Apr
16
Dani Karavan | Retrospektive
April 16, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer - PT Martin-Gropius-Bau, Berlin |
Erstmals ist in Deutschland dem israelischen Künstler Dani Karavan eine große Retrospektive gewidmet. Die Ausstellung wird bis zum 01. Juni 2008 im Martin-Gropius-Bau gezeigt und entstand in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 60. Geburtstag Israels.
Das Besondere der künstlerischen Arbeit von Dani Karavans ist es, Stadt- und Landschaftsräume auf neue und bemerkenswerte Weise erfahrbar und erlebbar zu machen. Er geht bei dieser gestalterischen Verwandlung immer von der Geschichtlichkeit des Ortes aus und entwickelt mit seinen komplexen Zeichensetzungen vielfältige gesellschaftliche, historische und politische Bezüge, die dem Betrachter durch eine ungewohnte und ästhetisch höchst verdichtete Gestaltgebung bewusst werden.
Aus den Potentialen der Erinnerung transformiert er neue sinnliche und kommunikative Erfahrungsräume.In diesem Prozess spielt der intensive Dialog zwischen Mensch, Natur und Kunst eine entscheidende Rolle, denn Karavan geht von der elementaren Auffassung aus:
“Alles, was die Menschen wissen, geht auf die Natur zurück. Alle Formen, ob verborgen oder offen, finden sich in der Natur. Realität wird zum Ort der Meditation.”
Die Ausstellung im 1. Obergeschoss des Martin-Gropius-Bau wird in 20 Räumen einen umfassenden Überblick über Dani Karavans Schaffen geben. Beginnend mit einem Einblick in die künstlerischen Anfänge werden alle wichtigen Werkphasen und ihre Hauptwerke vorgestellt.Die großen Environments im öffentlichen Raum werden durch Modelle, Fotografien und beeindruckende Filme dokumentiert.
In spannendem Kontrast dazu entwickelt Dani Karavan für die Ausstellung neue Installationen, die seine Arbeitsweise, den Umgang mit bestimmten Materialien und Metaphern veranschaulichen. Ausgehend von seiner Arbeitsweise, die Erinnerungspotentiale eines Ortes künstlerisch zu erschließen, reagiert der Künstler in Berlin auf die Spuren der faschistischen Vergangenheit, der Teilung der Stadt und ihrer Überwindung. So soll am Eingangsportal des Martin-Gropius-Bau, in unmittelbarer Nähe der einstigen Mauer, eine Arbeit zu dieser Thematik installiert werden.
Dani Karavan. Retrospektive
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis zum 01. Juni 2008
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Dani Karavan
| personal website
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KATALOG
| Dani Karavan. Retrospektive
zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin, 2008
und im Tel Aviv Museum of Art
| 407 Seiten
| 386 meist farb. Abb.
| Gebundene Ausgabe
| Deutsch, Englisch
| 30 x 26,2 x 3,2 cm kaufen bei amazon
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Dani Karavan,
der heute in Paris und Tel Aviv lebt, hat seine Arbeiten in vielen Ländern realisiert, so in Israel, Italien, Frankreich, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Spanien, den USA, Korea, Japan und besonders in Deutschland. Seit seiner Teilnahme an der documenta 6 in Kassel 1977 ist Deutschland für Dani Karavan zu einem der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Arbeit geworden, denn hier entstanden eine ganze Reihe bedeutender Werke für den öffentlichen Raum. Dazu gehören “Ma alot” in Köln (1979 / 1986), die “Straße der Menschenrechte” (Way of Human Rights) in Nürnberg (1989 / 1993), “Mimaamakim” in Gelsenkirchen (1997) und “Grundgesetz 49″ in Berlin (2002).
“Die Kunst, die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks so zu nutzen, um Orte kulturell zu vergeistigen, die sonst einer puren Bauordnung und Planung unterliegen, ist in unserem Jahrhundert meines Erachtens nur Dani Karavan gelungen. Er hat diese Ziele vielfältig erreicht, weil er keine Angst davor entwickelte, seine Produkte jenseits der genannten Schnittstelle den Benutzern zu überlassen. Er war sich immer sicher, dass seine Kunst sinnvoll ist, dass eine neue Nützlichkeit der Kunst wieder gefragt ist. Damit verschreibt sich aber Karavan auch der Utopie, der Hoffnung, dem Träumen wie der Trauerarbeit.”
Zit. nach: Dieter Ronte (Hrsg.), Dani Karavan. Träger des Goslaer Kaiserrings 1996. Ausst.-Kat. Mönchehaus – Museum für moderne Kunst Goslar, Goslar 1996, S. 18, S. 22.
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Ich bin wie ein Schneider
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Die Kunst der Moderne wollte autonom sein. Lange und erbittert verteidigten die Künstler wie einen ideologischen Fetisch ihre Freiheit. Auftragskunst war verpönt. Wenn Kunst jedoch Leben sein soll, wie von vielen Utopisten gefordert, dann muss sie den Elfenbeinturm verlassen, auf die Menschen und ihr Umfeld reagieren. Dani Karavan hat an diesem inneren Konflikt der Moderne nie gelitten. Konsequent suchte er die Öffentlichkeit, gestaltete Plätze, Räume, ja ganze Landschaften. Alles, was er mache, sei für die Menschen gedacht, sagt er.
Karavan hat Passagen, Türme und Treppen, Kegel und Bänder in dem Stadtbild oder der Natur eingepasst. Trotz ihrer Fremdartigkeit sind sie nie Störfaktoren, sondern fügen sich harmonisch ein und graben sich zugleich tief ins Gedächtnis. Denn sie erinnern an die Geschichte ihrer Orte, stellen Besonderheiten heraus, ohne didaktisch zu bevormunden, sind keine triumphalen Kunstgesten, sondern subtile ästhetische Eingriffe.
“Ich bin wie ein Schneider”, erklärt der Künstler. “Ich passe alle meine Werke genau ihrem Ort an.” Als bekennender Auftragskünstler will er auf sein Publikum reagieren, unterwirft sich langwierigen Diskussionen wie etwa derzeit dem Streit um seine “Hommage an den Holocaust der Sinti und Roma” in Berlin, arbeitet sich durch die Gremien und wenn ein Budget nicht reicht, dann ändert er eben seine Planung.
Die Deutschen lieben Karavan am meisten für die “Passagen”, die er im Auftrag der Bundesregierung in die Küstenlandschaft von Portbou grub. Hier an der spanischen Grenze brachte sich 1940 der Philosoph Walter Benjamin auf der Flucht um. Es sind karge Eingriffe in den Fels: Treppen, stählerne Bodenfelder und Schächte, die den Blick von weit oben zu den bedrohlichen Meeresstrudeln lenken. Alles ist hier magische Reduktion und Andeutung eines tragischen Geschehens, ohne in Schreckenspathos zu verfallen. Kunst im öffentlichen Raum hat die Menschheit nicht immer beglückt. Dani Karavan ist es ziemlich oft gelungen.
BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen
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Gedenken als Form für das Denken
FR online - Elke Buhr
Der Prozess des Erinnerns und Gedenkens ist für die modernen Gesellschaften eine derart heikle Angelegenheit, dass eine bestimmte Form von Outsourcing zur häufigsten Lösung wurde.
