Impressionistinnen

März 5, 2008 |

impressionistinnen-eva-gonzales-1877-1878.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Schirn, Frankfurt |

Die Frankfurter Ausstellung wird bis zum 01. Juni 2008 mit 150 Werken aus vielen internationalen Museen  und Privatsammlungen am Beispiel der vier Malerinnen Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès und Marie Bracquemond den weiblichen Anteil an der impressionistischen Bewegung präsentieren.

Berthe Morisot, erfolgreiche und geschätzte Kollegin, Freundin und Modell von Manet, wird von zeitgenössischen Kritikern wegen ihres lockeren Pinselstrichs als die „impressionistischste unter den Impressionisten“ hoch gelobt. Die Amerikanerin Mary Cassatt entwickelt in Paris und durch den engen Kontakt mit Degas ihren unverwechselbaren Stil. Eva Gonzalès hat als Schülerin von Manet ein qualitätvolles, durch ihren frühen Tod jedoch weniger umfangreiches OEuvre hinterlassen. Marie Bracquemond stellt mit den Impressionisten aus, gerät aber in Konkurrenz zu dem Werk ihres Mannes Félix Bracquemond und gibt die Malerei schließlich auf.

Die vier Namen stehen exemplarisch für die Tatsache, dass in jener sowohl künstlerisch als auch gesellschaftspolitisch bewegten Epoche (ca. 1865–1895) wesentlich mehr Künstlerinnen aktiv waren und auf höchstem Niveau malten, zeichneten, radierten und bildhauerten, als uns allgemein gegenwärtig ist. Der Impressionismus war mehr als andere Strömungen geeignet, auch Künstlerinnen in seinen Kreis aufzunehmen. So wurde von zeitgenössischen Kritikern die Malerei der Impressionisten – der männlichen und der weiblichen – als explizit „feminin“ betrachtet: in den Themen – Alltagsszenen, Frauenporträts, Mutter-Kind-Darstellungen, Gärten, Interieurs, Still-leben etc. – wie in den kleineren Formaten der Bilder, die für eine neue bürgerliche Käuferschicht bestimmt waren.

Auch der impressionistische Stil mit seiner Hervorhebung der Lichteffekte, seinen delikaten Oberflächen, der häufigen Verwendung von Weiß, dem offenen Pinselstrich und der Skizzenhaftigkeit der Ausführung wurde als weiblich angesehen, im Positiven wie im Negativen. 1896, als nach Morisots Tod posthum eine Retrospektive zu ihrem Werk stattfand, bezeichnete der Kritiker Camille Mauclair in einem Rückblick den Impressionismus insgesamt als „feminine Kunst“ und beschrieb Morisot sogar als die einzig wahre Protagonistin dieses Stils.

Angesichts der Schwierigkeiten, Vorurteile, Verbote und des limitierten Aktionsradius, mit denen Frauen des Bürgertums im 19. Jahrhundert konfrontiert waren, wird deutlich, mit wie viel Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen in das eigene Talent sich die vier Malerinnen eine Stellung in der Geschichte der modernen Malerei erkämpft haben. Während sie zu Lebzeiten in den avanciertesten Pariser Künstlerkreisen verkehrten und von Kollegen und Kritikern durchaus respektiert wurden, gerieten sie später in Vergessenheit.

Ab ca. 1900 nämlich wurde die Geschichte der modernen Kunst und des Impressionismus von einer Generation von Kunst-historikern geprägt, die dem Impressionismus zwar zu Ruhm verhalfen, den weiblichen Anteil an der Bewegung jedoch weitgehend ausklammerten. Lediglich das Werk der Amerikanerin Cassatt erfuhr von Beginn an eine andere Rezeption, zu der auch der starke amerikanische Markt beitrug. Obwohl seit den 1970er-Jahren Genderforschung und Kunstgeschichte das Bild teilweise zurechtgerückt haben hat und die Werke von Morisot und Cassatt in den größten internationalen Sammlungen vertreten sind, ist der weibliche Anteil am Impressionismus dem breiten Publikum immer noch wenig bekannt.

Vom 21. Juni bis 21. September 2008 wird „Impressionistinnen“ in den Fine Arts Museums of San Francisco gezeigt.

IMPRESSIONISTINNEN
BERTHE MORISOT, MARY CASSATT, EVA GONZALÈS,
MARIE BRACQUEMOND
| Schirn Kunsthalle, Frankfurt
| bis 01. Juni 2008

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impressionistinnen-frankfurt-2008-katalog | kaufen bei amazonKATALOG

Impressionistinnen
Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès, Marie Bracquemond

| Deutsch 2008
| 320 Seiten,
| 305 Abb.,
| davon 274 farbig
| 24,60 x 29,50 cm
| gebunden mit Schutzumschlag

| kaufen bei amazon

Die längst überfällige Wiederentdeckung des weiblichen Anteils an der impressionistischen Bewegung – überraschende und begeisternde Arbeiten wirklich bedeutender Malerinnen.

