Félix Vallotton. Idylle am Abgrund

März 14, 2008 | Comments Off

vallotton KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Hamburg |

Bis zum 18. Mai 2008 zeigt die Hamburger Kunsthalle den kühlen Beobachter bürgerlicher Doppelmoral, dessen Werke bereits Elemente aus dem Surrealismus, der Neuen Sachlichkeit und der Metaphysischen Malerei vorwegnehmen.

Die Ausstellung Félix Vallotton. Idylle am Abgrund entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich. Der Züricher Ausstellung der Malerei wurde in Hamburg eine Graphikauswahl hinzugefügt. Die Schau versammelt damit mehr als 70 Gemälde, über 50 Holzschnitte sowie Plakate, Bücher, Illustrationen und Vignetten dieses faszinierenden und in Deutschland zu unrecht wenig bekannten Künstlers.

Bizarre Posen, verschämte Umarmungen, schweigende Interieurs, beredte Schatten - Félix Vallottons Kunst ist von beißendem Sarkasmus und schwarzem Humor durchdrungen und machte ihn zu einem international beachteten Avantgardisten der Moderne. Vallottons Bilder verstören, entblößen, fesseln den Blick – heute wie schon 1909, als zu seiner ersten Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich Jugendlichen der Zutritt verwehrt wurde, weil man die Akte als anstößig empfand.

Vallottons Akte und Interieurmotive handeln von Entblößungen und Ehebruch, hinter schweren Gardinen verborgen, umgeben von Nippes und Tand: Vallottons Figuren sind in ein engmaschiges Netz aus Betrug und Bedrängnis eingesponnen. Stilistisch irritieren Vallottons Arbeiten dabei durch ihre Künstlichkeit: Stillleben aus intensiven Farbfeldern, leere Landschaften mit markigen Hell-Dunkel-Kontrasten oder Portraits von eigenwilliger Härte.

Seine Aktdarstellungen sind in ihrer unterkühlten Erotik und sachlich-realistischen Malweise von überraschender Modernität. Der offenkundige Zwiespalt zwischen Trieb und Moral, das komplexe Stimmungsgeflecht aus Distanz und Nähe sprengte für Vallottons Zeitgenossen oftmals die Grenze des Erträglichen. Geradezu psychoanalytisch untersucht er seine Aktmodelle, ungeschönt, mit schielendem Blick, unterschiedlich geformten Brüsten und tiefem Haaransatz.

In Lausanne 1865 geboren, studierte Vallotton (1865-1925) in Paris im Kreis der Künstlergruppe Nabis, zu der auch Edouard Vuillard und Pierre Bonnard gehörten. Er arbeitete als Illustrator und Journalist, schrieb Theaterstücke, die – genau wie seine Bilder – provozierten und bürgerliche Konventionen hinterfragen. Der offenkundige Zwiespalt zwischen Trieb und Moral, das komplexe Stimmungsgeflecht aus Distanz und Nähe sprengte für Vallottons Zeitgenossen oftmals die Grenze des Erträglichen.

Félix Vallotton. Idylle am Abgrund
| Hamburger Kunsthalle
| bis 18. Mai 2008

Ambitioniertes Vallotton-Online-Special
des Kunsthauses Zürich
anlässlich der am 13.1.2008 beendeten Ausstellung

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Félix Vallotton. Idylle am Abgrund

| Leinenband
| mit Schutzumschlag
| 192 Seiten,
| 91 farbige und
| 10 sw Abbildungen
| 22 cm x 27 cm

| kaufen bei amazon

 

Der Künstler Félix Vallotton (1865–1925) war ein intelligenter Beobachter seiner Zeit. In Lausanne geboren, studierte er ab 1882 in Paris im Kreis der Künstlergruppe «Nabis», schrieb Theaterstücke und arbeitete als Illustrator für avantgardistische Zeitschriften. Schamvoll und schamlos waren seine Entblössungen, die Maskerade der porträtierten Modelle nicht selten befremdlich.

Durch ironische und gesellschaftskritische Themen setzte sich Vallotton von seinen Zeitgenossen ab: Weder scheute er karikierende Anspielungen, noch wahrte er den Schein der bürgerlichen Idylle. Seine Kunst war indiskret und bisweilen von schwarzem Humor und beißendem Sarkasmus durchzogen. Die merkwürdigen Pointierungen machten Vallotton zu einem international beachteten Avantgardisten am Beginn der Moderne.