Wo Staaten und Institutionen Versöhnung anstreben oder sich zumindest aufgefordert sehen, diesen Willen öffentlich zu demonstrieren, sind Profis gefragt, die Gefühlen eine angemessene und würdige Form verleihen können. Den israelischen Künstler Dani Karavan könnte man - ohne dies despektierlich zu meinen - als einen dieser Gedenk-Profis bezeichnen. Sein erstes Hauptwerk war ein Monument am Rande der Wüste Negev, das an die Kämpfe im israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 erinnert: ein imposantes Ensemble, das sich in seinen abstrakten Formen in die Hügel der Wüste einpasst, den Wind aufnimmt und ihn in Klang verwandelt.
Seine Fähigkeit, Landschaft als abstrakte Form zu begreifen und Form zur Landschaft zu machen, machte auch später immer wieder die Qualität seiner Kunst im öffentlichen Raum aus. Dabei nehmen seine Arbeiten immer den Menschen zum inneren Maßstab, sie sind begehbar, bekletterbar, bespielbar, Treffpunkte oder auch Orte für Stille und Einkehr. Dass er begann, auch Schrift und explizitere symbolische Objekte wie Bäume oder Eisenbahnschienen zu integrieren, prädestinierte ihn dann zum Erinnerungs-Künstler. Er ist, so zeigt die Berliner Retrospektive, mehr als das. Aber dass er immer wieder die Arbeit des angemessenen Erinnerns stellvertretend auf sich nimmt, dafür sollten wir ihm dankbar sein.
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Landschaft als Erlebensraum
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Dani Karavan schafft Werke, die eigentlich Plätze sind: Orte, an denen auch das Historische fühlbar werden soll. Die Arbeiten des israelischen Künstlers kann man kennenlernen im Berliner Martin Gropius Bau.
Nein, er sei kein Gedenkstättenkünstler, wird Dani Karavan nicht müde zu bekräftigen. Der 78-Jährige weiß um die Gefahr, in die Gutmenschen-Kategorie abgeschoben zu werden. Künstler, die von der friedensstiftenden Wirkung der Kunst reden und von der spirituellen des Lichts und die sich nicht scheuen, von “erhabenen Formen” auszugehen, sind Kunstkritikern normalerweise schon aus der Ferne suspekt. Dass sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr Gedenkorte in seinem Oeuvre finden, ist gewiss kein Zufall, aber ganz sicher nicht das Ergebnis politischer oder sonstiger Anbiederungen.
Karavan selbst nennt diese von ihm gestalteten Stätten denn auch lieber “Hommagen” und hatte in seiner Heimat Israel gerade deswegen zunächst einen schweren Stand.
Die Berliner Ausstellung, die ja im Martin-Gropius-Bau in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gedenkstätte der “Topographie des Terrors” stattfindet, geht in ihrem fast chronologischen Rundgang durch die Werkentwicklung auch ausführlich auf Karavans Verhältnis zu Deutschland ein, eines Landes, von dem er sagt, dass er bis in die 70er Jahre hinein jegliche Beziehung zu ihm abgelehnt hätte. 1977 wurde er von Manfred Schneckenburger auf die documenta nach Kassel eingeladen. Dort habe er dann Bekanntschaften gemacht, die sein Deutschlandbild allmählich verändert hätten.
Seither ist Deutschland einer der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Tätigkeit geworden mit zahlreichen Werken im öffentlichen Raum, die auf merkwürdige Weise das zu erfüllen scheinen, was einst Kanzler Gerhard Schröder von Gedenkstätten gefordert hatte: Es sollten Orte sein, wo man gern hingeht. Bei Karavans ortsspezifischen Werken regiert in der Tat die Beiläufigkeit direkt neben der Strenge, sie ist fast ein Markenzeichen geworden.
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Dani Karavan. Retrospektive
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis zum 01. Juni 2008
Apr
14
Die vierte Triennale der Photographie in Hamburg 2008
April 14, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT TdF Hamburg |
In über siebzig Ausstellungen an zahlreichen Veranstaltungsorten in und um Hamburg, in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentieren die Veranstalter bis zum 20. April 2008 national und international renommierte Fotokunst. Von historischen bis zu zeitgenössischen Fotografien ist das gesamte Spektrum des Mediums vertreten.
Neben dem einmaligen Ausstellungsprogramm der zehn der großen Hamburger Museen umfasst das Programm der Galerien Ausstellungen internationaler und nationaler Künstler. Existierte zur Zeit der ersten Triennale 1999 keine einzige Kunstgalerie in der Stadt, die sich ausschließlich der Fotografie widmete, so sind es heute bereits sechs Fotogalerien.
4. Triennale der Photographie in Hamburg
| bis 20. April 2008
KATALOG
| kaufen bei amazon
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140 Fotografen, kein Konzept
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Mit Fischli und Weiss, Candida Höfer, F.C. Gundlach und Thomas Demand setzt die vierte Foto-Triennale in Hamburg hauptsächlich auf renommierte Künstler. Neues gibt es für den Besucher daher selten zu sehen. Auch ein Gesamtkonzept, das die über 80 Ausstellungen miteinander verbindet, ist kaum zu erkennen.
Insgesamt fällt auf, dass es der Fototriennale Hamburg trotz beträchtlichen Wachstums der Besucher- und Ausstellungszahlen seit 1999 immer noch nicht gelungen ist, eine klare Konzeption zu finden. Das fällt offenkundig inzwischen auch dem Spiritus Rector auf, dem Modefotografen und Sammler F.C. Gundlach, der vor versammelter Presseschar seinen Unmut über genau diese Uneinheitlichkeit bekundete:
Wir haben ja versucht, die letzten drei Triennalen immer ein Motto über die Gesamtveranstaltung zu finden, das war schwierig, und die Häuser haben sich schwierig getan, dann Ausstellungen zu machen, die in das Thema hineinpassen, obwohl man könnte ja langfristig vielleicht mal disponieren, aber gut, das ist keine Kritik…
Ist es eben doch. Hamburg hätte gern eine so etwas wie eine Kunstmesse oder wie eine Kunstbiennale, irgendetwas, um ein bisschen im Konzert der Kulturstädte mitzuspielen, aber da es solche Veranstaltungen andernorts bereits im Überfluss gibt, versucht man sich in einer Kombination. Bei der Fototriennale wirken die großen und kleineren Museen der Stadt zusammen, private Galerie klinken sich ein und wollen nebenbei ein bisschen was verkaufen, und man möchte vor allem auch die Amateur- und Pressefotografenszene mit Workshops und Marketingveranstaltungen beglücken. Grosses Vorbild ist das Fotofestival in Arles, bei dem allerdings dann doch ein etwas anderer Wind weht und immer wieder interessante Positionen von Amateurfotografen entdeckt werden.
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4. Triennale der Photographie
in Hamburg
| bis 20. April 2008
Apr
13
Angela Bulloch | The space that time forgot
April 13, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Lenbachhaus / Kunstbau München |
“The space that time forgot” ist die erste Einzelausstellung von Angela Bulloch (* 1966) in München und ist bis zum 18. Mai 2008 im Lenbachhaus, Münschen zu sehen.
Dem Titel der Ausstellung folgend wird die Künstlerin Modelle der Wahrnehmung des Raumes und der Zeit verschränken. Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen die Ökonomie und Semantik interplanetarischer und interstellarer Verhältnisse, ihre Gravitations- und Kräftefelder, sowie die Formen visueller Repräsentation, welche die Erde, unser Sonnensystem, das Universum und der Wissenschaftszweig der Astronomie überhaupt auf dem Weg vom Zeitalter der Aufklärung in die globalisierte Popkultur unserer Zeit erfahren haben.