Ein großes Publikum begeistert sich für impressionistische Malerei und strömt in Ausstellungen zur Epoche. Aber warum werden dort neben Werken von Monet, Manet, Degas, Renoir oder Pissarro nur so wenige ihrer Malerkolleginnen gezeigt?

Auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es Berufskünstlerinnen, und die hochkarätigen und attraktiven Ölbilder, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen dieses Bandes stammen von vier der bedeutendsten unter ihnen: Berthe Morisot, eine zentrale Gestalt der impressionistischen Bewegung, Mary Cassatt, die als von Degas respektierte Kollegin eine sehr eigenständige Rolle spielte, Eva Gonzalès, eine begabte Manet-Schülerin, und Marie Bracquemond, deren schmales Œuvre höchste Qualität beweist: Die Arbeiten der Französinnen und der Amerikanerin spiegeln unterschiedliche Lebensläufe und weibliche Erfahrungswelten. Sie wurden bisher erst selten präsentiert, sodass in der Publikation viele »neue«, weithin noch unbekannte, überraschende Bilder auf ihre Entdeckung warten.

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Die Revolution kam im zugeknöpften Kleid

FAZ - Julia Voss

Warum uns heute die Bilder der Impressionistinnen so viel bedeuten, zeigt diese kleine Geschichte: Es war das Jahr 1892, und Mary Cassatt, Malerin, Amerikanerin, Frau, erhielt den Auftrag, für die Weltausstellung in Chicago ein Wandgemälde zu entwerfen. Das Thema lautete „die moderne Frau“. Das Wahlrecht war noch lange nicht in Sicht, zum Kunststudium ließ man Frauen in Frankreich, wo Mary Cassatt lebte, auch nicht zu.

Sie griff also zum Pinsel und malte, fast lebensgroß, Frauen in einer Landschaft, mit Hüten, Schleifen, Rüschenkleidern. „Junge Frauen pflücken die Früchte der Erkenntnis oder Wissenschaft“ nannte die fast Fünfzigjährige das Gemälde. Kunsthistorisch stellte sie damit ein altes Motiv vom Kopf auf die Füße. Denn Cassatts Frauen waren keine Allegorien, keine Symbole für Wissen, Forschung oder Wahrheit. Sie standen Männern zu. Eingedrungen in den Garten der Erkenntnis waren auf ihrem Bild plötzlich ganz normale Frauen, bekleidet und gelassen in der Anmutung. Nur auf den ersten Blick schien Cassatts Gemälde ein erfreuliches spätimpressionistisches Genrebild zu sein. Auf den zweiten Blick war es ein Manifest. Bei der Kritik fiel es durch.

mary-cassatt-young-women-plucking-the-fruits-of-knowledge-or-science-1893-ausschnitt-2.jpgMary Cassatt’s Young Women Plucking the Fruits of Knowledge or Science | Central panel | World Fair, Chicago, 1893. Scan from Harper’s New Monthly Magazine, Vol. 86, Issue 516, May 1893 | Mary Cassatt’s Lost Mural

Von niemanden wurden die Impressionistinnen so schlecht behandelt wie von den Kunsthistorikern. Julius Meier-Graefe etwa, der im deutschsprachigen Raum Degas, Renoir und Manet zu Ruhm verhalf, tat verbissen so, als hätte es keine dieser Malerinnen gegeben. Wo ihre Namen auf Ausstellungsplakaten erschien, ließ er sie weg; wo sie von der Kritik gefeiert wurden, schwieg er. Seine Schriften lesen sich heute so, als habe er sich die heimliche Aufgabe gestellt, Slalom um große Frauen zu schreiben. Seine Kleinlichkeit, so albern sie rückblickend wirkt, führte immerhin dazu, dass deutsche Museen im frühen zwanzigsten Jahrundert fast keine Werke der Impressionistinnen ankauften.

FAZ - Artikel lesen

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Nur Talent, kein Genie

TAZ - Gislind Nabakowski

Schade und peinlich in Hinblick auf die ernsthafte kunsthistorische Auseinandersetzung, die die Ausstellung leistet, ist die Art, in der die Schirn ihre Schau als Blockbuster annonciert. Nachdem die schönsten Franzosen aus New York kommen, wie wir inzwischen erfahren mussten, will Frankfurt Berlin in der Frage des Slogans offenbar nicht nachstehen und behauptet: “Impressionismus ist weiblich”. Obwohl die Ausstellung dieser Verkürzung explizit widerspricht.

