei in weißem Nebel, in Plakatfarbe und Spachtelmasse sich verlierende Bilder handeln von der Trunksucht und vom Marihuana-Rauchen, und das gibt doch recht unverblümt über den damaligen Produktionsprozess Auskunft: Unter der Anleitung von Polke waren damals diverse Künstler an diesen Werken beteiligt und im Jargon der Zeit könnte man sagen: Es war eine Kiffer-WG, die da Kunst machte und sich wahrscheinlich köstlich amüsierte, dass die Bilder tatsächlich gekauft wurden.

Sigmar Polke leistete sich den Luxus, die Welt nicht ernstzunehmen – und das mitten in jenen politikbewegten siebziger Jahren, als man Marxismus studierte und manche sogar Bomben warfen. 

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Sigmar Polke | Original + Fälschung 1973
| Kunsthalle Tübingen
| bis 24. Februar 2008

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