5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
Die 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst mit dem Titel “When things cast no shadow”, kuratiert von Adam Szymczyk und Elena Filipovic, ist bis zum 15. Juni 2008 für das Publikum geöffnet.
“When things cast no shadow” besteht aus zwei Teilen, die bei Tag und bei Nacht stattfinden: Der tagsüber stattfindende Teil der 5. Berlin Biennale ist an vier Ausstellungsorten zu sehen und stellt vornehmlich Neuproduktionen von 50 KünstlerInnen aus vier Generationen vor, die mit unterschiedlichen Medien arbeiten. In der Nacht wird die Ausstellung durch 63 abendliche Veranstaltungen mit über 100 weiteren KünstlerInnen und KulturproduzentInnen an unterschiedlichen Orten in die ganze Stadt erweitert.
When things cast no shadow
| 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
| bis zum 15. Juni 2008
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Auf der Schulter der Moderne
FR online – Elke Buhr
“When Things Cast No Shadow”, wenn die Dinge keinen Schatten werfen, lautet ihr Titel: Bloß kein Hype, bloß kein Event – und vor allem, bloß keine Nähe zum Kunstmarkt. Wo die letzte Biennale sich noch mit Unterstützung potenter Galerien einige Stars aus dem Kunstzirkus einlud, besteht die Künstler-Liste diesmal aus 50 weitgehend unbekannten Namen.
Ernst ist diese Berlin-Biennale, ein Parcours für den Kopf, und dabei hinter dem Deckmantel ihrer Bescheidenheit ein bisschen borniert: Denn wer sich angesichts der vielen kleinteiligen Konzept-Arbeiten ein bisschen mehr Leichtigkeit und visuelle Lust wünscht, wird sich angesichts der allgemeinen Ernsthaftigkeit schnell peinlich berührt auf die Lippen beißen.
Kunst, so meinen die Kuratoren, ist eine Methode zur Betrachtung der Dinge, und Ausstellungen ein Schnappschuss der Gesellschaft. Sie haben sich damit, bei aller programmatischen Nicht-Programmatik, viel vorgenommen. Helfen soll dabei das ausgedehnte Nachtprogramm, das, wie einst bei Catherine Davids Diskurs-Documenta, gleichberechtigter Teil der Ausstellung sein soll: Ob Hirnforschung, Robotertechnik oder kroatische Avantgarde der fünfziger Jahre, hier werden alle Spezialinteressen bedient.
Adam Szymczyk und Elena Filipovic haben auf dieser Berlin-Biennale die Kunst wieder zur Expertensache erklärt. Das ist vor allem als Gegenbewegung zum allgemeinen Populismus zwar verständlich. Ein bisschen schade ist es trotzdem.
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VIDEO | Berlin Biennale
DEUTSCHE WELLE (05.04.2008) | Beitragslänge 09:07
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Bonjour Tristesse
NZZ – Samuel Herzog
Mit gesenktem Blick durch die Stadt
Adam Szymczyk, im Hauptberuf Direktor der Kunsthalle Basel, der die 5. Biennale zusammen mit Elena Filippovic kuratiert, hat einen gewissen Hang zur Tristesse – das demonstrierte er unlängst auch mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Basel, die den wunderbar traurigen Titel «Poor Thing» trug.
Einer der Künstler, die damals in Basel das Armselige kultivierten, macht nun auch bei der Berlin-Biennale mit: Kilian Rüthemann hat auf dem Gelände des sogenannten Skulpturenparks Berlin-Zentrum 300 kleine, halbkugelförmige Gruben ausgehoben und gibt so einen «gerasterten Blick auf den geschichtsträchtigen Untergrund des Geländes frei» (Katalog) – denn der Skulpturenpark breitet sich auf einer Brache südlich der Spreeinsel aus, wo einst die Mauer Berlin in zwei Teile zerschnitt. Die Kuratoren lehren uns, dass sich Rüthemann mit seiner Geste zwar «auf den ausgetretenen Pfaden der Land-Art» bewegt, dass er sie jedoch auch «wiederbelebt» und gleichzeitig «untergräbt».
