Jan
17
Jannis Kounellis | Retrospektive
Januar 17, 2008 |
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Neue Nationalgalerie Berlin |
Bis zum 24. Februar 2008 wird in der Berliner Neuen Nationalgalerie eine Installation von Jannis Kounellis gezeigt.
Kounellis hat in die obere Halle der Neuen Nationalgalerie ein Labyrinth aus rund 160 Stahlelementen gebaut, das im Dialog mit der klassischen Architektur Mies van der Rohes steht. Gegen die starre Halle hat er eine dynamische, spitzwinklige, mit Kohle bekrönte Struktur gesetzt und vor die Glaswände der Halle große Wandarbeiten gestellt. Sie verschließen - zumindest teilweise - den Blick nach außen und betonen so den Eindruck der Abgeschlossenheit des Labyrinths.
Mit der formalen Entscheidung knüpft er an das mythische Labyrinth des Königs Minos von Kreta an, während die Materialien und die Formen das Labyrinth als Kunstwerk des 20. Jahrhunderts ausweisen. Hier sind der Kubismus und der russische Konstruktivismus ebenso zu nennen wie die von Kounellis und Mario Merz gemeinsam begründete Arte povera.
Im Labyrinth selbst finden sich rund 20 Arbeiten von Kounellis, die unterschiedliche Facetten seines Werkes beleuchten.
Jannis Kounellis
Neue Nationalgalerie, Berlin
| bis 24. Februar 2008
Infos & Installationsansichten
Jannis Kounellis
| infos auf wikipedia
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KATALOG
Jannis Kounellis
Deutsch/Englisch
ca. 240 Seiten,
ca. 172 Abb.,
davon ca. 12 farbig,
ca. 160 in Duplex,
28 x 28 cm, gebunden
Kounellis,
der 1936 in Piräus geboren wurde und seit Mitte der 1950er-Jahre in Rom lebt, zählt zu den Gründern der Arte povera, die mit armen und erst einmal kunstfernen Materialien wie Sackleinen, Kohle, Wolle, Kaffee und Gas u. a. Installationen schaffen. Diese werden vom Künstler als ¯Bilder® konzipiert, in denen er mit Hilfe der ungewöhnlichen Materialien die verborgenen Kräfte archaischer Welten zur Darstellung bringt.
Diese Publikation begleitet die jüngste Arbeit des griechisch-italienischen Künstlers Jannis Kounellis, der in der Neuen Nationalgalerie Berlin eine facettenreiche Installation unter dem Titel Labyrinth eingerichtet hat. In die offene, tendenziell endlose Halle setzt Kounellis ein aus Metallplatten bestehendes und nach außen geschlossenes Labyrinth. In den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Räumen begegnen wir wie auf einer Lebensreise Werken aus allen Schaffensphasen des Künstlers.
Ausstellung: Neue Nationalgalerie Berlin, 8.11.2007-24.2.2008
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Arme Kunst
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Seit etwa zehn Jahren hat es den Anschein, als beginne der heute 71-jährige Bilanz zu ziehen über sein Lebenswerk. Natürlich mythologisch, aber auch ironisch, augenzwinkernd, wie man so sagt, was aber gar nicht so leicht ist im gnadenlos-strengen Stahl- und Glas-Pavillon der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe in Berlin.
Ähnlich wie Jörg Immendorff vor einem Jahr in gleicher Halle darf auch Kounellis sich nun mit einer Art selbstreferenziellem Museum im Museum verewigen. Das hat er zuvor auch schon in Paris und Rom getan und diesem “Museum seiner selbst” dabei die Form eines stählernen Labyrinths gegeben, das verwirrend genug ist, um davor Schilder aufzustellen, das Eltern davor warnt, ihre Kinder allein hineinzulassen. Es könnte kaum eine passendere Metapher für die Beschreibung der “Arte povera” geben als so ein Labyrinth.
Der Pollock-Verehrer Jannis Kounellis ist ein leidenschaftlicher Verächter des Rationalismus und auch des Terrors, der in seinem Namen ausgeübt wird, von der römischen Militärherrschaft bis zur französischen Revolution. In Berlin dürfte einem die preußische Tradition des Rationalismus mit all ihren militaristischen Nachahmern bestens in Erinnerung sein. Die vier großen Messer gleich am Eingang weisen darauf hin, was gemeint ist.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Die Überwindung der Schwerkraft
TAGESSPIEGEL online - Nicola Kuhn
Stahl, Kohle, Blei: Jannis Kounellis verwandelt den Mies van der Rohe-Bau der Neuen Nationalgalerie Berlin in ein Labyrinth.
Die 2,35 Meter hohen Labyrinthwände wirken unter der luftigen Decke der Neuen Nationalgalerie keineswegs erdrückend, sondern wie ein ausbalancierter Kontrapost. Und die knapp dreißig, zum Teil monumentalen Stücke erscheinen geradezu sparsam platziert. Der Besucher bewegt sich erstaunlich leichtfüßig von Werk zu Werk, obwohl ihn das reine Gewicht und die Tristesse der Farben von Rostbraun, Stahlgrau und Kohleschwarz – hinterfangen vom Berliner Novemberhimmel – melancholische stimmen müssten.
Kounellis ist längst ein Klassiker, der das von ihm entwickelte Setting meisterlich orchestriert. Im Gegensatz zu Bildhauerkollegen wie Günther Uecker oder Rebecca Horn, die in ihrem Alterswerk plötzlich zu opernhaften Requisiteuren werden, inszeniert er mit vollendeter Eleganz ein Bühnenstück. Wohnt schon dem einzelnen Werk Theatralik inne, so entwickelt sich aus dem Zusammenspiel der Objekte eine ganze Partitur. Die Chronologie spielt keine Rolle; Kounellis unternimmt seine Lebenskunstreise im offenen Kontinuum der Zeit.
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Jannis Kounellis
Neue Nationalgalerie, Berlin
| bis 24. Februar 2008
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