Mark Leckey | Resident
KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Kunstverein Köln
Der Central Kunstpreisträger 2008 Mark Leckey (geb. 1964) präsentiert im Kölnischen Kunstverein vom 17. April bis zum 08. Juni 2008 die umfassende Einzelausstellung Resident. Der Titel bezieht sich nicht nur auf Leckeys Residency im Kölnischen Kunstverein, sondern auch auf die Konzeption der Ausstellung entlang der horizontalen und vertikalen architektonischen Hauptachsen des Gebäudes. Leckey greift damit die für ihn kennzeichnende Arbeitsweise auf, seinen Wohnort als Ausgangspunkt seiner Arbeiten zu wählen.
Im Ausstellungsraum, auf horizontaler Achse, präsentiert Leckey die Video-Installation Cinema-in-the-Round (2007), in der der Künstler in einer Art Performance-Vortrag seine Sammlung aus Film-, Fernsehen- und Videozitaten vorstellt. Fasziniert davon, wie die Bilder auf der Leinwand scheinbar zum Leben erwachen, spricht er über die Übergänge vom Zwei- zum Dreidimensionalen und dem Verhältnis von Objekt und Bild.
Die skulpturalen Qualitäten des Films werden neben Cinema-in-the-Round auch in dem 16mm-Film Made in ´Eaven (2004) und den Videos Felix gets Broadcasted (2007) und The Thing in Regent´s Park (2006) evident.
In Ersterem hat man den Eindruck, die Kamera fängt die berühmte Playboy Bunny-Figur des amerikanischen Künstlers Jeff Koons von allen Seiten ein. Erst wenn man die Reflexion in der hochglänzenden Skulptur bemerkt, die das Atelier des Künstlers, jedoch nicht die Kamera spiegelt, begreift man, dass es sich um eine animierte Sequenz handelt. Diese ist wiederum ins 16mm-Format übertragen und wird wie eine Skulptur auf einem Sockel präsentiert.

Bei The Thing in Regent´s Parks ist eine merkwürdige animierte Skulptur (von J. D. Williams) zu sehen, die durch den Londoner Regent´s Park läuft und damit einen Weg nimmt, den der Künstler täglich benutzt, um zu seinem Studio zu gelangen. Darüber hinaus wird der Künstler eine Abbildung der Hahnskulptur, die vor dem Kunstvereinsgebäude postiert ist, im Ausstellungsraums mittels eines Zoetrope zum Laufen bringen – einem Gerät, das die Illusion bewegter Bilder vermittelt. Selbst die Werbung für die Ausstellung hat der Künstler übernommen. Zwei Fenster des Ausstellungsraums verändert Mark Leckey zu Schaufenstern, in denen er seine künstlerischen Produktionen im Inneren vorstellt und bewirbt, und damit – für die Passanten sichtbar – die Folge der kleinen Schaufenster auf der Hahnenstraße imitiert.
Vom Keller bis in den Theatersaal verläuft die Vertikale mit Arbeiten, in denen Leckey die Mechanismen des Fernsehens reflektiert. Im Mittelpunkt steht die Cartoonfigur Felix the Cat, deren Abbildung in den 20er Jahren für die ersten amerikanischen Fernsehübertragungen als Testbild verwendet wurde. Auf der Bühne im Theatersaal baut Leckey eine Art Filmset für die Cartoonfigur Felix auf, die nach einer Fotovorlage der Filmkulisse aus den 1920er Jahren mit einzelnen Requisiten nachgestellt wird. Im Kino sieht man schließlich eine humorvollen Felix-Animation im 16mm-Format und im Keller schließlich findet man eine Soundskulptur, die die Form einer Heizmaschine hat und die ganze Installation von unten anzufeuern scheint.
Am 14. Mai 2008 um 19 Uhr wird auf der Bühne eine Live-Performance von Leckey in der Filmset-Installation stattfinden. Er hält einen Vortrag, in der er seine Sicht auf die Geschichte des Fernsehens reflektieren wird: Bedeutung und Verfall einschließlich der Rolle des BBC in diesem Zusammenhang.
Mark Leckey
In den 1990er Jahren montierte und manipulierte Leckey Musik und Found Footage zu musikclip-ähnlichen Videos, um nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten des Kunstmediums zu suchen. Die Tatsache, dass heute im Gegensatz zu den 1990er Jahren, Bilder, Film- und Fernsehsequenzen durch das Internet schnell und frei verfügbar sind und die Methode des Samplens zu einem künstlerischen Standard geworden ist, hat Leckey dazu geführt, sich stärker mit der Konstruktion „eigener“ Bilder zu beschäftigen und die Frage nach der Rolle der Kunst und dem Ort der Kunstproduktion in seinen Videos und Installationen zu verhandeln.
