Mark Rothko | Retrospektive

Sonntag, Februar 24, 2008
By Peter Panter

mark-rothko.jpgKUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer
| PT Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung |

Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München zeigt bis zum 27. April 2008 eine großangelegte Retrospektive von Mark Rothko, einem der bedeutendsten amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Sein Gesamtwerk wird mit ( vielen bisher nicht öffentlich gezeigten Bildern ) über 100 Gemälden und Papierarbeiten dem deutschen Publikum umfassend präsentiert.

Danach ist die Ausstellung in veränderter Form vom 16. Mai bis zum 14. September 2008 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

Bekannt sind seine meist großformatigen Gemälde mit horizontal geschichteten Farbflächen. Solche meditativen Abstraktionen gelten heute als Synonyme für den Abstrakten Expressionismus. Rothko hat sich jedoch zeitlebens dagegen gewehrt, als Maler abstrakter Bilder vereinnahmt zu werden.

Marcus Rothkowitz | Mark Rothko

1903 als Marcus Rothkowitz in Russland geboren, kommt er als Zehnjähriger mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. Nach Studien in Yale und an der New School of Design in New York, beginnt er ab 1930 als Künstler zu arbeiten. Ganz allmählich tastet er sich von figurativen Anfängen über den Surrealismus zu reinen Farbkonstellationen heran. Man erkennt in seinen frühen städtischen Szenen bereits Experimente mit formalen Reduktionen und es wird deutlich, wie sich seine surreal-biomorphen Formen zu immer kompakteren Farbwolken, so genannten „multiforms“ bündeln. Diese markieren Ende der 1940er Jahre den Übergang zu seinem genuinen Bildschema, den sich überlagernden Farbschleiern, die durch das Durchscheinen der Schichten zu räumlicher Wirkung gebracht werden. Wenn auch von allem Abbildlichen befreit, verbindet der Künstler seine Bilder weiter mit inhaltlichen Vorstellungen.

Auch vollkommen ungegenständliche Gemälde will er daher stets als etwas Konkretes verstanden wissen. Seine aus dem Rechteck entwickelten Formgefüge sorgen durch ihre Proportionen zueinander und die Zusammenstellungen ihrer Farben für einen von jedem Betrachter individuell erfahrenen Bildausdruck, den der Künstler als Bedeutungsgehalt versteht.

Die als harmonisch oder spannungsgeladen, leuchtend oder düster, dominant oder gleichgewichtig empfundenen Farbensembles von Mark Rothko sind gleichzeitig Auslöser und künstlerischer Reflex psychischer Stimmungswerte. Das Schwarz in seiner Farbskala steht für die Leere und das Nichts. Die in seinem letzten Lebensjahrzehnt entstehenden „Blackform“- und „Black on Gray“-Paintings setzen eine radikale Zäsur und stehen auch für Verweigerung. Eine zu offensichtliche Schönheit wird zugunsten ikonischer Strenge zurückgenommen. Schwärze steht deshalb weniger für Depression und Krankheit, als für eine maximale Leistung des Betrachters, der so unausweichlich mit der elementaren Tragik dieser letzten Werke konfrontiert wird. Es ist deshalb wohl nicht falsch, diese in ihrer unausweichlichen Konsequenz als letzte geschlossene Bildserie zu verstehen und sie als eine Art Vermächtnis vor dem Freitod von 1970 zu lesen.

Mark Rothko | Retrospektive
| Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München
| bis 27. April 2008

Danach ist die Ausstellung in veränderter Form
vom 16. Mai bis zum 14. September 2008 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.
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Rothko | Retrospektive 

| 220 Seiten,
| 88 Tafeln in Farbe
| 16 in s-w,
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| 28 x 28 cm.
| Gebunden.

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Das Katalogbuch zu der großangelegten Retrospektive macht diese Gefühlsskala mit Farbtafeln von subtiler und aufwendig produzierter Qualität erfahrbar und ermöglicht, durch Beiträge spezialisierter Autoren, den Maler Rothko neu verstehen.