Für die Ausstellung im Kunstbau hat Angela Bulloch terrestrische und extraterrestrische Perspektiven auf den Sternenhimmel und die Erde in Projektionen und Lichtinstallationen entworfen. Ihre Nightskies zeigen ausgewählte Bereiche der Himmelssphäre, die aus einer Perspektive weit jenseits der Erde entstanden sind. Diese Arbeiten reflektieren die Unmöglichkeit, die Ordnung des Universums von einem Punkt aus zu überschauen. Jede mögliche Antwort verweist auf die Abhängigkeit von der Perspektive, aus der heraus sie entstanden ist und reiht sich damit in das große Thema der Repräsentationskritik ein.
Ein wesentlicher Bezugspunkt dieses Themas ist die Erforschung und synästhetische Überformung digitaler Klang- und Bildinformationen.
Prototypisch ist dies in der Installation Z Point aus dem Jahr 2001/2004 verwirklicht, eine der wichtigsten Arbeiten von Angela Bulloch der letzten Jahre und laut Hans Dieter Huber „einer der ersten Höhepunkte der Kunst des 21. Jahrhunderts“. Als einer der zentralen Bestandteile der Ausstellung nimmt Z Point, eine Licht- und Toninstallation aus 48 sogenannten Pixel Boxes, Bezug auf den 1970 von Michelangelo Antonioni realisierten Film Zabriskie Point.
Die von Angela Bulloch entwickelte Pixel Box ist ein dreidimensionaler Würfel, der mittels eines modularen Lichtsystems in den Grundfarben Rot, Grün und Blau wie ein 16 Millionen Farben-Bildschirm programmiert werden kann. Pixel steht für “picture element” und ist die kleinste Einheit zur Darstellung eines Bildschirmbildes. Die rechteckige Form der Pixel Box erinnert wiederum an künstlerische Überlegungen der Minimal Art, z. B. an Arbeiten von Dan Flavin oder Donald Judd, und deren Auseinandersetzung mit Geometrie, Reduktion sowie farblichen Kompositionen.
“The space that time forgot” | Angela Bulloch
| Lenbachhaus / Kunstbau, München
| bis zum 18. Mai 2008
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KATALOG | ANGELA BULLOCH - The Space That Time Forgot
| Katalog München 2008.
| Vorwort: Helmut Friedel & Matthias Mühling.
| Essays: Diedrich Diederichsen & Matthias Mühling
| 104 S. mit 50 farb.
| ganz- bzw. doppelseit. Abb.,
| Ausst’verz., Bibliographie,
| brosch. - Text in dt. & engl.
Wahrnehmung von Raum und Zeit ist für Angela Bulloch eine künstlerische Herausforderung, die sie in diesem Buch glanzvoll durchexerziert. Sie hat für diese Publikation irdische und außerirdische Blicke auf den Sternenhimmel geworfen und diese Beobachtungen in künstlerische Projektionen umgesetzt.
Ihre “Night Skies” zeigen ausgewählte Bereiche der Himmelssphäre, die von einem Blickpunkt weit jenseits der Erde gesehen werden. Damit reflektiert Bulloch die Unmöglichkeit, die Ordnung des Universums von einem einzigen Punkt aus zu überschauen. Daraus resultiert ihre Erforschung von Bild- und Klanginformationen, mit denen sie digital arbeitet. In ihrer Installation “Z Point” aus dem Jahr 2001/2004 schafft sie eine Licht- und Toninstallation aus 48 sogenannten Pixel-Boxen, die auf den 1970 von Michelangelo Antonioni realisierten Film Zabriskie Point Bezug nimmt.
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Daria Halprin und Mark Frechette | die beiden Hauptdarsteller von Zabriskie Point auf dem Cover vom ROLLING STONE Magazine 1970
Die Sprengung der Warenform | Zum Tode von Michelangelo Antonioni 2007
TAZ - Diedrich Diederichsen
- in “Zabriskie Point”, einer Reise durch die Idee der Politisierung. Sie beginnt mit Black Panthers, führt über ein gigantisches Love-in in der Wüste und endet in der psychedelischen Apokalypse der Warenkultur, einem der stärksten Bilder jener Revolte: einer zeitlupengedehnten Explosion von Logos und Verpackungen zur Musik der frühen Pink Floyd. Kein anderer 68er-Regisseur hat die viel gefilmte Werbe- und Logokultur so zu einer fast chiliastischen Kapitalismuskritik zugespitzt: nicht Vietnam, nicht der Rassismus, nicht Repression, auch nicht “Konsumterror”, wie man damals sagte, sondern: Die Ware selbst ist das Problem. Was gab es danach noch zu sagen?
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VIDEO | Zabriskie Point | Schlussszene | 1970
| Musik: Pink Floyd
( modifizierte Version von “Be Careful With Your Axe Eugene” )
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Warteplatz für künftige Kosmonauten
NZZ - Birgit Sonna
Die Medienkünstlerin Angela Bulloch im Münchner Kunstbau
Wände mit farbig aufleuchtenden «Pixelboxen» machten die Kanadierin Angela Bulloch weltberühmt. Im Münchner Kunstbau inszeniert die Künstlerin nun mit verschiedenen Lichtinstallationen ausserirdische Perspektiven auf die Baustrukturen des Universums.
Kaum ein anderer Ort als der kühle Untergrund des Kunstbaus würde sich besser für Angela Bullochs durchaus forschungsintensive Kunstexpedition in den Mikro- und Makrokosmos eignen. «The Place that Time Forgot» hat die in Berlin lebende Künstlerin ihre aus jüngsten und neueren Arbeiten sowie einer bekannten Pixelbox-Wand zusammengesetzte Schau überschrieben. Mit dem Titel spielt Bulloch auch darauf an, dass der Ausstellungsraum einem lange vergessenen, vom U-Bahn-Bau herrührenden Schacht zu verdanken ist. Doch letztlich oszilliert die 1966 geborene Künstlerin um die im Medienzeitalter unhaltbar gewordene Vorstellung eines über die Sequenz oder Simultaneität fassbaren Raum- und Zeitbegriffs.
Katalogautor Diedrich Diedrichsen hat einen klugen Aufsatz zu Bulloch geschrieben, in dem er von der «Krise des Raums» spricht. «War das Weltall früher unermesslich gross, aber darin einfach nur ein sehr grosser Raum, sprechen seine Dimensionen heute jeder Vorstellbarkeit hohn. Raum ist in anderen Raum eingerollt, eingekapselt, unendlich gross und unendlich klein und ortlos zugleich, sechsdimensional, neundimensional.» Diedrichsen hat recht, wenn er die existierende Raumkrise auch mit der schwammigen Terminologie in Zusammenhang bringt. Im Englischen bezeichnet das Wort «space» zumindest auch ein Abstraktum in klarer Abgrenzung vom architektonisch bestimmten «room». Im Deutschen muss man sich mit dem Wort «Raum» bescheiden, das im Prinzip sowohl die Ein-Raum-Wohnung wie auch den Weltraum meinen kann. Angela Bulloch bietet dem Betrachter im Kunstbau eine Bühne zur Selbstdarstellung, in der er seine schwer fixierbare Position zu Raumgestirnen körperlich wie auch gedanklich versuchsweise ausloten kann.
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“The space that time forgot” | Angela Bulloch
| Lenbachhaus / Kunstbau, München
| bis zum 18. Mai 2008
Apr
13
5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
April 13, 2008 | Comments Off
Die 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst mit dem Titel “When things cast no shadow”, kuratiert von Adam Szymczyk und Elena Filipovic, ist bis zum 15. Juni 2008 für das Publikum geöffnet.