Als die männlichen Impressionisten, der Kreis der freiheitlichen “Indépendants”, sich von 1870-86 in den “Salons des Réfusés” gegen den erstarrten Akademismus erhoben, wollten sie auf die qualitätsvollen Bilder ihrer Kolleginnen nicht verzichten und boten ihnen Mitwirkung an. Dies geschah sicher auch zur Stärkung der männlichen Gruppe: Mallarmé und Zola würdigten die Kunst von Eva Gonzalès, während Degas Mary Cassatt und Berthe Morisot unterstützte. Umgekehrt versuchte Morisot 1889 gemeinsam mit Monet, dem Louvre Manets von Debatten und Skandalen begleitete “Olympia” zu verkaufen.

Doch trotz dieses kollegialen Zusammenhalts unterhöhlten oft tief in den Kanon der Konventionen eingeschriebene Mythen schon im Keim die Idee der Gleichwertigkeit. Die Vorurteile gegen beinahe alle Gemälde der Impressionistinnen folgten meist der Hierarchie einer männlichen Genealogie. Zumal sich eine mit Kunstkritik nur liebäugelnde, unwissenschaftliche Schriftstellerei an “Genialität” hielt, die den Männern vorbehalten war. Frauen dagegen hatten bloß Talent. Fintenreich verbarg sich darin ein Konzept des Machterhalts. Dieser Paternalismus zeigte sich auch in der deutschen Literatur in der Zeit zwischen 1900 bis 1910, etwa in Julius Meier-Graefes Büchern zum Impressionismus, in denen er keine der vier Impressionistinnen erwähnte. Unbedeutendere Autoren setzten dies bis 1957 fort. 1955 bezog der Kunsthistoriker G. F. Hartlaub nur Berthe Morisot in seine Betrachtung ein.

TAZ -Artikel lesen

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meisterinnen-des-lichts | buch kaufen bei amazonDas LESEBUCH zur Ausstellung
Meisterinnen des Lichts. Vier Erzählungen zu den Impressionistinnen Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès, Marie Bracquemond

Einführung von Ingrid Pfeiffer,
Text von Diane Broeckhoven, Noëlle Châtelet, Annette Pehnt, Alissa Walser

| Deutsch 2007
| 96 Seiten, 4 Abb.
| 12,20 x 19,20 cm
| Broschur

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Kunst zum Lesen: einfühlsame Skizzen aus dem Leben der großen Künstlerinnen des Impressionismus aus der Feder von Diane Broeckhoven, Noëlle Châtelet, Annette Pehnt und Alissa Walser.

Aus heutiger Sicht erstaunt, wie viele Frauen im Paris des 19. Jahrhunderts bereits als professionelle Künstlerinnen arbeiteten und ausstellten. Dass nur so wenige ihrer Namen im Gedächtnis der Nachwelt präsent sind, liegt vor allem daran, dass auch die Geschichte des Impressionismus von Männern verfasst wurde, die Frauen zumeist nur eine Nebenrolle zuwiesen.

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Die weibliche Seite des Impressionismus

WELT online - Uta Baier

Eine tragische Geschichte ist zu erzählen. Es ist die Geschichte vom systematischen Vergessen von Künstlerinnen, ausgelöst durch krasse Fehleinschätzungen und Lügen. Es ist die Geschichte der vier bedeutendsten Malerinnen des Impressionismus: Berthe Morisot (1841-1895), Mary Cassatt (1844-1926), Eva Gonzalès (1847-1883) und Marie Bracquemont (1840-1916).

Sie alle lebten in Paris und stellten zusammen mit Monet und Manet, Signac, Renoir, Degas, Cézannes im offiziellen Salon und in den selbst organisierten Gegenausstellungen aus. Ihren Kollegen galten sie als ebenbürtig, der bedeutende Impressionisten-Galerist Durand-Ruel vertrat Morisot, man traf sich in ihrem Salon und war eng befreundet und verwandt: Berthe Morisot war die Schwägerin von Eduard Manet, Marie Bracquemont war mit dem Maler Felix Bracquemont verheiratet, Eva Gonzalès die einzige Schülerin, die Manet je hatte. Berühmt aber wurden nur die Männer.

Dabei sind die Unterschiede marginal, wie die kunsthistorische Forschung heute feststellt. Einst tat sie eben diese Künstlerinnen als begabte Dilettantinnen und Malerinnen typischer Frauenthemen ab. Wohl wissend, dass die Sujets der Männer nicht anders waren, dass die Malweise keineswegs in dilettantisch-weiblich und innovativ-männlich zu unterscheiden ist.
Doch die damals noch junge Kunstkritik wurde von einer Gruppe kleingeistiger, einflussreicher Machos angeführt, denen es gelang, bis heute den Kreis der Impressionisten auf die Männer zu beschränken. Zumindest in der breiten Wahrnehmung

WELT - Artikel lesen

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IMPRESSIONISTINNEN
BERTHE MORISOT, MARY CASSATT, EVA GONZALÈS,
MARIE BRACQUEMOND
| Schirn Kunsthalle, Frankfurt
| bis 01. Juni 2008


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