Der reich bebilderte Katalog fokussiert auf Vallottons malerisches Werk aus allen Schaffensphasen und Gattungen. Die Autoren spüren in Essays und detaillierten Bildbeschreibungen den eigenwilligen Bildfindungen des Künstlers nach und gehen der irritierenden Künstlichkeit auf den Grund, die seine Gemälde prägen.

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PRESSESPIEGEL
zu den Austellungen in Zürich und Hamburg

Dieses leidenschaftliche Beobachten

NZZ - Maria Becker

Die Ausstellung zu Vallottons Werk im Kunsthaus Zürich ist nicht als Retrospektive angelegt. Es wurde vielmehr eine Auswahl getroffen, die eine subjektive Sicht auf den Schweizer Künstler nahelegt. Einige der 90 ausgestellten Bilder provozierten vor hundert Jahren Kontroversen und werfen noch heute Fragen zur Persönlichkeit des Malers auf.

«Lebenslang bin ich der gewesen, der hinter einer Glasscheibe steht und zuschaut, wie draussen gelebt wird, und nicht mit dabei ist.»

Die Distanz zum Leben ist ein Grundmotiv in Vallottons Dasein und in allen Phasen seiner Kunst präsent. Zwei Selbstporträts in der Ausstellung, eines des Zwanzigjährigen, das andere ein Bild des etablierten Künstlers in reifen Jahren, zeigen dies: Beide blicken nur verhalten und von schräg von der Seite zum Betrachter, so, als könne der Maler das, was er sieht, nur scheu aus den Augenwinkeln betrachten. Doch es scheint, dass der scheue Blick nicht etwa ein weniger scharfer war – im Gegenteil. Das, was man nicht direkt anzuschauen wagt, wird umso schärfer beobachtet. Vallottons Selbstporträts offenbaren den Blick des Voyeurs.

vallotton_selbstportrait-jung-alt.jpg

Nur wer so aus der sicheren Distanz beobachtet, kann die Gegenstände des Begehrens kontrollieren. Es ist ein bisschen wie beim alten Degas, der das Treiben der Bordelle als unbeteiligter Aufzeichner wiedergibt und doch mittendrin ist. Vallottons Akte, die so ungeschönt die Verwerfungen des Fleisches und die kleinen Plumpheiten des weiblichen Körpers abbilden, scheinen kühl und eindringlich zugleich, präzise Studien von Farbe, Plastik und Taktilität. Manchmal sind sie losgelöst vom individuellen Modell; ein einzelnes Hinterteil, ein Arrangement von Rücken wird zum bildfüllenden Motiv. vallotton-chapeau-violet-1907.jpg

Andere Darstellungen sind so persönlich, dass man den Atem und den Duft der Haut zu spüren scheint, wie bei der blonden Dame, die eben gerade dabei ist, ihre Brüste zu entblössen, und ihren eleganten Hut noch nicht abgenommen hat («Le chapeau violet», 1907).

NZZ - Artikel

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Liebende Schonungslosigkeit

ZEIT online - Karin Geil

Kaum ein Maler changiert in seinem Werk so zwischen Anziehung und Abstoßung wie Félix Vallotton. Die Hamburger Kunsthalle würdigt den Schweizer Visionär und Wegbereiter der neuen Sachlichkeit nun in einer Ausstellung.

Vallotton hatte viele Gönner und Bewunderer, zu denen auch Frauen gehörten. Die Künstlerin und Schriftstellerin Louise Hervieu schwärmte 1919 in einem Aufsatz:

“Frauen, kleine und große, Ihr werdet ihn lieben können, denn er wird Euch alle geliebt haben in Eurer anrührenden Menschlichkeit, die Mageren, die Dicken, die Brünetten, die Blonden, die ‘Negerinnen’. Die Sorgfalt, die er aufwendet, um die Krümmungen Eurer Körper zu studieren, ohne die amüsanten Fehler zu vergessen: zu dürre Arme oder kleine aufgeblähte Bäuche, zu große Polster, dies macht ihn zu Eurem beflissensten Freund.”

Und an Vallotton selbst schrieb sie:

“Man wirft Ihnen bisweilen Kälte vor. Aber dieses leidenschaftliche Beobachten: Ist das nicht Liebe, Liebe, die sich verdichtet und sammelt, um besser umarmen zu können - und sich nie stillt?”

