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Maurizio Cattelan
März 7, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunsthaus Bregenz |
Der Tod ist das große Thema der Cattelan-Schau im Kunsthaus Bregenz. Bis zum 24. März 2008 lässt sich Maurizio Cattelan erstmalig auf die Inszenierung einer gesamten Architektur als Teil seiner Werke ein. Durch wenige räumliche Eingriffe und mit drei speziell für Bregenz geschaffenen neuen Werkgruppen transformiert er das Haus in eine Grabkammer, die das auratische Potenzial des Gebäudes zum Grenzgang zwischen Betroffenheit und ironischer Distanz transformiert.
Wie immer möchte Cattelan im Vorfeld nicht zu viel über seine Ausstellung verraten, sehr wohl möchte er sein Werk aber irgendwo zwischen »Sanftheit und Perversität« angesiedelt sehen.
»Die Ausstellung sollte zart, tröstlich und verführerisch sein, aber auch etwas Verdorbenes, Verqueres und Verbrauchtes haben.« Cattelan
Der wie von Gottes Hand durch einen Meteoriten zu Fall gebrachte Papst (»La Nona Ora«, 1999), eine hilflos an einer Garderobe hängende Miniaturausgabe des Künstlers im Beuys’schen Filzanzug (»La Rivoluzione Siamo Noi«, 2000) oder der durch den Fußboden eines Museums in den Kunsttempel eindringende Künstler (»Ohne Titel«, 2001) – immer treibt Maurizio Cattelan in einer Mischung aus Don Camillo, Pinocchio und Hofnarr seine bildlichen Formulierungen so auf die Spitze, dass der realistische Schein eingeübter Konventionen der Gesellschaft und des Kunstbetriebs ins Absurde und Lächerliche kippt.
Eher theatralisch und ephemer in den Handlungen, Objekten und räumlichen Inszenierungen, aber mit ironischer Raffinesse und unerwarteten Brechungen ist dem Künstler kein Tabu zu schade, um dessen Falschheit zu entlarven.
Maurizio Cattelan,
1960 in der norditalienischen Universitätsstadt Padua geboren, begann seine Karriere in den 1980er-Jahren mit dem Entwurf von antifunktionalen Designobjekten, bevor er sich entschied, in der Kunstwelt zu arbeiten, die er nach eigenem Bekunden »viel verlockender« fand. Seitdem ist Cattelan ein international gefragter Künstler geworden, obwohl er stets von sich behauptet hat, keiner zu sein. Aber ohne Widersprüche, Provokationen, ohne das Nebeneinander verschiedener Wahrheiten wäre sein Werk nicht das, was es ist. Diese Strategie, gepaart mit einer Bildmächtigkeit, die sich in unsere Erinnerung eingräbt, hat seinen Aktionen und Objekten den Weg in die wichtigsten internationalen Ausstellungshäuser geebnet und zu Beteiligungen an zahlreichen bedeutenden Gruppenausstellungen und Biennalen geführt.
Seit Maurizio Cattelan 1993 nach New York übersiedelt ist, lebt und arbeitet er wechselweise dort und in Mailand. Genauer gesagt arbeitet er,da er kein Studio besitzt, in situ, denn Ausstellungen bieten ihm genau die Herausforderung, neue Arbeiten zu »finden« und anschließend, ohne selbst Hand anzulegen, von anderen produzieren zu lassen. In diesem Sinn ist er ganz der Urenkel eines Marcel Duchamp. Anders als dieser jedoch bezieht er die Idee des Readymades nicht auf die Auswahl und Benutzung vorgefundener Objekte, die zu Kunstwerken erklärt werden, sondern sieht vielmehr die erlebte Realität in ihrer unversöhnlichen, oft absurden Widersprüchlichkeit als großes Readymade an, das er wie einen Steinbruch nutzt.