Mark Rothko (1903–1970) gilt als ein Meister des abstrakten Expressionismus. Die in München und Hamburg gezeigte Retrospektive stellt sein Gesamtœuvre vor und lässt so die Entwicklung zu den Schlüsselwerken der Moderne in höchster Intensität und mit vielen bisher nicht öffentlich gezeigten Bildern erfahrbar werden.

Mark Rothko hat sich zeitlebens dagegen gewehrt, als Maler abstrakter Bilder vereinnahmt zu werden. Tatsächlich hat der aus Russland stammende Künstler einen Werdegang gehabt, der das allmähliche Herantasten an die verschiedenen Konzepte seiner Farbkonstellationen stets mit inhaltlichen Vorstellungen verband.

Sein figürlich angelegtes Frühwerk experimentierte schon mit formalen Reduktionen, und seine Bilder befreiten sich in den 1930er Jahren immer mehr von der Abbildhaftigkeit. Dennoch wollte Rothko selbst vollkommen ungegenständliche Gemälde als etwas Konkretes im Sinne der Lebenswirklichkeit verstanden wissen. Gegen Ende der 1940er Jahre entstand dann das Bildschema der sich überlagernden Farbschleier, die durch das Durchscheinen der Schichten zu räumlicher Wirkung gebracht sind. Innerhalb des aus dem Rechteck entwickelten Formgefüges sorgen die Proportionen der Einzelflächen zueinander und die Zusammenstellungen der Farben für den jeweils vom Betrachter erfahrenen Bildausdruck, den Rothko als Bedeutungsgehalt verstanden wissen wollte. Die als harmonisch oder spannungsgeladen, leuchtend oder düster, dominant oder gleichgewichtig empfundenen Farbensembles sind Auslöser und künstlerischer Reflex psychischer Stimmungswerte.

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Mark Rothko – Bilder aus der Gewalt geboren

WELT online – Alexander Kluy

In einem seiner Skizzenbücher notierte er, der auf vielen Fotografien grimmig in die Kamera sah und eisern jedes Lächeln verweigerte: “Die Wiege meiner Gemälde ist Gewalt – die einzig zulässige Balance ist das prekäre Gleichgewicht, kurz vor dem Moment des Zusammenbruchs … Deshalb bin ich immer wieder überrascht zu hören, dass meine Bilder friedlich wirken: Sie sind ein einziges Zerreißen, aus der Gewalt heraus geboren.”

Rothko rang lange mit dem Gegensatz von öffentlich und privat, von Einsamkeit, Eigenständigkeit und Isoliertheit. Auch von Ausstellen und Einzelbetrachtung. Später schwebte Rothko als Ideal für seine murals, Bilderzyklen, die für öffentliche Räume entstanden, “ein umschlossener Raum, nur mir gehörig” vor. Anders gesagt: das exakte Gegenteil einer auf Massenandrang programmierten Ausstellung.

“In der Malerei”, so Rothko, “entsteht eine plastische Wirkung durch den Eindruck einer Bewegung, die in den Bildraum der Leinwand hinein- oder aus diesem herausführt… Der Betrachter muss sich innerhalb dieser vom Künstler gestalteten Formen nach innen und außen, oben und unten sowie diagonal und horizontal durch das Bild bewegen. Diese Reise bildet das Gerippe, das Gerüst der Bildidee.”

Doch was tun, wenn man auf dieser Reise wie in München allein gelassen wird, teils, weil die Vorbildung, die seine Bilder benötigen, gewaltig, dafür der didaktische Erläuterungswille defizitär ist? Zum anderen, weil es schlechterdings unsinnig ist, seine Bilder in Gemeinschaft anzusehen. Dann mutieren sie zu netten bunten Farbkumuli. Das war auch der Grund, weshalb Rothko wütend und verletzt seinen Zyklus für das von Mies van der Rohe entworfene Seagram Building in New Yorks fashionabler Park Avenue zurückzog. Dort sollten sie im Restaurant aufgehängt werden.

WELT online – Artikel lesen

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rothko-orange-yellow-kunstdruck | kaufen bei amazonPoster-Drucke
von Mark Rothko

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Der verborgene Gott

SUEDDEUTSCHE online – Willibald Sauerländer

“Die Kunst von allem schmückenden Beiwerk zu befreien”, war die Mission von Mark Rothko. Er ist einer der bedeutensten amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Eine Retrospektive in der Hypo-Kunsthalle in München zeigt nun seine Werke.