ZEIT - Artikel lesen

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Klinische Anmut

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Christian Gampert

Synthetisch, in ihrer Klarheit und Ungeschminktheit fast brutal, so erscheinen die Porträts und Landschaftsmalereien des Schweizer Künstlers Félix Vallotton. Als Vertreter der klassischen Moderne ist er in Deutschland weitgehend unbekannt. In der Schweiz - der Villa Flora in Winterthur und im Züricher Kunsthaus - sind eine Auswahl seiner Malereien und Grafiken zu sehen.

Félix Vallotton, am Genfer See geboren, 1882 als 17-Jähriger nach Paris ausgewandert, ist wahrscheinlich einer der unterschätztesten Künstler der klassischen Moderne. Daß man ihn in Deutschland nur unwillig rezipiert hat, liegt vor allem an dem 1915 erschienenen Holzschnitt-Zyklus “C’est la guerre”, der zwar den Weltkrieg geißelt, dabei aber vor allem die deutschen Barbaren im Auge hatte. Von der Druckgrafik kommt er her, den scharfen Linien und radikalen Flächen - sarkastische Stilmittel, die ab 1900 in seiner Malerei dann zu einer kalten Lakonie weiterentwickelt wurden.

Vallotton leiht sich, bei dogmatischer Ablehnung alles Impressionistischen, Elemente diverser Schulen aus oder nimmt sie vorweg, vom Jugendstil bis zum Hyperrealismus. Klassizismus, Fotografie, neue Sachlichkeit - alles kann man bei ihm sehen, das Verschwimmen zur Abstraktion wie beim späten Hodler in den Landschaften oder die nüchtern gehaltene Depression wie bei Edward Hopper.

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

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Es wird etwas passieren

FR online - Sylvia Staude

Das Unangenehme und Starke, die lebenspralle Düsternis, die Ahnung eines Geheimnisses, sie haben ihren Ursprung im Subtext, der allen Bildern gleichsam eingeschrieben ist, selbst wenn es sich “nur” um Stillleben oder Landschaften handelt. Irgendetwas ist bereits passiert oder wird gleich passieren.

Der Himmel über der Strandpromenade ist gewitterdunkel, der Wind bläst eine Staubfontäne hoch oder biegt die Bäume krumm, die über dem Meer untergehende Sonne findet keinen Widerschein im schwarzen Tang. Am unheimlichsten aber ist “Der Teich” (1909), eine fast schwarze, dicht von Algen eingefasste Fläche, auf der sich am rechten Bildrand das Wasser kräuselt. Die Stimmung ist so, dass man sich keinen unschuldigen Grund für dieses Kräuseln vorstellen kann: Hier kommt bestimmt gerade ein Ungeheuer hoch.

Zumindest zeitweise scheint Vallotton an Depressionen gelitten zu haben. “Der Schwierige” nennt ihn Werner Weber in seinem Nachwort zum Roman “Das mörderische Leben”. Félix Vallotton, der Vieltalentierte, hat sich auch als Schriftsteller betätigt, sein 1907/08 geschriebenes, aber erst postum erschienenes “mörderisches Leben” ist ein bestürzender Text. Mit eigentümlicher Lakonie und Ironie - die gibt es auch in seinen Bildern - erzählt ein junger Mann (ein Kunstkritiker!) darin, welche Ereignisse ihn zum Selbstmord getrieben haben. Freunde, Bekannte und zuletzt die Geliebte kommen durch etwas ums Leben, was er tut oder unterlässt, obwohl es ihm fern liegt, sie umbringen zu wollen. Als verfluchter Pechvogel sieht er sich - und bemitleidet sich selbst am meisten.

FR - Artikel lesen

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ROMAN | Das mörderische Leben
Von Félix Vallotton
Aus dem Französischen neu übersetzt und mit einem Nachwort versehen
von Werner Weber

| 260 Seiten
| 7 sw Abbildungen
| 12.5 x 20.5 cm
| Leinen mit Schutzumschlag

 

«Das Modell stand auf einem ziemlich hohen Tisch. Um von da herunterzukommen, war eine Hilfe nötig. Ich bemerkte, dass sich das Mädchen danach umsah. Ich war in der Nähe. Einer doch wohl verständlichen Regung folgend, streckte ich ihr die Hand hin. Ihre schönen, sanften Augen dankten mir mit einem bezaubernden Zwinkern, aber aus Unachtsamkeit verfehlte sie die Hand. Ich versuchte, ihr beizuspringen, und verfehlte sie nun meinerseits – kurz, sie stürzte so scheußlich, daß ihr armer nackter Körper voll auf den rotglühenden Ofen aufschlug. Sie stieß einen fürchterlichen Schrei aus…»