“When things cast no shadow” besteht aus zwei Teilen, die bei Tag und bei Nacht stattfinden: Der tagsüber stattfindende Teil der 5. Berlin Biennale ist an vier Ausstellungsorten zu sehen und stellt vornehmlich Neuproduktionen von 50 KünstlerInnen aus vier Generationen vor, die mit unterschiedlichen Medien arbeiten. In der Nacht wird die Ausstellung durch 63 abendliche Veranstaltungen mit über 100 weiteren KünstlerInnen und KulturproduzentInnen an unterschiedlichen Orten in die ganze Stadt erweitert.
When things cast no shadow
| 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
| bis zum 15. Juni 2008
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Auf der Schulter der Moderne
FR online - Elke Buhr
“When Things Cast No Shadow”, wenn die Dinge keinen Schatten werfen, lautet ihr Titel: Bloß kein Hype, bloß kein Event - und vor allem, bloß keine Nähe zum Kunstmarkt. Wo die letzte Biennale sich noch mit Unterstützung potenter Galerien einige Stars aus dem Kunstzirkus einlud, besteht die Künstler-Liste diesmal aus 50 weitgehend unbekannten Namen.
Ernst ist diese Berlin-Biennale, ein Parcours für den Kopf, und dabei hinter dem Deckmantel ihrer Bescheidenheit ein bisschen borniert: Denn wer sich angesichts der vielen kleinteiligen Konzept-Arbeiten ein bisschen mehr Leichtigkeit und visuelle Lust wünscht, wird sich angesichts der allgemeinen Ernsthaftigkeit schnell peinlich berührt auf die Lippen beißen.
Kunst, so meinen die Kuratoren, ist eine Methode zur Betrachtung der Dinge, und Ausstellungen ein Schnappschuss der Gesellschaft. Sie haben sich damit, bei aller programmatischen Nicht-Programmatik, viel vorgenommen. Helfen soll dabei das ausgedehnte Nachtprogramm, das, wie einst bei Catherine Davids Diskurs-Documenta, gleichberechtigter Teil der Ausstellung sein soll: Ob Hirnforschung, Robotertechnik oder kroatische Avantgarde der fünfziger Jahre, hier werden alle Spezialinteressen bedient.
Adam Szymczyk und Elena Filipovic haben auf dieser Berlin-Biennale die Kunst wieder zur Expertensache erklärt. Das ist vor allem als Gegenbewegung zum allgemeinen Populismus zwar verständlich. Ein bisschen schade ist es trotzdem.
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VIDEO | Berlin Biennale
DEUTSCHE WELLE (05.04.2008) | Beitragslänge 09:07
| ansehen
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Bonjour Tristesse
NZZ - Samuel Herzog
Mit gesenktem Blick durch die Stadt
Adam Szymczyk, im Hauptberuf Direktor der Kunsthalle Basel, der die 5. Biennale zusammen mit Elena Filippovic kuratiert, hat einen gewissen Hang zur Tristesse – das demonstrierte er unlängst auch mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Basel, die den wunderbar traurigen Titel «Poor Thing» trug.
Einer der Künstler, die damals in Basel das Armselige kultivierten, macht nun auch bei der Berlin-Biennale mit: Kilian Rüthemann hat auf dem Gelände des sogenannten Skulpturenparks Berlin-Zentrum 300 kleine, halbkugelförmige Gruben ausgehoben und gibt so einen «gerasterten Blick auf den geschichtsträchtigen Untergrund des Geländes frei» (Katalog) – denn der Skulpturenpark breitet sich auf einer Brache südlich der Spreeinsel aus, wo einst die Mauer Berlin in zwei Teile zerschnitt. Die Kuratoren lehren uns, dass sich Rüthemann mit seiner Geste zwar «auf den ausgetretenen Pfaden der Land-Art» bewegt, dass er sie jedoch auch «wiederbelebt» und gleichzeitig «untergräbt».
Das Vertrauen, dass Wiederholung immer zwingend auch Wiederbelebung und Subversion bedeutet, gehört zu den typischen Haltungen dieser Biennale – bewegen sich doch einige der Künstler auf Pfaden, die man eigentlich für ausgetreten hielt. Auch «Falte B (Gross)» von Thea Djordjadze sieht aus wie eine jener abstrakt-konzeptuellen, von Minimal Art und Konstruktivismus bestimmten Stahlplastiken, mit denen man in den siebziger Jahren die Parks der westlichen Welt bombardierte – auf den ersten Blick jedenfalls. Auf den zweiten Blick eigentlich auch – zu einem dritten kommt es nicht, denn unterdessen sind wir vor dem knurrenden Pitbull geflüchtet, auf dessen Territorium die Plastik steht. Denn der Skulpturenpark ist eigentlich eine riesige Hundeversäuberungszone. Die Kunst stört hier nur wenig – und wenn schon wen schon.
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Der Zaun meiner Nachbarn
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Aus dem Themenbaukasten der Moderne …
Adam Szymczyk und Elena Filipovic hatten keinen leichten Ausgangspunkt für diese Biennale. Die vier vorausgegangenen Ausgaben haben auf ganz unterschiedliche Weise den Zustand der Gegenwartskunst beschrieben. Der größte Erfolg war vor zwei Jahren dem Künstler Maurizio Cattelan und seinen Ko-Kuratoren Ali Subotnick und Massimiliano Gioni beschieden, indem sie ein weiteres Mal kräftig am Mythen-Rad Berlins drehten und die Auguststraße als stimmungsvolle, geschichtsgesättigte Bühne für eine Art Freiluftmuseum nutzten.
Kein Wunder, dass die jetzigen Kuratoren von Beginn an gegen diese Vorgabe arbeiteten. “Berlin-Klischees sind uns egal”, sagte Szymczyk in einem Interview. “Es ist eine so veraltete Idee, über die Stadt als Ganzes zu reden.” Heute Abend wird die fünfte Berlin Biennale eröffnet, und schon nach dem ersten Rundgang ist eines klar: Trotz aller Bemühungen konnten auch der polyglotte Pole, der in Basel die Kunsthalle leitet, und die US-Amerikanerin dem Mythos und den Klischees dieser Stadt nicht entrinnen.
Es ist die Kunst, wie sie Kuratoren lieben, die sich vom hysterischen Kunstmarkt absetzen wollen. Oder wie sie in den derzeit allercoolsten Galerien zu sehen ist, etwa bei Neu, Bortolozzi und Nourbaksch in Berlin, bei Cabinet in London oder Daniel Buchholz in Köln. Der Beifall der jüngeren, intellektuell ehrgeizigen Kollegen wird Szymczyk und Filipovic sicher sein. Wird aber das große Publikum dem historischen Themenbaukasten der Moderne folgen können? Diese Berlin Biennale könnte eine harte Prüfstation für eine Kunst werden, die sich so gerne sophisticated gibt.
BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen
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Banal oder subtil?
DEUTSCHLANDFUNK Kultur - Carsten Probst
Die Berlin Biennale spaltet das Urteil der Kritiker
Wer durch Berlin streift, der kann sie leicht übersehen, die Kunstwerke der Berlin Biennale, die vor der Neuen Nationalgalerie oder auch auf einer Berliner Brachfläche zu sehen sind: Bäume oder scheinbare Werbebanner, die sich mühelos in das Stadtbild einfügen. Als banal und unscheinbar tun einige Kritiker die Ausstellung daher ab, als subtil bezeichnen andere sie.
