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EMILIO VEDOVA 1919 - 2006
Januar 29, 2008 |
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Berlinische Galerie |
“Addio Vedova, Künstler der Rebellion“ – so verabschiedete La Repubblica Emilio Vedova im Herbst 2006. Gut ein Jahr nach dem Tod des Künstlers würdigt die Berlinische Galerie den Hauptvertreter des italienischen abstrakten Expressionismus mit der ersten umfassenden Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung - ergänzt durch mehrere dokumentarische Filme zum Gesamtwerk Vedovas - ist bis zum 20. April 2008 zu sehen.
Vedova war seit 1948 Stammgast auf der Venedig-Biennale, 1997 wurde er mit dem Goldenen Löwen für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Neben Venedig fühlte er sich zeitlebens Berlin eng verbunden, wo er 1993 zum Mitglied der Akademie der Künste ernannt wurde.
Von Ende 1963 bis Mitte 1965 lebte und arbeitete er in der damals geteilten Stadt als „Artist in Residence“ im Rahmen eines Stipendiums der Ford Foundation. Vedova war fasziniert von den Gegensätzen der Stadt. Seit den 60er Jahren experimentierte Vedova mit der Erweiterung des klassischen Bildraumes. Es entstehen die so genannten Plurimi: Malerei und Collage auf mehrseitigen, beweglichen Holzelementen, die frei in den Raum gehängt oder gestellt werden.
Mit der hier entstandenen Arbeit Absurdes Berliner Tagebuch ´64 – eines seiner Hauptwerke – wurde der Künstler auf die documenta III eingeladen. 2002 schenkte Vedova diese monumentale Arbeit der Berlinischen Galerie. Es ist ein Herzstück seines Schaffens; in der Komplexität und Monumentalität gibt es bei Vedova kein vergleichbares Werk. Es atmet die große Tradition des weltoffenen Geistes in der Malerei der Lagunenstadt, ist aber zugleich dramatisch hinterfeuerte Antwort eines einzelnen auf die Existenzfragen seiner Zeit, die der Kalte Krieg mit der unausweichlichen, harten Realität der Teilung Berlins aufgeworfen hatte.
Das “Absurde Berliner Tagebuch ‘64″ ist jedoch von viel ausgreifenderer Brisanz; denn diese gewaltige, beinahe neun Meter hohe und auf fast 200 m² sich erstreckende Installation von sieben „Plurimi“ ist von dem unbändigen Willen des freien Geistes und der Toleranz getragen, der sich ein Vierteljahrhundert später mit dem Fall der Mauer für die Welt erfüllte.
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Die Ausstellung gibt mit rund 150 Arbeiten einen bisher in Deutschland einzigartigen Überblick, der Vedovas gesamtes Lebenswerk von den Jugendjahren bis zu seinem Tod umspannt.
EMILIO VEDOVA 1919 - 2006
| Berlinische Galerie
| bis 20. April 2008
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SPECIAL | BASELITZ | Hommage an Emilio Vedova
Die Venedig-Biennale ehrte im letzten Jahr den 2006 verstorbenen Künstler Emilio Vedova, der seit 1948 regelmäßig auf der Biennale vertreten war, mit einer Hommage im venezianischen Pavillon. Das Zentrum der Ausstellung bildeten sechs neue großformatige Gemälde von Georg Baselitz. Baselitz schuf die erstmals auf der Biennale präsentierten Bilder eigens als Hommage an den großen italienischen Maler.
Der Berlinischen Galerie ist es nun gelungen, die bereits an ausländische Sammler verkauften Arbeiten von Baselitz nach Berlin zu holen und im Rahmen der Vedova-Retrospektive erstmals in Deutschland zu zeigen.
| bis 20. April 2008
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Als Sankt Dada Einzug hielt
TAZ - Brigitte Werneburg
Einen Venezianer stellt man sich anders vor. Anders als diesen wunderlichen Waldschrat, diesen zwei Meter großen Hünen mit dem prächtigen Zottelbart. Und doch, dieser Riese tanzt, er ist voller Energie, voll Rhythmus, immer in Bewegung. Er nimmt die Welt in Besitz, und sei es nur, dass er ein Stück Metall vom Boden aufhebt oder einen Draht, den er verbiegt und verformt. Was immer er in die Hände bekommt, verwandelt er unweigerlich in ein von ihm geschaffenes Ding. Er ist also kein ungefährlicher Bursche.
Von November 1963 bis Mai 1965 experimentiert Vedova in Berlin weiter an den sogenannten Plurimi, doppelseitig bemalten Holzplatten, mit denen er die Malerei von der Wand reißt und mitten in den Raum hinein montiert …
… war nicht jede Arbeit, die er in dem von Albert Speer erbauten Breker-Atelier im Käuzchensteig schuf, ein pièce de résistance? Musste der Gedanke Vedova nicht beflügeln, dass mit seinen raumgreifenden, zusammengenagelten und geknoteten Bildinstallationen, seinen Materialcollagen, Sankt Dada Einzug in die unheiligen Hallen hielt? Und mit ihm der Abfall, der Dreck und die Gesellschaftskritik? Um ausgerechnet dort als das vielleicht venezianischste Erbe in Vedovas Kunst - verkörpert in seinem Selbstverständnis als durch und durch politischer Künstler - zu triumphieren?
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Der Berserker tanzt Walzer
TAGESSPIEGEL online - Christina Tilmann
Es ist der große Auftritt. Für Emilio Vedova, den Meister des abstrakten Expressionismus in Italien, der im Berlin der Jahre 1963 bis 1965 seine prägenden Eindrücke erhielt. Und für die Berlinische Galerie und ihr Haus in der Alten Jakobstraße, das noch nie so großzügig, so überzeugend, so monumental bespielt worden ist.
Die erste große Vedova-Ausstellung in Berlin: Das ist die Einlösung eines Versprechens – und ein Vermächtnis. 2002 hatte der italienische Maler sein Hauptwerk, das „Absurde Berliner Tagebuch ’64“, der Berlinischen Galerie geschenkt, wo es seit der Eröffnung des neuen Hauses im ehemaligen Glaslager in Kreuzberg einen Ehrenplatz hat. Einzige Bedingung: die Ausrichtung einer großen Ausstellung.
Eine „Hommage an Dada“ hat Vedova eine andere Berliner Arbeit genannt, und von der Dada-Technik der Kombination des Unzusammengehörigen hat er sich einiges abgeschaut. Hannah Höch, die Hausheilige der Berlinischen Galerie, war ihm in seiner Berliner Zeit wertvolle, wenn auch wesensmäßig völlig entgegengesetzte Gesprächspartnerin: Man stelle sich die Diskussionen zwischen der stillen, zurückgezogenen, zierlichen Dadaistin und dem venezianischen Berserker und Zweimetermann vor.
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EMILIO VEDOVA 1919 - 2006
| Berlinische Galerie
| bis 20. April 2008
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