Die Bilder, die damals in den Ateliers der “Zornigen” wie Rothko, Newman und Pollock entstanden, haben auch nach einem halben Jahrhundert ihre Leuchtkraft unvermindert behalten. Kein Warhol, keine Pop Art, erst recht keine Postmoderne und kein Neorealismus haben sie verdunkelt. Ihre Leuchtkraft ist ungebrochen.

Heute, da fast auf religiöse Weise über die Grenzen zwischen bildlicher Information und dem Bild als Kunst gerungen wird, stellt diese Retrospektive eine ästhetische und spirituelle Gewissensfrage.

Schon in Rothkos Tagen war das Spiel der Malerei mit dem Mystischen und Transzendenten ein ambivalentes Unterfangen, die Epiphanie immer vom Absturz in die Theatralik bedroht. Gerhard Richter, eigentlich ein Bewunderer seines Kollegen, erzählte von einer Rothko-Schau: “Ich erwartete viel, aber dann war es bizarr wie in einer Kirche. Man war einem Mysterium näher als der Malerei.”

In optisch hastiger Zeit bieten Rothkos “Epiphanien” die schwierige Chance zum langsamen Sehen.

SUEDDEUTSCHE – Artikel lesen

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mark-rothko-underground-fantasy-subway-1940.jpgDer amerikanische Raum

FAZ – Niklas Maak

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass diese Ausstellung das Bild ändert, das wir von Rothko und der amerikanischen Moderne haben. In Rothkos frühen Bildern werden die technischen (Kratztechnik von Matisse) und inhaltlichen Einflüsse seiner europäischen und amerikanischen Vorbilder sichtbar – nach den mattfarbigen Untergrundbildern, in denen noch Hoppers Großstadtmalerei durchscheint, malt Rothko surreale Bilder, die sich an Räumen von de Chirico und Max Ernsts „Loplop“ entlangbewegen.

… was Rothko ganz offensichtlich interessiert, sind Figuren und Räume, die querstehen zu klassischen Vorstellungen, die Grenzziehungen wie „Mann oder Frau“, „vorn oder hinten im Raum“ als falsche Frage zurückweisen.

Ein solcher Raum deutet sich um 1947 mit den sogenannten „Multiforms“ an. Die Figuration löst sich in einem glühenden, erhitzten Farbennebel auf, was dann passiert, wirkt wie ein Zoom. Rothko scheint aus den Multiformbildern Übergangszonen, in denen sich zwei Farben begegnen, herauszuvergrößern. Es entstehen die berühmten Farbfeldbilder, deren Raumwirkung einem Flug durch psychedelische Welten gleicht: Farben wie luftige Watte überlagern dichte, leuchtendrote Farbbretter, Abgründe tun sich auf, Zonen dampfen ineinander, ein schrilles Rosa glüht unter einem grellen Orange hervor, ein Matisseblau diffundiert in ein Monetsches Seerosengrün und sinkt in ein mattes Schwarz. In der opulenten, aus Dutzenden von Gemälden inszenierten Farbfeldlandschaft dieser Ausstellung sieht man auch, dass Rothkos Bilder viel weniger mit den desinfiziert wirkenden Abstraktionen eines Josef Albers zu tun haben als mit der Tradition der großen amerikanischen Landschaftsgemälde.

FAZ – Artikel lesen

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Brennendes Schwarz in dunklen Sonnen

FR online – Oliver Herwig

Vergessen wir dieses Bild, die bequeme Vorstellung, wofür Mark Rothko steht: Der vermeintliche Maler leuchtender Farbfelder war vielschichtiger und dunkler, als wir es lange wahrhaben wollten. Rothkos grandiose Retrospektive in der Hypo-Kulturstiftung gibt den Blick auf ein Werk frei, das aus Krisen und Brüchen wächst und doch das Geistige in der Kunst bereits in Figurinen und Szenerien des Anfangs probt.