»Wir können täglich im Fernsehen auf eine philosophische Idee stoßen.« (Cattelan)
So greift er zum Beispiel auf seine eigene Biografie zurück und koppelt diese mit einem italienischen Lebensgefühl, das ständig zwischen Banalität, extremer Gläubigkeit und Heiligenverehrung schwankt. Und er findet seine Themen im überhitzten Gebaren und in den Ritualen des Kunstbetriebs sowie in den sozialen und politischen Brüchen der Gesellschaft.
Stil bedeutet für Cattelan nicht mehr als eine bestimmte künstlerische Haltung, die sich in verschiedene Medien, Sprachformen und visuelle Lösungen übersetzen lässt. Jemand, der wie er ironische Distanz zum Grundprinzip seines Handelns gemacht hat, muss auf Flexibilität, niemals auf ein vorherzusehendes Endresultat setzen. Sollte das einmal nicht reichen, stiehlt er auch schon mal die Ideen seiner Kollegen oder eine ganze Ausstellung.
Bei aller Vielfalt der Ideen und Werke gibt es zwei grundlegende Arbeitsprinzipien. Maurizio Cattelan unterscheidet zwischen Arbeiten, die als Idee oder Projekt funktionieren, wie zum Beispiel die Fußballerinnerungswand für London, auf der die Ergebnisse aller von der englischen Nationalmannschaft verlorenen Spiele eingraviert sind, oder die Figur mit Picasso-Maske, welche die Besucher vor dem Eingang des MoMA in New York begrüßte, und jenen Arbeiten, die in erinnerungsmächtige Bilder transformiert werden. Dazu gehören Werke wie »Novecento« von 1997, das ein von der Decke hängendes Pferd zeigt, oder »Him« (2001) mit Hitler als bußfertigem kniendem Knaben.
Es ist dieser tragisch komische Grundton in seinem Werk, in dem Humor und Demut gleichermaßen ihren Platz haben, der die starken, manchmal auch bedrückenden Gefühle in uns auslöst, besonders wenn Cattelan sich bei aller Vielfalt immer wieder einem zentralen Motiv widmet: dem Tod. Hier ist der Künstler seinen familiären und nationalen Wurzeln ganz nah. Denn im Tod findet sich laut Francesco Bonami »der allerletzte Augenblick pathetischer Vertrautheit, die radikalste Art, sich der öffentlichen Verantwortung zu entziehen«.
Maurizio Cattelan
| Kunsthaus Bregenz, Österreich
| bis 24. März 2008
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Ein Meister des Schlags mit der Handkante
TAGESANZEIGER - Barbara Basting
Sein von einem Meteoriten erschlagener Papst machte ihn berühmt. Nun überrascht Maurizio Cattelan im Kunsthaus Bregenz aufs Neue. Cattelan, der Unberechenbare, der mit dem Kunstbetrieb geschickt zeuselt und sogar als Kokurator der Berlin-Biennale 2006 sein subversives Image pflegte, Cattelan, der 1960 in Padua geborene Superstar, der sein Ziel, nämlich durch Kunst seiner Unterschichtherkunft zu entfliehen, übererfüllt hat, ist nun zu Gast im Kunsthaus Bregenz.
Dessen Direktor Eckhart Schneider konfrontiert gerne besonders erfolgreiche Künstler mit den Herausforderungen des Zumthor-Baus als eine Art letzten Härtetest. Das Motiv von Plakat und Einladungskarte, die von Cattelans Präsenz künden und ein quasi in den Raum ausserhalb des Museums verlängerter Teil seiner Ausstellung sind, wecken düstere Assoziationen an Nazi-Filmplakate.