Bekannt geworden ist Leckey für seine Videos, aber auch für seine Arbeit mit der Band Jack2Jack. Mit Ed Liq, Bonnie Camplin und Enrico David ist er Gründer des Glam-Trash-Duos donAteller. Der Name der Band ist eine Referenz an die Schwester von Gianni Versace und bezeichnet ein laufendes Gemeinschaftsprojekt Mark Leckeys mit Ed Liq. Die Produkte dieser Zusammenarbeit sind Studioaufnahmen (Radiohead, 2001) und Liveauftritte. Als Produzent von donAteller ist Mark Leckeys Bühnenpräsenz bei dem Projekt minimal. Sie beschränkt sich auf Background-Vocals und kurze Auftritte in seinem Aquascutum©-Regenmantel.
VIDEO | donAteller | Medley 2006
Zuletzt war Leckey mit einer Einzelausstellung im Le Consortium in Dijon zu sehen, davor mit Projekten im Portikus in Frankfurt, Migros Museum in Zürich, Tate Britain, London and in Gruppenausstellung im P.S.1/MoMA, Dundee Contemporary Arts sowie der Manifesta 5. Mark Leckey ist Professor für Film an der Städelschule in Frankfurt a. M. und Turner-Preisträger 2008.
Mark Leckey | Resident
| Kunstverein Köln
| Eröffnung: 16. April um 19 Uhr
| 17. April bis zum 08. Juni 2008
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PUBLIKATION
Mark Leckey: 7 Windmill Street W1
Catalogue. Zurich 2003.
Essays von Mark Leckey, Neil Mulholland & Heike Munder.
ZÜRICH, MIGROS MUSEUM FÜR GEGENWARTSKUNST
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Koenig W.; Auflage: 1 (Februar 2004)
Sprache: Englisch
Illustration: 80 colour illustrationen
160mm x 230mm
“7 Windmills Street W1″ ist der erste Gesamtkatalog, der einen Überblick über Mark Leckeys unterschiedliche Aktivitäten gibt. Er wurde vom Künstler selbst herausgegeben und soll einen umfassenden Nachweis über seine Arbeitsmethoden und Interessengebiete zeigen. Als Quelle dienen Bilder von seinen wichtigsten Produktionen, aber auch ein Fundus von anderem visuellen Material, das er im Laufe der Jahre zusammengetragen hat.
Mark Leckey creates his works by merging, sampling, recreating and referencing material from the current pop-culture & music and it´s historic predeccesors. His videos, collages and performances reference Saint Just, Montesqieu, Walther Pater Patrick Procter as well as Beyonce, Jeff Koons and the Spice Girls. 7 Windmill Street W1 is the first survey catalogue of his various activities. Conceived as a source book of his working methods and fields of interest, it has been edited by the artist and features images of his main productions, as well as a wealth of other visual materials he has gathered through the years. In addition to original contributions by the artist, it includes reprints of texts from Michel Leiris, and the 19th century-writer Walter Pater, and song lyrics.
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Für die Arbeit über mentalen und körperlichen Verfall, deren Bildmaterial dem populären VIZ-Comic-Magazine UK entnommen ist, produzierte der Künstler eine neue Tonspur, für die er seine eigene Stimme sowie die seines Kollegen Steve Claydon verwendete.
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Zu schnell für Flaneure
ARTNET – Ludwig Seyfarth
Auf der ersten Ebene könnte man Mark Leckey fast für einen Formalisten halten. Ihn interessiert das Verhältnis von Horizontalität und Vertikalität ebenso wie das von Zwei- und Dreidimensionalität. Wie alle Räume, in denen er arbeitet, durchmisst er deshalb auch das Gebäude des Kölnischen Kunstvereins.
Wie schwierig es ist, dieses vielfältige und an Referenzen überbordende Werk überhaupt einzuordnen, wird daran deutlich, dass ausgerechnet jene deutsche Kunstzeitschrift, die ihren Lesern Kunst als Zeitgeist und Lifestyle erklärt, Leckey mit einer unangemessen antiquierten Metapher etikettiert. Leckey als „Flaneur des Pop“ zu bezeichnen, suggeriert die Geschwindigkeit des Spaziergängers, der auf seiner Langsamkeit beharrt und so aus der Geschwindigkeit seiner Umgebung herauszutreten vermag.
Aber Leckey ist ein Kind des fortgeschrittenen Medienzeitalters, das Marshall McLuhan 1964 im Geburtsjahr des Künstlers mit seinem Buch Understanding Media visionär beschrieb. Im elektronischen Zeitalter, so McLuhan, würden alle Menschen zu „Informationssammlern“ werden, was zunehmend mit dem Begriff „Kultur“ überhaupt zusammenfiele.
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Mark Leckey | Resident
| Kunstverein Köln
| Eröffnung: 16. April um 19 Uhr
| 17. April bis zum 08. Juni 2008
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