gropiusbau-mutations-guetschow.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Haus am Waldsee |

Das Haus am Waldsee stellt bis zum 24. März 2008 die in Berlin lebende Fotografin Beate Gütschow (1970) mit mehr als 20 großformatigen Fotografien und Videos aus ihrem bisherigen Schaffen vor.

Idylle und Utopie sind die zentralen Begriffe der von 1993 bis 2000 in Hamburg bei Bernhard Blume und Wolfgang Tillmans ausgebildeten Künstlerin. In ihren digitalen Natur- und Stadtlandschaften reflektiert Gütschow Denk- und Kompositionsschemata, wie sie die Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelte: Natur wurde als höchst artifizielles Ereignis konstruiert.

In Analogie baut die Künstlerin ihre Bilder aus eigenen Fotografien, die sie digital collagiert. In ihren jüngeren Arbeiten entwickelt Gütschow menschenleere und pflanzenlose Stadtlandschaften. Den Wildwuchs seelenlos auswechselbarer Metropolenwüsten treibt sie soweit, dass der Betrachter den Ort nicht mehr orten kann. Die Ausstellung „ganz woanders“ schafft daher ein Bild der Zukunft, das die Hybris des Menschen als Schauer-Vision aus der Sicht einer präzise beobachtenden und überaus sorgfältig arbeitenden Fotokünstleringeradezu beschwörend vor Augen führt.

Gütschow setzte sich zunächst mit der Schnittstelle von Fotografie und Malerei in der Zeit vor der Fotografie und vor Caspar David Friedrich auseinander. Als Bilder noch ausschließlich im Atelier entstanden, bestand die Utopie von Landschaft in der Konstruktion und der Idealisierung, wie sie große Landschaftsmaler wie Claude Lorrain, John Constable, Nicolas Poussin, Jacob van Ruisdael, Claude Vernet oder Thomas Gainsborough formulierten. Erst nach Erfindung der Fotografie sowie der Einführung der Plein-Air-Malerei sollte sich dies im Laufe des 19. Jahrhunderts ändern.

Die Arbeiten der Ausstellung waren zuvor im Museum of Contemporary Photography in Chicago zu sehen und werden ab Ende April 2008 in der Kunsthalle Nürnberg gezeigt.

Beate Gütschow – ganz woanders
| Haus am Waldsee, Berlin – Ort internationaler Gegenwartskunst
| bis 24. März 2008

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Bottrop liegt bei Miami

TAGESSPIEGEL online - Jens Hinrichsen

Die Fotokünstlerin Beate Gütschow ist eine Meisterin der Illusionen. Ihre aktuellen Arbeiten greifen die gescheiterten Architektur-Utopien der 50er Jahre auf und lassen neue geklonte Welten entstehen.

Noch markanter inszeniert die Künstlerin absichtsvolle Brüche und Diskontinuitäten in der aktuellen schwarzweißen Städte-Serie. So ragt im Hintergrund des Beton-Tableaus „S#25“ (2008) zweimal dasselbe Minarett auf, was sich als hintersinniger Kommentar auf islamophobe Tendenzen lesen lässt. Gütschow klont hier, löscht oder glättet da, begeht erschreckend plausible Bausünden und zielt damit vor allem auf die gescheiterten Architektur-Utopien der Fünfziger- und Sechzigerjahre, die sie in düsteres, geradezu apokalyptisches Licht taucht.

Ob Kriegsgebiet oder Shoppingcenter, stets werden weit auseinander liegende Orte und Bauten miteinander verknüpft und dann die verräterischsten Spuren ihrer Provenienz getilgt. Bottrop liegt bei Miami. Zwischen Wüste und Suburbia liegt ein Streifen Meer mit Badegästen, Touristen schlendern ungerührt an Autowracks und ausgebrannten Bussen vorbei. Vorm Provinzparkhaus ist ein Hubschrauber abgestürzt. Einsam ragt ein seltsames Haus, halb Wohn-, halb Wachturm auf dem Asphalt empor, fast fensterlos, die Außentreppen laufen ins Leere. Stilistisch erinnert das Bild an den dokumentarischen Stil von Bernd und Hilla Becher. Dabei zielt Beate Gütschow exakt aufs Gegenteil, indem sie neue, problematisch zugespitzte Wirklichkeiten baut.

