Dez
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YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten
Dezember 17, 2007 |
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer
| PT ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe |
User dominiert, user redigiert, user orientiert, user kuratiert, user generiert, user zentriert ist die Ausstellung YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten.
Bild oben:
ZKM_YOUniverse in Second Life. Screenshot [Avatare]
Der Karlsruher Kreis: (v.l.n.r)
Boris Groys_Oh, Peter Weibel_Oh
Beat Wyss_Boa,
Peter Sloterdijk_Voom und Wolfgang Rihm_Voom
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Mit der bis 06. Januar 2009 laufenden Ausstellung widmet sich das Zentrum für Kunst und Medientechnologie anlässlich seines Jubiläums »10 Jahre ZKM im Hallenbau A« den Auswirkungen der netzbasierten, globalen Kreation auf Kunst und Gesellschaft.
Im Rahmen seiner Sammlung interaktiver Kunst, der größten weltweit, präsentierte das ZKM | Medienmuseum bereits in den vergangenen Jahren die wichtigsten Wegbereiter und Strömungen partizipativer Kunst des 20. Jahrhunderts: Op-Art, kinetische und kybernetische Kunst, Arte Pro-grammata, Konzeptkunst, Fluxus und Happening, interaktive computergestützte Installationen und virtuelle Umgebungen. BetrachterInnen aktivierten Kunstwerke über Handlungsanweisungen und veränderbare Objekte. So nahmen und nehmen sie bis heute Teil an der Konstruktion des Werkes.
Im Internet bieten Portale wie “flickr”, “youtube”, “myspace”, virtuelle Welten wie “secondlife” oder Blogs nun einen neu strukturierten Raum für die kreativen Äußerungen von Millionen von Menschen. Kreativität ist nicht länger das Monopol des Künstlers. Der Benutzer liefert oder generiert selbst den Inhalt oder stellt ihn zusammen. Er wird selbst zum Produzenten und Programmgestalter und damit zum Konkurrenten von Fernsehen, Radio und Zeitungen, den historischen Monopolmedien. Die Teilnahme des Publikums formt sich neu zur Emanzipation des Konsumenten.
Diese Transformationen betreffen nicht nur die globalen Weiten des Internet, sondern auch das Museum. Es reagiert auf die veränderten kulturellen und sozialen Verhaltensweisen und unterstützt jene Tendenzen, die sich im Geiste der Aufklärung für Demokratie und die Idee des Zugangs zur Bildung für Alle einsetzen. Die in der Ausstellung präsentierten, neuen Installationen übertragen das im Internet entwickelte Potenzial der Mitgestaltung durch den Benutzer in einen künstlerischen Kontext und ermöglichen den BesucherInnen, sich zu emanzipieren. Sie können als KünstlerInnen, KuratorInnen und ProduzentInnen agieren. Die AusstellungsbesucherInnen stehen als Nutzer, als emanzipierte Konsumenten im Zentrum.
ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe
| YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten
| bis 06. Januar 2009
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Zehn Jahre Zentrum für Kunst und Medientechnologie
Anika von Greve-Dierfeld, dpa
Die britische Zeitung The Independent listete das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) 2005 unter den 50 besten Museen Europas auf Platz drei. Vor dem Louvre in Paris. In 2007 feiert das ZKM in Karlsruhe offiziell den zehnten Jahrestags seines Bestehens in den Räumen einer ehemaligen Munitionsfabrik.
In seinem eingegliederten Museum für Neue Kunst (MNK) verfügt das ZKM inzwischen nicht nur über einen beachtlichen Bestand von rund 14.000 Objekten und Gemälden moderner Kunst. Mit einem Pool aus acht Sammlungen – dem laut Peter Weibel größten Sammlerverbund in Baden-Württemberg – ist dort die Geschichte der Kunst nach 1945 “lückenlos darstellbar”. Das ZKM genießt inzwischen aber auch und vor allem einen internationalen Ruf als Begegnungs- und Aufführungsort sowie als Forschungszentrum für neue Medien, Informationstechnologie und Medienkunst.
“Wir sind weiter als der neueste Stand”, sagt Weibel und setzt noch eins drauf: “Das ZKM ist das technisch avancierteste Museum der Welt.”
“Interaktiv total” ist Weibels Vorstellung von der Ausstellung, dem Museum, dem Künstler und dem Museumsbesucher der Zukunft. Das ZKM soll zu einem Riesenportal für Kunst werden, in das jeder einspeisen kann, was er will. “Einen Teil würde ich kuratieren”, sagt er. Der andere Teil stünde unbewertet zur Debatte.
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Peter Weibel
| “Polizei lügt”
| Wien 1971
| AktionsDokuFoto
User Art _ Nutzerkunst
TELEPOLIS - Peter Weibel
Peter Weibel ist Direktor des ZKM und Kurator der Ausstellung, deren Konzept und kunsthistorischen Hintergrund er in seinem Text vorstellt.
Im 19. Jahrhundert ist das 20. Jahrhundert imaginiert worden als Technologie der Mobilisierung und Personalisierung. Mit PC und Handy etc. sind diese Phantasien eingetreten. Diese Technologien haben aber auch die Kunst verändert. Die Geschichte der Betrachter von Kunst und der Besucher von Museen hat im 20. Jahrhundert neue Akzente erhalten.
Nach 1945 hat in der Neuen Musik und in der bildenden Kunst die Partizipation des Publikums als Teil des Kunstwerkes eingesetzt. Die Medienkunst hat die Teilnahme des Betrachters am Entstehen des Kunstwerkes als Interaktivität zwischen Betrachter und Kunstwerk, im Sinne einer wechselseitigen Beeinflussung, etabliert (im 1. Stock des ZKM | Medienmuseums kann man diese Entwicklung nachvollziehen).