Unter den Dichtungen, die der große Graphiker und Maler Félix Vallotton hinterlassen hat, ragt der Roman «Das mörderische Leben» – «La Vie meurtrière» – als ein tiefgründiges Lebensbild hervor; Schuld, Leiden und Liebe eines jungen Mannes zwischen zwei Frauen kommen darin unter schicksalsvollen Fügungen ans Licht. Glück heißt das Ziel, das alle suchen, und auf dieser Suche werden sie das Unglück nicht los - mörderisches Leben.

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Der Fremde der Moderne

NZZ - Gerhard Mack

Félix Vallotton fasziniert mit seinen Bildern ambivalenter Räume und Figuren bis heute. Ausstellungen in Zürich und Winterthur zeigen ein überraschendes Bild des Schweizer Malers.

Er beobachtet so unsentimental schonungslos, dass eine Gertude Stein sein Porträt von ihr nie fotografieren liess, Picassos bekanntes Werk hingegen stolz den Besuchern vorführte. Er malt bürgerliche Interieurs als Schauplätze verschwiegener Handlungen, und seine Stillleben sind bei aller Präzision so künstlich, dass sie nicht das Vergehen der Zeit, sondern ihren Stillstand zeigen. Vallotton ist trotz seiner Zugehörigkeit zur Künstlergruppe der Nabis in der Kunst der Moderne der Fremde schlechthin, der die Menschen und Dinge in der Farbe tiefgefriert, bis sie selbst da unberührbar sind, wo ein weibliches Gesäss bis zur Orangenhaut belebt ist.

Der Zwischenraum der Blicke ist leer und kalt. In ihm vereisen die Bilder, Gedanken und Gefühle, aus ihm können auch Figuren aufscheinen, welche die Grenze zu Kitsch und Peinlichkeit ohne jede Eleganz überschreiten. Sie stellen dadurch die Distanz her, die der Maler braucht, um die Welt so nah und unberührbar darzustellen, wie sie jenseits der Zeit nur erscheinen kann.

NZZ - Artikel lesen

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Félix Vallotton in der Villa Flora, Schweiz

Die ab 1908 von Arthur und Hedy Hahnloser aufgebaute Vallotton-Sammlung umfasst alle von ihm behandelten Gattungen: Interieurs, die als Bühne für vieldeutige Rollenspiele dienen; Stillleben mit ihren Andeutungen von Vergänglichkeit; Parisbilder, die nicht nur die glänzende Entwicklung der modernen Großstadt, sondern auch ihre Kehrseite vor Augen führen; Landschaften, Porträts, Akte und mythologische Szenen, in denen Vallotton die Geschichten aus der Antike als modernen Geschlechterkampf interpretiert. Einen Höhepunkt bildet ‘La Blanche et la Noire’ – das vielschichtigste und in der spannungsvollen Konfrontation eines weißen Aktes mit einer schwarzen Frau auch das provozierendste Werk der Ausstellung.

vallotton-la-blanche-et-la-noire.jpgFelix Vallotton
La Blanche et la Noire, 1913
Öl auf Leinwand, 114 x 147 cm
Hahnloser/ Jäggli Stiftung
Villa Flora Winterthur
Fotografie: Reto Pedrini, Zürich

Die Schwarze stellt Vallotton nicht mehr im hierarchischen Gefälle zur weißen Frau als Dienerin dar, wie dies im 19. Jahrhundert vor allem in der Orientmalerei üblich war, sondern als starke Frau, die durch das freche Attribut der brennenden Zigarette als emanzipierte, moderne Pariserin charakterisiert wird. Mit den für ihn charakteristischen ironischen Brechungen belässt Vallotton der Bildaussage bei allen kunsthistorischen und gesellschaftspolitischen Bezügen ihre Offenheit und Vieldeutigkeit.

Félix Vallotton in der Villa Flora, Schweiz
| bis 28. September 2008

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| 136 Seiten
| 55 farbige und
| 15 sw Abbildungen
| 23 x 28 cm

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Félix Vallotton. Idylle am Abgrund
| Hamburger Kunsthalle
| bis 18. Mai 2008

Ambitioniertes Vallotton-Online-Special
des Kunsthauses Zürich
anlässlich der am 13.1.2008 beendeten Ausstellung

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