… Fragilität. Sie ist bei dieser Biennale gewollt. Die ausgestellten Arbeiten markieren Orte in der Stadt, aber sie lenken nicht von ihnen ab, sondern führen auf sie hin, die Umgebung wird selbst zum Werk. Diese neu aufgelegte Variante der Appropriation Art ist ihrerseits zwar nun wieder nicht ganz neu, aber sie garantiert zumindest, dass die Biennale eben keine optischen Gefälligkeiten, keine gehobene Stadtmöblierung anbietet. So bleibt man sich zumindest treu.
Neben der Betonung der Orte besteht ein wesentliches Element dieser Biennale auch in einer Teilung der Zeit in eine Tag- und Nachtseite des Programms, wie Kurator Adam Szymczyk erklärt.
“Nur diese beiden Teile zusammen, der Tag- und der Nachtteil, sind diese Biennale. Von den mehr als hundert Künstlern kann man fünfzig bei Tage sehen, und über sechzig Teilnehmer, vor allem Theoretiker, Produzenten im weitesten Sinn und Künstlerkollektive, präsentieren sich bei Nacht.”
Es geht also um das Grundsätzliche, Raum und Zeit der Stadt, der Moderne, des globalisierten Individuums. Wer die beiden Kuratoren vorher kannte, wusste ungefähr im Voraus, wie das Programm aussehen würde. Adam Szymczyk, der heute Direktor der Basler Kunsthalle ist, ist in der Warschauer Kunstszene der Nachwendezeit groß geworden. Wie fast überall in postsozialistischen Staaten ist diese Szene geprägt von einer wachsenden Skepsis gegenüber den Mechanismen des westlichen Kunstmarkts, der überall seine Kunst-ist-Ware-Ästhetik ausbreitet.
Die Fragilität dieser Biennale ist eigentlich eine Form von Ehrlichkeit. Sie verweigert die Aussage und bekennt stattdessen: Wir wissen auch nicht, was kommt. Eine ehrliche Aussage über den derzeitigen Stand des Kunstbetriebes.
DEUTSCHLANDFUNK - Beitrag lesen
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Diese Kunst sehnt sich nach einem radikalen Neubeginn
TAGESANZEIGER - Barbara Basting
Die 5. Ausgabe der Berlin Biennale macht sich bewusst klein. Ein kühnes Manöver mit Höhen und Tiefen.
«Irgendwie gefrickelt»: dieses Urteil hört man während der Vorbesichtigung der 5. Berlin-Biennale auffallend oft aus dem Mund der deutschen Kollegen.
Es lohnt sich daher, die Blitzdiagnose vom «Gefrickele» näher anzuschauen; sie trifft nämlich ins Herz dieser Biennale. Die erste Frage lautet: Stimmt sie? Wurde da gefrickelt? Die zweite: Und wenn ja, ist das nur negativ? Nach dem Rundgang durch die vier Austragungsorte, die das aktuelle Kuratorenduo dieser Biennale – Adam Szymczyk, aus Warschau gebürtiger Direktor der Kunsthalle Basel, und die Amerikanerin Elena Filipovic – ausgewählt haben, mag man die erste Frage bejahen. Zwar ist alles professionell produziert und präsentiert. Doch es fehlen die sensationellen Gesten, die sich sofort einordnen lassen. Anders als die letzte Berlin-Biennale, die den Ruinen-Chic geschichtsbeladener Orte als melancholische Kulisse nutzte, ist dies keine süffige Schau zum Durchlaufen und Abhaken, sondern kultur- und konsumkritisch gemeintes «Slowfood», manchmal auch Knäckebrot. Und damit wäre die Antwort auf die zweite Frage gegeben: Die reduzierte, ja ärmliche Anmutung ist Programm, eine Art Heilfasten in einervon Kunst übersättigten Welt.
Den Titel der Biennale, «When things cast no shadow» könnte man boshaft gegen sie wenden: Ja, da ist vieles, was womöglich keinen Schatten wirft. Genau das ist aber auch Absicht und steht für eine konsequente Haltung: Wer keine Schatten wirft, steht niemandem vor der Sonne. Grosse, gewichtige Ideologien hatten und haben wir schon genug, und die Kunst lässt sich oft dienstfertig von ihnen einspannen. Von daher spricht diese Biennale auch von der – unerfüllbaren – Sehnsucht nach einem radikalen Neubeginn.
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Lieber artig als großartig
TAZ - Brigitte Werneburg
Die Kunst gehört den Tüchtigen. Gestern wurde die 5. Berlin Biennale eröffnet - mit allzu vielen beflissenen, streberhaften Arbeiten. Schon ihre Funktion ist mehr oder minder die einer Illustration.
“Wenn die Dinge keine Schatten werfen”, trägt sich die 5. Berlin Biennale mit ihrem Titel hochpoetisch dem Publikum an. Was immer das meint, am Ende des Ausstellungsparcours macht man sich seinen eigenen Reim darauf, der lautet, dann waren Streber am Werk. Die Streber, die immer alles richtig machen und dem Lehrer oder Prof gefallen wollen, die fleißig mitschreiben, was angesagt ist an Themen, Methoden, Materialien und Theorie in der zeitgenössischen Kunst. Unausweichlich führt diese Beflissenheit zu unoriginellen Dingen, die schon deshalb keine Schatten werfen können, weil sie selbst im Schatten des schon Bewährten stehen, an dem sie sich orientieren.
Junge smarte Leute in schwierigen Zeiten, mit auffällig artigem Benehmen. Vor allem die selbstbewussten Mädchen sind lieber artig als großartig. Schließlich sind sie sich sicher, dass ihnen - anders als der vorangegangenen Generation feministischer Aktivistinnen und Künstlerinnen - die Welt gehört.
Eine tüchtige Artigkeit jedenfalls prägt die Schau. Verquere, raue, großspurige, rohe und aggressive Positionen finden sich so wenig wie sexuell explizite Statements, der Körper ist heute ein Baukörper.
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Die ganze Welt der Miniatureisenbahn
ARTNET - Gerrit Gohlke
Seien wir gerecht. Beim Zehnkampf der Kuratoren wird diese 5. berlin biennale mit einem fachlich nicht zu beanstandenden Punktergebnis bedacht. Verunsicherung der Kunstkritik? Neun von zehn Punkten. Verlangsamung des übereilten Publikums? Respektable Haltungsnoten für einen ebenso eleganten wie genussfähig-rätselhaften Parcours. Diese Ansammlung von Werken, von einer Kollegin in einer von ihrer Redaktion gestrichenen Überschrift respektlos „Kraut und Rüben“ genannt, steckt niemand so einfach in die Tasche.
Man muss sich mühen um diese Ausstellung, die an den richtigen Stellen spröde, an den richtigen Stellen theatralisch ist. Da ist nichts einfach, aber man verliert nicht die Lust auf den nächsten Raum. Jetzt, da in den ersten Kritiken steht, dies sei ein Festspiel für Experten, muss man dringend Widerspruch artikulieren. Dies ist eine Ausstellung, in der man der Versuchung zur quotenträchtigen Blödheit wirklich nachhaltig ausgewichen ist.