Eine grosse Faust dräut über dem finsteren Himmel, der Daumen ist nach unten gedrückt, weist zugleich auf ein Feuerinferno. Man erkennt die Skyline einer Stadt, die teils an London, teils an Bregenz erinnert. Unter den Bauten, das will etwas heissen, das schon zum Teil zerstörte, an Stahlgerippe von Ground Zero erinnernde Kunsthaus. «Bregenz» steht in roter geschwungener Schrift auf dem Plakat. Ein Menetekel. Angeblich ohne zu wissen, dass Bregenz noch kurz vor Ende des 2. Weltkrieges irrtümlich massiv bombardiert wurde, setzt Cattelan hier einen ersten provokanten Kontrapunkt zur glatten ästhetischen Perfektion des Museums. Und zugleich hat er mit feinem Gespür die in Österreich noch immer, in manchmal nur sehr kleinen ästhetischen Details wie Schriftzügen sichtbaren faschistoiden Reste entdeckt und herausvergrössert.
Besonders perfid, dass das Motiv im Bregenzer Stadtraum an Plakatsäulen nun wie ein irritierender Zeitsprung wirkt.
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Die Lust an der List
ZEIT online - Petra Kipphoff
Im ersten Stock erwarten den Besucher zwei ausgestopfte Labrador-Hunde, zwischen denen ein Küken sitzt. Der eine Hund hat den gläsernen Blick auf den ankommenden Besucher gerichtet, der andere schaut in die Richtung des Durchgangs, der zum zweiten Stock führt.
Dort liegen neun Tote nebeneinander, alle eingehüllt in Tücher aus Marmor. Dachte man bei den Hunden an Zitate aus dem naturhistorischen Museum, so wird man hier an eine barocke Krypta erinnert, an den Faltenwurf von Bernini.
Der Gang in den dritten Stock gerät gleich auf der untersten Stufe ins Stocken. Denn oben ist der Durchgang versperrt mit einer weiß lackierten Wohnungstür. Im Türrahmen hängt eine Frau im weißen Hemd mit durchgestreckten Armen. Kreuzigung oder Morgengymnastik? Nur zögernd geht man die Stufen hinauf, das Treppengeländer hat Cattelan abmontieren lassen.
Mit der Bregenzer Ausstellung, die, auf einen Nenner gebracht, vom Tod handelt und das Haus zu einer Art von Mausoleum macht, hat sich Cattelan auf eine neue Ebene begeben. Statt eine verblüffende Solonummer zu liefern, wagt er eine minimalistische Inszenierung. Die Provokation liegt nicht in einer real grotesken Figur oder dem von Cattelan immer gern exekutierten Wanddurchbruch, sondern darin, dass er den Riesenraum kühn ignoriert. 500 Quadratmeter für zwei Hunde und ein Küken, so viel Platz war nie! Ein anderer Künstler hätte ihn rasch und begeistert voll gestellt.
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DVD | ART SAFARI:
Kunst als Abenteuer (2 DVDs)
43. Adolf-Grimme-Preis 2007:
Sonderpreis “Kultur des Landes NRW” für Buch und Regie
Regisseur: Ben Lewis
DVD-Ausstattung:
| Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
| Anzahl Disks: 2
| DVD 5 PAL, codefree
| Länge : 6 x 26 Min.
| Bild : 16:9 | Ton : Stereo
| Sprache : deutsche Fassung und Originalfassung
| Extras : Biografien zu den Künstlern und deren Werk
ART SAFARI:
Der Name ist Programm. Mit Ben Lewis, Kunstfreak und preisgekröntem Regisseur und Autor, begibt sich diese Reihe auf Großwildjagd in den Dschungel der zeitgenössischen Kunst und entdeckt ungewöhnliche Seiten an ebenso herausragenden wie umstrittenen Künstlern aus aller Welt.
VIDEO | Ausschnitt aus Art Safari
Lehrreich, aber nicht belehrend, witzig, aber nicht seicht, spürt Lewis unter anderem dem italienischen Bildhauer Maurizio Cattelan nach, der französischen Foto- und Aktionskünstlerin Sophie Calle, »Cremaster« Matthew Barney, dem spanischen Polit-Art-Provokateur Santiago Sierra, dem deutschen Biennale-Star Gregor Schneider sowie einem der wohl wildesten Künstler, den die Welt je gesehen hat, dem Belgier Wim Delvoye mit seinen tätowierten Schweinen.