Ein Beispiel für das Ersetzen des Kunstobjektes durch Handlungen und Handlungsanweisungen in der Aktionskunst …
Yoko Ono begann 1961 mit ihren Performances als Anweisungen an das Publikum. In Cut Piece forderte sie das Publikum auf, auf die Bühne zu kommen und ihr die Kleider abzuschneiden. Sie verwandelte die Kunst der Gebrauchsanweisung für Gegenstände in die Kunst der Anweisung für Menschen.
VIDEO | Yoko Ono | “Cut Piece”
| Performance in der Carnegie Hall London 1965
Im 21. Jahrhundert erzeugt nun der Betrachter durch die Möglichkeiten des Internets auch die Inhalte der Kunstwerke, die untereinander ausgetauscht und im Netz frei verteilt werden können. Der Betrachter wird zum Nutzer/User. Die Ausstellung YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten zeigt in den nächsten ein bis zwei Jahren mit wechselnden Kunstwerken und Positionen erstmals Konturen dieser neuen Nutzerkunst.
TELEPOLIS - Text von Peter Weibel lesen
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YOU_ser Art | Benutzerkunst oder Kunstbenutzer?
TELEPOLIS - Robert Hauser
Das ZKM präsentiert seit dem 21.10.2007 eine neue Ausstellung mit dem hippen Titel YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten. Das klingt erst einmal spannend: Ich bin Konsument, ich bin Nutzer, ich bin Web 2.0-tauglich, ich fühle mich angesprochen. Und wie man es sich nicht schöner hätte denken können, ist man sofort nach Eintritt in die ehemaligen Fabrikhallen des ZKM umgeben von Technik.
Gleich am Eingang zur Ausstellung wird jeder, der die Ausstellung betritt, mit einem kräftigen Paukenschlag begrüßt. Damit man sicher sein kann, dass dieser Begrüßungspaukenschlag wirklich einem selbst gilt, erscheint wie durch Zauberhand das eigene Konterfei auf der Pauke. Das Kunstwerk, so lese ich, heißt deshalb auch bezeichnenderweise “Greetings”(Stephan von Huene). Noch keine drei Sekunden sind vergangen, seit die nette Frau am Eingang die Karte abgerissen hat, und schon bin ich mittendrin im Kunstwerk, statt wie so oft nur dabei. Das lässt hoffen.
Während ich mir weiter die Ausstellung anschaue, wird mir eines immer bewusster: Ich als Kunstbetrachter werde zwar zum Mitgestalter der Kunst, jedoch nicht im Sinne eines Web 2.0, in dem ich mich selbst verwirkliche, sondern ich bin lediglich – und das scheint mir ein durchgängiges Prinzip im Konzept der Ausstellung zu sein – irgendwie Teil der Kunst. Mein Handeln kann zwar das Kunstwerk beeinflussen, jedoch in einer vom Künstler vorher definierten und von mir als Nutzer selten zu durchschauenden Art und Weise. So kann ich als Kunst-Nutzer z. B. Stichwörter in eine Suchmaschine eingeben, aber der Output wird von den vom Künstler hinterlegten Suchroutinen und anderen Mechanismen bestimmt, und hat am Ende semantisch nichts mehr mit den von mir eingegebenen Stichwörtern gemein. Aktion und Reaktion ergeben keinen richtigen Sinn, sondern dienen nur dem Kunstwerk. Statt Nutzer zu sein, wird der YOU_ser zum benutzten Benutzer. Am Ende dieser Überlegungen angelangt, fühle ich mich irgendwie instrumentalisiert.
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Wozu braucht Internetkunst noch Museen, Herr Weibel?
NEUE GEGENWART - Magazin für Medienjournalismus | Ausgabe 52 | Kunstsommer
Björn Brückerhoff hat mit Peter Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, über die Veränderung der Kunstwahrnehmung, das Verschwinden des Künstlers und über die Medienkunst der Zukunft gesprochen.
Inwiefern spielt es für die Rezeption von Kunst eine Rolle, dass bei Netzwerk-Kunstwerken die Person des Künstlers irrelevant wird?
Peter Weibel: Der Künstler, wie wir ihn heute kennen, war ohnehin nur eine theoretische Fehlkonstruktion des Bürgertums des 19. Jahrhunderts, ein Spiegelbild und Idealbild des „freien“ Unternehmertums, deswegen sprach man auch missverständlich von den „freien Künsten“.
Jetzt zeigt sich, dass der Künstler abhängig ist und die Kunst unfrei oder vom Staat und der Industrie alimentiert. Wirklich frei ist nur der Ohnmächtige, der nichts zu verlieren hat, also der Amateur, der geringste der Brüder, er nimmt die Stelle des Künstlers ein.
Neue Gegenwart: Wie wichtig ist es für die Wahrnehmung von Web-Projekten als Internet-Kunst, ob das Veröffentlichte als Kunst bezeichnet wird?
Peter Weibel: Die Beobachtung (der Zeitungen etc.) der Beobachtung (des Internet) schafft nur parallele Öffentlichkeiten, keine Hierarchie. Es ist wichtig für die Zeitungen im Netz beobachtet zu werden und es ist wichtig für das Netz in den Zeitungen beobachtet zu werden.
NEUE GEGENWART - Interview lesen
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ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe
| YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten
| bis 06. Januar 2009