“Mich interessieren nur grundlegende Emotionen: Tragödie, Ekstase, Schicksal”, sagte Rothko einmal. “Leute, die vor meinen Bildern weinen, haben die gleiche religiöse Erfahrung wie ich, als ich sie gemalt habe.”

Von der Größe des Menschen sprechen diese Bilder, von seinen Möglichkeiten, seiner Verzweiflung und Transzendenz. Es geht um “Size”, Größe – Maßstab in Zentimetern wie um den moralischen Maßstab. Nicht Konstruktion steht bei Rothko im Vordergrund, sondern psychische Untiefen. Nicht das Machen und die Macht, Farbe zu flirrenden Wolkenschichten zu verdichten oder zu verdünnen, sondern Emotionen Raum zu geben. Rothko erfindet dafür ein Kunstwort, “Breathingness”, das Kurator Wick mit dem raunenden Neologismus “Durchatmetheit” übersetzt, jenen Schwebezustand, der über die Farbräume auch in die seelischen Tiefen, ja Abgründe blicken lässt.

Welcher Kampf hinter den treibenden Farbwolken steckte, machte Rothko an mehr als einer Stelle deutlich. Gewalt sei die “Wiege seiner Gemälde”, sagte er, “die einzige zulässige Balance das prekäre Gleichgewicht, kurz vor dem Moment des Zusammenbruchs”. Ein “einziges Zerreißen” konstatiert der Maler und liefert eine Steilvorlage für alle Psychologen, die seinen Zusammenbruch und Suizid ergründen wollen.

FR – Artikel lesen

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Unter Halunken

TAZ – Brigitte Werneburg

“Das Vermächtnis des Mark Rothko”, ein Buch von Lee Seldes, beschreibt das Verhältnis des Malers zum Kunsthändler.

Dabei hatte sich Mark Rothko immer gewünscht, seine Arbeiten als Werkkomplexe in Museen und anderen öffentlichen Kunst- und Kulturinstitutionen zu zeigen. Noch 1960 kaufte er neun Wandgemälde zurück, eine Auftragsarbeit für das Four-Seasons-Restaurant in Mies van der Rohes Seagrams Building, “einem Schuppen”, wie er sagte, “in dem die größten Scheißkerle von New York essen gehen und angeben”. Dass seine Bilder ihnen die Laune verderben könnten, wie von ihm beabsichtigt, glaubte er zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Er vermachte die Gemälde der Londoner Tate, die dem Ensemble einen eigenen Raum widmete. Damit diese ideale Öffentlichkeit für seine Kunst kein Einzelfall blieb, brauchte es einen langen Kampf.

Denn die Frage, die das Auftreten mancher großer Galeristen hin und wieder aufwirft, nämlich, was, um Gottes willen, sie ihren berühmten Künstlern eigentlich zu bieten haben außer einem Nummernkonto in der Schweiz, spielt im Fall Mark Rothkos und seiner künstlerischen Hinterlassenschaft eine wichtige, ungeklärte Rolle. Nur dieses Schweizer Nummernkonto, mit dem Mark Rothko immer wieder prahlte, kann die ausbeuterischen Verträge erklären, die er mit Francis Kenneth Lloyd, einem der mächtigsten Männer des damaligen Kunstmarkts, eben einem der Scheißkerle aus dem Four Seasons, abschloss. Das ist die These der Journalistin Lee Seldes, die den sechs Jahre dauernden Prozess mitverfolgte, den Mark Rothkos Tochter Kate nach dessen Selbstmord am 25. Februar 1970 gegen die Nachlassverwalter ihres Vaters und gegen Lloyd, den Betreiber der weltweit operierenden Marlborough Gallery mit Geschäftssitz in Lichtenstein, anstrengte.

Sie gewann, unter hohen Kosten.