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Maurizio Cattelan
| Kunsthaus Bregenz, Österreich
| bis 24. März 2008
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Studentenbaby
März 7, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Studentenbaby, Hamburg |
Sie träumen von einem Kind - Wir haben die Lösung!
studentenbaby.de ist eine Gruppe von Studierenden aus Hamburg, die im Rahmen einer künstlerischen Aktion eine Plattform geschaffen haben, um studentische Leihmütter und Samenspender zu vermitteln. So soll eine Alternative zu den Studienkrediten und damit zu einer frühen Abhängigkeit der Studierenden von halbstaatlichen Finanzquellen geboten werden.
„Der Staat, in dem der Reichtum der Eltern über die Zukunft des Kindes entscheidet ist für uns menschenunwürdig!“ (www.studentenbaby.de)
Unter dem Leitgedanken „Kind gegen Studiengebühr“ stellen sich auf studentenbaby.de Studierende als Leihmütter und Samenspender zur Verfügung, um auf diesem Weg gegen die Einschränkung der Bildungsfreiheit in Deutschland zu protestieren und sich ihr Studium zu finanzieren. Kunden haben hier nicht nur die Möglichkeit, für 500 € ein Studentenbaby mit den Erbanlagen Ihres Lieblingsstudierenden zu erwerben, sondern sichern so zusätzlich einem jungen Menschen seine akademische Zukunft.
studentenbaby.de garantiert eine reibungslose Kontaktvermittlung, professionelle medizinische Betreuung von Kunden und Studierenden und eine verantwortungsvolle Begleitung des Studentenbabys bis zu seiner Geburt Wir schenken Leben. Schenken Sie Zukunft.
studentenbaby.de versteht sich als Protest gegen die Studiengebühren, die nicht zu einer Verbesserung der Lehre führen, sondern nur zu einer Umverteilung der Finanzen. Dies führt auf lange Sicht zu einer Verringerung staatlicher Bildungssubventionen, zur Herausbildung von Unternehmensstrukturen an Universitäten und Hochschulen und letztlich zu einer von wirtschaftlicher Seite geforderten Erhöhung der Gebühren, wie sie in anderen Ländern seit längerer Zeit Realität ist.
Der künstlerische Protest richtet sich gegen die Materialisierung von Bildung, der auf diesem Wege die Materialisierung von Körper und Erbgut entgegen gesetzt wird.
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Mit Absicht unter die Gürtellinie
TAZ - Florian Zinnecker
Geschmacklos, aber politisch: Eine Gruppe Hamburger Kunst- und Theaterstudierender bietet sich im Internet als Leihmütter und Samenspender an - im Tausch gegen einen Satz Semestergebühren. Das ist illegal und will als künstlerischer Protest gegen die “Materialisierung von Bildung” verstanden werden.
Andere gehen auf die Straße oder überweisen einfach nicht. Beides haben die Studierenden der Hamburger Kunsthochschule und der Hochschule für Musik und Theater längst hinter sich - erfolglos. Ihr Protest gegen Studiengebühren geht seit drei Wochen einen Schritt weiter - und überschreitet, so meinen viele, auch die Grenzen des guten Geschmacks: Mit Foto und Steckbrief auf der eigens gegründeten Online-Plattform studentenbaby.de bieten sich Studentinnen als Leihmütter an. Etwa Carla, 21: Umfangsmaße 84-67-88, Abischnitt 2,0, Sozialmilieu: Mittelstand. Ihre männlichen Kommilitonen verhökern währenddessen Sperma - darunter Daniel, 21: Blutgruppe A, IQ 142, soziales Umfeld stabil.
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