Das Vertrauen, dass Wiederholung immer zwingend auch Wiederbelebung und Subversion bedeutet, gehört zu den typischen Haltungen dieser Biennale – bewegen sich doch einige der Künstler auf Pfaden, die man eigentlich für ausgetreten hielt. Auch «Falte B (Gross)» von Thea Djordjadze sieht aus wie eine jener abstrakt-konzeptuellen, von Minimal Art und Konstruktivismus bestimmten Stahlplastiken, mit denen man in den siebziger Jahren die Parks der westlichen Welt bombardierte – auf den ersten Blick jedenfalls. Auf den zweiten Blick eigentlich auch – zu einem dritten kommt es nicht, denn unterdessen sind wir vor dem knurrenden Pitbull geflüchtet, auf dessen Territorium die Plastik steht. Denn der Skulpturenpark ist eigentlich eine riesige Hundeversäuberungszone. Die Kunst stört hier nur wenig – und wenn schon wen schon.
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Der Zaun meiner Nachbarn
BERLINER ZEITUNG – Sebastian Preuss
Aus dem Themenbaukasten der Moderne …
Adam Szymczyk und Elena Filipovic hatten keinen leichten Ausgangspunkt für diese Biennale. Die vier vorausgegangenen Ausgaben haben auf ganz unterschiedliche Weise den Zustand der Gegenwartskunst beschrieben. Der größte Erfolg war vor zwei Jahren dem Künstler Maurizio Cattelan und seinen Ko-Kuratoren Ali Subotnick und Massimiliano Gioni beschieden, indem sie ein weiteres Mal kräftig am Mythen-Rad Berlins drehten und die Auguststraße als stimmungsvolle, geschichtsgesättigte Bühne für eine Art Freiluftmuseum nutzten.
Kein Wunder, dass die jetzigen Kuratoren von Beginn an gegen diese Vorgabe arbeiteten. “Berlin-Klischees sind uns egal”, sagte Szymczyk in einem Interview. “Es ist eine so veraltete Idee, über die Stadt als Ganzes zu reden.” Heute Abend wird die fünfte Berlin Biennale eröffnet, und schon nach dem ersten Rundgang ist eines klar: Trotz aller Bemühungen konnten auch der polyglotte Pole, der in Basel die Kunsthalle leitet, und die US-Amerikanerin dem Mythos und den Klischees dieser Stadt nicht entrinnen.
Es ist die Kunst, wie sie Kuratoren lieben, die sich vom hysterischen Kunstmarkt absetzen wollen. Oder wie sie in den derzeit allercoolsten Galerien zu sehen ist, etwa bei Neu, Bortolozzi und Nourbaksch in Berlin, bei Cabinet in London oder Daniel Buchholz in Köln. Der Beifall der jüngeren, intellektuell ehrgeizigen Kollegen wird Szymczyk und Filipovic sicher sein. Wird aber das große Publikum dem historischen Themenbaukasten der Moderne folgen können? Diese Berlin Biennale könnte eine harte Prüfstation für eine Kunst werden, die sich so gerne sophisticated gibt.
BERLINER ZEITUNG – Artikel lesen
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Banal oder subtil?
DEUTSCHLANDFUNK Kultur – Carsten Probst
Die Berlin Biennale spaltet das Urteil der Kritiker
Wer durch Berlin streift, der kann sie leicht übersehen, die Kunstwerke der Berlin Biennale, die vor der Neuen Nationalgalerie oder auch auf einer Berliner Brachfläche zu sehen sind: Bäume oder scheinbare Werbebanner, die sich mühelos in das Stadtbild einfügen. Als banal und unscheinbar tun einige Kritiker die Ausstellung daher ab, als subtil bezeichnen andere sie.