Der Pressespiegel muss nur auch den nächsten Satz noch mitzitieren: Es ist eine Biennale, die man als Dummy liebt. Sie ist ein wirklich gut gestaltetes Entwurfsmodell. Wer die letzte documenta tolldreist-dilettantisch fand, freut sich schon nach den ersten fünf Minuten, die er in den Kunst-Werken verweilt. Weniger Freude macht die Neue Nationalgalerie. Noch weniger Freude macht der Skulpturenpark Berlin_Zentrum. Süß und anregend ist der Schinkel-Pavillon. Aber was soll man die Orte gegeneinander abwägen wie ein bärtiger Kunsthistoriker? Diese Biennale ist ein Strukturentwurf. Mit den Inhalten hat man sich erst einmal Zeit gelassen.
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When things cast no shadow
| 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
| bis zum 15. Juni 2008
Apr
12
Mark Leckey | Resident
April 12, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunstverein Köln |
Der Central Kunstpreisträger 2008 Mark Leckey (geb. 1964) präsentiert im Kölnischen Kunstverein vom 17. April bis zum 08. Juni 2008 die umfassende Einzelausstellung Resident. Der Titel bezieht sich nicht nur auf Leckeys Residency im Kölnischen Kunstverein, sondern auch auf die Konzeption der Ausstellung entlang der horizontalen und vertikalen architektonischen Hauptachsen des Gebäudes. Leckey greift damit die für ihn kennzeichnende Arbeitsweise auf, seinen Wohnort als Ausgangspunkt seiner Arbeiten zu wählen.
Im Ausstellungsraum, auf horizontaler Achse, präsentiert Leckey die Video-Installation Cinema-in-the-Round (2007), in der der Künstler in einer Art Performance-Vortrag seine Sammlung aus Film-, Fernsehen- und Videozitaten vorstellt. Fasziniert davon, wie die Bilder auf der Leinwand scheinbar zum Leben erwachen, spricht er über die Übergänge vom Zwei- zum Dreidimensionalen und dem Verhältnis von Objekt und Bild.
Die skulpturalen Qualitäten des Films werden neben Cinema-in-the-Round auch in dem 16mm-Film Made in ´Eaven (2004) und den Videos Felix gets Broadcasted (2007) und The Thing in Regent´s Park (2006) evident.

In Ersterem hat man den Eindruck, die Kamera fängt die berühmte Playboy Bunny-Figur des amerikanischen Künstlers Jeff Koons von allen Seiten ein. Erst wenn man die Reflexion in der hochglänzenden Skulptur bemerkt, die das Atelier des Künstlers, jedoch nicht die Kamera spiegelt, begreift man, dass es sich um eine animierte Sequenz handelt. Diese ist wiederum ins 16mm-Format übertragen und wird wie eine Skulptur auf einem Sockel präsentiert.
Bei The Thing in Regent´s Parks ist eine merkwürdige animierte Skulptur (von J. D. Williams) zu sehen, die durch den Londoner Regent´s Park läuft und damit einen Weg nimmt, den der Künstler täglich benutzt, um zu seinem Studio zu gelangen. Darüber hinaus wird der Künstler eine Abbildung der Hahnskulptur, die vor dem Kunstvereinsgebäude postiert ist, im Ausstellungsraums mittels eines Zoetrope zum Laufen bringen – einem Gerät, das die Illusion bewegter Bilder vermittelt. Selbst die Werbung für die Ausstellung hat der Künstler übernommen. Zwei Fenster des Ausstellungsraums verändert Mark Leckey zu Schaufenstern, in denen er seine künstlerischen Produktionen im Inneren vorstellt und bewirbt, und damit – für die Passanten sichtbar – die Folge der kleinen Schaufenster auf der Hahnenstraße imitiert.
Vom Keller bis in den Theatersaal verläuft die Vertikale mit Arbeiten, in denen Leckey die Mechanismen des Fernsehens reflektiert. Im Mittelpunkt steht die Cartoonfigur Felix the Cat, deren Abbildung in den 20er Jahren für die ersten amerikanischen Fernsehübertragungen als Testbild verwendet wurde. Auf der Bühne im Theatersaal baut Leckey eine Art Filmset für die Cartoonfigur Felix auf, die nach einer Fotovorlage der Filmkulisse aus den 1920er Jahren mit einzelnen Requisiten nachgestellt wird. Im Kino sieht man schließlich eine humorvollen Felix-Animation im 16mm-Format und im Keller schließlich findet man eine Soundskulptur, die die Form einer Heizmaschine hat und die ganze Installation von unten anzufeuern scheint.
Am 14. Mai 2008 um 19 Uhr wird auf der Bühne eine Live-Performance von Leckey in der Filmset-Installation stattfinden. Er hält einen Vortrag, in der er seine Sicht auf die Geschichte des Fernsehens reflektieren wird: Bedeutung und Verfall einschließlich der Rolle des BBC in diesem Zusammenhang.
Mark Leckey
In den 1990er Jahren montierte und manipulierte Leckey Musik und Found Footage zu musikclip-ähnlichen Videos, um nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten des Kunstmediums zu suchen. Die Tatsache, dass heute im Gegensatz zu den 1990er Jahren, Bilder, Film- und Fernsehsequenzen durch das Internet schnell und frei verfügbar sind und die Methode des Samplens zu einem künstlerischen Standard geworden ist, hat Leckey dazu geführt, sich stärker mit der Konstruktion „eigener“ Bilder zu beschäftigen und die Frage nach der Rolle der Kunst und dem Ort der Kunstproduktion in seinen Videos und Installationen zu verhandeln.
Bekannt geworden ist Leckey für seine Videos, aber auch für seine Arbeit mit der Band Jack2Jack. Mit Ed Liq, Bonnie Camplin und Enrico David ist er Gründer der Band donAteller.
VIDEO | donAteller | Medley 2006
Zuletzt war Leckey mit einer Einzelausstellung im Le Consortium in Dijon zu sehen, davor mit Projekten im Portikus in Frankfurt, Migros Museum in Zürich, Tate Britain, London and in Gruppenausstellung im P.S.1/MoMA, Dundee Contemporary Arts sowie der Manifesta 5. Mark Leckey ist Professor für Film an der Städelschule in Frankfurt a. M..
Mark Leckey | Resident
| Kunstverein Köln
| Eröffnung: 16. April um 19 Uhr
| 17. April bis zum 08. Juni 2008
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Mark Leckey | Gorgeousness & Gorgeosity
Portikus Frankfurt 03.12.2005 - 22.01.2006
VIDEO | The Drunken Bakers drink Tankograd,
excerpt, 2005 (DVD, 55 min.)
Für die Arbeit über mentalen und körperlichen Verfall, deren Bildmaterial dem populären VIZ-Comic-Magazine UK entnommen ist, produzierte der Künstler eine neue Tonspur, für die er seine eigene Stimme sowie die seines Kollegen Steve Claydon verwendete.
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Zu schnell für Flaneure
ARTNET - Ludwig Seyfarth
Auf der ersten Ebene könnte man Mark Leckey fast für einen Formalisten halten. Ihn interessiert das Verhältnis von Horizontalität und Vertikalität ebenso wie das von Zwei- und Dreidimensionalität. Wie alle Räume, in denen er arbeitet, durchmisst er deshalb auch das Gebäude des Kölnischen Kunstvereins.
Wie schwierig es ist, dieses vielfältige und an Referenzen überbordende Werk überhaupt einzuordnen, wird daran deutlich, dass ausgerechnet jene deutsche Kunstzeitschrift, die ihren Lesern Kunst als Zeitgeist und Lifestyle erklärt, Leckey mit einer unangemessen antiquierten Metapher etikettiert. Leckey als „Flaneur des Pop“ zu bezeichnen, suggeriert die Geschwindigkeit des Spaziergängers, der auf seiner Langsamkeit beharrt und so aus der Geschwindigkeit seiner Umgebung herauszutreten vermag.