TAGESSPIEGEL - Artikel lesen

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VIDEO | Wir bauen eine neue Stadt 1981
PALAIS SCHAUMBURG
Holger Hiller, Guitar, Vocals | Thomas Fehlmann, Synthesizer, Trumpet
Timo Blunck, Bass | Ralf Hertwig, Drums

YouTube Preview Image

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Die Zukunft, ein Traum

TAZ - Julia Gwendolyn Schneider

Ganz einfach sieht es aus, wie Beate Gütschow städtische Wirklichkeit in Bilder gescheiterter Utopien verwandelt. Aber sie sind aufwendig aus Fotos zusammengesampelt. Das Haus am Waldsee zeigt mit der Ausstellung “Ganz woanders” zwei ihrer Serien.

Gütschow unternahm den Schritt zur digitalen Fotografie noch als Studentin Mitte der Neunzigerjahre in offener Opposition zur damals alles überragenden Dokumentarfotografie der Düsseldorfer “Becher-Schule”. Ihre Form der Realitätsbefragung galt der Brüchigkeit und stand damit im Gegensatz zu der Vorgängergeneration von Andreas Gursky, Thomas Ruff und Thomas Struth. Mithilfe digitaler Montagetechniken setzt die Künstlerin vor das Authentische und Dokumentarische der schwarz-weißen Fotografie selbstbewusst ihre eigenen Interpretationen und Bilderfindungen, die scheinbar genauso real wirken. Überwiegend ertappt man sich aber selbst dabei, wie man zunehmend in die Stadtlandschaften hineinrutscht. Ihre Sogwirkung erlangen Gütschows Fotografien zuletzt auch durch die Wahl übergroßer Formate.

In ihrer Eigenschaft, sich unseren Fixierungsversuchen zu entziehen, beeinflussen Gütschows Fotografien das gewohnte Verständnis von Raum und Zeit. Sie untergraben unser inneres Orientierungssystem und verwischen die Grenze zwischen Realität und Fiktion. Ihre Bilder, für die es kein Original mehr gibt, obwohl wir doch ständig versuchen, sie auf ein solches zurückzuführen, machen deutlich, dass wir uns zwar bereits im digitalen Zeitalter befinden, aber immer noch analog denken und somit “ganz woanders” sind.

TAZ - Artikel lesen

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Ein Ort, nirgends

Artnet - Eric Aichinger

Wie baue ich mir eine Stadt? Und zweitens: Wie reiße ich sie wieder ein? Ihre Antwort liegt im Detail. Sie schält konkrete Architekturversatzstücke aus ihrem eigentlichen Kontext heraus und verschachtelt sie zu einer neuen Einheit, so dass deren gegenständliche Unwirklichkeit das Ende unserer Wirklichkeit anzeigt. Die Bauten bergen nichts Eigenes in sich. Draußen, wenn überhaupt, verlieren sich Stadtstreicher – Touristen und anders Verlorene – in einer vegetationslosen Zone.

Gütschow verhandelt Stadt als Waschbeton gewordene urbane Utopie der 1960er und 1970er, die unter Becher-grauem Streulicht vor sich hin bröckelt. Auch ihr geht es um den typologischen Vergleich. Allerdings mehr um die ans Tageslicht kommenden Haltungen, die Skelette, als um den Überbau. Ihre Konstruktionen erlauben nicht nur, sie fordern geradezu das Wiedererkennen (ist das nicht Sarajewo…?) der sachlichen Fiktion heraus, wie sie uns in den journalistischen Dokumentationen überall geboten wird. Was also hinterlässt erkennbare Spuren in der Organisation des Bildes? In LS herrscht die Stille vor dem gedanklichen Beschuss, über S hat sich das Schweigen danach gelegt. Und dann kommt der Friedhof.

Artnet - Artikel lesen

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Beate Gütschow – ganz woanders
| Haus am Waldsee, Berlin |
| Ort internationaler Gegenwartskunst
| bis 24. März 2008

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