Feb
29
KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer -
PT | Galerie Nord - Kunstverein Tiergarten |
Bis zum 29. März 2008 wird Surrend in einer Einzelausstellung mit neuen Arbeiten im Kunstverein Tiergarten in Berlin zu sehen sein. Die aktuellen Aktionen und Projekte von Surrend sind von der absurden neonazistischen Verschwörungstheorie ZOG angeregt, die auch in Teilen der arabischen Welt und im links-autonomen Milieu immer mehr Anhänger findet.
Mit den neuen Produktionen attackiert Surrend sowohl die neonazistische Propaganda und die Theorie des ZOG (Zionist Occupied Government), zielt gleichermaßen aber auch auf die israelische Politik und radikale jüdische Gruppierungen, die mit ihrer negativen und rassistischen Haltung gegenüber der arabischen Welt häufig für jene allerorten vermutete Verschwörung Anlass bieten.
Surrends neues Projekt besteht aus 22 politischen Plakaten, die von der deutschen Plakat- und Karikaturtradition beispielsweise eines John Heartfield aber auch von Vorbildern der jüngeren Zeit, wie z.B. dem Plakatkünstler Klaus Staeck beeinflusst sind, der die Surrend-Ausstellung im Kunstverein Tiergarten am 22.02.08 eröffnet hat.
Doch während sich Klaus Staeck und andere deutsche Plakatkünstler eher auf nationale bzw. regionale Themen beschränken, arbeitet Surrend in einem globalen Kontext und ist an jenen brisanten Schauplätzen in aller Welt unterwegs, an denen es für Künstler mit provokanten Aktionen gefährlich werden kann.
Surrend sieht sich selbst in der Tradition der 1970er Jahre in Dänemark, wo sich politischer Aktivismus und künstlerische Praxis in solchen Avantgarde-Strömungen wie Fluxus und Situationismus verbanden. Surrend tritt weltweit sowohl mit provokanten Kunstaktionen im öffentlichen Raum in Erscheinung, als die Gruppe auch im Kunstkontext von Galerien und Museen präsent ist. Neben klassischen Plakaten arbeitet Surrend ebenso mit subversiven Anzeigenschaltungen und eigens erstellten Webseiten, in denen politische Skandale satirisch kommentiert werden.
So machte sich Surrend jüngst über den iranischen Präsidenten und den burmesischen Juntachef lustig, einige der Aktionen führten darüber hinaus bereits zu heftigen politischen Konfrontationen – wie z.B. ein Putin-kritisches Plakat, das in Österreich verboten wurde – und zu einer Flut sowohl positiver als auch negativer Reaktionen. Nur selten vermag aktuelle politische Kunst das Publikum so direkt anzusprechen und unmittelbare Reaktionen hervorzurufen. Deshalb wird die Ausstellung im Kunstverein Tiergarten nicht nur die neuesten Projekte von Surrend vorstellen, sondern in Projektvideos und gemailten Kommentaren die internationalen Publikumsreaktionen dokumentieren.
Surrend gründete sich im März 2006 in Belgrad. Im Sommer 2007 nahm die Gruppe an der Austellung Backjumps im Künstlerhaus Bethanien teil und war u.a. mit einer Einzelausstellung bei der Caricatura in Kassel vertreten.
Surrend besteht aus den beiden Kernmitgliedern Jan Egesborg und Pia Bertelsen, die im Rahmen der ZOG-Ausstellung im Kunstverein Tiergarten von den GastkünstlerInnen Martin Nielsen und Stine Skoett-Olsen unterstützt werden.
SURREND | Subversive Praxis im öffentlichen Raum
| Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten, Berlin
| bis 29. März 2008
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VIDEO | Bilderstreit in Berlin | Moslems bedrohen Galerie
| Spiegel . TV – Video ansehen
“Meine Solidarität gilt allen Künstlern und in den Medien Tätigen, deren Arbeit durch gewalttätige Andersdenkende bedroht wird”,
erklärte Akademiepräsident Klaus Staeck am Freitag in Berlin, der die Drohungen als “völlig unakzeptabel” bezeichnet hatte.
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“Sonst fliegen Steine!”
SPIEGEL online – Michael Sontheimer
Eine deutsche Premiere im Kampf der Kulturen: Muslime sorgten mit Drohungen dafür, dass eine satirische Plakat-Ausstellung geschlossen wurde. Die Behörden verfallen in Schockstarre – dabei geht es um nichts weniger als die Kunstfreiheit.
Künstler versuchen oft verzweifelt das, was seit dem Dadaismus die Pflicht eines modernen Künstlers ist – zu provozieren. Einer Gruppe dänischer Künstler ist das in Berlin mit politischen Plakaten gelungen. Allerdings hat es sich die Künstlergruppe “Surrend” ziemlich einfach gemacht. Sie stellte in einer kommunalen Berliner Galerie ein Plakat aus, auf das strenge Muslime nichts anderes reagieren können, als sich aufzuregen.
Stein des Anstoßes ist buchstäblich ein Stein – nämlich die Kaaba in Mekka, das zentrale Heiligtum aller Muslime. Auf einem der Plakate sind die Kaaba und sie umrundende Pilger abgebildet, dazu der große Schriftzug “Dummer Stein”. Daneben hängt das Plakat eine orthodoxen Juden mit schwarzem Hut, der Kommentar “Dummer Hut”: Eher plumpe Provokationen, die der Plakatkünstler Klaus Staeck gleichwohl bei der Eröffnung der Ausstellung am 22. Februar feierte.
Die Wirkung dieser Schmähung der Kaaba konnte eigentlich nicht sonderlich überraschen: Am Dienstag entdeckten zwei junge Musliminnen das Plakat. Sie erklärten Galeriemitarbeitern, dass es ihre Religion beleidige und dass es abgehängt werden sollte. Dann fotografierte sie es mit ihren Handys. Mit diesen digitalen Beweismitteln fiel es ihnen nicht schwer, an der benachbarten Döner-Bude Verstärkung zu mobilisieren. Schließlich forderte ein eine Handvoll aufgebrachter muslimischer Männer das sofortige Abhängen des Plakats: “Sonst fliegen Steine!”
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SURREND | Subversive Praxis im öffentlichen Raum
| Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten, Berlin
| bis 29. März 2008
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