Aber Leckey ist ein Kind des fortgeschrittenen Medienzeitalters, das Marshall McLuhan 1964 im Geburtsjahr des Künstlers mit seinem Buch Understanding Media visionär beschrieb. Im elektronischen Zeitalter, so McLuhan, würden alle Menschen zu „Informationssammlern“ werden, was zunehmend mit dem Begriff „Kultur“ überhaupt zusammenfiele.
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Mark Leckey | Resident
| Kunstverein Köln
| Eröffnung: 16. April um 19 Uhr
| 17. April bis zum 08. Juni 2008
Apr
4
Action Painting
April 4, 2008 | Comments Off
Jackson Pollock bei der Arbeit an One: Number 31, 1950,
Lee Krasner im Hintergrund | Foto: Hans Namuth
© 2008, ProLitteris, Zürich
Kunstschau Hamburg - Jens Ullheimer | PT Fondation Beyeler |
Die Ausstellung Action Painting in der Fondation Beyeler, Basel-Riehen | Schweiz widmet sich bis zum 12. Mai 2008 dem Phänomen der abstrakten gestischen Malerei, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa und Amerika etablierte. Die Ausstellung präsentiert rund einhundert Werke von 27 Künstlern aus Europa, Süd- und Nordamerika sowie Asien.
Trotz aller Unterschiede - zwischen dem europäischen Informel und dem amerikanischen Abstrakten Expressionismus - überwiegen, von heute aus gesehen, die Übereinstimmungen. Die Künstler wagten einen geradezu revolutionären Neuanfang, indem sie traditionelle Grenzen der Kunst überschritten: In der radikalen Konzentration auf die spontane Malgeste sollte sich die Persönlichkeit des Künstlers unmittelbar auf dem Bild zeigen.
Jackson Pollock, wie er mit kreisenden, tänzerischen Bewegungen Farbe auf die am Boden liegende Leinwand tropfen lässt: Dieses Image vom „action painter“ hat nicht nur Pollock zum führenden Protagonisten einer der folgenreichsten Avantgarden des 20. Jahrhunderts werden lassen – es ist zum unverwechselbaren Signet der Moderne überhaupt geworden.
Auf der Reise durch einen Mythos der Moderne begegnen uns neben Pollock weitere berühmte Maler wie Willem de Kooning, Clyfford Still, Sam Francis, Roberto Matta und Pierre Soulages ebenso wie Künstler, die einst gefeiert wurden, dann in Vergessenheit geraten sind und heute wiederentdeckt werden.
Anhand der in der Ausstellung gezeigten Gemälde von Ernst Wilhelm Nay, Arshile Gorky, Wols, Morris Louis und Kazuo Shiraga werden die vielseitigen Bild-Möglichkeiten von Farbe und Malgeste offenkundig. Stellvertretend für die folgende Künstlergeneration stehen Arbeiten von Eva Hesse und Cy Twombly, die den Begriff des Action Painting erweitern.
Grundsätzlich werden in der Ausstellung zwei Ausdrucksformen abstrakter Malerei, die auf »action« beruhen, ins Blickfeld gerückt: einerseits die Malgeste, die gleichsam auf der Leinwand »protokolliert« wird, und andererseits die vom Maler einer Art von gelenktem Zufall überlassene Farbe. Oft werden beide Arbeitsprinzipien kombiniert, was vor allem bei Jackson Pollock unverkennbar ist. Eine grosse Gruppe wichtiger Bilder Pollocks, die zwischen 1946 und 1953 entstanden ist und alle Möglichkeiten seiner künstlerischen Ausdrucksformen zeigt, bildet das Zentrum der Ausstellung. Darunter sind so legendäre Werke wie Out of the web (1949) aus der Staatsgalerie Stuttgart, Number 7 (1950) aus dem MoMA in New York und Search von 1955, das letzte vom Künstler vollendete Bild (Courtesy Galerie Hauser & Wirth).
Deutlich wird, in welch hohem Masse die gestische Malerei für ein aktiv betrachtendes Publikum gemalt worden ist, wie sehr alle diese Bilder nach einem Betrachter verlangen, durch den sie erst vollendet werden. Kunst, die sich auf Künstlerpersönlichkeit, Geste und Material konzentriert, benötigt den teilhabenden, sich mit ihr auseinandersetzenden Betrachter: »Action Painting« lädt ein zu »Action Viewing«.
Die zur gleichen Zeit wie die Bilder produzierten Filme, die erstmals authentische Einblicke in den Arbeitsprozess der Künstlern gewähren, spielen in der Ausstellung eine wichtige Rolle. An erster Stelle sind hier die beiden 1950 entstandenen Filme von Hans Namuth zu nennen, die von unschätzbarem Wert sind, indem sie enorm viel über den Schöpfungsprozess der Bilder aussagen. In einer vom New Yorker Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro gestalteten, spektakulären Rauminstallation werden neben diesen beiden Filmen noch weitere gezeigt, darunter auch Alain Resnais’ Fragment gebliebener Dokumentarfilm über Hans Hartung von 1947.
Es ist gelungen, Museen von höchstem Rang wie das MoMA und das Whitney Museum in New York, die National Gallery of Art und das Hirshhorn Museum in Washington, das Louisiana Museum for Moderne Kunst in Humlebæk ebenso wie das Kunstmuseum Basel, das Kunsthaus Zürich und die Kunsthalle in Bern als Leihgeber zu gewinnen. Zudem war es möglich, aus vielen bedeutenden Privatsammlungen Leihgaben zu erhalten.
Action Painting
| Fondation Beyeler, Basel-Riehen | Schweiz
| bis 12. Mai 2008
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Action Painting
Jackson Pollock
Hrsg. Fondation Beyeler, Text von Gottfried Boehm, Robert Fleck, Pepe Karmel, Jason Edward Kaufman, Ulf Küster
| Deutsch
| 2008. 204 Seiten,
| 218 Abb.,
| davon 170 farbig,
| 2 Klapptafeln
| 25,50 x 31,10 cm
| gebunden mit Schutzumschlag
Die Geschichte der modernen Malerei spiegelt die sich immer deutlicher darstellende Individualität des Künstlers in seinem Werk. Bilder wurden zunehmend zum Protokoll der sich in Malbewegungen ausdrückenden Persönlichkeit des Malers: Diese Entwicklung, die seit dem Realismus und Impressionismus relativ kontinuierlich verlief, fand ihren Höhepunkt in der gestischen Malerei der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – vor allem in den Werken von Jackson Pollock (1912–1956), dessen bahnbrechende Drip-Technik den Begriff des Action-Painting geprägt hat. Die Leinwand war zum Aktionsfeld des Künstlers geworden.
Mit Werken von 27 Hauptvertretern widmet sich die Publikation den wesentlichen Aspekten gestisch-abstrakter Malerei zwischen 1945 und 1965 und beleuchtet dabei auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Spielarten in Amerika und Europa. Textbeiträge ausgewiesener Fachautoren sowie Einführungen zu allen vorgestellten Künstlern machen den Band zu einer profunden Darstellung einer der wichtigsten Kunstbewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
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Imposante Gebärden
NZZ - Hans-Joachim Müller
Die Schau erweist sich als prächtig ausgestattetes Bilderbuch. …
Ganz verwunden hat es ja die avantgardistische Moderne nie, dass den Bildern die lästige Mimesis nicht vollends auszutreiben war und die Gegenstände immer wieder triumphal zurückgekehrt sind. Dass der aufgeklärte Zeitgenosse polyglott zwischen den Kunstsprachen hin und her geschaltet hätte, zwischen Idee und Abbildung, Entfaltung und Darstellung, Erlösung von der Erzählung und Gebundenheit an die Form, es war immer nur eine freundliche Hoffnung.