TAZ – Artikel lesen

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das-vermaechtnis-mark-rothkos.jpg

 

BUCH

Lee Seldes
| Das Vermächtnis Mark Rothkos

Gebundene Ausgabe
523 Seiten
Auflage: 1 (Februar 2008)
Sprache: Deutsch
20,6 x 13 x 4 cm

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Als Mark Rothko sich am 25. Februar 1970 das Leben nahm, war er längst ein international gefeierter Superstar der zeitgenössischen Kunst. Der zeitweilige Weggefährte von Robert Motherwell, Willem de Kooning, Barnett Newman, Jackson Pollock und anderen, hatte bereits 1960 im MoMA eine große Retrospektive, seine Arbeiten waren gefragt und die Preise kletterten stetig nach oben. Wie Hyänen scharten sich der boomende Kunstmarkt und falsche Freunde um den zunehmend verzweifelten Künstler, der sein Werk einerseits behüten wollte und andererseits Ruhm für sich und Geld für die finanzielle Absicherung seiner Familie suchte.

Heute wissen wir, dass der kommerzielle Erfolg den Künstler in einen unauflösbaren Konflikt stürzte und Menschen, die ihm nahe standen, dazu brachte zu Verbrechern zu werden. Denn was am Tag seines Todes beginnt ist beispiellos: Korrumpierte Nachlassverwalter lassen zu, dass zahlreiche Gemälde außer Landes gebracht und unter Preis veräußert werden, Galerien organisieren Ringverkäufe und Insidergeschäfte, um die Preise hochzutreiben und Museen der öffentlichen Hand beteiligen sich an Geldwäsche. Dem Treiben wird erst ein Ende gesetzt, als Rothkos minderjährige Tochter eine Klage gegen die Stiftung ihres Vaters einreicht.

Über die Autorin:
Lee Seldes schrieb für Newsweek, Barron’s, The Village Voice und Esquire.
Sie war die einzige offizielle Journalistin, die den Rothko-Prozess beobachte.

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Nicht Bilder, sondern Orte

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Johannes Halder

Es war wohl nicht zu verhindern, dass Mark Rothkos berühmte Farbfelder mittlerweile auch im Postershop eines skandinavischen Möbelhauses gelandet sind – die Meditationsikonen als dekorative Drucksachen für den Massenmarkt. Auch wir haben uns längst daran gewöhnt, dass sich mit Rothko-Kunstpostkarten ebenso gut gratulieren wie kondolieren lässt: die farbigen Motive für Feste und Feiern, die dunklen für den Trauerfall.

Doch Kurator Oliver Wick kann sich vorstellen, wie der Maler selbst darauf reagiert hätte:

“Ich glaube, da hätte er sich sehr dagegen gestemmt. Rothko ist einer der meist abgebildeten Künstler, wenn es um Postkarten geht vor allem. Er ist auch, obwohl es ein abstrakter Maler ist, in einem großen Bevölkerungskreis bekannt wegen der schönen Farben, und das ist vielleicht auch etwas, worunter er als Künstler selbst auch immer wieder gelitten hat, weil seine Kunst nicht dekorativ war, und es ging eigentlich auch nicht um die schönen Farben. Aber die Farbe war natürlich ein Mittel, um diese Direktheit mit dem Betrachter zu erreichen.”

Natürlich kommt man auch in München der Schönheit wegen zu Rothkos Bildern. Es ist keine Sünde, die schwebende Balance seiner Farbflächen bloß im Vorübergehen zu bestaunen, den wolkigen Nebel der gestisch kolorierten Zonen einfach zu genießen, das leise Pulsieren der Farben nur zu ahnen. Zuvor werden wir ohnehin durch das Fegefeuer seines figürlichen Frühwerks aus den 30er Jahren geschickt. Das sind urbane Szenen, die oft Menschen in U-Bahn-Schächten zeigen, auf Treppen und in schlichten Räumen, in matten Farben kreidig und trocken gemalt, Zeugnisse einer kargen Zeit.

Das Bild als Ort, diese geistige Versenkung und körperliche Verschmelzung, die sich Rothko vorgestellt hatte, gelingt freilich nicht immer – dazu müsste man mit den Bildern wohl alleine sein. Doch wenn man Glück hat, kann man auch in München erleben, dass einen die Farben regelrecht durchfluten.

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

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Mark Rothko | Retrospektive
| Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München
| bis 27. April 2008

Danach ist die Ausstellung in veränderter Form
vom 16. Mai bis zum 14. September 2008 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

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