… Fragilität. Sie ist bei dieser Biennale gewollt. Die ausgestellten Arbeiten markieren Orte in der Stadt, aber sie lenken nicht von ihnen ab, sondern führen auf sie hin, die Umgebung wird selbst zum Werk. Diese neu aufgelegte Variante der Appropriation Art ist ihrerseits zwar nun wieder nicht ganz neu, aber sie garantiert zumindest, dass die Biennale eben keine optischen Gefälligkeiten, keine gehobene Stadtmöblierung anbietet. So bleibt man sich zumindest treu.
Neben der Betonung der Orte besteht ein wesentliches Element dieser Biennale auch in einer Teilung der Zeit in eine Tag- und Nachtseite des Programms, wie Kurator Adam Szymczyk erklärt.
“Nur diese beiden Teile zusammen, der Tag- und der Nachtteil, sind diese Biennale. Von den mehr als hundert Künstlern kann man fünfzig bei Tage sehen, und über sechzig Teilnehmer, vor allem Theoretiker, Produzenten im weitesten Sinn und Künstlerkollektive, präsentieren sich bei Nacht.”
Es geht also um das Grundsätzliche, Raum und Zeit der Stadt, der Moderne, des globalisierten Individuums. Wer die beiden Kuratoren vorher kannte, wusste ungefähr im Voraus, wie das Programm aussehen würde. Adam Szymczyk, der heute Direktor der Basler Kunsthalle ist, ist in der Warschauer Kunstszene der Nachwendezeit groß geworden. Wie fast überall in postsozialistischen Staaten ist diese Szene geprägt von einer wachsenden Skepsis gegenüber den Mechanismen des westlichen Kunstmarkts, der überall seine Kunst-ist-Ware-Ästhetik ausbreitet.
Die Fragilität dieser Biennale ist eigentlich eine Form von Ehrlichkeit. Sie verweigert die Aussage und bekennt stattdessen: Wir wissen auch nicht, was kommt. Eine ehrliche Aussage über den derzeitigen Stand des Kunstbetriebes.
DEUTSCHLANDFUNK – Beitrag lesen
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Diese Kunst sehnt sich nach einem radikalen Neubeginn
TAGESANZEIGER – Barbara Basting
Die 5. Ausgabe der Berlin Biennale macht sich bewusst klein. Ein kühnes Manöver mit Höhen und Tiefen.
«Irgendwie gefrickelt»: dieses Urteil hört man während der Vorbesichtigung der 5. Berlin-Biennale auffallend oft aus dem Mund der deutschen Kollegen.
Es lohnt sich daher, die Blitzdiagnose vom «Gefrickele» näher anzuschauen; sie trifft nämlich ins Herz dieser Biennale. Die erste Frage lautet: Stimmt sie? Wurde da gefrickelt? Die zweite: Und wenn ja, ist das nur negativ? Nach dem Rundgang durch die vier Austragungsorte, die das aktuelle Kuratorenduo dieser Biennale – Adam Szymczyk, aus Warschau gebürtiger Direktor der Kunsthalle Basel, und die Amerikanerin Elena Filipovic – ausgewählt haben, mag man die erste Frage bejahen. Zwar ist alles professionell produziert und präsentiert. Doch es fehlen die sensationellen Gesten, die sich sofort einordnen lassen. Anders als die letzte Berlin-Biennale, die den Ruinen-Chic geschichtsbeladener Orte als melancholische Kulisse nutzte, ist dies keine süffige Schau zum Durchlaufen und Abhaken, sondern kultur- und konsumkritisch gemeintes «Slowfood», manchmal auch Knäckebrot. Und damit wäre die Antwort auf die zweite Frage gegeben: Die reduzierte, ja ärmliche Anmutung ist Programm, eine Art Heilfasten in einervon Kunst übersättigten Welt.
Den Titel der Biennale, «When things cast no shadow» könnte man boshaft gegen sie wenden: Ja, da ist vieles, was womöglich keinen Schatten wirft. Genau das ist aber auch Absicht und steht für eine konsequente Haltung: Wer keine Schatten wirft, steht niemandem vor der Sonne. Grosse, gewichtige Ideologien hatten und haben wir schon genug, und die Kunst lässt sich oft dienstfertig von ihnen einspannen. Von daher spricht diese Biennale auch von der – unerfüllbaren – Sehnsucht nach einem radikalen Neubeginn.