Tatsächlich ging es um Parteinahme und Widerstand, um Bewahren und Überwinden, um Anwaltschaft für die verlorene und Einsatz für die zukünftige Sache. Und wenn es anders, als es die Fortschrittserzählung will, auch nie zum wirklichen Sieg über die vermaledeite Gegenstandsmalerei gekommen ist, so galt der späte Monet mit seinen ungesehenen Licht- und Farbpanoramen doch allemal mehr als der späte Renoir mit seinem starrsinnigen Festhalten am alten Nymphenthema.
So gesehen muss die derzeit in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel stattfindende Ausstellung «Action-Painting», die mitten im populären Aufmarsch figürlich gegenständlicher Malerei an die gestische Abstraktion der Fünfziger und Sechziger des vergangenen Jahrhunderts erinnert, wie ein Fanal wirken. Zumal wenn sie es mit so wohlsortierten Ensembles und der wählerischen Distinktion des historischen Abstands tut.
Ganz ausdrücklich will «Action-Painting» einem kunstgeschichtlichen Klischee widersprechen, das die europäischen Künstler gerne in der Defensive gegenüber ihren US-Kollegen sieht. Vergessen die imperiale Wucht, mit der die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg auftraten, vergessen die produktiven Schocks, die ihre Bilder in Paris, in Bern, im Rheinland auslösten. Nun sind die alten Streithähne zu friedlicher Koexistenz aufgefordert. Halten sie sich daran? Ihre Ruhe mutet so künstlich an wie das behauptete transatlantische Gleichgewicht. Ohne Tricks wäre es gar nicht möglich gewesen. Und der Trick ist eben, die grossen Amerikaner wo immer möglich klein zu halten. Am deutlichsten im zentralen Pollock-Kabinett, das in seiner willkürlichen Beschränkung auf die Kammerformate der Werkverfälschung ziemlich nahe kommt. So präsentiert, scheint es tatsächlich nicht mehr einsichtig, was diese Malerei, auf die der Begriff Action-Painting ja ursprünglich gemünzt gewesen ist, so überlegen sein lässt, was Pollock den kunstbetrieblichen Vorrang gegenüber einem Maler wie etwa Gerhard Hoehme verschafft haben könnte.
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VIDEO | Jackson Pollock 51, 1951 (excerpt)
Hans Namuth and Paul Falkenberg (directors)
Morton Feldman (composer)
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Das Malen als Thema der Malerei
FR online - Peter Iden
Ist es wichtig, von einem Ergebnis zu wissen oder daran zu erkennen, wie es dazu gekommen ist? Um die Frage zu verengen in Hinsicht auf künstlerische Lösungen: Wie entscheidend ist der Prozess der Entstehung zum Beispiel eines gemalten Bildes für dessen Wirkung, für die Ausstrahlung, die Kraft des Resultats, seinen Betrachter nachhaltig zu beschäftigen, vielleicht ihn zu berühren? Zählt nicht einzig, was wir schließlich vor Augen haben?
Das sind Fragen, die sich, nimmt man etwa die Entdeckung der perspektivischen Erfassung der Realität in der Malerei der italienischen Renaissance, schon an die alte Kunst stellen lassen. Aber viel mehr noch, spätestens seit Breton für den Surrealismus die Praxis der écriture automatique propagierte, an künstlerische Entwicklungen der jüngeren Moderne des 20. Jahrhunderts. Es hat hier - und das gilt für die aktuellsten bildnerischen Ausdrucksformen in besonderem Maß - der Prozess, der dem Ergebnis vorausgeht, zunehmend an Bedeutung gewonnen. So sehr, dass oft der Vorgang der Entstehung selber Stoff und Thema der Werke ist.
Die Ausstellung dokumentiert ein frühes Beispiel für den neuen Stil (”Composition with Pouring I”, aus einer amerikanischen Privatsammlung) und lässt dann sichtbar werden, wie die Farbverläufe sich mehr und mehr überlagern und die Bildflächen immer dichter überziehen (”Number 5″, von 1948, aus dem Besitz der Basler Galerie Beyeler). Im folgenden Jahr entsteht das Großformat “Out of the Web” (”Aus dem Gewebe heraus”, Stuttgarter Staatsgalerie), in dem scharf eingegrenzte Segmente der Leinwand von der Ausschüttung der Farben nicht erfasst sind und wie Tänzer durch das Bild zu schweben scheinen. Mit “Search” (”Suche”, aus Privatbesitz) enthält die Ausstellung auch das letzte Bild Pollocks in der neuen Technik. Er hatte, sich körperlich einbringend in den Malprozess, Grenzen durchstoßen, wie ein Jahrzehnt nach ihm auf andere Weise Mark Rothko. Solche Transgressionen, Überschreitungen des Bekannten in ein Unbekanntes können existentielle Belastungen bedeuten, die schließlich unerträglich werden: Wie nach ihm Mark Rothko nahm Pollock sich 1956 durch einen wahrscheinlich absichtlich verursachten Autounfall das Leben.
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Der strukturierte Zufall
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Christian Gampert
Action Painting steht für jene Kunst aus den 40er Jahren, die eigentlich eine Technik des Abstrakten Expressionismus ist: Da wird die Farbe getröpfelt, geschüttet und auf die Leinwand geschmettert. Dripping, Pouring, Smashing heißt das beim prominentesten Vertreter Jackson Pollock. Seine Werke und die vieler anderer hat die Fondation Beyeler in der Sonderausstellung Action Painting zusammengefasst.
Die Revolution kam nicht über Nacht, sie wurde lange vorbereitet. Es war nicht so, dass 1947 plötzlich ein glatzköpfiger Herr namens Jackson Pollock in einem Bauernhaus bei New York aufstand und tranceartig tänzelnd Farbe auf eine am Boden liegende Leinwand spritzte. Der Deutsche Hans Hofmann mit seinen leuchtenden Farbwirbeln hatte vorher schon ähnlich gearbeitet. Vor allem aber gab es eine lange Tradition wilden, gestischen Malens aus der Bewegung, aus dem Körper heraus.
Diese Vorgeschichte, die eher unbekannten Bilder etwa von Jean Fautrier zu präsentieren, ist die eigentliche Stärke dieser Ausstellung, die historische Linien zeigen will. Fautrier hatte schon in den 1930iger Jahren in seine düsteren Seelenlandschaften gestanzt, gekritzelt, mit Farbe gespachtelt. Der eher dem Informel zugehörige Wols hatte in den 40igern in seine existentialistischen Farbexplosionen wütend hineingekratzt und gedrippt. Kraftvolles, vegetatives verzweifeltes Malen war das, kurz nach Hiroshima und Holocaust. Der dem türkischen Völkermord an den Armeniern entkommene Arshile Gorky hatte in Amerika mit verflüssigten Pigmenten lyrische Farbklänge gemalt.
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Beitrag lesen
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Action Painting
| Fondation Beyeler, Basel-Riehen | Schweiz
| bis 12. Mai 2008