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Lieber artig als großartig
TAZ – Brigitte Werneburg
Die Kunst gehört den Tüchtigen. Gestern wurde die 5. Berlin Biennale eröffnet – mit allzu vielen beflissenen, streberhaften Arbeiten. Schon ihre Funktion ist mehr oder minder die einer Illustration.
“Wenn die Dinge keine Schatten werfen”, trägt sich die 5. Berlin Biennale mit ihrem Titel hochpoetisch dem Publikum an. Was immer das meint, am Ende des Ausstellungsparcours macht man sich seinen eigenen Reim darauf, der lautet, dann waren Streber am Werk. Die Streber, die immer alles richtig machen und dem Lehrer oder Prof gefallen wollen, die fleißig mitschreiben, was angesagt ist an Themen, Methoden, Materialien und Theorie in der zeitgenössischen Kunst. Unausweichlich führt diese Beflissenheit zu unoriginellen Dingen, die schon deshalb keine Schatten werfen können, weil sie selbst im Schatten des schon Bewährten stehen, an dem sie sich orientieren.
Junge smarte Leute in schwierigen Zeiten, mit auffällig artigem Benehmen. Vor allem die selbstbewussten Mädchen sind lieber artig als großartig. Schließlich sind sie sich sicher, dass ihnen – anders als der vorangegangenen Generation feministischer Aktivistinnen und Künstlerinnen – die Welt gehört.
Eine tüchtige Artigkeit jedenfalls prägt die Schau. Verquere, raue, großspurige, rohe und aggressive Positionen finden sich so wenig wie sexuell explizite Statements, der Körper ist heute ein Baukörper.
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Die ganze Welt der Miniatureisenbahn
ARTNET – Gerrit Gohlke
Seien wir gerecht. Beim Zehnkampf der Kuratoren wird diese 5. berlin biennale mit einem fachlich nicht zu beanstandenden Punktergebnis bedacht. Verunsicherung der Kunstkritik? Neun von zehn Punkten. Verlangsamung des übereilten Publikums? Respektable Haltungsnoten für einen ebenso eleganten wie genussfähig-rätselhaften Parcours. Diese Ansammlung von Werken, von einer Kollegin in einer von ihrer Redaktion gestrichenen Überschrift respektlos „Kraut und Rüben“ genannt, steckt niemand so einfach in die Tasche.
Man muss sich mühen um diese Ausstellung, die an den richtigen Stellen spröde, an den richtigen Stellen theatralisch ist. Da ist nichts einfach, aber man verliert nicht die Lust auf den nächsten Raum. Jetzt, da in den ersten Kritiken steht, dies sei ein Festspiel für Experten, muss man dringend Widerspruch artikulieren. Dies ist eine Ausstellung, in der man der Versuchung zur quotenträchtigen Blödheit wirklich nachhaltig ausgewichen ist.
Der Pressespiegel muss nur auch den nächsten Satz noch mitzitieren: Es ist eine Biennale, die man als Dummy liebt. Sie ist ein wirklich gut gestaltetes Entwurfsmodell. Wer die letzte documenta tolldreist-dilettantisch fand, freut sich schon nach den ersten fünf Minuten, die er in den Kunst-Werken verweilt. Weniger Freude macht die Neue Nationalgalerie. Noch weniger Freude macht der Skulpturenpark Berlin_Zentrum. Süß und anregend ist der Schinkel-Pavillon. Aber was soll man die Orte gegeneinander abwägen wie ein bärtiger Kunsthistoriker? Diese Biennale ist ein Strukturentwurf. Mit den Inhalten hat man sich erst einmal Zeit gelassen.
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When things cast no shadow
| 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
| bis zum 15. Juni 2008
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